Textkritik Koran?

Von: , Frage gestellt am Di, 7. Jun 2005

Hallo,

ich habe gehört, dass sich die islamische Schriftauslegung bisher darauf beschränkt hat, die Aussagen des Korans zu interpretieren und die sprachliche Schönheit des Korans zu erschließen.
Es gab jedoch nie eine Textkritik im eigentlichen Sinne, wie sie sich in der christlichen Theologie in der Neuzeit entwickelt hat. Zwar gab es zaghafte Ansätze, die aber bisher noch nicht weiterverfolgt wurden...

Die Frage ist nun, welche Bedeutung es hat, dass der Islam bisher noch keine wissenschaftliche Textkritik des Korans entwickelt hat.
Wäre nett, wann mir jemand helfen könnte!

Gruß,
Annan

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 13 Minuten 0 hilfreich
    Re: Textkritik Koran? (kurz)

    Auch hallo.

    Im Ggs. zum Evangelium stammt der Koran aus einer Hand(*). Aber auch dieses Fleisch (Mohammed) hatte Schwächen, die im Koran durchaus Einzug gefunden haben (können). Und hier jetzt ein Bericht von yahoo.de (siehe auch 'Interesse am Islam' in diesem Brett vom 04.06.2005): http://de.news.yahoo.com/050603/286/4kgfz.html

    (*) was auch den Interpretationsspielraum für Andere verringert. Bspl.: früher war die Hand ein Teil des Arms. Und heute ?

    HTH
    mfg M.L.

    • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Textkritik Koran? (kurz)

      Hallo Markus. Im Ggs. zum Evangelium stammt der Koran aus einer Hand(*).
      Wieso im Gegensatz?? De facto stammt die Bibel (AT+NT!) aus einer Hand, nämlich der "Hand" bzw. hier dem Geiste Gottes (= Hl. Geist). Dieser inspirierte viele verschiedene Menschen, das, was wir heute die Bibel nennen, aufzuschreiben. Aber diese Menschen schrieben wie gesagt nicht ihre eigenen - menschlichen - Gedanken auf, sondern Gottes Gedanken.

      Außerdem schließe ich mich im Großen und Ganzen Beat an und sage: Diejenigen, die die Bibel nicht durch und durch als Gottes Wort an uns Menschen und somit als oberste Instanz für ihr Leben betrachten, sind im Sinne der Bibel (also im Sinne Gottes) auch keine wahren (= wiedergeborenen) Christen (s. Nikodemus) - auch wenn das die meisten von diesen "Namenschristen" weit von sich weisen werden...

      Gruß
      Liza

      • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Textkritik Koran? (kurz)

        Hallo Liza. Wieso im Gegensatz?? De facto stammt die Bibel (AT+NT!) aus
        einer Hand, nämlich der "Hand" bzw. hier dem Geiste Gottes (=
        Hl. Geist). Dieser inspirierte viele verschiedene Menschen,
        das, was wir heute die Bibel nennen, aufzuschreiben. Aber
        diese Menschen schrieben wie gesagt nicht ihre eigenen -
        menschlichen - Gedanken auf, sondern Gottes Gedanken.
        Okay, kann ich auch akzeptieren. Tatsache ist aber auch, dass es je ein Evangelium nach Markus, Matthäus, Lukas und Johannes gibt. Und diese sind von der thematischen Aussage (nicht aber dem Detailreichtum und der Bildung des Schreibers) her gleich.
        Außerdem schließe ich mich im Großen und Ganzen Beat an und
        sage: Diejenigen, die die Bibel nicht durch und durch als
        Gottes Wort an uns Menschen und somit als oberste
        Instanz
        für ihr Leben betrachten, sind im Sinne der Bibel
        (also im Sinne Gottes) auch keine wahren (= wiedergeborenen)
        Christen (s. Nikodemus) - auch wenn das die meisten von diesen
        "Namenschristen" weit von sich weisen werden...
        Okay. Schliesslich soll man sich an die 10 Gebote halten. So einfach kann die Botschaft sein...

        mfg M.L.

      • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
        Re^3: Textkritik

        Hallo,
        vielleicht mal etwas zur Klärung der Begriffe:
        In der von der neuzeitlichen christlichen Theologie entwickelten historisch-kritischen Exegese bezeichnet Textkritik Kritik am Text im engeren Sinne. Das bedeutet, die Textkritik fragt nach dem Wort- bzw. Buchstabenbestand der biblischen Texte. Dabei sind AT und NT unterschiedlich überliefert worden. Das griechische NT ist in einer "Mentalität" überliefert worden, bei der es auf die Botschaft, nicht aber auf den einzelnen Buchstaben ankam. Das hat zur Folge, daß man die Texte durchaus mal etwas schlampiger abschrieb oder auch ähnlich lautende Perikopen der Evangelien durcheinander warf. Nur durch sorgfältigste philologische (!) Forschung ist es möglich, einen Text zu rekonstruieren, den wir mit Sicherheit in seinem Bestand auf das 2. Jh. n.Chr. zurückführen können. D.h. nicht, daß er anders ist als der von den jeweiligen SChreibern geschriebene Text, aber wissenschaftlich beweisen könnten wir esnicht. gerade diejenigen, die die Bibel als wörtlich inspiriert verstehen, sollten also diesem höchst kritischen Umgang mit dem Text, der zudem auch noch altphilologischer und historischer Kritk standhält, offen gegenüber stehen. Wieso im Gegensatz?? De facto stammt die Bibel (AT+NT!) aus
        einer Hand, nämlich der "Hand" bzw. hier dem Geiste Gottes (=
        Hl. Geist). Dieser inspirierte viele verschiedene Menschen,
        das, was wir heute die Bibel nennen, aufzuschreiben. Aber
        diese Menschen schrieben wie gesagt nicht ihre eigenen -
        menschlichen - Gedanken auf, sondern Gottes Gedanken.
        So waren es immer noch Geschöpfe Gottes und nicht der SChöpfer selbst, die diese Worte in menschlicher Sprache aufschrieben (und dann auch noch in einer nicht gerade "guten" Sprache). Die Evangelien geben ja Zeugnis davon, daß die Offenbarung als historisches Ereignis so weitergegeben wird, daß wir Menschen auf das Zeugnis der Augenzeugen angewiesen sind. Die Evangelisten zeigen dabei ihre unterschiedliche Interpretation der Ereingisse, daher versucht ja gerade die historisch-kritische MEthode mit Hilfe von "Literarkritik" (die Frage nach dem ursprünglichen KOntext z.B. eines Jesuswortes) und Redaktionskritik (die Frage nach den spezifischen Intentionen des jeweiligen Schreibers) die ursprünglichen AUssagen und Ereignisse zu rekonstruieren, um sie in theologischer Aussage den Menschen heute zu übersetzen (die ja, allein aus geographischen Gründen, nicht immer die Bildwelt eines Textes aus dem Vorderen Orient etwas anfangen können). Eher von den letzten beiden Methoden ist wohl in diesem Thread die Rede... Außerdem schließe ich mich im Großen und Ganzen Beat an und
        sage: Diejenigen, die die Bibel nicht durch und durch als
        Gottes Wort an uns Menschen und somit als oberste
        Instanz
        für ihr Leben betrachten, sind im Sinne der Bibel
        (also im Sinne Gottes) auch keine wahren (= wiedergeborenen)
        Christen (s. Nikodemus) - auch wenn das die meisten von diesen
        "Namenschristen" weit von sich weisen werden...
        Wow!

        Grüße,
        Taju

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Textkritik

          Liebe Taju,

          es ist immer erfrischend und erfreulich, Deine Beiträge zu lesen!

          Gruß - Rolf

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: namenschristen

        Hallo Liza! Diejenigen, die die Bibel nicht durch und durch als
        Gottes Wort an uns Menschen
        ich verstehe diesen Satz als "die Bibel im Wortsinn = wortwörtlich nehmen". Richtig verstanden (= in Deinem Sinn)? und somit als oberste
        Instanz
        für ihr Leben betrachten, sind im Sinne der Bibel
        (also im Sinne Gottes) auch keine wahren (= wiedergeborenen)
        Christen (s. Nikodemus) - auch wenn das die meisten von diesen
        "Namenschristen" weit von sich weisen werden...
        Wie genau definierst du "Namenschristen"?


        VG
        Christian

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Textkritik Koran? (kurz)

        Liebe Liza,

        ach, hätte ich doch den Mund gehalten!
        Diese ganze unsägliche Diskussion geht doch nur auf eine kleine, dazu noch private Bemerkung von mir zurück. Das hatten wir doch alles schon mal, nein: viele Male. Doch irgendwann werde auch ich klüger werden und streng beim Thema bleiben.

        Aber, weißt Du, ich habe mit den "wiedergeborenen" Christen so meine Schwierigkeiten: sie wissen immer genau, wer ein richtiger Christ ist und wer nicht.
        Ich habe immer schon für mich in Anspruch genommen, arrogant zu sein, zumindest, was den Anspruch betrifft, eine Sache rational und wissenschaftlich zu betrachten, aber zu dieser Stufe der Arroganz habe ich mich noch nicht hocharbeiten können.

        Ich bin Christ. Mir genügt das, und ich hoffe, meinem himmlischen Vater wirds auch genügen.

        Gruß - Rolf

  2. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Textkritik Koran?

    Moin, moin Annan,

    es ist richtig, daß es eine Textkritik des Koran nicht gegeben hat; die kann es nach dem Verständnis des islam auch nicht geben, weil der Koran zur Gänze von Allah geoffenbart wurde - eine Sicht, die die meisten Christen mittlerweile, soweit es die Bibel angeht, hinter sich gelassen haben (private Anmerkung: das ist auch gut so)

    Wenn Dich das Thema interessiert, such doch bei Google mal unter "Christoph Luxenberg". Der hat ein Buch über die aramäischen Vorformen und Bestandteile des Korans geschrieben.

    Du wirst sehr viele Artikel finden, die von Moslems geschrieben wurden und kein gutes Haar an Luxenberg lassen.
    Du kannst auch mal im Archiv hier nachsehen; eine Diskussion überLuxenberg hatten wir vor ein paar Monaten.

    Gruß - Rolf



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