Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

Von: , Frage gestellt am So, 2. Sep 2007

Hallo

ich bin mir nicht sicher ob dass das richtige Forum ist, dennoch stelle ich mal meine Frage:

Gibt es eine wissenschaftliche Untersuchung die die Aussage belegt dass der Soziale und geistige Stand des Umfeldes eines Kindes richtungsweisend für einen Signifikanten Teil dieser Kinder ist.

Ich bin der Meinung dass z.B. die Mehrheit der Kinder welche in extremen sozialschwachen Umfeldern aufwachsen aus diesen nicht heraus kommen.
Oder das Scheidungskinder oder Kinder von Alleinerziehenden Müttern die Lebensabschnittspartner häufig wechseln ebenfalls keine langfristgen Beziehungen haben.
Signifikant ist bei mir mehr als 50%.

Oder ist meine Denkweise durch Vorurteile geprägt und verwaschen von der Tatsache dass die zukunftigen Partnerschaften kurzlebiger werden. Der Trend ohnehin schon geprägt davon ist.
Dass die soziale Kluft zwischen Arm und Reich seit einiger Zeit am wachsen ist.

Kann man belegen das ein soziales Umfeld einen derartig prägt.

Ich beziehe meine aktuelle Meinung aus der Erfahrung in meinem Leben.
Swohl persönlicher wie auch aus dem Bekanntheitsgrad.

Kann man das nachlesen?

Danke

Dani

35 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 56 Minuten 0 hilfreich
    Re: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

    Hi,

    ich finde das folgende sagt schon einiges aus:
    "Bonn/Berlin – 83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern, lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt. „Bei solchen Zahlen kann man nicht mehr von gerechten Bildungschancen sprechen“, mahnt Tobias Janßen,"

    Es müssen also gar nicht mal allzu krasse soziale Unterschiede sein um in manchen Bereichen signifikante Unterschiede festzustellen.

    Gruss
    P.

    • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

      Hi! ich finde das folgende sagt schon einiges aus:
      "Bonn/Berlin – 83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest
      sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen
      Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die
      Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach
      sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern,
      lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt.
      ....womit wir bei 106 von 100 Kindern wären... „Bei solchen
      Zahlen kann man nicht mehr von gerechten Bildungschancen
      sprechen“, mahnt Tobias Janßen,"
      Das stimmt wohl.
      Auch Kinder von kademikern müssen sich die Fähigkeit zur Prozentrechnung selbst erarbeiten... ;-) Es müssen also gar nicht mal allzu krasse soziale Unterschiede
      sein um in manchen Bereichen signifikante Unterschiede
      festzustellen.
      Ich kann diesen Schluß nur bedingt nachvollziehen bzw. nur bedingt erkennen, wo das Problem liegen soll.

      Das deutsche Bildungssystem bietet einen ausgesprochen gerechten Zugang zur höheren Bildung.
      Vernachlässigbare Studiengebühren, Hochschulen in allen großen und sehr vielen kleinen Städten, finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt Studierender.

      Wenn nun die Eltern ihre Kinder nicht motivieren und die Kinder auch sich slebst nicht motivieren können, so ist das nicht der Fehler des Staates oder der Gesellschaft im Allgemeinen, sondern der Eltern und Kinder.

      Wer heute noch denkt, eine Familie könne über 4 Generationen gemütlich von Sozialhilfe leben und Bildung wäre überflüssig, wird schon morgen eines Besseren belehrt werden.

      Ich persönlich hatte übrigens einige, ca. 40%, Studienkollegen aus Nicht-Akademiker-Familien.
      Hier war der Wille und die Motivation vorhanden, etwas zu tun, sich zu entwickeln.
      Wer dies nicht hat, hat eben Pech gehabt. Egal aus welchem Elternhaus er stammt.

      Grüße,

      Mathias

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

        Hi, ich finde das folgende sagt schon einiges aus:
        "Bonn/Berlin – 83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest
        sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen
        Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die
        Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach
        sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern,
        lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt.
        ....womit wir bei 106 von 100 Kindern wären...
        nein, vermutlich ist es ein Schreibfehler, und muss "studieren" heißen:
        "bei der Verteilung von Bildungschancen gibt es eine soziale Polarisierung. 83 von 100 Akademiker-Kindern studierenden, aber nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition."

        83% der Akademiker-Kinder
        und
        23% der Nicht-Akademiker-Kinder

        da kann nichts addiert werden, weil ja jeweils 83& von 100%
        und 23% von 100% ...

        Hier ein Link zu einem schönen, komprimierten, aber umfassenden Text von Rainer Geißler, dessen Bücher zur Sozialstruktur Deutschlands (einschließlich der Bildungschancen) Standardwerke sind:
        http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/lv-lit/bil...

        Auszug:
        "Die Kinder der Ungelernten stellen nach wie vor die stark benachteiligten Schlusslichter im Bildungswettlauf dar. Für sie ist die Hauptschule weiterhin die Regelschule geblieben, und nur eine Minderheit unter ihnen besucht ein Gymnasium. Nur jedes 50. Kind eines Ungelernten beginnt mit einem Universitätsstudium im Vergleich zu 82 Prozent der Kinder von Freiberuflern (Ärzten, Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern etc.); die universitären Studienchancen der Letztgenannten sind also um das 41fache höher als diejenigen der Kinder von Ungelernten.

        Die schichttypischen Effekte bei der Erweiterung der Bildungschancen lassen sich auch an folgendem Beispiel gut erkennen: Arbeiterkinder haben in den neunziger Jahren ein Jahrhunderthoch an universitären Studienchancen erreicht; sieben von hundert beginnen ein Universitätsstudium – noch nie studierte ein so hoher Anteil von ihnen an Universitäten wie heute. Dennoch nehmen sich ihre Studienchancen im Vergleich zu anderen Berufsgruppen ausgesprochen bescheiden aus. Kinder aus anderen Gruppen konnten ihre Chancen innerhalb kurzer Zeit um mehr als sieben Prozentpunkte steigern, Beamtenkinder zum Beispiel von 33 Prozent im Jahr 1986 auf 48 Prozent im Jahr 1991; das ist eine Steigerungsrate, die mehr als das Doppelte der Studienchancen von Arbeiterkindern insgesamt ausmacht.


        VG
        F

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

          Hi! ich finde das folgende sagt schon einiges aus:
          "Bonn/Berlin – 83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest
          sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen
          Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die
          Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach
          sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern,
          lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt.
          ....womit wir bei 106 von 100 Kindern wären...
          nein, vermutlich ist es ein Schreibfehler, und muss
          "studieren" heißen:
          "bei der Verteilung von Bildungschancen gibt es eine
          soziale Polarisierung. 83 von 100 Akademiker-Kindern
          studierenden, aber nur 23 von 100 Kindern aus
          Familien ohne akademische Tradition."


          83% der Akademiker-Kinder
          und
          23% der Nicht-Akademiker-Kinder

          da kann nichts addiert werden, weil ja jeweils 83& von 100%
          und 23% von 100% ...
          Ich als Akademiker-Kind und Akademiker lese eben genau... Hier ein Link zu einem schönen, komprimierten, aber
          umfassenden Text von Rainer Geißler, dessen Bücher zur
          Sozialstruktur Deutschlands (einschließlich der
          Bildungschancen) Standardwerke sind:
          http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/lv-lit/bil...

          Auszug:
          "Die Kinder der Ungelernten stellen nach wie vor die stark
          benachteiligten Schlusslichter im Bildungswettlauf dar. Für
          sie ist die Hauptschule weiterhin die Regelschule geblieben,
          und nur eine Minderheit unter ihnen besucht ein Gymnasium. Nur
          jedes 50. Kind eines Ungelernten beginnt mit einem
          Universitätsstudium im Vergleich zu 82 Prozent der Kinder von
          Freiberuflern (Ärzten, Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern
          etc.); die universitären Studienchancen der Letztgenannten
          sind also um das 41fache höher als diejenigen der Kinder von
          Ungelernten.
          Ich habe ein Problem mit dem Umkehrschluß im letzten Satz des Absatzes.
          Die Chancen sind für alle gleich. Nur nutzen viele es eben nicht.
          Das liegt m.E. eben nicht an unserem "undurchlässigen Kastensystem", sondern an der sehr häufig mangelnden Motivation von Eltern und Kindern, an der eigenen Situation etwas zu ändern.
          Dafür kann niemand etwas, außer die Betroffenen selbst. Die schichttypischen Effekte bei der Erweiterung der
          Bildungschancen lassen sich auch an folgendem Beispiel gut
          erkennen: Arbeiterkinder haben in den neunziger Jahren ein
          Jahrhunderthoch an universitären Studienchancen erreicht;
          sieben von hundert beginnen ein Universitätsstudium – noch nie
          studierte ein so hoher Anteil von ihnen an Universitäten wie
          heute. Dennoch nehmen sich ihre Studienchancen im Vergleich zu
          anderen Berufsgruppen ausgesprochen bescheiden aus. Kinder aus
          anderen Gruppen konnten ihre Chancen innerhalb kurzer Zeit um
          mehr als sieben Prozentpunkte steigern, Beamtenkinder zum
          Beispiel von 33 Prozent im Jahr 1986 auf 48 Prozent im Jahr
          1991; das ist eine Steigerungsrate, die mehr als das Doppelte
          der Studienchancen von Arbeiterkindern insgesamt ausmacht.

          Wie gesagt, der Begriff "Studienchancen" ist hier fehl am Platze.
          Die Chance hat hierzulande jeder, denn wir haben weder Schulgeld noch Studiengebühren in nennenswerter Höhe.
          Somit müsste es "Studienwille" heissen.

          Grüße,

          Mathias

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

            Hi,

            gehört denn die richtige Motivation nicht mit zu den Bildungschancen dazu ? Ein Kind das nicht richtig gefördert wird, hat nunmal nicht die gleichen Bildungschancen wie eines, dass richtig gefördert und motiviert wird.

            Wer daran Schuld ist und wer da was tun kann ist erst mal ein anderes Thema. (War auch nicht die Fragestellung.) Jetzt kann man natürlich noch darüber streiten, was man genau unter Bildungschancen versteht. Eigentlich ist das aber offtopic.
            Darum zurück zur Fragestellung. Anscheinend ist es wirklich so, dass ein Großteil der Kinder den Bildungsstatus ihrer Eltern "erben".

            Gruss
            P.

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

              Hi! gehört denn die richtige Motivation nicht mit zu den
              Bildungschancen dazu ? Ein Kind das nicht richtig gefördert
              wird, hat nunmal nicht die gleichen Bildungschancen wie eines,
              dass richtig gefördert und motiviert wird.
              Ich unterstelle zwei Arten von Motivation:
              - Motivation, die vom Elternhaus vermittelt wird
              - Eigenmotivation.

              Letztere ist deutlich wichtiger und kann auch elternunabhängig sehr stark sein.

              Mich stört generell die Tendenz, für gewisse Entwicklung die Schuld bei externen Punkten zu sehen, anstatt zunächst einmal beim betroffenen selbst zu hinterfragen. Wer daran Schuld ist und wer da was tun kann ist erst mal ein
              anderes Thema. (War auch nicht die Fragestellung.) Jetzt kann
              man natürlich noch darüber streiten, was man genau unter
              Bildungschancen versteht. Eigentlich ist das aber offtopic.
              Finde ich keineswegs.
              Man muss doch die Begriffe definieren, welche man diskutiert... Darum zurück zur Fragestellung. Anscheinend ist es wirklich
              so, dass ein Großteil der Kinder den Bildungsstatus ihrer
              Eltern "erben".
              "Annehmen" gefällt mir besser. Sie entscheiden, nicht die Eltern.

              Grüße,

              Mathias

          • Antwort von nach einem Tag 4 hilfreich
            Re^5: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

            Hi, nein, vermutlich ist es ein Schreibfehler, und muss
            "studieren" heißen:
            "bei der Verteilung von Bildungschancen gibt es eine
            soziale Polarisierung. 83 von 100 Akademiker-Kindern
            studierenden, aber nur 23 von 100 Kindern aus
            Familien ohne akademische Tradition."


            83% der Akademiker-Kinder
            und
            23% der Nicht-Akademiker-Kinder

            da kann nichts addiert werden, weil ja jeweils 83& von 100%
            und 23% von 100% ...
            Ich als Akademiker-Kind und Akademiker lese eben genau...
            Ich als Nicht-Akademiker-Kind und Akademiker lese eben genau und achte dazu auch noch auf den Sinn des Gelesenen ... *gg*
            (war nur ein Witz) http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/lv-lit/bil...
            Ich habe ein Problem mit dem Umkehrschluß im letzten Satz des
            Absatzes.
            Die Chancen sind für alle gleich. Nur nutzen viele es eben
            nicht.
            Das liegt m.E. eben nicht an unserem "undurchlässigen
            Kastensystem", sondern an der sehr häufig mangelnden
            Motivation von Eltern und Kindern, an der eigenen Situation
            etwas zu ändern.
            Dafür kann niemand etwas, außer die Betroffenen selbst.
            Wie gesagt, der Begriff "Studienchancen" ist hier fehl am
            Platze.
            Die Chance hat hierzulande jeder, denn wir haben weder
            Schulgeld noch Studiengebühren in nennenswerter Höhe.
            Somit müsste es "Studienwille" heissen.
            Ja und Nein;

            1) es gibt Studien, die z.B. die Notenvergabe untersucht haben, und feststellen, dass die Lehrer einen strukturellen (also über den jeweiligen subjektiven hinausgehenden) Bias drin haben, also Schülern mit "höherer" sozialer Herkunft für objektiv gleiche Leitungen (in der Studie durch Anonymisierung kontrolliert) bessere Noten geben als Schülern mit "niedrigerer" Herkunft;
            das gleiche gilt übrigens auch für Nicht-Migranten gegenüber Migranten und für Mädels gegenüber Jungs;
            letzteres dringt desöfteren in die Presse vor und ist deshalb leichter verlinkbar, ersteres musst Du mir einfach mal glauben:
            "selbst bei gleichen Leistungen würden Mädchen besser benotet als Jungen, stellte der Bildungsforscher fest. Offenbar würden Mädchen für ihr Wohlverhalten oder ihre Angepasstheit mit besseren Noten belohnt. Bos kritisierte außerdem die Auswahl der Literatur im Deutschunterricht: "Vielleicht werden zu viele Texte gelesen, die nicht den Interessen von zehnjährigen Jungen entsprechen."
            http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,383709,00....

            (neben der Lehrer-Benachteiligung wurde in dem Text auch noch der Inhalt des Unterrichts als eine weitere Quelle systematischer Benachteiligung bestimmter Gruppen angesprochen, der nichts mit dem "Willen" zu tun hat.)

            Noch deutlicher ist dieser Effekt übrigens meiner Erinnerung nach bei den Empfehlungen für den Besuch weiterführender Schulen in einigen Bundesländern, wo ganz deutlich die Herkunft der Eltern ein sehr großes Gewicht hat.

            "Fast die Hälfte aller deutschen Grundschüler erhält nach der vierten Klasse eine falsche Schulempfehlung. Viel zu oft wird nach sozialer Herkunft statt nach Leistung entschieden. Dies geht aus dem Grundschulvergleich der Bundesländer hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde."

            http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/?id=5...

            Aber auch für die Versetzung gibt es solche Daten, wenn man googelt.

            Das alles hat mit dem "Willen" und auch mit der "Mentalität der Eltern" erst mal gar nichts zu tun. Die Chance hat hierzulande jeder, denn wir haben weder
            Schulgeld noch Studiengebühren in nennenswerter Höhe.
            Somit müsste es "Studienwille" heissen.
            2) Auch das finde ich nicht ganz korrekt, denn so Dinge wie Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, etc. haben durchaus eine sehr "nennenswerte Höhe", was das Geld anbelangt;
            und gerade die Nachhilfeförderung nimmt heute immer mehr zu ...

            Und auch beim Studieren sind nicht die Studiengebühren das Entscheidende, sondern die Lebenshaltungskosten;
            wer wenig dazuverdienen muss, hat sicher weit bessere Chancen als der, der die ganzen zulässigen 20 Wochenstunden arbeiten muss;
            abgesehen davon werden sich viele aus ärmeren Verhältnissen (selbst wenn sie es bis zum Abi gebracht haben) die Qual gar nicht erst antun, zu arbeiten und zu studieren.

            Das hat also auch nicht nur mit dem "Willen" zu tun, auch wenn es stimmt, dass jeder, der unbedingt will, es irgendwie schon schafft, wenn er seinen Lebensstandard auf BaföG-Niveau einschränkt; dennoch bleibt dies eine Hürde, die ganz klar entlang der sozialen Herkunft verläuft, und darum geht das Thema hier ja.


            3) Wir schreiben hier in der Rubrik "Sozialwissenschaften", und die Sozialwissenschaften bleiben nie beim "freien Willen" stehen, sondern ihnen geht es um die Ursachen dieses "Willens";

            wenn also z.B die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beamtenkind studieren wird um ein Vielfaches höher ist als die, dass ein Arbeiterkind studieren wird, dann hat das nicht individuelle Gründe, sondern soziale und politische Gründe:

            die bestehenden sozio-ökonomischen und Milieu-Unterschiede werden vom Unterrichtsinhalt (ganz plattes Beispiel: warum in Musik klassische Musik unterrichten, und nicht HipHop, worin sich auch der Arbeitersohn auskennt und interessiert?), von den nicht vorhandenen Förderungsstrukturen (kostenloser Nachhilfeunterricht, Ganztagsschulen, etc.), vor allem aber vom frühen Selektionsalter des deutschen Bildungssystems (nach der vierten Klassen entscheiden grundsätzlich die Eltern, da hat das Kind noch wenig "Eigenwillen") sowie den wenig geförderten Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs (die diesen "Eigenwillen" unterstützen würden) aufgegriffen und damit verstärkt;

            Ergebnis sind eben die bekannten Zahlen, die in diesem Fred so rumgeistern;
            anders gesagt: das Bildungssystem vergrößert systematisch die bestehenden Unterschiede der Herkunft, die selbst gar nicht so groß wären, denn das das Kind lernen soll, Erfolg haben soll und möglichst viel verdienen soll ist (noch?) Grundkonsens quer über alle Schichten.

            Zu all dem kommt bei Kindern schwächerer sozialer Herkunft natürlich vor allem auch der "Wille", möglichst frühzeitig eigenes Geld zu verdienen, um sich das leisten zu können, was anderen durchs Taschengeld möglich ist, etcpp.

            Kurzum: das mit dem "Willen" stimmt schon, aber wenn man genauer hinschaut, dann erkennt man auf der Ebene der Gründe dieses Willens halt wieder viele sozio-ökonomische Ursachen, so dass sich mit dem "Willen" selbst zumindest soziologisch nicht viel erklären lässt (im politischen Diskurs hat natürlich der "Wille" einen viel größeren Stellenwert als im wissenschaftlichen Diskurs, wo er halt immer auf seine Ursachen hin befragt wird).

            Viele Grüße
            Franz

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

              Hi! nein, vermutlich ist es ein Schreibfehler, und muss
              "studieren" heißen:
              "bei der Verteilung von Bildungschancen gibt es eine
              soziale Polarisierung. 83 von 100 Akademiker-Kindern
              studierenden, aber nur 23 von 100 Kindern aus
              Familien ohne akademische Tradition."


              83% der Akademiker-Kinder
              und
              23% der Nicht-Akademiker-Kinder

              da kann nichts addiert werden, weil ja jeweils 83& von 100%
              und 23% von 100% ...
              Ich als Akademiker-Kind und Akademiker lese eben genau...
              Ich als Nicht-Akademiker-Kind und Akademiker lese eben genau
              und achte dazu auch noch auf den Sinn des Gelesenen ... *gg*
              (war nur ein Witz)
              Aber, aber, ich, äh, habe doch auch auf den Sinn geachtet. Ich habe ihn sogar elementarmathematisch überprüft... http://www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/lv-lit/bil...
              Ich habe ein Problem mit dem Umkehrschluß im letzten Satz des
              Absatzes.
              Die Chancen sind für alle gleich. Nur nutzen viele es eben
              nicht.
              Das liegt m.E. eben nicht an unserem "undurchlässigen
              Kastensystem", sondern an der sehr häufig mangelnden
              Motivation von Eltern und Kindern, an der eigenen Situation
              etwas zu ändern.
              Dafür kann niemand etwas, außer die Betroffenen selbst.
              Wie gesagt, der Begriff "Studienchancen" ist hier fehl am
              Platze.
              Die Chance hat hierzulande jeder, denn wir haben weder
              Schulgeld noch Studiengebühren in nennenswerter Höhe.
              Somit müsste es "Studienwille" heissen.
              Ja und Nein;

              1) es gibt Studien, die z.B. die Notenvergabe untersucht
              haben, und feststellen, dass die Lehrer einen
              strukturellen (also über den jeweiligen subjektiven
              hinausgehenden) Bias drin haben, also Schülern mit "höherer"
              sozialer Herkunft für objektiv gleiche Leitungen (in der
              Studie durch Anonymisierung kontrolliert) bessere Noten geben
              als Schülern mit "niedrigerer" Herkunft;
              Es gibt Studien, die belegen, dass die Polkappen nicht abschmelzen. das gleiche gilt übrigens auch für Nicht-Migranten gegenüber
              Migranten und für Mädels gegenüber Jungs;
              letzteres dringt desöfteren in die Presse vor und ist deshalb
              leichter verlinkbar, ersteres musst Du mir einfach mal
              glauben:
              Ich kann natürlich nur für meine eigene Schulzeit sprechen und da gab es ab und an eine leichte Bevorzugung der Mädchen durch weibliche Lehrkräfte.
              Eine Benachteiligung von Migranten oder sozial schwachen Schülern konnte ich nicht erkennen.
              Ist aber natürlich nur meine persönliche Erfahrung. "selbst bei gleichen Leistungen würden Mädchen besser
              benotet als Jungen, stellte der Bildungsforscher fest.
              Offenbar würden Mädchen für ihr Wohlverhalten oder ihre
              Angepasstheit mit besseren Noten belohnt. Bos kritisierte
              außerdem die Auswahl der Literatur im Deutschunterricht:
              "Vielleicht werden zu viele Texte gelesen, die nicht den
              Interessen von zehnjährigen Jungen entsprechen."

              http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,383709,00....
              Außer "Death of a salesman" und die Liedtexte von diesem kiffenden 70er Franzosen interessierte mich kaum ein Buch, das in der Schule gelsen worden ist. War doch alles sehr linkslastig bei uns. (neben der Lehrer-Benachteiligung wurde in dem Text auch noch
              der Inhalt des Unterrichts als eine weitere Quelle
              systematischer Benachteiligung bestimmter Gruppen
              angesprochen, der nichts mit dem "Willen" zu tun hat.)

              Noch deutlicher ist dieser Effekt übrigens meiner Erinnerung
              nach bei den Empfehlungen für den Besuch weiterführender
              Schulen in einigen Bundesländern, wo ganz deutlich die
              Herkunft der Eltern ein sehr großes Gewicht hat.
              Ich finde das interessant.
              Wie findet ein Lehrer das eigentlich heraus? "Fast die Hälfte aller deutschen Grundschüler erhält nach
              der vierten Klasse eine falsche Schulempfehlung. Viel zu oft
              wird nach sozialer Herkunft statt nach Leistung entschieden.
              Dies geht aus dem Grundschulvergleich der Bundesländer hervor,
              der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde."

              Allein das Thema "Schulempfehlung" ist schon ein völlig falscher Ansatz.
              Wie will man einen 10-11-Jähringen dahingehend bewerten, ob er geeignet ist, eine Akademische Ausbildung zu verfolgen? http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/?id=5...

              Aber auch für die Versetzung gibt es solche Daten, wenn man
              googelt.

              Das alles hat mit dem "Willen" und auch mit der "Mentalität
              der Eltern" erst mal gar nichts zu tun.
              Einverstanden.

              Dennoch sind das lediglich Nuancen.
              Generell kann jeder eine Hochschulreife erlangen und studieren.
              Vielleicht nicht Medizin oder ähnliche NC-Fächer. Das habe ich aber aus freien Stücken auch nicht getan. Die Chance hat hierzulande jeder, denn wir haben weder
              Schulgeld noch Studiengebühren in nennenswerter Höhe.
              Somit müsste es "Studienwille" heissen.
              2) Auch das finde ich nicht ganz korrekt, denn so Dinge wie
              Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, etc. haben
              durchaus eine sehr "nennenswerte Höhe", was das Geld
              anbelangt;
              und gerade die Nachhilfeförderung nimmt heute immer mehr zu
              ...
              Es gibt auch vernünftige Schulen in Deutschland, wo die Schüler so etwas nicht benötigen.
              Ferner würde ich persönlich lieber in nachhilfe für mein Kind investieren, als in Zigaretten, Alk und Alufelgen.
              Hier ist bei den meisten noch ordentlich Potential vorhanden, man darf nicht vergessen, dass Deutschland nicht nur aus Hartz 4 Empfängern besteht. Und auch beim Studieren sind nicht die Studiengebühren das
              Entscheidende, sondern die Lebenshaltungskosten;
              wer wenig dazuverdienen muss, hat sicher weit bessere Chancen
              als der, der die ganzen zulässigen 20 Wochenstunden arbeiten
              muss;
              Das ist Unsinn. Meine Eltern haben Geld und ich habe mein Studium weitestgehend selbst finanziert.
              Wenn mal eine Prüfung schief ging, hatte dies höchstens mit ungenügender Vorbereitung zu tun, nicht aber mit einer zu hohen Arbeitsbelastung bzgl. der Erwirtschaftung der Lebenshaltungskosten. abgesehen davon werden sich viele aus ärmeren Verhältnissen
              (selbst wenn sie es bis zum Abi gebracht haben) die Qual gar
              nicht erst antun, zu arbeiten und zu studieren.
              Das ist dann wiederum deren Problem und deren freie Entscheidung. Das hat also auch nicht nur mit dem "Willen" zu tun,
              auch wenn es stimmt, dass jeder, der unbedingt will, es
              irgendwie schon schafft, wenn er seinen Lebensstandard auf
              BaföG-Niveau einschränkt; dennoch bleibt dies eine Hürde, die
              ganz klar entlang der sozialen Herkunft verläuft, und darum
              geht das Thema hier ja.
              Natürlich hat der Student aus reichem Elternhaus manchmal mehr Geld zur Verfügung, als derjenige aus einfacheren Verhältnissen.
              Eine "Hürde" ist das m.E. jedoch nicht. Es gibt Bafög und die Möglichkeit, zu arbeiten.
              Studiengebühren sind vernachlässigbar.
              Was will man denn noch?? 3) Wir schreiben hier in der Rubrik "Sozialwissenschaften",
              und die Sozialwissenschaften bleiben nie beim "freien Willen"
              stehen, sondern ihnen geht es um die Ursachen dieses
              "Willens";
              wenn also z.B die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beamtenkind
              studieren wird um ein Vielfaches höher ist als die, dass ein
              Arbeiterkind studieren wird, dann hat das nicht
              individuelle Gründe, sondern soziale und
              politische Gründe:
              über die sozialen Gründe haben wir bereits gesprochen.
              Wo liegen die politischen? die bestehenden sozio-ökonomischen und Milieu-Unterschiede
              werden vom Unterrichtsinhalt (ganz plattes Beispiel: warum in
              Musik klassische Musik unterrichten, und nicht HipHop, worin
              sich auch der Arbeitersohn auskennt und interessiert?),
              Ich hatte als Schüler von Klassik keine Ahnung. Mein Vater jedoch hört viel Klassik.
              Und?
              Man ist in der Schule, um eine vernünftige Allgemeinbildung zu erhalten und nicht, um die privaten Interessen bestimmter Gruppen zu befördern. von
              den nicht vorhandenen Förderungsstrukturen (kostenloser
              Nachhilfeunterricht, Ganztagsschulen, etc.),
              In Bayern kommt das.
              Ferner hältm niemand die Eltern davon ab, so etwas zu organisieren. Was geht den Staat die private Komponente der Kinderaufzucht an? vor allem aber
              vom frühen Selektionsalter des deutschen Bildungssystems (nach
              der vierten Klassen entscheiden grundsätzlich die Eltern, da
              hat das Kind noch wenig "Eigenwillen")
              Einverstanden, hier sehe ich auch ein Problem. Lösbar z.B. durch Orientierungsstufen. sowie den wenig
              geförderten Möglichkeiten des zweiten Bildungswegs (die diesen
              "Eigenwillen" unterstützen würden) aufgegriffen und damit
              verstärkt
              ;
              Was wäre hier D.E. an zusätzl. Förderung sinnvoll? Ergebnis sind eben die bekannten Zahlen, die in diesem Fred so
              rumgeistern;
              anders gesagt: das Bildungssystem vergrößert
              systematisch die bestehenden Unterschiede der Herkunft,
              die selbst gar nicht so groß wären, denn das das Kind lernen
              soll, Erfolg haben soll und möglichst viel verdienen soll ist
              (noch?) Grundkonsens quer über alle Schichten.
              Ich finde eben aus den genannten Gründen nicht, dass das System undurchlässig ist, sondern dass die Leute, Eltern wie Kinder, sich eben auch selbst um die Zukunft kümmern müssen.
              Das ist gebildeteren leuten evtl. in Deutschland eher bewusst. Das liegt aber an der staatlichen Vollkaskoversorgung.
              In den USA z.B. ist es "Konsens", dass nur eine gute Ausbildung zum sozialen Aufstieg führen kann. Und wenn diese im College-Sport stattfindet.
              Dafür sparen alle Schichten einen großen Teil des Familieneinkommens.
              Der Deutsche muss alles vorgekaut bekommen und wenn das Kind dann 30 ist und niy gelernt hat, außer Saufen auf Malle, dann ist auch wieder der Staat schuld.
              Diese fatal(istisch)e Grundhaltung lässt sich m.E. nur aufbrechen, wenn der Staat dem Bürger wieder mehr Freiheit, Rechte und Pflichten zugesteht.
              Dann muss er wieder selbst denken und merkt evtl., dass Globalisierung nicht nur billuige koreanische Autos bedeutet, sondern eben auch höhere Ansprüche an die Ausbildung von Arbeitnehmern. Zu all dem kommt bei Kindern schwächerer sozialer Herkunft
              natürlich vor allem auch der "Wille", möglichst frühzeitig
              eigenes Geld zu verdienen, um sich das leisten zu können, was
              anderen durchs Taschengeld möglich ist, etcpp.
              Das kann man auch während der Ausbildung gut machen.
              Mir ging es gut als Schüler und Student. Ich ahbe eben viel gearbeitet.Und deutlich mehr verdient, als ein Lehrling oder junger Geselle.
              Kein Problem. Kurzum: das mit dem "Willen" stimmt schon, aber wenn man
              genauer hinschaut, dann erkennt man auf der Ebene der
              Gründe dieses Willens halt wieder viele
              sozio-ökonomische Ursachen, so dass sich mit dem "Willen"
              selbst zumindest soziologisch nicht viel erklären lässt (im
              politischen Diskurs hat natürlich der "Wille" einen viel
              größeren Stellenwert als im wissenschaftlichen Diskurs, wo er
              halt immer auf seine Ursachen hin befragt wird).
              Ohne Dir zu Nahe treten zu wollen: es interessiert eigentlich niemanden, woher der nötige Wille kommt. Man braucht ihn halt. Irgendwelche sozailswissenschaftlichen Analysen, weshalb das System ja sooo ungerecht ist und somit kaum ein Arbeiterkind in D eine Chance hat, finde ich eigentlich langweilig. Viel interessanter finde ich, mit den zahlreichen Gegenbeispielen in meinem Bekanntenkreis über Motivation und Erfolg zu sprechen...

              Grüße,

              Mathias

            • Antwort von nach 2 Tagen 2 hilfreich
              Re^7: Sozialer Status wird auf Kinder übertragen

              Hallo 1) es gibt Studien, die z.B. die Notenvergabe untersucht
              haben, und feststellen, dass die Lehrer einen
              strukturellen (also über den jeweiligen subjektiven
              hinausgehenden) Bias drin haben, also Schülern mit "höherer"
              sozialer Herkunft für objektiv gleiche Leitungen (in der
              Studie durch Anonymisierung kontrolliert) bessere Noten geben
              als Schülern mit "niedrigerer" Herkunft;
              Es gibt Studien, die belegen, dass die Polkappen nicht
              abschmelzen.
              Ich gebe zu, hier bin ich auch mehr als sekptisch, aber vielleicht erhalten wir einen Link zu diesen Studien. Ich kann natürlich nur für meine eigene Schulzeit sprechen und
              da gab es ab und an eine leichte Bevorzugung der Mädchen durch
              weibliche Lehrkräfte.
              Eine Benachteiligung von Migranten oder sozial schwachen
              Schülern konnte ich nicht erkennen.
              Ist aber natürlich nur meine persönliche Erfahrung.
              Sehe ich ebenso. "Fast die Hälfte aller deutschen Grundschüler erhält nach
              der vierten Klasse eine falsche Schulempfehlung. Viel zu oft
              wird nach sozialer Herkunft statt nach Leistung entschieden.
              Dies geht aus dem Grundschulvergleich der Bundesländer hervor,
              der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde."

              Allein das Thema "Schulempfehlung" ist schon ein völlig
              falscher Ansatz.
              Wie will man einen 10-11-Jähringen dahingehend bewerten, ob er
              geeignet ist, eine Akademische Ausbildung zu verfolgen?
              Nun, es geht bei der Schulempfehlung nach er 4. Klasse nicht darum, ob das Kind später studieren kann, sondern ob es den Anforderungen der folgenden Schuljahre auf dem Gymnasium genügt. Dennoch sind das lediglich Nuancen.
              Generell kann jeder eine Hochschulreife erlangen und
              studieren.
              Ja, theoretisch, aber hier geht es eben um die Ursachenforschung für bestimmte Entwicklungen trotz Chancengleichheit. Und genau diese Ursache sollte erforscht werden. Die rein abstrakte Chancengleichheit, also insb. das Fehlen von Schul- und Studiengebühren hilft nicht weiter. Es gibt auch vernünftige Schulen in Deutschland, wo die
              Schüler so etwas nicht benötigen.
              Aber es gibt keine freie Schulwahl und gerade in den jüngeren und für die Entwicklung entscheidenden Schuljahre wird man einer bestimmten Schule zugewiesen. Ferner würde ich persönlich lieber in nachhilfe für mein Kind
              investieren, als in Zigaretten, Alk und Alufelgen.
              Richtig. Hier ist bei den meisten noch ordentlich Potential vorhanden,
              man darf nicht vergessen, dass Deutschland nicht nur aus Hartz
              4 Empfängern besteht.
              Richtig, sehe ich ebenso. Und auch beim Studieren sind nicht die Studiengebühren das
              Entscheidende, sondern die Lebenshaltungskosten;
              wer wenig dazuverdienen muss, hat sicher weit bessere Chancen
              als der, der die ganzen zulässigen 20 Wochenstunden arbeiten
              muss;
              Das ist Unsinn. Meine Eltern haben Geld und ich habe mein
              Studium weitestgehend selbst finanziert.
              Wenn mal eine Prüfung schief ging, hatte dies höchstens mit
              ungenügender Vorbereitung zu tun, nicht aber mit einer zu
              hohen Arbeitsbelastung bzgl. der Erwirtschaftung der
              Lebenshaltungskosten.
              Also das sehe ich definitiv anders. Ich hatte das Glück, relativ wenig arbeiten zu müssen (2 Tage/Woche) und konnte mich so sehr auf das Studium konzentrieren und dieses in aller Kürze und mit Auszeichnung durchziehen. Bei fast allen Kommilitionen, die ihr Studium gänzlich selbst finanizert haben, hat dies so nicht geklappt. Sie hatten einfach weniger Zeit, die sie dafür aufbringen konnten (und es sind meist mehr als 20 Std.). Und man darf hier auch nicht vergessen, dass nicht jede freie Minute potentzielle Lernzeit ist. Wer einen 8 Std. Tag hinter sich hat, ist deutlich weniger aufnahmefähig als jemand, der sich morgens früh in die Bibliothek setzt.

              Und finanzielle Möglichkeiten gaben mir immer Vorteile. Ich konnte alle Lehrbücher kaufen, die ich brauchte, und musste nicht auf das ärmliche Uniarsenal zurückgreifen (und so ein Buch kostetete häufig schon mal über 100 DM). Gerade bei Hausarbeiten gab mir das die Möglichkeit, mich in meiner kleinen Heimbibliothek voll auf die Lösung zu konzentrieren, anstatt mich mit anderen an der Uni um die Materialien schlagen zu müssen. Ich konnte für beide Examina Repetitorien besuchen, etc., etc. Hier gibt es wirklich erhebliche Unteschiede auch ohne (nennenswerte) Studiengebühren. abgesehen davon werden sich viele aus ärmeren Verhältnissen
              (selbst wenn sie es bis zum Abi gebracht haben) die Qual gar
              nicht erst antun, zu arbeiten und zu studieren.
              Das ist dann wiederum deren Problem und deren freie
              Entscheidung.
              Grundsätzlich klingt das richtig. Aber die Frage ist eben wirklich die, ob die Entscheidung frei ist. Der Vorposter hat hier die entscheidenden Anmerkungen gebracht. Natürlich hat der Student aus reichem Elternhaus manchmal mehr
              Geld zur Verfügung, als derjenige aus einfacheren
              Verhältnissen.
              Eine "Hürde" ist das m.E. jedoch nicht. Es gibt Bafög und die
              Möglichkeit, zu arbeiten.
              Studiengebühren sind vernachlässigbar.
              Was will man denn noch??
              Das ist grundsätzlich richtig. Aber Entscheidungsgründe und Willensstärken sind nun einmal auch das Produkt der Erfahrungen der vergangenen Jahre. So einfach ist es halt nicht. über die sozialen Gründe haben wir bereits gesprochen.
              Eigentlich nicht. Leider scheinen diese bei Dir gerade keine Rolle zu spielen, allein der Wille sei das entscheidende. Aber das wird dem Problem nicht gerecht. Ich hatte als Schüler von Klassik keine Ahnung. Mein Vater
              jedoch hört viel Klassik.
              Und?
              Man ist in der Schule, um eine vernünftige Allgemeinbildung zu
              erhalten und nicht, um die privaten Interessen bestimmter
              Gruppen zu befördern.
              Und eben hier gibt es schon einmal große Motivationsprobleme. Der Mensch ist von Geburt an nicht zielstrebig und motiviert, eine gute Allgemeinbildung zu erhalten. Das ist ein Teil der Sozialisation und der Erziehung durch das Elternhaus und das Umfeld.

              Die Akzeptanz der Bedeutung einer guten Allgemeinbildung und auch das eigene Interesse an einer solchen, ist bei Akademikerkinder gänzlich anders ausgeprägt als bei anderen Kindern. Sie bekommen dies von zu Haus aus mit, teils inhaltlich und teils durch das Bewusstsein, dass dies etwas gutes, erstebenswertes ist (damit sogar noch unabhängig von der Grundlage zu einer guten Ausbildung und einem guten Job).
              Diese Kinder akzeptieren solche Lerninhalte viel leichter und sind viel einfacher zu motivieren, bzw. können sich selbst viel leichter motivieren als Kinder, die die Bedeutung von Allgemeinbildung und ihren Wert nie vermittelt bekommen haben.

              Es ist richtig, dass es nicht darum geht, die privaten Interessen bestimmter Gruppen zu fördern, aber es ist entscheidend, dass Menschen auch die Motivation zur Bildung und bestimmten Lerninhalten vermittelt bekommen müssen. Wie gesagt, sie sind es nicht von Geburt an. In Bayern kommt das.
              Ferner hältm niemand die Eltern davon ab, so etwas zu
              organisieren. Was geht den Staat die private Komponente der
              Kinderaufzucht an?
              Richtig. Hier können Eltern viel machen, sind aber oftmals daran nicht interessiert. Ein großes Problem. Ich finde eben aus den genannten Gründen nicht, dass das
              System undurchlässig ist, sondern dass die Leute, Eltern wie
              Kinder, sich eben auch selbst um die Zukunft kümmern müssen.
              Das ist gebildeteren leuten evtl. in Deutschland eher bewusst.
              Richtig, und Bewusstsein fördert die Eigenmotivation und die Motivation der Kinder. Und hier haben wir genau einen entscheidenden Aspekt, warum der Zugang zu höheren Abschlüssen trotz abstrakter und finanzieller Chancengleichheit faktisch eben doch nicht gleich ist udn auch nicht allein vom Willen der Kinder abhängt. Es wird eben von Generation zu Generation weiter gegeben. Die Kinder der Familien dieser Schichten (das müssen tatsächlich keinesfalls Harz IV Empfänger sein) haben daher von Beginn an weniger Chancen, eine gute Bildung zu erhalten, weil sie deren Bedeutung und Wert nicht erfahren und so auch keinerlei Motivation hierzu entwickeln können. Sie bekommen von Anfang an anderer Ziele und Werte als erstrebenswert beigebracht (u.a. finanzielle, weshalb man auch so schnell wie möglich Geld verdienen will) und weisen daher bereits von Beginn der Schulzeit an weniger Chancen als Akademikerkinder auf, später einen guten Abschluss zu erreichen. Das liegt aber an der staatlichen Vollkaskoversorgung.
              In den USA z.B. ist es "Konsens", dass nur eine gute
              Ausbildung zum sozialen Aufstieg führen kann. Und wenn diese
              im College-Sport stattfindet.
              Dafür sparen alle Schichten einen großen Teil des
              Familieneinkommens.
              Das ist eigentlich nicht der entscheidende Punkt. Es ist zwar zutreffend, dass jedenfalls die Chancengleichheit zur Bildung in den USA deutlich besser ist als bei uns, das liegt aber insbesondere an einem gut organisierten, finanzierten und in langer Zeit gewachsenem Stipendiensystem. Die Bildungschancen der unteren Schichten werden hier sehr starkt vom Staat und den Universitäten selbst herbegeführt. Wer ist den USA guten Noten aufweist, kann sich sicher sein, dass er die gesamte Ausbildung bis zum Universitätsabschluss finanziert bekommt. Und wiederum liegt nicht nur daran, dass man die Kinder unterstützen will, sondern der Staat weiß selbst, dass er gut qualifizierte Menschen für das Wirtschaft, Forschung, Staat, etc. braucht und dass bei ungleichen Bildungschancen ein erhebliches Potential nicht genutzt werden kann.

              In Deutschland ein Stipendium zu erhalten ist hingegen wie bei einer Lotterie.

              Hinzu kommt dass, wie Du richtig sagst, das Bildungsbewusstsein dort ungleich größer ist. Und das stellt wieder eine bessere Chancengleichheit her, weil auch Kinder sozial schwacher Familien hier eine ungleich größere Motivation aufweisen. Dieses Bewusstsein bei uns zu haben, das wäre eine wichtige Aufgabe. Der Deutsche muss alles vorgekaut bekommen und wenn das Kind
              dann 30 ist und niy gelernt hat, außer Saufen auf Malle, dann
              ist auch wieder der Staat schuld.
              Nun, das ist natürlich sehr übertrieben. Aber wie gesagt ist es richtig, dass das Bewusstsein der Wichtigkeit von Bildung und Ausbildung auch bei uns geschaffen wird. Diese fatal(istisch)e Grundhaltung lässt sich m.E. nur
              aufbrechen, wenn der Staat dem Bürger wieder mehr Freiheit,
              Rechte und Pflichten zugesteht.
              Nun, wo dem Bürger hier Freiheit fehlt, ist mir nicht ganz klar (bitte nicht wieder die Geschwindigkeitsbeschränkungen :)), bzw. sind mehr Pflichten denn nicht weniger Freiheit?

              Das ist vielleicht doch etwas zu allgemein.


              Das kann man auch während der Ausbildung gut machen.
              Mir ging es gut als Schüler und Student. Ich ahbe eben viel
              gearbeitet.Und deutlich mehr verdient, als ein Lehrling oder
              junger Geselle.
              Kein Problem.
              Dann hast Du großes Glück gehabt, das Dir auch jeder gönnt. Aber meine Erfahrung ist die, dass meine Kommolitonen und Freunde, die allein auf das Abitur als Ausbildung zurück schauen konnten, in den typischen Studentenjobs sehr wenig Geld verdient haben.

              Aber egal, so ist es nunmal im Studium. Ohne Dir zu Nahe treten zu wollen: es interessiert eigentlich
              niemanden, woher der nötige Wille kommt. Man braucht ihn halt.
              Doch, genau das ist der alles entscheidende Aspekt. Menschen sind nicht von Natur aus mit diesem Willen ausgestattet. Und wer die Frage, ob wir nicht nur theoretische, sondern auch praktische Chancengleichheit haben wirklich beantworten und die Ursachen der tatsächlichen Ungleichheit erkennen und beheben will, der muss genau diese Frage stellen.

              (Jetzt muss ich doch etwas schmunzeln, weil der Hinweis "Theorie und Praxis" ja klassischer Weise umgekehrt von Dir kommt....) Irgendwelche sozailswissenschaftlichen Analysen, weshalb das
              System ja sooo ungerecht ist und somit kaum ein Arbeiterkind
              in D eine Chance hat, finde ich eigentlich langweilig.
              Dann stellt sich aber die Frage, warum im Forum Sozialwissenschaft Beiträge schreibst, bzw. ob Du die hier zugrunde liegende Frage wirklich diskutieren und beantworten willst. Viel
              interessanter finde ich, mit den zahlreichen Gegenbeispielen
              in meinem Bekanntenkreis über Motivation und Erfolg zu
              sprechen...
              Ach ja, es ist schön, sich das Leben so einfach zu machen. Wer genug motiviert ist, hat auch Erfolg. Die Realität ist aber eine andere.

              Ich wills mal so sagen. Ich denke, dass ich ebenso wie Du behaupten kann, dass ich zu den Gewinnern auf dem Bildungssektor gehöre. Ich habe wie schon gesagt, beide Examina und die Promotion in kurzer Zeit und mit Auszeichnung absolviert und ernte nun die jahrelange Investition durch einen interessanten und extrem gut bezahlten Job.

              Aber: Ich weiß, dass ich verdammtes Glück gehabt habe.

              Ich habe durch mein Elternhaus und mein Umfeld von Anfang an das Bewusstsein mitbekommen, dass Bildung nicht nur wichtig, sondern etwas gutes, erstrebenswertes ist. Das hat mir den Zugang zu dieser und die Ausbildung leicht gemacht. Ich war nie ein guter Schüler, weil ich vielmehr Sport und Parties im Kopf hatte. Aber mir war immer bewusst, wo die Grenzen sind, wann man sich hinsetzen muss und welches Ziel man nie aus den Augen verlieren darf.

              Viele andere, mit denen ich zusammen in der Schule oder auch an der Uni war, hatten das nicht. Und das lag nicht daran, dass sie faul waren oder alles vorgekaut bekommen wollten. Sie haben einfach nie gelernt, sich ausreichend zu motivieren. Bei den meistens hats dann noch irgenwie mit dem Studium geklappt, aber das ist für mich schonmal ein Zeichen, wie unterschiedlich dei Chance von Menschen trotz gleichen Voraussetzungen sind.

              Und noch viel größer ist das in anderen Schichten. Ich hatte immer Freunde aus allen sozialen Schichten. Und so habe ich sehr gut mitbekommen, wie unterschiedlich die Denkstrukturen dort sind. Es gibt (viele) Familien, da ist das Thema Studium einfach nicht existent. Frag mich nicht warum, aber allen ist klar, dass sie Realschule machen und dann hoffen, eine Lehrstelle zu finden.
              Als eine Ex-Freundin von mir aus einer solchen Familie mal frage, ob in der Familie mal jemand studiert hätte, bekam sie zur Antwort "Nein, wir sind normale Leute". Man muss nicht besonders einfallsreich sein um zu erkennen, wie schwierig es für solche Kinder ist, überhaupt auf ein Gymnasium zu gehen und sich dort selbst zu motivieren.

              Es gibt Kinder, die lösen ganzen Familiendramen aus und ziehen den Zorn der Eltern oder auch der Freunde auf sich, wenn sie das Wort "Uni" nur in den Mund nehmen. Sowas können wir uns einfach nicht vorstellen. Die haben nicht nur nicht gelernt, sich zu motivieren, die kämpfen sogar noch gegen ihr Umfeld.

              Kurzum, die sozialen Einflüsse und das soziale Umfeld sind ganz einfach ein ganz entscheidender Faktor dafür, ob ein Mensch den Willen und die Motivation zu einer guten Ausbildung, insb. einem guten Studienabschluss aufbringen kann. Da reicht es einfach nicht aus sich hinzustellen und zu sagen: "Du musst halt die Motivation aufbringen".

              Man kann das natürlich sagen, wenn man die Existenz der derzeitigen tatsächlichen Chancengleichheit rechtfertigen will. Denn es ist richtig, dass wir in bestimmten Berufen Menschen mit entsprechender Motivation brauchen. Will man aber nicht nur theoretische, sondern auch faktische Chancengleichheit für alle Kinder herstellen, muss man bei diesen auch das Bewusstsein und somit die Motivation zur Bildung wecken.

              Das passiert nicht mehr von selbst in den schwächeren Schichten, da die dortigen Sozialisierungssysteme eingefahren sind. Hier ist in der Tat der Staat gefragt. Weniger finanziell (obwohl wir ein gutes Stipendiensystem wirklich brauchen können) sondern dadurch, dass er den Wert der Bildung deutlicher in das Bewusstsein der Menschen bringt und somit Motivation erst einmal möglich macht.

              Gruß
              Dea



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