Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen?

Von: , Frage gestellt am Mi, 27. Jul 2005

Hallo,
diese Frage stellte mir mein Sohn (10) als wir uns in seinem neuen schulatlas eine Karte über die Ausdehnung des dritten reichs angeschaut haben. Die neutrale Stellung fällt auf so einer Karte erst richtig auf da rundum sozusagen "Hitlerland" war.
Mein Mann und ich sind ehrlich gesagt ratlos und können höchstens Vermutungen anstellen, daher geb ich die Frage gerne an euch weiter.

Btw. wenn jemand ein richitg gutes, für Kinder geeignetes Buch über diese zeit weiß wäre ich dankbar für einen Tipp. Wir lesen gerade "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" aber es befriedigt den Wissendurst meines Großen nicht wirklich. Für ihn wäre da eher ein Sachbuch ideal mit harten fakten*g*.

Vielen Dank
Petra

56 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 25 Minuten 0 hilfreich
    Re: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen

    Hallo.

    Das war einfach eine militärische Kosten-Nutzen-Abwägung: In Anbetracht des schwierigen Geländes und der damals schon recht wehrhaften schweizerischen Armee wäre ein Angriff sehr verlustreich gewesen und hätte lange Zeit Verbände und Resourcen gebunden, die anderswo benötigt wurden. Der einzige Gewinn wäre eine freie Passage nach Italien gewesen, die hatte Hitler jedoch schon mit Österreich.

    mfG Dirk

  2. Antwort von nach 33 Minuten 0 hilfreich
    Re: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen

    Hallo !

    Wäre die Schweiz besetzt worden, hätte der Durchgang in die freie Welt gefehlt. Man konnte in die Schweiz. Man konnte von der Schweiz ins Deutsche Reich. Man traf sich mit den Abgesandten der Kriegsgegner in der Schweiz. Alles das wäre nicht möglich gewesen.
    Der Nutzen der freien Schweiz war viel größer, als die besetzte Schweiz.
    Norwegen wurde von den Nazis besetzt, also war die Besetzung der Schweiz nur ein Kinderspiel.

    mfgConrad

    • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
      Re^2: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriff

      Noch etwas :

      Am 15. Dez. 1941:

      Die Schweiz übernimmt den Schutz der deutschen Interessen in den USA. Sie wird zugleich mit der Vertretung der Interessen Großbritanniens und der USA in Deutschland betraut.

      Am 26. Mai 1942:

      Zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz wird ein neues Kreditabkommen abgeschlossen.

      Am 1.Juni 1942:

      Unter Wilhelm Furtwängler geben die Berliner Philharmoniker Konzerte in der Schweiz.

      Am 13.Aug. 1942:

      Die Schweiz beginnt mit der Zurückweisung von auf ihr Staatsgebiet geflohenen Juden.

      Am 15.Dez. 1941:

      Die Schweiz übernimmt den Schutz der deutschen Interessen in den USA. Sie wird zugleich mit der Vertretung der Interessen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten in Deutschland betraut.

      Solch ein erfreuliches Land überfallen und besetzen?? Da wären die Nazis ganz schön dumm gewesen!

      mfgConrad

  3. Antwort von nach 43 Minuten 2 hilfreich
    Re: Warum hat Hitler die Schweiz nicht angegriffen

    Hi! diese Frage stellte mir mein Sohn (10) als wir uns in seinem
    neuen schulatlas eine Karte über die Ausdehnung des dritten
    reichs angeschaut haben. Die neutrale Stellung fällt auf so
    einer Karte erst richtig auf da rundum sozusagen "Hitlerland"
    war.
    Mein Mann und ich sind ehrlich gesagt ratlos und können
    höchstens Vermutungen anstellen, daher geb ich die Frage gerne
    an euch weiter.
    Das deutsche Oberkommando hatte Pläne, die Schweiz anzugreifen ("Operation Tannenbaum"), jedoch wurden diese Pläne immer wieder zurückgestellt. Zum einen bestand nach dem Erfolg gegen Frankreich 1940 kein Grund mehr, die Schweiz aus wirtschaftlichen Gründen anzugreifen. Im Norden und Osten lag das Großdeutsche Reich, im Süden das mit dem Reich verbündete faschistische Italien, im Westen das von Deutschen besetzte Frankreich. Die Schweiz war eine Insel und von möglichen Warenexporten zugunsten der Alliierten abgeschnitten. Hingegen war die Schweiz auf deutsche Kohle- und sonstige Import angewiesen. Damit entfiel der Kriegsgrund "Unterbindung von Warenlieferungen an die Alliierten".

    Strategisch würde sich die Lage der Achsenmächte durch einen Krieg gegen die Schweiz auch nicht verbessern.

    Der Plan für die "Operation Tannenbaum" sah den Einsatz von 15 Panzerdivisionen und weiteren 15 Infanteriedivisionen vor - inkl. der Italiener, die vom Süden aus angreifen sollten (zum Vergleich: Norwegen wurde 1940 mit 6 Divisionen eingenommen). Ein Krieg gegen die Schweiz hätte unglaubliche Mengen an Menschen und Material gebunden. Außerdem würde hauptsächlich im Gebirge gekämpft. Die Italiener haben bei ihrem Angriff gegen Frankreich zu spüren bekommen, wie schwer so ein Krieg zu führen ist. Daher wurde seitens der Strategen von einem Krieg gegen die Schweiz abgeraten.

    Ein weiterer Grund war die ungünstige zeitliche Situation. Nur der Spätsommer 1940 bot sich für einen möglichen Angriff auf die Schweiz an (direkt im Anschluss an den Frankreich-Feldzug). Ab Sommer 1941 waren die deutschen Truppen durch den Krieg gegen die Sowjetunion sowie den Feldzug in Nordafrika komplett gebunden.

    Außerdem wurde die Schweiz später gerne von den Nationalsozialisten benutzt, um finanzielle Transaktionen abzuwickeln. So ist reichlich Nazi-Gold in die Schweiz geflossen. Warum sich dieses Finanzschlupfloch dicht machen?

    Grüße
    Heinrich

  4. Antwort von nach 47 Minuten 1 hilfreich
    Re: Warum sollte er?

    Hallo,
    diese Frage stellte mir mein Sohn (10) als wir uns in seinem
    neuen schulatlas eine Karte über die Ausdehnung des dritten
    reichs angeschaut haben. Die neutrale Stellung fällt auf so
    einer Karte erst richtig auf da rundum sozusagen "Hitlerland"
    war.
    Warum sollte er denn die Schweiz angreifen? - er hatte doch so mehr Vorteile (sicherer Handel, geschützte Südwest-Flanke, kein Besatzungsärger).

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re^2: Warum sollte er?

      Hallo, diese Frage stellte mir mein Sohn (10) als wir uns in seinem
      neuen schulatlas eine Karte über die Ausdehnung des dritten
      reichs angeschaut haben. Die neutrale Stellung fällt auf so
      einer Karte erst richtig auf da rundum sozusagen "Hitlerland"
      war.
      Warum sollte er denn die Schweiz angreifen? - er hatte doch so
      mehr Vorteile (sicherer Handel, geschützte Südwest-Flanke,
      kein Besatzungsärger).
      Letztlich ist die Nichtbesetzung der Schweiz
      einer der Gründe für die militärische Nieder-
      lage gewesen (zumindest an der Ostfront -
      und damit überhaupt).

      Die Agenten, die für Moskau Ultra-Dechiffrierungen
      in Echtzeit weiterreichten, saßen bekanntlich in
      der Schweiz.

      Egal welchen Nebeneffekt die Besetzung gehabt hätte
      (zusätzlichen Frontabschnitt), es hätte sich
      imho "gelohnt".

      (http://en.wikipedia.org/wiki/Lucy_spy_ring)

      Grüße

      CMБ

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Warum sollte er?

        Hallo Semjon,

        verzeih meine Nachfrage: welchen Einfluß genau hatte das Projekt Ultra für den (Miß)Erfolg des Rußlandfeldzugs? Meines Erachtens keinen oder keinen nennenswerten.

        Zu dem Zeitpunkt, als die Briten die Enigma in wirklich großem Maßstab dechiffrierten (1943), befanden sich die Deutschen im Osten doch eigentlich längst auf dem strategischen Rückzug.

        Entscheidender war das Projekt Ultra doch eigentlich eher für den U-Boot-Kriegs im Atlantik und damit für die weitere Kriegsfähigkeit Englands, sowie in Nordafrika. Letztlich ist die Nichtbesetzung der Schweiz
        einer der Gründe für die militärische Nieder-
        lage gewesen (zumindest an der Ostfront -
        und damit überhaupt).

        Die Agenten, die für Moskau Ultra-Dechiffrierungen
        in Echtzeit weiterreichten, saßen bekanntlich in
        der Schweiz.

        Egal welchen Nebeneffekt die Besetzung gehabt hätte
        (zusätzlichen Frontabschnitt), es hätte sich
        imho "gelohnt".

        Aber auch nur, wenn es geklappt hätte. Ich frage mich außerdem, ob die USA dann nicht früher in den II. Weltkrieg eingetreten wären.

        Viele Grüße

        Oliver

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Warum sollte er?

          Hallo Oliver verzeih meine Nachfrage: welchen Einfluß genau hatte das
          Projekt Ultra für den (Miß)Erfolg des Rußlandfeldzugs?
          Meines Erachtens keinen oder keinen nennenswerten.
          Meiner Meinung nach einen "Entscheidenden".
          Das sieht man mal daran, was passiert, wenn
          ein General im Felde sich anders entscheidet,
          als es über die FHQ->OKW->Schiene angeordnet
          (und decodiert) wird; so geschehen im Feb/März
          1943 (Manstein folgte Hitlers Anordnung nicht,
          in Folge dessen traf er die Sowjets vollkommen
          'off balance' und vernichtete (u.a.) deren 6. Armee.
          http://www.onwar.com/maps/wwii/eastfront1/1poststlng...)
          http://www.battlefield.ru/battles/battle13_01.html

          Finally, the imaginative and impulsive counterstroke 
          launched by von Manstein in mid-February and the skill with 
          which German forces carried out von Manstein's plans spelled 
          doom for the ambitious Soviet strategic venture. If the
          Germans had not struck back at the time they did, the 
          Soviet strategic offensive would likely have achieved 
          greater success. If the 21st Army had been able to join
          the Central Front's March thrust, the Germans Orel position 
          would certainly have become untenable. Further, the Soviet 
          64th and 62d Armies, which reached the Belgorod and Kharkov 
          regions in early March, could have also reinforced Rokossovsky's 
          offensive, making the German strategic position even more 
          perilous.
          Nach Charkov waren die "Werther"-Meldungen wieder
          so korrekt in dem Sinne, dass die FQH/OKW-Instruktionen
          auch ausgeführt wurden, was den Sowjets etwas in
          die Hände spielte. Beispiel Kursk. Es reicht eben nicht,
          zu wissen, wann der Angriff erfolgt - es ist auch
          wichtig zu wissen, welche Einheiten wo in welcher
          Stärke und mit welchem Kampfwert mit welchem Ziel
          eingesetzt werden. Das alles war z.B. in Kursk
          gegeben.

          Grüße

          CMБ

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: 007

        Warum sollte er denn die Schweiz angreifen? - er hatte doch so
        mehr Vorteile (sicherer Handel, geschützte Südwest-Flanke,
        kein Besatzungsärger).
        Letztlich ist die Nichtbesetzung der Schweiz
        einer der Gründe für die militärische Nieder-
        lage gewesen (zumindest an der Ostfront -
        und damit überhaupt).

        Die Agenten, die für Moskau Ultra-Dechiffrierungen
        in Echtzeit weiterreichten, saßen bekanntlich in
        der Schweiz.
        Hallo,

        ich glaube nicht, daß die Besetzung der Schweiz einen Einfluß auf die sowjetischen Geheimdienst-Aktivitäten gehabt hätte (die kriegsentscheidente Rolle dieser sei mal dahingestellt). Die "Rote Kapelle" operierte ja auch vom besetzten Europa aus. Die sowjetischen Agenten mußten sich auch in der neutralen Schweiz verstecken und konnten nicht offen operieren.



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