Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfunden?

Von: , Frage gestellt am Fr, 14. Jul 2006

Hi Leute!

Was haltet Ihr von der Geschichte, wonach ein gewisser Herr ... (ich hab den Namen schon wieder vergessen!) beweisen kann, dass bestimmte Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfunden wurden?
Otto III wollte angeblich seine Herrschaft zu einer Zeit um 1000 (göttliches Zeitalter?) antreten, lebte dafür aber viel zu früh. Also wurden bei der Berechnung des Kalenders irgendwelche Fehler gemacht, ein paar erfundene Biographien geschrieben etc. Nun meine Frage: In Prag gibt es eine alte astronomische Uhr, die die Jahreszeiten, Jahreszahl, Sonnenstand, Planetenstände ... anzeigt. Müsste es nicht anhand dieser oder auch anderen Uhren möglich sein, zu beweisen, ob oder ob nicht irgendetwas Wahres daran ist?

Freue mich auf Eure Meinungen zu dem Thema!

LG Sandy

8 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfun

    Hi Leute!

    Was haltet Ihr von der Geschichte, wonach ein gewisser Herr
    Seufz... Illig heist der Knabe... ... (ich hab den Namen schon wieder vergessen!) beweisen kann,
    dass bestimmte Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfunden
    wurden?
    Er kann es nicht beweisen!

    Such mal im Archiv nach "Illig" und "Phantomzeit"

    Wenn dann noch Fragen sind, gerne...

    Gruß
    Mike

  2. Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
    Re: Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfun


    maddain mhath

    Habe die Dokumentation auch gesehen. Das Fehlen von Beweisen für das Gegenteil einer These kann noch nicht als Beweis für die Selbe gelten. Aber irgendwie müssen die den Sendeplatz voll kriegen. Ist aber nicht das erste Mal, daß mir auffällt, daß diese Sendung mehr SensationsJournalismus betreibt als ihrem wissenschafftlichen Anspruch gerecht zu werden.
    Zeitliche Verschiebungen hat es mit Sicherheit bei Neuordnung von Kalendern gegeben.
    Die These dieses Herrn ist allerdings genau das: eine These nicht mehr und nicht weniger.

    slan agus beannacht, Peter

    _________________
    MOD: überflüssiges Zitat des Ausgangsartikels entfernt

  3. Antwort von nach 18 Stunden 5 hilfreich
    Re: Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfun

    Hi Leute!

    Was haltet Ihr von der Geschichte, wonach ein gewisser Herr
    ... (ich hab den Namen schon wieder vergessen!) beweisen kann,
    Heribert Illig kann gar nichts beweisen, er lebt nur davon das diejenigen die seine Bücher lesen, noch weniger Ahnung von der Materie haben als er selbst. Otto III wollte angeblich seine Herrschaft zu einer Zeit um
    1000 (göttliches Zeitalter?) antreten, lebte dafür aber viel
    zu früh.
    Als ob ein nun wie auch immer gearteter Gott nicht wüsste welches Jahr wir haben. Oder ein König der damaligen Zeit überhaupt die Macht gehabt hätte so etwas zu veranlassen. Also wurden bei der Berechnung des Kalenders
    irgendwelche Fehler gemacht,
    es wurden keine Fehler gemacht, außer von Illig selbst
    Illigs Hauptfehler leitet sich wohl vom Irrtum her das sich die Gregorianische Kalenderreform auf Julius Caesar bezog, das ist allerdings nie der Fall gewesen. Wirft man nämlich einen genauen Blick auf die "inter gravissimas", das Dokument der Gregorianischen Reform. War es Gregors Absicht, die Frühlings- Tag- und Nachtgleiche wieder auf jenen Frühlingstag des Kalenders, wie er zur Zeit des Konzils von Nicea im Jahr 325 war, zu verlegen.
    Link zur Inter Gravissimas http://www.nabkal.de/intergrav.html

    Wie sich leicht errechnen lässt, ergibt die Diskrepanz zwischen der Julianischen Kalenderformel und dem wirklichem Erdenlauf in den 1258 Jahren zwischen Nicäa (325) und 1583 tatsächlich ca. 10 Tage.
    1583 - 325 = 1258
    365,25 x 1258 = 459484,5
    365.2422 x 1258 = 459474,69
    459484,5 - 459474,69 = 9,81 Tage

    Andere Nationen führten die Kalenderreform aber auch zu anderen Zeitpunkten durch. Hier der entsprechende Abschnitt der englischen Umstellung 1752 (nun waren schon 11 Tage aufgelaufen):
    "...And whereas the Calendar now in Use throughout all his Majesty's *British* Dominions, commonly called *The Julian Calendar*, hath been discovered to be erroneous, by means whereof the Vernal or Spring Equinox, which at the Time of the General Council of *Nice* [i.e. Nicaea] in the Year of our Lord 325, happened on or about the 21st Day of *March*, now happens on the 9th or 10th Day of the same Month; and the said Error is still increasing, and if not remedied, ..."
    1752 - 325 = 1427
    365,25 x 1427 = 521211,75
    365.2422 x 1427 = 521200,62
    521211,75 - 521200,62 = 11,13 Tage
    Wie man mit Hilfe moderner Astronomie Programme berechnen kann war der Frühlingsbeginn damals, beim Konzil zu Nicäa, tatsächlich am 21. März.

    Auch ergeben sich zusätzliche Probleme, wenn man von einer Phantomzeit ausgeht.
    So müsste Mohammed 614 gestorben sein, ein Jahrzehnt bevor er an den Arbeiten zum Koran begann und 18 Jahre vor seinem Offiziellen Tod (jedenfalls nach dem Datum das in den Geschichtsbüchern steht), oder er lebte noch im Jahr 929. Die Phantom Zeit übersieht das rassante Wachstum des Islams. Erst ist es 614 und Mohammed ist nichts weiter als ein Händler in Arabien, dann auf einmal ist es 911, und Mohammed's Ideen haben sich vom Atlantik bist nach Zentral-Asien ausgebreitet. Auf einmal herrschen Araber in Persien und Ägypten, und haben Teile von Spanien besetzt. Der Felsendom auf dem Jerusalemer Tempelberg wurde etwa 669-692 vom Kalifen Abd al-Malik (685-705) erbaut.

    Dazu kommen auch die ganzen anderen historischen Daten die hätten erfunden werden müssen, etwa
    Alfred der Große (eigentlich Aelfred), angelsächsischer König von Wessex (871-899) und sein Sohn Edward, erster König des vereinten Englands. (Beide nicht gerade Unwesentlich für die Geschichte Englands)
    60 Päpste
    18 Erzbischöfe von Canterbury.
    Etliche Synoden und Konzile.
    Der Ikonoklasmus im Oströmischen Reich inklusive der ganzen Streitschriften zum Thema.
    die chinesische Tang Dynastie (618-907)
    usw usw.

    Ein paar Schlachten:
    • 627, Schlacht bei Ninive, Oströmer besiegen die Sassaniden
    • 636, Schlacht am Jarmuk, Araber besiegen die Oströmer
    • 636, Schlacht von Kadesia, Araber besiegen Sassaniden
    • 642, Schlacht bei Nehawend, Araber besiegen die Sassaniden
    • 680, Schlacht von Kerbela, Sunniten besiegen Schiiten
    • 685, Schlacht bei Dunnichen Mere (England), Pikten besiegen Angeln
    • 687, Schlacht bei Tertry (Frankenreich), Hausmeier Pippin II. besiegt König Theuderich III.
    • 711, Schlacht am Rio Guadalete, Araber besiegen die Westgoten
    • 722, Schlacht von Covadonga, Asturier besiegen Araber
    • 732, Oktober Schlacht von Tours und Poitiers (Frankenreich), Franken besiegen Araber
    • 740, Schlacht bei Akroinon, Byzanz besiegt die Araber und wird zum Sperriegel Europas: die arabische Expansion richtet sich fortan nach Westen
    • 751, Schlacht am Talas, die Araber besiegen die Chinesen in Zentralasien
    • 772 - 804, Sächsischer Krieg
    • 778, Schlacht bei Roncesvalles (Frankreich), Araber besiegen Franken
    • 798, Schlacht bei Bornhöved, Abodriten gegen Sachsen
    • 811, 26. Juli, Schlacht von Pliska, Bulgaren gegen Byzantinisches Reich
    • 813, 22. Juni, Schlacht von Adrianopel (813) oder Schlacht von Versinikia, Bulgaren gegen Byzantinisches Reich
    • 841, 25. Juni, Schlacht von Fontenoy, Brüderkampf im Frankenreich
    • 863, Schlacht von Poson, Byzantiner besiegen die Araber unter Omar von Melitene
    • 866, 15. September, Schlacht von Brissarthe, Franken gegen Bretonen und Skandinavier
    • 907 - 970, Ungarnkriege
    • 907, 5./6. Juli, Schlacht von Pressburg, Ungarn besiegen Bayern
    (Quelle Wikipedia)

    Dann ist da noch der Halleysche Komet:
    historische Aufzeichnungen von ihm gibt es seit 240 v. Chr.
    Dazu chinesische von 684, 760, und 837. Die 837 Annäherung war eine der nahsten und hellsten überhaupt. Das alles ohne das die Chinesen eine Ahnung hatten das der Komet einen Zyklus von 76 Jahren besitzt.
    Dazu kommen dann noch einige Sonnenfinsternisse und seltene Sternkonstellationen.

    Nunja das alles zu erfinden und unter einem Hut zu bringen hätte mehr Aufwand bedeutet als die Zeit wirklich zu erleben.

    Gruß
    Armin

    • Antwort von nach 6 Tagen 0 hilfreich
      Asturier

      • 722, Schlacht von Covadonga, Asturier besiegen Araber
      Die Bezeichnung Asturies, wurde diese Nachtraglich eingefuhrt, oder war es bereits zu der Zeit Selbstbezeichnung?

      • Antwort von nach 6 Tagen 0 hilfreich
        Re: Asturier

        • 722, Schlacht von Covadonga, Asturier besiegen Araber
        Die Bezeichnung Asturies, wurde diese Nachtraglich eingefuhrt,
        oder war es bereits zu der Zeit Selbstbezeichnung?
        Seit den Römern so benannt.
        Astures, um, m. (Astyres), die Asturier, ein 22 Völkerschaften mit 240000 Freien (Plin. 3, 3, 4. § 28) zählender Volksstamm in Hispanien, Bewohner der Landschaft Asturia (s. unten), Flor. 4, 12, 46 u. 54. Plin. 4, 111. Oros. 6, 21: Asturum conventus, Mart. Cap. 6. § 632. – Sing. Astur (Astyr), uris, m., der Asturier (gew. kollektiv), Lucan. 4, 8. Mart. 10, 16, 3 u.a. Sil. 12, 748. Claud. laud. Seren. reg. 75: u. poet. attrib. = aus dem Lande der Asturier, aus od. in Asturien, asturisch, equus, Mart. 14, 199, 2 (s. unten Asturco): exercitus, Sil. 1, 252. – Dav.: a) Asturia, ae, f., eine hispanische Landschaft, das heutige »Asturien, Leon u. Valladolid bis an den Duero«, Plin. 4, 112. – b) Asturicus, a, um, asturisch, gens, Plin. u. Sil.: subst., Asturica, ae, f., die Haupt- u. Gerichtsstadt der Asturier, j. Astorga, Plin. 3, 28: Asturicus, i, m., der »Asturiker«, als Beiname, Iuven. 3, 211. – c) Asturco (asturco), conis, m., ein asturisches Pferd, ein Zelter, berühmt durch die schöne Bewegung seiner Schenkel, Cornif. rhet. 4, 63. Sen. ep. 87, 10. Plin. 8, 144 u. 166. Suet. Ner. 46, 1. Mart. 14, 199 lemm. Gran. Licin. p. 9 B. Pelag. vet. 2. p. 21. Veget. mul. 2, 28, 37 (u. dazu Schneider). – dah. auch von andern Pferden gleicher Eigenschaft, asturco Macedonicus, Petr. 86. § 4 u. 6.
        [Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: Astures. Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 5761
        (vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 664)
        http://www.digitale-bibliothek.de/band69.htm ]

        Siehe auch COHORS VI ASTVRVM
        http://www.roemercohorte.de/deutsch/redirect.php?coh...

        Auch in der Chronicon Albeldense (883 u.Z.) genannt:
        http://www.paris4.sorbonne.fr/e-cursus/texte/CEC/gma...

        Gruß
        Armin

  4. Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
    Re: Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfun

    Hi Sandy,

    bisher hat es Herr Illig stets vermieden, öffentlich mit professionellen Medievisten zu streiten - warum wohl?!

    Gandalf

  5. Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
    Re: Sind Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfun

    Was haltet Ihr von der Geschichte, wonach ein gewisser Herr
    ... (ich hab den Namen schon wieder vergessen!) beweisen kann,
    dass bestimmte Zeitabschnitte des Mittelalters nur erfunden
    wurden?
    Hallo Sandy,
    natürlich ist es schwierig, jemanden der glaubt, dass die Geschichtsschreibung verfälscht wurde, mit der Geschichtsschreibung zu argumentieren. Einen Ausweg bietet die Dendrochronologie. (http://de.wikipedia.org/wiki/Dendrochronologie). In Zusammenhang mit archäologischen Funden gibt es keine Lücken.
    Grüße
    Ulf

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