Spargelstecher auf VOX - gestern abend

Moin,

also, als ich die spiegel tv reportage gesehen habe, ist mir - so wie jedes jahr - die galle wieder hochgekommen.
da war dieser typ, der meinte, er hätte kreislaufprobleme (vielleicht 26 jahre alt) und auf dem acker schuftet eine 50jährige.
ok, ganz ehrlich: spargelstechen wäre jetzt auch nichts für mich. aber das sind schon ziemliche klopper gewesen. und bevor ich wirklich garnichts finde, würde ich machen, was mir angeboten wird.
ich habe auch 3 monate am fließband gearbeitet und nach spätestens 2 stunden ist das gehirn matsch.

diese ganze motivationsunlust geht mir echt so auf den keks. andere menschen müssen da für einen kanister wasser 5 kilometer hin und zurücklaufen und hier zulande ist man zu faul seinen hintern zu bewegen, um die fernbedienung zu holen…

das erstmal vorab.
hat jemand das zufällig aufgenommen und könnte mir eine kopie machen?

gruss
levi

Unsägliches Hetzen! (war übrigens auf RTL)
Moin levi,

also, als ich die spiegel tv reportage gesehen habe, ist mir -
so wie jedes jahr - die galle wieder hochgekommen.
da war dieser typ, der meinte, er hätte kreislaufprobleme
(vielleicht 26 jahre alt) und auf dem acker schuftet eine
50jährige.

Also mal langsam mit die jungen Fehrde! Ich kenne auch einen, der ist 23 und hat’s mittem Kreislauf und muß aufpassen, wenn er sich anstrengt. Das ist nicht so witzig. Und wenn Du zu dem Menschen da in der Reportage (ich hab’ sie auch gesehen) nix weißt, halte lieber die Klappe! Es ist nicht nötig, körperlich benachteiligte darüberhinaus auch noch zu verspotten.

In der Firma, in der ich jobbe, haben alle Angst, daß man jede Krankheit als vorgeschütztes Zipperlein beargwöhnt und schleppen sich dann in völlig desolatem Zustand her um dann die anderen anzustecken. Außerdem erhält bei uns der, der weniger Krankheitstage hat, mehr „Weihnachtsgeld“ - wieder eine Doppelbestrafung! Schöne neue Arbeitswelt.

Nur weil es ein paar wenige gibt, die ihre Faulheit hinter einer vorgegebenen Krankheit verstecken ist niemand dazu berechtigt, in Bausch und Bogen jeden, dem nicht gleich ein Bein fehlt oder die Haut in Fetzen hängt als Simulant zu beschimpfen.

Zur Sache:
Die Reportage lief auf RTL, vielleicht hilft Dir das bei der Suche.

Grüßken
-R o b.

Sozial erblindete Selbstgefälligkeit. Schwach!
tach auch

also, als ich die spiegel tv reportage gesehen habe, ist mir -
so wie jedes jahr - die galle wieder hochgekommen.
da war dieser typ, der meinte, er hätte kreislaufprobleme
(vielleicht 26 jahre alt) und auf dem acker schuftet eine
50jährige.

hab du erst mal selber ein körperliches defizit das dir nicht ins gesicht geschrieben steht… dann wirst du unsere gesellschaft und „mitmenschlichkeit“ mal so richtig kennenlernen. aber so richtig!

ok, ganz ehrlich: spargelstechen wäre jetzt auch nichts für
mich. aber das sind schon ziemliche klopper gewesen. und bevor
ich wirklich garnichts finde, würde ich machen, was mir
angeboten wird.

mein gott, das problem ist nicht die anstrengede oder einfache arbeit an sich, sondern daß du damit als sozialer depp dastehst und auch nicht mehr respektiert wirst, als wenn du sozialhilfe schnorrst. würde man tätigkeiten wie spargelstechen, herbsten (weinlesen), putzen, müllaster fahren, kanalreiniger etc. richtig wertschätzen, dann wär das ganz was anderes. bis dahin aber sollte keiner mit steinen werfen.

JayKay

Hi,

ich hab’s gesehen und mich auch geärgert - aber ich vermute, dass die Fernseh-Jungs 'ne ganze Reihe Leuts befragen und dann natürlich genau die Statements raussuchen und senden die ihnen ins Konzept passen. Wie bei jeder Reportage.

Denn wieviele von den Befragten gesagt haben ‚ja klar, auch Spargelstechen mach ich‘, das wurde natürlich nicht gesagt geschweige denn gesendet.

Gruß Carolin

Moin,

also, als ich die spiegel tv reportage gesehen habe, ist mir -
so wie jedes jahr - die galle wieder hochgekommen.
da war dieser typ, der meinte, er hätte kreislaufprobleme
(vielleicht 26 jahre alt) und auf dem acker schuftet eine
50jährige.
ok, ganz ehrlich: spargelstechen wäre jetzt auch nichts für
mich. aber das sind schon ziemliche klopper gewesen. und bevor
ich wirklich garnichts finde, würde ich machen, was mir
angeboten wird.
ich habe auch 3 monate am fließband gearbeitet und nach
spätestens 2 stunden ist das gehirn matsch.

Servus!

Nur 3 Monate? Mein Studium hat länger gedauert, darum auch meine Zeit am Fließband…*grns*
Mal im Ernst: Ich komm aus der Gegend bei Schrobenhausen, und zwar quasi selber aus´m Bauernhof. Ich kenn genügend Bauern, die erstmal gar keine Kräfte vom Arb…von der Agentur für Arbeit anfordern. Warum?
Weil die oft mehr kaputt machen als nutzen. Die müssen erstmal angelernt werden, stechen die Stangen nicht richtig, und spätestens, wenn denen klar wird, dass sie morgens um 6 das erste Mal da sein müssen (weil man in der noch feuchten Erde die feinen Risse, die der emporspriessende Spargel in der Erde verursacht, da am besten sieht), dann ist der letzte Rest an Motivation dahin.
Nicht weil sie faul sind: So ein Arbeitsloser hat genug zu tun. Jobbörsen durchforsten, Bewerbungen schreiben, Ämter ablaufen…ich kenn das aus eigener Erfahrung!

Da sind die Polen und Rumänen, die fast jeder Bauer hier hat (und schon kennt, und auf die er sich oft so verlassen kann, dass er sich nicht mehr selber ums Spargelstechen kümmern braucht, die machen das schon…), anders.
Aber die können daheim auch recht gut leben von dem Geld was sie hier verdienen (nicht nur beim Spargelstechen, sondern die ziehen ja dann weiter ins Knoblauchsland, dann in die Weingegenden und am Schluß wieder zurück nach Bayern: In die Holledau zum Hopfenzupfen).
Kein Wunder, dass die motiviert sind. Ausserdem wollen sie nächstes Jahr auch wieder genommen werden…Marktwirtschaft halt.
Betrifft die Arbeitslosen aber net. Wer wollte ihnen den Mißmut verdenken?!? Noch dazu, wenn der Betreuer von der AfA sie einfachzuteilt, ohne Rücksicht auf eventuelle Krankheiten, Allergien oder sowas. Das is dem doch egal…Der is froh, wenn er den nächsten Stapel in Angriff nehmen kann!

Ich frag mich nur: Warum eigentlich der ganze Aktionismus von Seiten der AfA? Was Blöderes gibt´s doch gar net!

VG
Christian

mein gott, das problem ist nicht die anstrengede oder einfache
arbeit an sich, sondern daß du damit als sozialer depp
dastehst und auch nicht mehr respektiert wirst, als wenn du
sozialhilfe schnorrst.

Die Aussage muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jemand, der für einen geringen Lohn eine harte Arbeit verrichtet, genießt ein niedrigeres Ansehen, als jemand, der auf Kosten der Gesellschaft eine ruhige Kugel schiebt.

Gruß,
Christian

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bitte aufmerksamer lesen!!!

mein gott, das problem ist nicht die anstrengede oder einfache
arbeit an sich, sondern daß du damit als sozialer depp
dastehst und auch nicht mehr respektiert wirst, als wenn du
sozialhilfe schnorrst.

Die Aussage muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Jemand, der für einen geringen Lohn eine harte Arbeit
verrichtet, genießt ein niedrigeres Ansehen, als jemand, der
auf Kosten der Gesellschaft eine ruhige Kugel schiebt.

hallo christian,

bitte etwas aufmerksamer lesen:
ich schrieb „…und auch nicht mehr respektiert wirst, als…“

ich schrieb nicht , daß man als arbeiter ein niedrigeres ansehen habe, sondern nur, daß man kein besseres habe.

abgesehen von diesem mißverständnis: siehst du das etwa anders?
ich meine nicht, wer in deinem ansehen besser ist, sondern was du glaubst, wer allgemein besser dasteht?

stell dir vor, deine freunde und bekannten kennen dich als arbeitslosen oder als kanalreiniger - was glaubst du, käme besser an?

JayKay

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blöde Anmache usw.

ich schrieb nicht , daß man als arbeiter ein niedrigeres
ansehen habe, sondern nur, daß man kein besseres habe.

Ich hab das durchaus verstanden.

ich meine nicht, wer in deinem ansehen besser ist, sondern was
du glaubst, wer allgemein besser dasteht?

Eine gesellschaftliche Frage, deren Antwort ich kenne, was schlimm genug ist.

stell dir vor, deine freunde und bekannten kennen dich als
arbeitslosen oder als kanalreiniger - was glaubst du, käme
besser an?

Zumindest ersteres wird mir nie passieren, lieber mache ich einen Schund, bevor ich der Gesellschaft auf der Tasche liege.

Gruß,
Christian

VOX - die wahrheit!

also, als ich die spiegel tv reportage gesehen habe, ist mir -
so wie jedes jahr - die galle wieder hochgekommen.

da sitzt du glotzenderweise herum, und -wie immer- hast du dein
gallenproblem.
ich rate dir, mit dem seriösen spiegel-tv-team einen arzt
aufzusuchen.
die helfen dir auch, wenn dir aufgrund zufälliger bewußtlosigkeit
eine niere geklaut wird.

eventuell, wenn du nicht völlig scheiße aussiehst, kannst du noch `ne
cd rausbringen.

und morgen kommt der weihnachtsmann.

ich schrieb nicht , daß man als arbeiter ein niedrigeres
ansehen habe, sondern nur, daß man kein besseres habe.

Ich hab das durchaus verstanden.

wenn du es aber falsch wiedergibst, hilfst du nicht, die beurteilung von einfacher o. unangenehmer (müllmann) arbeit zu verbessern. insofern hast du es wohl eher nicht verstanden (nicht böse gemeint, aber die bequemlichkeit, hier nicht präziser zu formulieren, verschärft eben diese problematik).

ich meine nicht, wer in deinem ansehen besser ist, sondern was
du glaubst, wer allgemein besser dasteht?

Eine gesellschaftliche Frage, deren Antwort ich kenne, was
schlimm genug ist.

du meinst, die antwort ist schlimm genug, nicht deine kenntnis davon, oder?

stell dir vor, deine freunde und bekannten kennen dich als
arbeitslosen oder als kanalreiniger - was glaubst du, käme
besser an?

Zumindest ersteres wird mir nie passieren, lieber mache ich
einen Schund, bevor ich der Gesellschaft auf der Tasche liege.

siehst du: du selber nennst das „Schund“! genau diese abfälligen äußerungen und die geringschätzung „niederer“ arbeit macht sie richtig unattraktiv - weniger der niedrige lohn.

JayKay.

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lesen und arbeiten
Schon lustig, daß mich jemand dazu auffordert, seinen Artikel besser zu lesen (mit drei Ausrufzeichen, daher auch „blöde Anmache“) und selber gar nicht begreift, daß ich ihm überhaupt nicht widerspreche.

Ob nun jemand als Kanalarbeiter nicht besser oder schlechter oder genauso gut gelitten ist, als jemand, der sich zu schade dafür ist, für ein paar Kröten Spargel stechen zu gehen, ist eine uninterssante Marginalie. Entscheidend ist, daß der Kanalarbeiter nicht mit einem himmelweiten Abstand vor letzterem durch das Ziel läuft. Inzwischen ist es zu einer Selbstverständlichkeit geworden, vom Staat zu leben und bei unwesentlichen Leistungskürzungen auf die Barrikaden zu gehen.

Ganze Familien leben in der dritten Generatioin von der Stütze und sorgen dafür, daß auch die nächste Generation keinerlei Veranlassung sieht, das Leben bzw. dessen Finanzierung in die eigene Hand zu nehmen. Sie erleben von frühester Jugend an, daß Gardinen und kaputte Elektrogeräte ohne die Haushaltskasse zu belasten, ausgetauscht werden und man sich wunderbar mit dem Nichtstun arrangieren kann. In manchen Wohnblocks schleichen sich die wenigen Arbeitnehmer morgens unauffällig durch einen Seiteneingang, um von der am örtlichen Kiosk lagernden Trinkerfrühschicht nicht angepöbelt zu werden.

Kurz: Wer sich besonders geschickt um Arbeit oder das Zahlen von Steuern drückt, genießt in immer größer werdenden Gruppen ein nicht unerhebliches Ansehen. Das schadet der Gesellschaft im Allgemeinen und dem Einzelnen im besonderen (bzw. im Portemonnaie). Die vereinzelten Berichte über faules und/oder verweichlichtes Schmarotzergesindel ändern nichts daran, daß der Ruf nach mehr Staat und mehr sozialer Gerechtigkeit an jeder Ecke zu hören ist.

Daß soziale Gerechtigkeit im gemeinten Sinn bedeutet, daß nichtarbeitende Menschen zu Lasten derjenigen mehr erhalten, die die Show bezahlen (nämlich den paar Menschen in diesem Land, die noch sozialversicherungspflichtig arbeiten (immerhin gerade mal noch ein Drittel der Bevölkerung)), scheint von Agitatoren und Brandstiftern in Politik und Interessengruppen keiner zu begreifen.

Nichts anderes wollte ich mit meinem Artikel noch etwas klarer herausstellen, als Du es getan hast. Also: Locker bleiben!

Gruß,
Christian

Hi,

Denn wieviele von den Befragten gesagt haben ‚ja klar, auch
Spargelstechen mach ich‘, das wurde natürlich nicht gesagt
geschweige denn gesendet.

och, solche habe ich auch mal gesehen. Als man ihnen anbot, gleich mitzukommen, mußten sie aber auf einmal ganz dringend woanders hin. Macht aber nichts, denn der Landwirt war recht froh darum. Die deutschen Arbeitskräfte seien ihm zu faul und unzuverlässig sagte er. Nicht allzu wenige seien am zweiten Tag krank und insgesamt brächten sie weniger auf die Reihe, als die völlig freiwilligen Arbeitskräfte, sozusagen.

Gruß,
Christian

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Schon lustig, daß mich jemand dazu auffordert, seinen Artikel
besser zu lesen (mit drei Ausrufzeichen, daher auch „blöde
Anmache“) und selber gar nicht begreift, daß ich ihm überhaupt
nicht widerspreche.

Hallo Christian,

ich darf mich mal da einklinken. Du hattest geschrieben, Sozialhilfeschnorrer hätten ein besseres Ansehen als ein Müllmann (dieser Terminus soll fortan für alle vergleichbaren Arbeiten stehen, also auch Kanalreiniger, Straßenkehrer, etc.). Da Du dies nach der Zitatwiederholung von Jens’ Text und mit den Worten „Die Aussage muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“ schriebst, wird jeder davon ausgehen, daß das eine sinngemäße Zusammenfassung oder Fortsetzung von Jens’ Ausführung sein soll. Zumindest ging es mir und offensichtlich auch Jens so.

Insofern ist es völlig verständlich, daß auf die Unterschiede zwischen Jens’ Aussage (der eine sei nicht besser respektiert als der andere) und Deiner Aussage (der eine ist niedriger angesehen als der andere) hingewiesen wird.

Weiter behauptest Du, hier nicht widersprochen zu haben; tatsächlich aber sprichst Du bei der Müllarbeitertätigkeit von „Schund“ und widersprichst damit durchaus, denn Jens stellte auf das unverdient niedrige Ansehen von Müllmännern ab, und wer wollte bestreiten, daß genau solche Formulierungen dazu beitragen, daß sich daran auch ja nix ändert?

Man könnte es jedoch auch so formulieren:
Du stimmst der Beurteilung der Situation (also Jens’ Ausführung) zu, handelst aber nicht so, daß sich an jener etwas ändert! Solange man glauben konnte, Du hättest den Text nur nicht aufmerksam gelesen, warst Du aber besser bedient.
Video meliora proboque, deteriora sequor. (Ovid)

Ob nun jemand als Kanalarbeiter nicht besser oder schlechter
oder genauso gut gelitten ist, als jemand, der sich zu schade
dafür ist, für ein paar Kröten Spargel stechen zu gehen, ist
eine uninterssante Marginalie. Entscheidend ist, daß der
Kanalarbeiter nicht mit einem himmelweiten Abstand vor
letzterem durch das Ziel läuft. Inzwischen ist es zu einer
Selbstverständlichkeit geworden, vom Staat zu leben und bei
unwesentlichen Leistungskürzungen auf die Barrikaden zu gehen.

Da möchte ich auch einhaken!
Es gibt viele die wie Du hysterisch gegen die Windmühlen der Heerscharen von Sozialschmarotzern ankämpfen und die glauben, die Ursache vieler Volkskrankheiten hier gefunden zu haben. Verstehe mich nicht falsch: ich heiße es durchaus nicht gut, wenn einer lächelnd mit den Schultern zuckt und feststellt „warum soll ich denn was tun, ich hab’ doch alles“. Aber diese hyperventilierende Empörung hierüber ist einfach völlig unverhältnismäßig. Die folgende Milchmädchenrechnung zeigt schon mal einen Aspekt auf:
Würden alle Arbeitslosen (die könnten) sich nun um Arbeit bemühen, so würden die, die dann auch Arbeit bekämen, nicht etwa jahrelang leerstehende Stellen besetzen, sondern es würde größtenteils ein Austausch der Arbeitnehmer stattfinden. Vereinfacht gesagt: es ist ja nicht so, daß der großen Zahl von Arbeitslosen eine auch nur annähernd große Zahl von unbesetzten Stellen gegenübersteht. Wenn man dann noch bedenkt, daß viele - wie Du sagst - "Schund-"arbeitsplätze kaum mehr Geld bringen als die Sozialhilfe, dann ist klar, daß auch keine signifikante Steigerung des BIP zu erwarten wäre. Daraus wiederum folgt, daß durch die bisherige Praxis das Lohnniveau höher bleibt. Alles Zusammenhänge, die die meisten Deiner lautstark gröhlenden Kombattanten nicht kennen.

Kurz:
Die Sozialschmarotzer sind für unsere (Deutschlands) wirtschaftlichen Probleme nicht verantwortlich. Das rechtfertigt ihre Faulheit und Ignoranz nicht, aber mit dem Sachwissen darüber könnte man die an diesem Stammtisch entfesselte Energie mal auf die tatsächlichen Ursachen lenken und die Lyncherei auf später verschieben.

Ganze Familien leben in der dritten Generatioin von der Stütze
und sorgen dafür, daß auch die nächste Generation keinerlei
Veranlassung sieht, das Leben bzw. dessen Finanzierung in die
eigene Hand zu nehmen. Sie erleben von frühester Jugend an,
daß Gardinen und kaputte Elektrogeräte ohne die Haushaltskasse
zu belasten, ausgetauscht werden und man sich wunderbar mit
dem Nichtstun arrangieren kann. In manchen Wohnblocks
schleichen sich die wenigen Arbeitnehmer morgens unauffällig
durch einen Seiteneingang, um von der am örtlichen Kiosk
lagernden Trinkerfrühschicht nicht angepöbelt zu werden.

Dieser demagogische Selbstläufer sollte immer mit Fakten belegt werden! Wenn es vereinzelte Wohnblocks sind, will ich davon in dieser Situation nichts hören (sonst zähle ich ruckzuck vereinzelte Gegenbesipiele auf und wir sind wieder am Anfang). Wenn es aber ein häufiges, regelmäßig zu beobachtendes Problem ist, wird es Dir nicht schwerfallen, Belege für diese Behauptung zu liefern. Ich warte.
Und wenn wir dann soweit sind kannst Du mir auch noch sagen, inwiefern die Dir ja offenbar gut bekannten Trinkerwohnblocks einen seriösen Diskurs zu bereichern geeignet sind.

Kurz: Wer sich besonders geschickt um Arbeit oder das Zahlen
von Steuern drückt, genießt in immer größer werdenden Gruppen
ein nicht unerhebliches Ansehen. Das schadet der Gesellschaft
im Allgemeinen und dem Einzelnen im besonderen (bzw. im
Portemonnaie). Die vereinzelten Berichte über faules und/oder
verweichlichtes Schmarotzergesindel ändern nichts daran, daß
der Ruf nach mehr Staat und mehr sozialer Gerechtigkeit an
jeder Ecke zu hören ist.

Diese verkürzte Denke ist ziemlich übel. Ich will jetzt noch gar nicht weiter darauf eingehen (hier, im Kino/TV-Brett :o), aber einen kleinen Hinweis kann ich mir nicht verkneifen: Wenn ein Manager oder Konzern es vermag, durch buchhalterische Tricks, Beugung des Steuerrechts, Abschreibungs- und Bauherrenmodelle die Ausgaben zu verringern, dann heißt es einmütig „Seht, wie sich das Unternehmen für den Wirtschaftsstandort und die Arbeitsplätze verdient macht!“
…und die großen läßt man laufen!

Daß soziale Gerechtigkeit im gemeinten Sinn bedeutet, daß
nichtarbeitende Menschen zu Lasten derjenigen mehr
erhalten, die die Show bezahlen (nämlich den paar Menschen in
diesem Land, die noch sozialversicherungspflichtig arbeiten
(immerhin gerade mal noch ein Drittel der Bevölkerung)),
scheint von Agitatoren und Brandstiftern in Politik und
Interessengruppen keiner zu begreifen.

Also ich weiß nicht, ob gerade Du von Brandstiftung sprechen solltest: „Gerade mal noch ein Drittel“… Was glaubst Du, wieviel es zu Zeiten der Vollbeschäftigung sind? Bedeutend mehr? Blödsinn! Kinder und Rentner zählen ohnehin nie dazu, und daß das Volk immer älter wird, kannst Du doch wohl nicht auch noch den Sozialschmarotzern anlasten. Gerade dieser Hinweis auf das „sozialversicherungspflichtige Drittel“ ist rethorische Taschenspielerei. Da muß ich an F.-J. Strauß denken, der zur variantenreichen Illustration der Staatsverschuldung das theoretische Bargeldvolumen auf unter Nennung der Maximal-Achslast auf Güterwaggons verteilte, als Pfennigstücke mehrmals bis zum Mond stapelte etc.

Nichts anderes wollte ich mit meinem Artikel noch etwas klarer
herausstellen, als Du es getan hast. Also: Locker bleiben!

Ich bleibe locker. Man kann mit Dir kontrovers reden und ich respektiere Deine Meinung (ich glaube, wir hatten auch schon mal zum Thema „Kundenfreundlichkeit von Banken“ die Klingen gekreuzt) Nur denke ich, daß Du bei aller Empörung manchmal einen verstellten Blick auf die Sachlage hast - mit Verlaub ;o)

Viele Grüße
-R o b.

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Die Aussage muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Jemand, der für einen geringen Lohn eine harte Arbeit
verrichtet, genießt ein niedrigeres Ansehen, als jemand, der
auf Kosten der Gesellschaft eine ruhige Kugel schiebt.

Das stimmt sogar teilweise!

Viele Sozialhilfeempfänger arbeiten im übrigen nebenbei noch schwarz
in Gastronomie etc. Jobs wo „angesehener“ sind als Spargelstecher.

Letztendlich gilt doch:Kleider machen Leute. Sozialhilfeempfänger die abends in Discos mit Anzug abhängen würden doch nicht Spargelstechen!
Was interessiert mich denn was Hinz und Kunz auf der Straße in einer Stadt wie Frankfurt von mir denken die mich eh nicht kennen!
Und Leute die mich interessieren kann ich ja was anderes erzählen…
Phrasen wie Ansehen, Ehre etc. sind doch in einer Zeit wie der heutigen schon fast verfallen, genauso wie der Glaube! Wenn es ums Geld und um den Existenzkampf geht wird oft mit anderen Bandagen gekämpft.

Hinzu kommt noch der viel zu geringe Verdienst, der wie gesagt „noch“ für einen Polen z.B. einen höheren Stellenwert hat.

Aber das Ziel der AfA sollte auch nicht sein ein Volk von Spargelstechern auszubilden sondern die Leute zu qualifizieren.

Deutschland kann es sich nicht erlauben wie Polen früher zu werden, während Polen wie Deutschland heute wird!

Grüße,

Ralf

(P.S.:Habe qualifizierten Arbeitsplatz)

Das geht aber nur solange solange es finanzierbar ist.

Und die Zeiten sind jetzt so langsam wirklich vorbei.
Die Luft wird dünner.

Grüße,

Ralf

Hallöchen,

ich darf mich mal da einklinken. Du hattest geschrieben,
Sozialhilfeschnorrer hätten ein besseres Ansehen als ein
Müllmann (dieser Terminus soll fortan für alle vergleichbaren
Arbeiten stehen, also auch Kanalreiniger, Straßenkehrer,
etc.). Da Du dies nach der Zitatwiederholung von Jens’ Text
und mit den Worten „Die Aussage muß man sich mal auf der
Zunge zergehen lassen.“
schriebst, wird jeder davon
ausgehen, daß das eine sinngemäße Zusammenfassung oder
Fortsetzung von Jens’ Ausführung sein soll. Zumindest ging es
mir und offensichtlich auch Jens so.

im Endeffekt reibt sich die ganze Sache an der Frage auf, ob der eine nun besser oder nicht schlechter gelitten ist. Ehrlich gesagt bin ich zusätzlich zu meiner vohergehenden Klarstellung nicht zu weitergehenden Ausführungen zu dem Thema bereit.

Der Fehler liegt klar bei mir und zwar in zweierlei Hinsicht: Ich habe mich darauf eingelassen, ein politisches Thema in diesem Brett aufzugreifen, was schon einmal in die Hose gegangen ist, woraus ich hätte lernen müssen. Der andere Fehler liegt darin, daß ich nicht klargestellt habe, daß ich das Problem grundsätzlich genauso wie Jens (oder so) sehe.

Weiter behauptest Du, hier nicht widersprochen zu haben;
tatsächlich aber sprichst Du bei der Müllarbeitertätigkeit von
„Schund“ und widersprichst damit durchaus, denn Jens stellte
auf das unverdient niedrige Ansehen von Müllmännern ab, und
wer wollte bestreiten, daß genau solche Formulierungen dazu
beitragen, daß sich daran auch ja nix ändert?

Lies einfach den Halbsatz, der dahinter steht. Mehr Mühe investiere ich auch da nicht.

Man könnte es jedoch auch so formulieren:
Du stimmst der Beurteilung der Situation (also Jens’
Ausführung) zu, handelst aber nicht so, daß sich an jener
etwas ändert!

Nur weil ich hier was schreibe, das so oder so gemeint ist oder so oder so interpretiert werden kann, wird sich wohl an der öffentlichen Meinung nichts ändern.

Es gibt viele die wie Du hysterisch gegen die Windmühlen der
Heerscharen von Sozialschmarotzern ankämpfen und die glauben,
die Ursache vieler Volkskrankheiten hier gefunden zu haben.

Habe ich nie behauptet.

Und wenn wir dann soweit sind kannst Du mir auch noch sagen,
inwiefern die Dir ja offenbar gut bekannten Trinkerwohnblocks
einen seriösen Diskurs zu bereichern geeignet sind.

Es gibt immer wieder Grenzen, die man erst bemerkt, wenn man sie überschritten hat. Glückwunsch, Du hast eine gefunden.

C.

[MOD] Bitte zurück zur Ursprungsfrage
Hallo miteinander!

Bitte führt Eure Diskussion in einen der politischen Bretter weiter, da sie dort sicherlich am Besten aufgehoben ist.

Gruß
Beowolf

Nur weil es ein paar wenige gibt, die ihre Faulheit hinter
einer vorgegebenen Krankheit verstecken…

Also Rob, ich bin bei der Arbeitsagentur. Und ich kann dir aus reichlich eigener Erfahrung sagen, dass es nicht nur „ein paar wenige“ sind, die ihre Faulheit hinter einer vorgeschützten Krankheit verstecken! Ich weiß, es hört sich an wie ein Klischee, es ist aber keines. Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass die Mehrheit der deutschen Arbeitslosen, die zum Spargelstechen geschickt werden, zu faul dazu sind. Zur Beachtung: Ich spreche allein von Fällen die ich jedes Jahr selber miterlebe! Ca. 60% derjenigen, die wir zum Spargelstechen vermitteln, kommt spätestens nach drei Tagen mit 'ner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AUB) vom Arzt für mind. 2 Wochen oder gar einem Attest, indem vom Arzt bescheinigt wird, dass der Arbeitslose zu solch körperlicher Arbeit - aus den verschiedensten Gründen - nicht in der Lage ist. In letzteren Fällen wird von uns oft ein Ärztliches Gutachten vom Amtsarzt angefordert, und bei dem kommt in aller Regel raus, dass dem Arbeitslosen eigentlich nix fehlt. Ich greife hier nicht nur die Arbeitslosen an, die diese Nummer abziehen, sondern auch die Ärzte, die sich leider immer wieder dafür einspannen lassen. Ich erlebe das auch an anderer Stelle immer wieder, dass Ärzte offensichlich AUBs auf Verlangen ausstellen (hat man ja auch schon Berichte drüber im Fernsehen gesehen).
Und vom Austausch mit Kollegen aus anderen Agenturen weiß ich, dass es bundesweit so ist. Es ist also kein Wunder, dass sich z.B. die Spargelbauern ausländische (überwiegend osteuropäische) Kräfte holen, die deutlich arbeitswilliger sind. Die wollen doch schon gar nicht mehr Leute von uns vermittelt bekommen, weil sie wissen, dass nach drei Tagen nur noch allerhöchstens die Hälfte der Leute kommen.

Arbeitswillige Grüße,
Liza

1 „Gefällt mir“

Ich frag mich nur: Warum eigentlich der ganze Aktionismus von
Seiten der AfA? Was Blöderes gibt´s doch gar net!

Seh’ ich genauso (s. mein Statement ganz unten bei Rob). Da weiß der Kopf nicht, was der Körper macht (bzw. was bei diesem los ist).

(P.S.: Die Abkürzung für Agentur für Arbeit ist übrigens dieselbe, die das alte Arbeitsamt hatte: AA - und nicht AfA. Nur zur Info…*besserwiss*:smile:

Liza

[MOD] siehe mein Posting vom 26.4.2005 20:43
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…