Bewerbungsunterlagen verschlampt - was tun?

Hallo liebe Experten,

mich erstaunt immer wieder, wie unfreundlich, unprofessionell und stümperhaft selbst große Unternehmen mit Bewerbern umgehen. Im konkreten Fall hat eine namhafte deutsche Bank, bei der ich mich beworben habe, offensichtlich meine Bewerbungsunterlagen verschlampt.

In Stichworten verlief das „Drama“ bisher so:

  1. Einladung zum 1. Vorstellungsgespräch Mitte April
  2. sehr positives Feedback in einem späteren Telefonat
  3. Einladung zum 2. Vorstellungsgespräch Ende Mai (hierbei wurde mir die feste Zusage gegeben, dass man sich spätestens Ende Mai wieder bei mir melden wolle, um mir eine Entscheidung mitzuteilen); aber: keine Reaktion
  4. drei Wochen später habe ich mich per E-Mail nach dem Stand der Dinge erkundigt
  5. ein paar Tage später kam ebenfalls eine E-Mail mit einer Absage in dürren Worten: „wir nehmen Bezug auf Ihre Bewerbung und die mit Ihnen geführten Gespräche. Bei der zu besetzenden Position wollen wir uns auf einige wenige Bewerber konzentrieren, die in besonderem Maße durch ihre bisherigen Erfahrungen den Anforderungen entsprechen. Nach sorgfältiger Prüfung müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Ihre Bewerbung nicht in die engere Wahl gezogen werden konnte.“
  6. am 21. Juni habe ich telefonisch um die Rücksendung meiner Bewerbungsunterlagen gebeten; Gegenfrage der Personalleiterin: „Welche Unterlagen denn?“. Meine Antwort: „Diejenigen, mit denen ich mich bei Ihnen beworben: eine Mappe samt Lebenslauf, Zeugnissen und Arbeitsproben.“. Ihr Kommentar: „Da muss ich noch mal nachschauen, ob ich die finde.“
  7. am 28. Juni noch mal per E-Mail an meine Unterlagen erinnert; Kommentar der Personalleiterin: „seit unserem letzten Telefonat suche ich an den verschiedenen Stellen im Hause Ihre Bewerbungsunterlagen. Ich bin dabei und glauben Sie mir, dass ich mein Bestes tun werde.“ – Hierzu fällt mir nichts mehr ein!
    Heute, 14 Tage später, warte ich noch immer auf meine Unterlagen.

Mir scheint, hier wird mir – auf recht unverschämte Weise – zu verstehen gegeben, dass man meine Unterlagen verschlampt hat. Vermutlich hofft man, dass der Bewerber das Ganze irgendwann auf sich darauf beruhen lässt.

Was würdet Ihr in einem solchen Fall tun? Noch eine Mail schicken? Eine Frist setzen? Einen Brief an den Vorstand schreiben? Eine offizielle Entschuldigung einfordern? Eine Entschädigungssumme aushandeln? Abgesehen von all dem tauchen meine Bewerbungsunterlagen damit wahrscheinlich auch nicht auf.

Wahrscheinlich bin ich nicht der Einzige, mit dem Unternehmen derart umspringen.

Merci für Eure Tipps und viele Grüße

Gerhard

Heute, 14 Tage später, warte ich noch immer auf meine
Unterlagen.

Hi Gerhard,

meines Wissens nach genügt es, wenn der Bewerbungsempfänger
die Unterlagen eines abgelehnten Bewerbers aus Datenschutzgründen vernichtet, also keine Rücksendung als Vorschrift.

Vielleicht kennt ein Experte im Rechtsforum die rechtliche Grundlage dafür. Möglicherweise ist auch Unterschied zwischen Blindbewerbung und Bewerbung auf eine Anzeige hin zu treffen.

Gruß
Christian

PS: Ich hoffe es waren keine Originaldokumente die futsch sind.

Gerhard.

Es gibt ja zwei Möglichkeiten:

  1. Du hast Dich unaufgefordert beworben:
    Dann muß der AG nur unverlangt eingegangene Bewerbungsunterlagen zurückzusenden, wenn Du zugleich auch einen frankierten Freiumschlag beigelegt hat. Dazu besteht jedoch keine rechtliche Verpflichtung. Es sei denn, der Bewerber meldet sich und erhebt Anspruch.

  2. Du bist zu einer Bewerbung aufgefordert worden:
    Wenn Du aufgrund eines Zeitungsinserats oder über das Arbeitsamt aufgefordert wurdest, Dich zu bewerben, dann muß der AG nach Abschluß des (erfolglosen) Bewerbungsverfahrens, auf eigene Kosten die eingesandten Bewerbungsunterlagen zurücksenden. Die Bewerbungsunterlagen sind sorgfältig aufzubewahren und bei einem Verlust hat der AG Ersatz zu leisten.

Also: schriftlich anmahnen! Je nach Wert der Unterlagen solltest Du weitere Schritte prüfen (zumindest erst einmal damit drohen!). Aber, was passiert, wenn der AG behauptet, er hätte sie Dir zurückgeschickt und die Post wäre wohl Schuld?

Gruß,
LeoLo

damit drohen!). Aber, was passiert, wenn der AG behauptet, er
hätte sie Dir zurückgeschickt und die Post wäre wohl Schuld?

Dafür trägt er allerdings auch die Beweislast, denn die Absendung ist noch kein Beweis für den Zugang. Aber welchen Schadenswert hat eigentlich eine Bewerbungsmappe? Kopien, ggf. Beglaubigungskosten, die Mappe selbst, das Foto … alles zusammen doch nur ein paar Mark, bei denen sich die Frage stellt, ob sie den Aufwand lohnen oder den Bewerber nicht für immer „verbrennen“, vielleicht auch bei anderen Firmen, nämlich durch den Ruf als kleinkariert. Wenn es also nicht gerade um einen Job in der Buchhaltung oder als Controller sondern eine Führungsposition geht, könnte Generösität hier angezeigt sein.

servus gerhard,
das von dir geschilderte problem ist mir aus unserer täglichen arbeit in der personalberatung leider sehr bekannt.
ich weiss, jetzt kann es ein leichtes aufheulen geben.
aber leider sind viele firemn in deutschland immer noch der meinung, dass die ansprüche an kandidaten ins utopische gehen dürfen - denn wir haben ja 3,8 mio arbeitslose.
leider haben nur wenige companys erkannt, dass der arbeotsmarkt im prinzip leergefegt ist. und so suchen sie auch heute noch mit einem stil, der sicherlich angebracht ist, wenn es massenarbeitslosigkeit gibt - nicht aber in der derzeitigen situation.
da werden anzeigen geachaltet mit dem schlusssatz : " wenn sie die position anspricht, dann schicken sie uns ihre unterlagen "
( hoffentlich spricht sie der job nicht an ) oder
" bewerben sie sich mit ihren kompletten unterlagen " ( sie können es auch bleiben lassen ) oder
Herr … erteilt ihnen am telefon gerne nähere auskünfte"
( leider hat herr… einen tag nach schaltung der anzeige seinen wohlverdienten jahresurlaub genommen) oder
es wird ein mitarbeiter im ad gesucht. die firma gibt nur vorsichtshalber keine Tel. Nr. an. sie erwartet eine schriftliche bewerbung - obwohl gerade beim MA im Ad der erste Eindruck am telefon sein sollte, wie er sich " verkauft ".
oder,oder,oder.
imn meiner täglcihen praxis mach ich die erfahrung, dass man sehr gut von der art der stellenanzeige auf den stellen wert der ma, den sie im unternehmen haben schließen kann.
in deinem fall, vergiß die bewerbung und such ein unternehmen, das dir schon in der stellenanzeige, beim interview zeigt, dass es sich freut, einen kandidaten zu haben.
ich bin sicher, du findest ein unternehmen, das froh ist,neue mitarbeiter zu finden.
viel glück und erfolg wünscht dir
hans-jürgen aus dem verregneten muc

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nachtrag von hans-jürgen:
würden unternehmen ihr produktmarketing so betreiben, wie die
recruitierung von mitarbeitern - wird würden heute noch mit rauchzeichen kommunizieren.

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Aber welchen
Schadenswert hat eigentlich eine Bewerbungsmappe? Kopien, ggf.
Beglaubigungskosten, die Mappe selbst, das Foto … alles
zusammen doch nur ein paar Mark

Hallo E. Krull.

Bis vor kurzem habe ich das auch noch behauptet (ich hab 5,- DM behauptet!)- ist bei mir aber auch schon eine Weile her, daß ich Bewerbungsunterlagen zusammenstellen mußte…
Da wurde ich wie folgt belehrt:
Gute Mappe (8-15,- DM), gutes Foto (4,-DM), ca. 10 Kopien (1,-DM), 1Umschlag (-,10 DM) und 3,- DM Porto. Das sind 20-25 DM und keine 5,- DM.

Naja. Ich (Wir?) gehöre(n) wohl schon zum alten Eisen. Scheint alles mächtig teuer geworden zu sein:smile:

Gruß,
LeoLo

Hallo LeoLo,

deshalb kann man beim Finanzamt meines Wissens nach auch pauschal 13 DM / Bewerbung absetzen. Alternativ kann man auch einen Eigenbeleg erstellen, da man sich die 10 Blatt Papier für’s Drucken nicht einzeln kauft.

Grüsse

Sven

Naja. Ich (Wir?) gehöre(n) wohl schon zum alten Eisen. Scheint
alles mächtig teuer geworden zu sein:smile:

War wohl eine Bewerbungsmappe aus Krokodils(tränen)leder. Die Mappe ist doch meist nach der Bewerbung ohnehin im Eimer, wg. Postversand und vieler Abdrücke der Personalsachbearbeiter inkl. Kaffeeflecken. Aber bitte … :smile:

Hallo Sven,

Bewerbungskosten werden - ohne Belege und Quittungen - mit 25 DM pro Bewerbung vom Finanzamt akzeptiert.

Diese Summe ist bei meiner Einkommenssteuererklärung akzeptiert worden.

Viele Grüße
Anja