Re^3: Löste die Armbrust im 14. Jahrh. den Bogen a
Hallo Werner,
ein wenig Physik ... Wie Du schon richtig anmerkst, ist die Zugkraft alleine nicht entscheidend für die Durchschlagskraft (und Reichweite) des Geschosses. Die physikalischen Nachteile der Armbrust sind die im Vergleich zum Langbogen kürzere Auszugslänge und die Kürze des Bogens (und damit der Wurfarme). Beides (und in geringerem Maß das für den Bogen verwendete Material) hat entscheidenden Einfluss auf auf die Geschwindigkeit, die das Geschoss erreichen kann - und damit auf dessen kinetische Energie. Der kritische Faktor ist die maximale Geschwindigkeit, die die Spitzen der Wurfarme beim Abschuss erreichen können. Diese Zusammenhänge sind jedem Bogenschützen bekannt.
Das Problem ist, dass bedingt durch die Kürze der Auszugslänge und der Wurfarme bei einer Armbrust die Energie der Zugkraft nur stark eingeschränkt in Geschwindigkeit umgesetzt werden kann; ein guter Teil dieser Energie 'verpufft' schlicht und einfach (bzw. wirkt als 'Rückschlag' auf Bogen und Sehne, was die Zielgenauigkeit beeinträchtigt). In dieser Hinsicht ist eine Armbrust schon vom technischen Design her im Vergleich zum Langbogen sehr ineffektiv. Die kinetische Energie des Geschosses (und damit seine Durchschlagskraft) ist darüber hinaus natürlich auch abhängig von seiner Masse - die beim Armbrustbolzen idR geringer ist als beim Pfeil.
Stephen V. Grancsay, Kurator für Waffen und Rüstungen am Metropolitan Museum in New York, veröffentlichte im April 1954 im True Magazine (S. 44-46 und 89-92) einen Artikel "Just how good was Armor?", in dem er typische Vergleichsdaten eines Experiments anführt, die wiederum von W. F. Paterson in "A Guide to the Crossbow" (Society of Archer Antiquaries 1990, ohne ISBN) zitiert werden.
Dabei erreichte ein von einem Langbogen mit einer Zugkraft von moderaten 68 lbs (30,84 kg) abgeschossener Pfeil eine Abschussgeschwindigkeit von 133,7 fps (40,75 m/s). Eine Armbrust, die eine nur unerheblich höhere Abschussgeschwindigkeit (138,7 fps bzw. 42,28 m/s) erzielte, musste da schon mit einem Zuggewicht von sage und schreibe 740 lbs (335.66 kg!) aufwarten. Solch ein schweres Gerät lässt sich schon nicht mehr mit einem Spanngürtel spannen - da braucht es schon eine Winde. Dabei war dann noch die Masse des Pfeils doppelt so groß wie die des Armbrustbolzens (2,5 oz gegen 1,25 oz bzw. 70 g gegen 35 g) ....
Also mit einer "rund drei mal so hohen Spannkraft der Armbrust" kommt man in Punkto Durchschlagskraft an den Langbogen noch lange nicht heran - da braucht man schon eher das Zehnfache.
Freundliche Grüße,
Ralf