Eine Frage an alle Gläubigen

Von: , Frage gestellt am Do, 9. Jun 2005

Hallo. Ich will zuerst einmal klarstellen, dass ich niemanden angreifen will oder niemandem meine Meinung aufzwingen will, bzw. sagen will, dass ich Recht hab und jemand anders nicht. Ich bin genauso wenig allwissend wie die meisten anderen Leute, aber ich hab nun mal eine Meinung.

Also hier meine Frage:

Wie "rechtfertigt" jemand seinen Glauben an Gott (falls sein Gott dem Bild des "Allmächtigen" von dem man im Religionsunterricht bzw. in der Konfirmationszeit, etc. immer hört, entspricht) angesichts der ganzen Tragödien die auf der Welt geschehen? Leute sterben an Krebs, an Aids und hinterlassen Kinder die deswegen unglaublich trauern. Andere Leute müssen mit Behinderungen leben. Kriege, etc.

Wie gesagt vielleicht versteh ich das einfach nicht und ich will niemandem meine Haltung aufzwingen, ich schließ nicht mal aus, dass es ein Leben nach dem Tod bzw. andere Dimensionen etc. gibt. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es einen allmächtigen/guten Gott gibt, der zulässt dass die ganzen schlimmen Dinge passieren die nun mal passieren. Das würde für mich bedeuten, dass wenn es einen Gott gibt, dieser entweder nicht allmächtig ist (wenn man an das Böse als Gegenkraft glaubt, wärs auch wiederum plausibel, aber dann wäre Gott auch nicht unbedingt allmächtig) oder nicht absolut gutmütig ist und jedem verzeiht. Das versteh ich auch nicht. Es war im Religionsunterricht immer vom Vergeben, etc. die Rede, aber andererseits gibt es in der Bibel (oder täusch ich mich da) auch Stellen in denen vom Gottes Zorn die Rede ist. Wie sieht nun ein gläubiger Christ (oder Angehöriger einer anderen Religion) das Ganze?

Schöne Grüße!

45 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Eine Frage an alle Gläubigen

    Wie sieht nun ein gläubiger Christ (oder Angehöriger einer
    anderen Religion) das Ganze?

    Schöne Grüße!
    Jeder erwachende Mensch stellt sich diese Frage einmal in seinem Leben. Ob man darauf nun eine Antwort findet, ist eine andere Sache. Aber ich versichere Dir, es gibt eine Antwort.

    gruß
    rolf

    • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Eine Frage an alle Gläubigen

      Hi. Ich hab mir diese Frage natürlich schon öfters gestellt und ich lebe mein Leben einfach so wie ich's für richtig halte, versuche nett zu meinen Mitmenschen zu sein und nichts böses zu tun..aber wohl einfach weil ich das so für richtig halte und nicht weil ich denke, dass ich nach dem Willen Gottes handeln will. Ich kann nicht 100%ig sagen ob es einen Gott gibt oder nicht und bevor ich sterbe werd ich das wohl nicht erfahren, obwohl ich (leider) eher zur verneinenden Antwort tendiere. Immerhin hab ich in dem Posting zu dem du mich verlinkt hast den ein oder anderen Ansatz und nicht nur "Das können wir eben nicht verstehen" gelesen. So wirklich überzeugend find ich das aber leider nicht.

      Einerseits die Erklärung des freien Willens des Menschen scheitert einfach daran, dass es auch Naturkatastrophen gibt, die ein ALLMÄCHTIGER (und guter) Gott eigentlich verhindern müsste. Nur mal als Beispiel die Tsunamiwelle(n) letztes Jahr am 2. Weihnachtsfeiertag: Da hat ja kein Mensch mitgewirkt und es hat größtenteils unschuldige Menschen getroffen, die ohnehin schon ein wirklich hartes Leben führen mussten. Jetzt könnte man sagen: Erlösung, aber dann muss man sich fragen wieso würde ein allmächtiger, guter Gott extra so eine riesige Flutwelle erzeugen und kann die Menschen nicht einfach tot umfallen lassen ohne das sie etwas merken. Außerdem ist das seelische Leid für die Angehörigen die ihre Familien verloren haben in meinen Augen viel größer als für diejenigen die gestorben sind. Außerdem gibt es ja noch das Leid, dass durch Krankheiten entsteht, außerdem werden Kinder mit Behinderungen geboren OHNE dass irgendein Mensch dafür verantwortlich ist.

      Das Gott dem Ganzen Grenzen setzt durch Tod und Ohnmacht find ich ist auch ne recht mangelhafte Begründung. Bei Ertrinken oder Ersticken naja meinetwegen..aber bei extremen Foltereien find ich geht das auch nicht. Außerdem muss ich mich der Meinung anschließen, dass mir die Vorstellung eines Gottes der sozusagen im Zuschauerstuhl sitzt und NICHT eingreift, wenn sich so etwas wie das Dritte Reich abspielt, auch ziemlich gruselig und einfach nicht vertretbar erscheint, wenn man von einem GUTEN + allmächtigen Gott spricht. Jetzt kann man wieder den unsinnigen Einwand bringen "Na eben Gott ist halt kein Mensch!", aber wenn ich zwei Kinder hätte und das eine würde das andere Foltern würd ich auch nicht zuschauen und hoffen, dass das Kind das das andere foltert hoffentlich noch den richtigen Weg findet und dafür billigend in Kauf nehmen, dass das andere Kind die Höllenqualen schlechthin erleiden muss. Das ergibt leider einfach alles keinen Sinn. Also gibt es meiner Meinung nach drei mögliche Schlussfolgerungen: Entweder gibt es so etwas wie "Gott" nicht, Gott ist eben nicht allmächtig oder nicht gut. Ich tendiere persönlich zu Möglichkeiten 1 oder vll. noch 2.

      Was ich allerdings finde das dagegen spricht ist, dass es ja in wirklich (fast?) ALLEN verschiedenen Kulturen ein Gottesbild gibt (könnte man natürlich auch auf Flüsterpost und dem Bedarf nach einer "heilen Welt, da Gott exisitiert" schieben, aber das find ich auch eher unwahrscheinlich...). Hat sich vielleicht schon mal jemand damit beschäftigt? Ich hoffe das ist nicht auch so ne Standardfrage ;) [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Wann sollte Gott eingreifen und wann nicht?

        Hallo L.

        wie gesagt handelt es sich um eine Standardfrage und ich habe auch eine Standardantwort darauf.
        http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

        Die Frage "warum lässt Gott all das Leiden zu?", entzündet sich immer an Katastrophen oder besonders tragischen Einzelschicksalen, eben der Flutwelle in Asien oder wenn ein Kind umgebracht wird.
        Aber was mit den "normalen" Leiden im alltäglichen Leben, Krankheit, Alter, Tod, Ungerechtigkeit, Armut, Gewalt usw.?

        Macht es Sinn, wenn Gott alle die Menschen betreffenden Naturkatastrophen verhindert, aber zulässt, dass deine Frau an Krebs erkrankt und stirbt? Macht es Sinn, wenn Gott alle Kindsmorde verhindert, aber dein Vorgesetzter dich jeden Tag beschimpft und demütigt.
        Wenn man darüber nachdenkt, kommt man Schluß, dass es nicht mit einigen Reparaturmaßnahmen nicht getan ist. Wenn Gott das Leiden der Menschen aufhören lassen möchte, muss er massiv eingreifen. Was ich allerdings finde das dagegen spricht ist, dass es ja
        in wirklich (fast?) ALLEN verschiedenen Kulturen ein
        Gottesbild gibt (könnte man natürlich auch auf Flüsterpost und
        dem Bedarf nach einer "heilen Welt, da Gott exisitiert"
        schieben, aber das find ich auch eher unwahrscheinlich...).
        Alle Menschen haben eine Form des Glaubens. Bei manchen ist dieser Glauben fest ausgeprägt bei manche eher diffus. Selbst Atheisten haben eine Form des Glaubens (gut zu beobachten bei den eifrig missionierenden Atheisten hier im Brett ;-) ). Aber selbst der weltweit verbreitete Glauben an Götter, Geister und Dämonen ist letztendlich kein Beweis für die Existenz eines Schöpfergottes, allenfalls ein Indiz.
        Deswegen ist es sinnvoll sich ernsthaft mit der Frage zur Existenz eines Gottes auseindergesetzt zu haben, ...was du hier z.B. tust.


        Gruß
        Carlos

  2. Antwort von nach 12 Stunden 2 hilfreich
    Re: Eine Frage an alle Gläubigen

    Hallo du,

    zu deiner Frage möchte ich dir gerne eine Geschichte erzählen, die ich mal gehört habe. Die beantwortet wahrscheinlich deine Frage auch nicht ganz, aber sie ist ein Beispiel dafür, dass wir den Willen Gottes oft nicht verstehen, keinen Sinn dahinter sehen, obwohl es einen gibt.

    Es war einmal ein alter weiser Indianer. Der hatte die Angewohnheit, dass er zu allem was passierte "Es ist gut" sagte.
    Dieser alte Indianer ging häufig allein mit dem Indianerhäuptling auf die Jagd. Einmal, als sie wieder zu zweit unterwegs sind, passiert etwas schlimmes: Das Gewehr des Häuptlings explodiert plötzlich, und reißt ihm den Daumen ab! Der alte Indianer will ihn beruhigen, und sagt wie immer: "Es ist gut." Da wird der Häuptling wütend und schreit: "Gar nichts ist gut! Was soll daran gut sein, wenn mein Daumen weg ist!" Und aus lauter Wut, lässt er den alten Indianer einsperren. Einige Wochen später ist er deshalb allein auf der Jagd. Dabei wird er von Kannibalen gefangen genommen und soll aufgefressen werden. Bis diese plötzlich merken, dass dem Häuptling ein Daumen fehlt. Diese Kannibalen haben nämlich den Aberglauben, dass sie nur unversehrte Menschen essen. Deshalb lassen sie ihn laufen. Der Häuptling ist überglücklich, geht nach Hause und lässt den alten Indianer frei. Er sagt zu ihm: "Es tut mir so leid! Du hattest Recht! Wäre mir der Daumen damals nicht abgerissen worden, dann wäre ich jetzt tot! Verzeih mir, dass ich dich eingesperrt habe!" Da antwortet der alte Indianer: "Nein, nein! Es war gut, dass du mich eingesperrt hast. Wenn nicht, wäre ich heute bei dir gewesen."


    Gruß
    Michaela [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
    Standardantwort - 'Gottes Wege sind unergründlich'

    Ohne weiteren Text.

  4. Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
    Re: Eine Frage an alle Gläubigen

    Gute Frage... sehr gute Frage...

    Ich kann nur für mich sprechen. Ich hab die ganzen Zweifel natürlich auch. Gott ist nicht feststellbar (zumindest nicht mit unseren derzeitigen naturwissenschaftlichen Möglichkeiten). Dennoch hab ich irgendwie so ein Gefühl in mir, daß was dran sein muß. Daß es einen Urgrund meines Seins geben muß. Daß es noch irgendwas gibt, das ich hier zu erledigen hab (und wer hat das beschlossen?).
    Je mehr man sich wissenschaftlich mit dem Gebiet Glauben (und Bibel) auseinander setzt, desto mehr verlieren die von Jugend an eingebleuten Denkstrukturen an Halt. Es wird schwammiger, wenn man lernt, daß das was z.B. in der Bibel steht wahrscheinlich nicht so wortwörtlich zu nehmen ist... (Z.B. im Weihnachtsgottesdienst wird meist verkündet Jesus wäre in Betlehem geboren... dabei ist das nur eine Version! Andere Evangelien sagen da nix drüber, oder widersprechen...)...
    Dennoch glaube ich, daß es da was gibt.
    Daß es gut ist für die Menschen, an eine höhere Instanz zu glauben, zu beten, is ja wohl gar keine Frage...
    We will see... Bye, Körst [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  5. Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
    Re: Eine Frage an alle Gläubigen

    Hallo, Wie "rechtfertigt" jemand seinen Glauben an Gott
    allein diese Frage ist schon unsinnig.
    Winen Glauben kann man nicht rechtfertigen, sonst wäre es kein Glauben sondern Gewissheit.

    Gandalf

    • Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
      Glauben & Rechtfertigung

      allein diese Frage ist schon unsinnig.
      Winen Glauben kann man nicht rechtfertigen, sonst wäre es kein
      Glauben sondern Gewissheit.
      Im Gegenteil.

      Glauben (oder eine Überzeugung haben) und rechtfertigen gehört notwendig zusammen, aus 'logischen' Gründen, wie man so sagt. Ausnahmen kann es zwar geben, aber das sind notwendig Ausnahmen und parasitär zu noramlen Fällen.

      Das klingt zwar erst mal komisch, leuchtet aber (denke ich) relativ rasch ein, wenn man drüber nachdenkt. Als Anriß: Überzeugungen haben ist eine 'passive Fakultät': Ich kann mich nicht einfach dafür entscheiden etwas zu glauben, noch kann ich eine Münze werfen. Überzeugugen werden mir 'aufgezwungen' durch das was ich für gute Gründe halte (und diese Gründe rechtfertigen).
      Wie gesagt, das kann im Einzefall mal anders sein, aber nicht in der Regel - 'Überzeugungen' zu denen ich nie durch Gründe komme wären keine Überzeugungen.

      Gewissheit ist noch mal ne andere Sache (wie gut muss man seine Meinung rechtfertigen können).

      Das religöser Glaube ne Ausnahme ist und nicht gerechtfertig werden kann/muss ist übrigens auch eine ziemlich neue (und dumme) Idee, die erst mit Rousseau populär geworden ist.
      Vorher galt es den Kirchenvätern und Philosphen als selbstverständlich, dass der Glaube an Gott einer Begründung (Rechtfertigung) bedarf -- siehe die lange Geschichte der Theodizee.

      Gruss Paul



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