Zahnmedizin
Von: sterror, 20.4.2010 12:33 Uhr
Hallo zusammen,
ich war vor einem Monat bei meiner Zahnärztin, um eine alte Amalganfüllung zu ersetzen. Sie meinte, es habe sich darunter wohl Karies entwickelt und es wäre sehr gut, dass ich gekommen sei (bis dahin hatte ich aber nie Schmerzen oder so).
Nach dem Bohren und der neuen Füllung, ich glaube, Kunststoff, ging ich zufrieden nach Hause. Allerdings war es mit der Zufriedenheit schon am nächsten Tag vorbei, denn der behandelte Zahn reagierte nach dem Abklingen der Betäubung empfindlich auf Wärme. Ich nahm eine 400mg Ibuprofen und schon war es wieder gut. Am übernächsten Tag kamen die Schmerzen aber wieder. Erneut eine Ibuprofen und gut war's. Die Prozedur zog sich dann eine Woche weiter: Täglich wieder etwas Schmerzen, täglich eine 400mg.
Am 7. Tag reichte es mir dann und ich rief die Zahnärztin an, um zu fragen, ob das normal sei. Sie meinte, ich solle mal vorbeikommen und dann schaue man sich die Sache an. Das Ergebnis dieser Untersuchung war nicht so toll: Sie sagte, ich hätte eine Pulpitis (entzündeter Zahnnerv) und man müsse eine Wurzelbehandlung machen. Die wurde dann einige Tage später auch durchgeführt und seither ist es jut.
Nun habe ich aber die Rechnung gekriegt und es macht den Anschein, als müsse ich alles selber bezahlen. Auf meine Nachfrage hin, meinte die Zahnärztin, die Karies sei eben sehr tief gewesen und da könne es schon passieren, dass es eine Pulpitis gebe. Mit dieser Antwort bin ich aber irgendwie nicht zufrieden. Schliesslich hatte ich vor dem Bohren gar keine Beschwerden.
Deshalb meine Fragen: Hätte die Zahnärztin verhindern können, dass eine Pulpitis entsteht, wenn sie ja schon sah, wie tief sie bohren musste? Zum Beispiel mit einer Vorbehandlung bzw. einer Desinfizierung vor dem Einsetzen der neuen Füllung? Oder hätte sie anders bohren sollen, denn die Pulpitis entstand ja offenbar erst dadurch und nicht durch die Karies, wie sie da war? Und hätte es auch eine andere Möglichkeit gegeben, die Pulpitis zu besiegen als diese sündhaft teure Wurzelbehandlung? Die Schmerzen waren ja nicht sooo schlimm und gingen nach einer kleinen Tablette wieder weg. Ich habe auf dieser Seite schon von Fällen gelesen, wo fünf 600mg Ibuprofen verzehrt werden mussten...
Vielen Dank für eine Antwort.
Grüsse, Fred



  1. Antwort von Anja Hartz-Polenz 1
    Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
    Hallo Fred,
    in Deinem Fall lag sehrwahrscheinlich eine recht tiefe Karies vor (?) - die man z. B. auch auf einem Röntgenbild erkennen kann (sog. CP - caries profunda) d. h. die Karies reicht bereits bis kurz vor die Pulpa - den Zahnnerv. Da sich Karies immer trichterförmig nach unten ausbreitet kann man den ganzen Schaden erst begutachten wenn die Kavität eröffnet ist (d. h. das Loch gebohrt...) danach geht es ans exkavieren (entfernen des erkrankten Dentins)und Legen der Füllung, danach heißt es einfach Abwarten, entweder es gelingt dem Körper, bzw. den Odontoblasten sog. Reizdentin zu bilden - d. h. eine neue Schicht die den Zahnnerv evtl. wieder bedeckt, oder eben nicht... ein aufgescheuchter Nerv reagiert natürlich empfindlich, das kann über mehrer Tage so gehen... ein kleines bisschen kann er sich dabei auch zurückziehen, aber das ist eben nicht immer so...Der Behandler hat darauf leider keinen Einfluss. Die sog. Dentilkanälchen sind mit Liquor gefüllt und verlaufen strahlenförmig zur Pulpa, d. h. da besteht sozusagen eine Verbindung /Reizleitung direkt zum Nerv(der "Autsch-Effekt") Karies sollte immer restlos entfernt werden, manchmal ist es möglich eine Füllung mit Nelkenöl zu legen, die aber nur temporär ist, sie soll den Nerv beruhigen... (ist aber auch wiederum problematisch, denn Nelkenöl verträgt sich nicht mit Kunststoff:)d. h. danach halten Kunststofffüllungen schlecht...Tröste Dich evtl. mit dem Gedanken, dass solche Zähne - auch wenn vorher gar keine Beschwerden vorhanden - meistens dann "hochgehen" wenn man es wirklich gar nicht brauchen kann...
    Bzgl. der Liquidation darf und kann ich keine Tipps geben... nur evtl. den: Nochmal bei der Kasse nachfragen...
    Viele Grüße Anja
    • Antwort von Eike Stelter (abgemeldet) 0
      Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
      Hallo Fred,
      es kann schon mal vorkommen, dass auch nach einer Füllung der Zahn keine Ruhe gibt und eine Wurzelfüllung gemacht werden muss.
      Was mich allerdings sehr wundert: ist keine Rötgenaufnahme gemacht worden vorher? Dann hätte die Ärztin gesehen, dass es mit einer einfachen Füllung nicht getan ist.
      Ich habe auch bereits zwei Wurzelbehandlungen, allerdings bisher nicht dafür bezahlt. Das übernimmt die Kasse, es sei denn, man ist privat versichert.
      Außerdem hätte die Ärztin Dich VOR der Behandlung darauf hinweisen müssen, dass Kosten entstehen.
      Ich würde die Krankenkasse anrufen und zur Not die Verbraucherzentrale.
      Die Geschichte kommt mir komisch vor.
      Hoffe, etwas geholfen zu haben.
      Beste Grüße
      Eike
      1 Kommentare
      • von sterror 0
        Re^2: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
        Vielen Dank für die Antwort! Da ich privat versichert bin, muss ich den Spass selber bezahlen, was halt auch weh tut, aber ich merke, dass es wohl einfach sein musste und fast nicht zu verhindern gewesen wäre. Der Hinweis vor der Behandlung in Sachen Kosten für mich kam wohl nicht, weil sie der Meinung war, dass es ganz allein meine Schuld ist mit der Pulpitis. Und das scheint ja auch der Fall zu sein...
        Grüsse, Fred
    • Antwort von Madmorphi 0
      Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
      Hallo Fred,

      lange Frage kurze Antwort: Kann bei jeder Behandlung passieren, insbesondere bei tiefer Karies.
      Die Frage ist: Was wäre passiert, wenn man nichts gemacht hätte? Die Karies wäre bis zum Zahnnerv gegangen und
      Du hättest Schmerzen bekommen, die mit Worten nicht zu beschreiben sind.
      Sei lieber froh, dass es frühzeitig behandelt wurde. Eine gute Wurzelbehandlung kostet nunmal Geld. Dafür kann Dein Zahn lange erhalten werden.

      Grüsse,

      MM
      2 Kommentare
      • von sterror 0
        Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
        Vielen Dank für die Antwort! Da ich privat versichert bin, muss ich den Spass selber bezahlen, was halt auch weh tut, aber ich merke, dass es wohl einfach sein musste und fast nicht zu verhindern gewesen wäre.
        Grüsse, Fred
    • Antwort von Dr. GERNOT PLATTE 0
      Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
      Die Pulpitis war wahrscheinlich schon vor der Behandlung da. Sie war nur noch nicht akut. Wenn man mit Schmerzen zum Zahnarzt geht, dann ist in über 90% der Fälle eine sog. irreversible Pulpitis der Grund. Ein bis zur Füllung nicht schmerzender Zahn, hat dann ein Stadium der Pulpitis welches in vielen Fällen noch reversibel ist. Nicht selten geht dies mit einer besonders starken Kälteempfindlichkeit nach dem Legen der Füllung einher. Diese Beschwerden können dann langsam wieder abklingen (sog. reversible Pulpitis) oder besonders stark werden ( in Ihrem Fall sogar Warmbeschwerden) dann lag oder liegt eine irreversible Pulpitis vor.

      Sie haben völlig recht, daß durch das Legen der Füllung die Sache erst akut geworden ist (bzw. sehr wahrscheinlich). Ausgelöst wird so etwas durch das Bohren an sich, die Erschütteterungen dabei, die Desinfektion anschließend oder ggf. durch das Füllmaterial selber. Am häufigsten aber kann die Ursache nicht gefunden werden. Die Kollegin hat aber völlig richtig gehandelt, indem sie eine eindeutig kariöse Füllung auswechselt zu einem Zeitpunkt, als der Zahn noch keine Spontanbeschwerden machte.
      Was wäre die Alternative gewesen ? Warten ? Dann hätten Sie vermutlich gedacht, das hätte man ja auch früher feststellen können ... wenn dann kurz nach der Untersuchung auf einmal die Schmerzen kommen.
      Im schlimmeren Fall wäre u.U. der Nerv klammheimlich abgestorben. Mit der Folge, daß später ein durch und durch mit Bakterien penetrierter Zahn einer Wurzelkanalbehandlung bedurft hätte. So etwas nennt man Gangrän. Die Prognose für einen solchen Fall ist um ein vielfaches schlechter, als einen vitalen, aber pulpitischen Zahn behandeln zu müssen.

      Man kann von außen nicht erkennen, wie tief man bohren muß - man muß so lange bohren, bis der Zahn kariesfrei ist. Nicht selten wird dabei der Nerv eröffnet - obwohl vorher keine Schmerzen vorlagen.
      Desinfiziert wird so ein Zahn immer bevor eine Füllung gelegt wird.

      Es gibt leider keine Möglichkeit eine Pulpitis anders, als durch eine Wurzelkanalbehandlung zu behandeln und damit den Zahn zu retten.

      Zu den Kosten müßte ich wissen ob Sie GKP o.PKV Patient sind
      • Antwort von Schnaeckerl 0
        Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
        Hallo Fred.
        Also es ist schon so, dass, auch wenn die Karies tief aber der Nervkanal noch nicht offen ist,man versucht, den Nerv zu erhalten. Entweder der Nerv regeneriert sich oder, wie in Ihrem Fall, er regerniert sich nicht und es wird eine Pulpitis.Wie lange man dann wartet mit einer Weiterbehandlung kann man so pauschal nicht beurteilen. Das hängt auch von den Schmerzen ab.
        Ihr Zahnarzt hat sicher nichts falsch gemacht oder falsch gebohrt oder so und eine Pulpitis kann man auch nicht verhindern.
        Ich hoffe allerdings, dass jetzt alles in Ordnung ist und Sie Beschwerdefrei sind.
        LG Schnaeckerl
        1 Kommentare
        • von sterror 0
          Re^2: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
          Vielen Dank für die Antwort! Da ich privat versichert bin, muss ich den Spass selber bezahlen, was halt auch weh tut, aber ich merke, dass es wohl einfach sein musste und fast nicht zu verhindern gewesen wäre.
          Grüsse, Fred..
      • Antwort von zahnradler 0
        Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
        Hallo sterror,

        zur Beantwortung Deiner Fragen folgendes:

        Auch bei sachgerechtem Vorgehen beim Anfertigen einer neuen Füllung kann eine Pulpitis nicht immer verhindert werden. Je nach Tiefe der Karies finden sich bereits Bakterien in unmittelbarer Nervnähe oder bereits in der Nervhöhle, was nicht immer vorher mit entsprechenden Beschwerden verbunden ist. Beim Bohren bewegt man sich in lebendigem Gewebe, und zwar umso mehr, je näher man an der Nervhöhle bohrt. Deshalb stellt Bohren für den Nerven auch Streß, ein sogenanntes Trauma dar, was zu einer Pulpitis führen kann, je nach Vorschädigung und Abwehrlage des Nervgewebes.

        In einigen wenigen Fällen kann eine medikamentöse Einlage vor Anfertigung einer Füllung eine beginnende Puliptis beseitigen. Meist aber ist die Wurzelbehandlung die Therapie der Wahl bei einer Pulpitis. Diese ist nicht immer Kassenleistung und muß dann komplett privat bezahlt werden. Nur durch Ibuprofen alleine kann eine Pulpitis nicht dauerhaft behandelt werden. Durch eine gute Wurzelbehandlung, die teilweise sehr aufwendig sein kann ist allerdings heute der Erhalt von Zähnen auch in schwierigen Situationen möglich.

        Über die Einzelheiten der Anrechnung von Wurzelbehandlungen informiert in der Regel die zuständige Zahnärztekammer, die auch eine Patienten-Hotline führt.

        Ich haffe, meine Ausführungen konnten weiterhelfen und entschuldige meine verspätete Antwort.

        Zu meiner Qualifikation: Ich selbst bin Zahnarzt und habe mich u.a. im Bereich Wurzelbehandlungen spezialisiert

        zahnradler
        • Antwort von Emil 0
          Re: Pulpitis wegen mangelhafter Behandlung?
          Nach 1.5 Jahren doch noch mein Antwort...

          Leider kann es tatsächlich vorkommen, dass nach Karies-Behandlung zum Pulpitis kommt.

          Es wird leider viel zu oft gebohrt um abzurechnen.
          Eine alte Füllung kann leicht für "mangelhaft" erklärt werden. Besonders Amalgam... Was die Zahnärzte vergessen ist - dass Amalgam seit nun mehr als 180 Jahren in Verwendung ist - mit all der Nachteilen - hässlich, enthält Quecksilber, spezielle Präparationstechniken am Zahn notwendig etc. ABER Amalgam ist erprobt, hat sich im laufe der Zeit "bewiesen" - hat die gleichen Festigkeit- und Abrieb-Koeffizienten wie harte Zahnsubstanzen und am WICHTIGSTEN - ist nicht toxisch für Zahnmark! Viele Leute lassen sich Irreführen vom Quecksilber - die Wahrheit ist - in dieser Form ist Quecksilber gebunden - die Gefahr kommt erst bei der in Deutschland gängige Einäscherung - dann werden extrem giftige Quecksilberdämpfe freigesetzt - schädlich für Umwelt, Mensch und Tier... für den Patienten hingegen (es sei denn allergisch) UNBEDENKLICH!
          Die moderne Füllungen (Kunststoffe) sind toxikologisch SEHR bedenklich - es reicht mal dran zu riechen - Aceton, Benzol und ein HAUFEN Krebserregenden und reizenden Substanzen. Meine Erfahrungen zeigen, dass beim tiefen Karies ohne entsprechende Unterfüllung - bei eine Quote von nahezu 100% zum Pulpitis kommt - der Kunststoff sei dank!

          Ich würde aber keine Absicht unterstellen - es ist einfach gängige Praxis (und es lohnt sich - für die Zahnärztin). Erst die Füllung abzurechnen, dann - privat Wurzelkanalbehandlung...

          Wurden denn die zusätzliche Kosten vorher abgesprochen? Oder einfach gemacht und dann die Rechnung?

          Hoffe auch wenn es REICHLICH spät geantwortet wurde ... doch noch zu Aufklärung hilft...