Welcher Art ist Kreuzestod?

Hallo,

was löst beim Kreuzigen genau medizinisch den Tod aus?
Oder gehört diese Frage ins Medizinbrett?

gruß und danke Aurikel

Hallo Aurikel,

der Ärmste erstickt schließendlich.

Durch das Hochhalten der Arme kommt es irgendwann zu Flüssigkeitsammlung in der Lunge und der Gekreuzigte erstickt langsam und jämmerlich.

Dazu kommt noch, daß sich das Blut in den Beinen sammelt und die Gefahr einer Trombose nicht gering ist, was in diesem Fall allerdings der angenehmere Tot sein würde.

Die Zeit bis der Tot eintritt kann mehrere Tage betragen.

Nicht umsonst war das Kreuzigen die ‚niedrigste‘, schändlichste Hinrichtungsart der damaligen Zeit

Gandalf

ein scheußlicher
Servus Aurikel !

Nachstehendes habe ich beim 'rumgooglen gefunden
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Vor einigen Jahren wurden von ärztlicher Seite wissenschaftliche Forschungen durchgeführt zu den Fragen: Was hat Christus körperlich gelitten? Wie und woran ist Er gestorben? In einem Aufsatz von Dr. med. K. Thomas «Jesu Leiden und Sterben in ärztlicher Sicht» (aufgenommen in «Gnade und Herrlichkeit» 1959, Nr. 2, S. 99 - 103) wurde das Ergebnis dieser Forschungen zusammengefaßt. Es heißt darin u. a.:
«Das Annageln am Kreuz ist nur so möglich, dass der Nagel immer an derselben, leicht auffindbaren Stelle in der Mitte durch die Handwurzelknochen eindringt, auch wenn er etwas entfernt davon aufgesetzt wurde, wobei der große Nervenstrang des Medianus in jedem Fall verletzt wird. Außer den ungemein heftigen Schmerzen, die damit verbunden sind, ruft die Verletzung dieses Hauptnervs selbst in Narkose eine plötzliche Blutdrucksenkung und häufig Bewußtlosigkeit hervor. Die Ohnmachten selbst sind nicht tödlich, doch sind die Schmerzempfindungen bei dem Zerren der Nägel in den Wunden der verletzten Nerven außerordentlich heftig.
Die eigentliche Todesursache aber ist bei der Kreuzigung das Ersticken. Der Körper wird mit erhobenen Armen in Einatmungsstellung des Brustkorbes befestigt. Bei solchem Hängen sind aber die Rippen unbeweglich, und die Atmung ist erheblich behindert. Der Gekreuzigte muß das Gefühl einer fortschreitenden Erstickung haben. Das Herz muß mehr arbeiten, seine Schläge werden schwächer; daraus folgt eine Blutstauung in den Gefäßen des Körpers. Andererseits ist die Sauerstoffaufnahme in den unzureichend arbeitenden Lungen erschwert, so dass die Überladung mit Kohlensäure eine Überreizung der Muskelfasern hervorruft. Die Folge ist eine Art tetanischer Krampfzustand des ganzen Körpers … Die Krämpfe beginnen im Vorderarm, erfaßen dann die ganzen Arme und dehnen sich schließlich auf alle Gliedmaßen und den Rumpf aus. Auch die großen Atemmuskeln werden davon ergriffen, so dass die Lungen sich mit Luft vollsaugen, sie jedoch nicht mehr herauslassen können. Die Ausatmungsmuskeln, die dann auch betroffen werden, sind schwächer als die Einatmungsmuskeln. So bleiben die Lungen ständig in Einatmungsstellung und können sich nicht mehr entleeren … Der Leidende gelangt in eine Asphyxie, einen Erstickungszustand, wie ein Erwürgter oder wie ein sog. Emphysematiker im schwersten Asthmaanfall. Hynek veröffentlicht Röntgenaufnahmen von Versuchspersonen, die sich freiwillig dazu hergaben, einige Minuten lang eine Körperhaltung einzunehmen, die etwa der Kreuzigung entspricht … Keine der Versuchspersonen ertrug diese (freiwillige!) Haltung länger als 10 Minuten. Hier liegt ein Teufelskreis vor; denn die mangelnde Sauerstoffaufnahme steigert noch ständig die Tetanie, den Krampfzustand der Muskeln, der seinerseits die Sauerstoffaufnahme verhindert. So weitet sich der Brustkorb des Leidenden im Übermaß, sein Gesicht wird rot, fast violett, der Schweiß fließt in Bächen vom Körper…
Wenn dieser Kampf überhaupt mehrere Stunden dauern konnte, so war das nur dadurch möglich, dass der Gekreuzigte von Zeit zu Zeit seine angenagelten Füße als Stützpunkt benutzte, um daran den Körper wieder aufzurichten. Dadurch … schwand die Atemnot, soweit wieder eine Sauerstoffaufnahme möglich war. Doch konnte die Haltung, bei der das ganze Körpergewicht auf einem Nagel in den durchbohrten Füßen ruhte, wegen der unzureichenden statischen Stütze und der unerträglichen Schmerzen nicht lange aufrechterhalten werden, so dass der Gekreuzigte oft schon nach wenigen Sekunden wieder an den Armen hängen mußte. So bestand der Todeskampf in einem abwechselnden Sich-Senken und -Heben, aus Atemnot und Atemschöpfen… Die Henker wußten mindestens aus ihrer Erfahrung um diese Zusammenhänge und besaßen ein sicheres Mittel, um das Ende bei den Gekreuzigten schnell herbeizuführen: sie brachen ihnen die Beine … der Tod durch Erstickung trat ein.»
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Grüße aus Wien
Helmut

Zusatzfrage
Hallo Helmut,

Du zitiertest

«Das Annageln am Kreuz ist nur so möglich, dass der Nagel
immer an derselben, leicht auffindbaren Stelle in der Mitte
durch die Handwurzelknochen eindringt,

Nun kann ich mich erinnern, dass in dem Film „Stigmata“ die Behauptung aufgestellt wurde, dass Annageln in den Handflaechen gar nicht moeglich gewesen sei (Gewicht des Koerpers zu gross), weshalb die Darstellungen des gekreuzigten Christus allesamt falsch seien: eigentlich sei er in den Unterarmknochen genagelt worden.

Weiss jemand, ob das stimmt?

(obwohl es ja eigentlich wenig Unterschied fuer den Betroffenen machen duerfte).

Tschuess, Elke

Hi Elke,

hübsches thema hast Du da ausgesucht …

Nun kann ich mich erinnern, dass in dem Film „Stigmata“ die
Behauptung aufgestellt wurde, dass Annageln in den
Handflaechen gar nicht moeglich gewesen sei (Gewicht des
Koerpers zu gross), weshalb die Darstellungen des gekreuzigten
Christus allesamt falsch seien: eigentlich sei er in den
Unterarmknochen genagelt worden.

Weiss jemand, ob das stimmt?

Stimmt nach dem, was wir heute wissen, nicht.

Diese behauptung geht sehr weit zurück und wurde wissenschaftlich aufgewertet, wenn ich mich richtg erinnere, durch Versuche, die so etwa in den 50er Jahren mit Leichen gemacht wurden. Die ließen sich tatsächlich nicht beliebig an den Handflächen annageln. „Fachgerecht“ ist es aber möglich, man musste eben die Stelle kennen, durch die der Nagel gehen sollte.

eine neuere Beschreibung, die auch medizinisch und anatomisch sehr anschaulich geschrieben ist, findet sich im Buch von Maria Siliato, das vom deutschen Verlag (pattloch, 1998) unverständlicherweise unter dem Titel „Und das Grabtuch ist doch echt“ genannt wurde. Dabei handelt es sich um eine durchaus seriöse wissenschaftliche Arbeit, die u.a. davon ausgeht, dass das Turiner Grabtuch, ob es jetzt von Jesus von Nazareth oder einem anderen Gekreuzigten stammt, Aufschlüsse über den Kreuzestod liefern kann (sie datiert es also in die Zeit Jesu).

HTH
Täubchen

3 Like

Hallo Taeubchen,

hübsches thema hast Du da ausgesucht …

Aber ich hab ja nicht damit angefangen…
Allerdings stehe ich nun vor der Frage, ob ich das wirklich wissen wollte.

Trotzdem, danke fuer die Muehe.
Gruss, Elke

Hallo,

ich nochmal.

Die Diskussion unten mag ja recht interessant sein, aber die ‚übliche‘ Art der Kreuzigung geschah so, daß der Mensch nicht angenagelt sondern angebunden wurde. Das man bei Jesus anders verfahren hat, mag Gründe haben, kann aber auch ein Phantasieprodukt sein.

Gandalf

Servus Elke und Täubchen !

Zugegebenrmaßen ist das Thema en Detail nicht besonders appetitlich, aber für manchen Frager aus rein wissenschaftlicher Sicht (Mediziner, Pathologen etc.) dennoch vielleicht interessant. In einem anderen Artikel (find’ ich jetzt nicht mehr) habe ich ebenfalls gelesen, daß das Durchbohren der Handflächen zwischen den Mittelhandknochen zur Folge hätte, daß das umgebende Gewebe das Gewicht des Opfers nicht würde halten können und dementsprechend auseinanderreißen würde (würg! noch appetitlicher). Es wird eben (wie im Artikel zitiert) eine Stelle im Bereich der Handwurzelknochen (die Verbindung zwischen Elle/Speiche und Mittelhandknochen, das „Handgelenk“) verwendet, bei der das umgebende Knochengerüst stabil genug für den ekelhaften Effekt ist.
Ich kann mich auch an manche bildliche Darstellung dieser Form erinnern. Also nix Handfläche, nix Unterarm, sondern genau dazwischen.
Aber jetzt genug von diesen Scheußlichkeiten.

Grüße aus Wien
Helmut

2 Like

Die Diskussion unten mag ja recht interessant sein, aber die
‚übliche‘ Art der Kreuzigung geschah so, daß der Mensch nicht
angenagelt sondern angebunden wurde. Das man bei Jesus anders
verfahren hat, mag Gründe haben, kann aber auch ein
Phantasieprodukt sein.

da möchte ich nicht zustimmen; die Römer haben den Quellen zufolge Kreutigungen mit Nägeln bevorzugt. Auch der einzige archäologische Fund, der eine Kreuzigung belegt, der „Gekreuzigte von Giva’at haMivtar“, wurde auf diese Art hingerichtet. Bei den Persern und Griechen mag es anders gewesen sein.

Über den Fall Jesu kann man keine Aussagen machen, da die Exekution zu dieser Zeit noch nicht durch Vorschriften geregelt war; es gibt aber nicht wirklich Grund, an der kirchlichen Überlieferung zu zweifeln.

Täubchen

1 Like

hallo,
hier fehlt leider noch etwas: damit die Füße „fachgerecht“ übereinander genagelzt werden können, wurde den Gekreizigten die Beine mit Hammerschlägen gebrochen. Diese gebrochenen Beine (Schienbein) ließen sich dann „bequem“ und zum Gaudium der Zuschauer übereinander legen.
Der Speerstoß bei Jesus war kein Sadismus des Soldaten, sondern erbarmen: er versuchte das Leiden des Gekreuzigten zu verkürzen.
Grüße
Raimund

Der Speerstoß bei Jesus war kein Sadismus des Soldaten,
sondern erbarmen: er versuchte das Leiden des Gekreuzigten zu
verkürzen.

Mir hat mal ein Arzt gesagt, daß man mit der Verwundung im Brustbereich den Tod des Gekreuzigten feststellen wollte.
„Denn es floß Wasser aus der Wunde“
Wenn der Tod eingetreten ist, geht ja auch mit dem Kreislauf nix mehr. Der Kreislauf steht still und die roten und weißen Blutkörperchen separieren sich. Die roten sinken in die unteren Gliedmaßen weil sie schwerer sind und die weißen schwimmen darüber (Blutsenkung).
Durch eine blutende Verletzung im oberen Körperbereich konnte man also feststellen, ob der gekreuzigte noch lebt oder schon tot ist.

hallo Jochen,
eine sehr logische Erklärung!

Danke!

Grüße
Raimund