Hi Christian,
unser fieser Geschichtslehrer hat uns über die
Sommerferien ein Arbeitsblatt mit Fragen zum 2. Weltkrieg
gegeben welches wir zu bearbeiten haben, da gibt es nur ein
winzig kleines Problem, ich finde zu fast keiner frage eine
Antwort, nicht in meinem Hefter, nicht im Geschichtsbuch und
auch nicht in Encarta 2002 Prof.
- Wie dachte Hitler über die Zukunft Deutschlands? (2)
Das kann man nicht wissen, weil man ihn nicht mehr fragen kann. Und soweit man es wagen möchte, irgendetwas von dem zu glauben, was er sagte, stellt sich die Frage, was. Denn es widerspricht sich fast alles. Soll man das mit dem Agrarfimmel oder eher die gigantomanische Bauwut Ernst nehmen? Oder die Idee von Himmler, als er meinte, ein prima Volk bleibe nur dann prima, wenn es pro Familie bis in alle Ewigkeiten 2-3 Gefallene im Ural als dem anzustrebenden Grenzgebirge Deutschlands aufbringe? Da sollte schon etwas mehr kommen, vom Herrn Lehrer als so eine unglaublich dumm formulierte Frage.
- Wo gab es nach Hitlers Meinung noch „Lebensraum“? (1)
Vielleicht auf dem Meeresboden? Eine atemberaubend unverant-wortliche Frage, die den Irrsinn vom „Lebensraum“ unter der Hand in den Rang von etwas erhebt, was man halt auch so „meinen“ kann. Als wenn wir alle ein paar Quadratmeilen Tundra um uns herum bräuchten, um uns nicht auf die Nerven zu gehen!
Den Eindruck kann man manchmal so verzweifelt haben, dass er sich für manche als verlockend anhört, wenn er plötzlich in Aussicht gestellt wird. Bevor man sich zuviel Mühe geben muss, sich auf Spielregeln zu einigen, verspricht man den Leuten einfach, dass irgendwann mal jeder einen riesenhof kriegt und da machen kann was, er will, weil es kein anderer mitkriegt und es keinen stören kann. Dafür braucht man leider ziemlich viel Platz und dafür müssten wir jetzt leider etwas Krieg machen.
So etwas „meint“ man nicht; zu so etwas nimmt man Zuflucht vor den Schrecken des Nachdenkens über Kompromisse und Spielregeln.
- Eine Nation hielt Hitler für den Todfeind Deutschlands.
(1)
Er wird wohl die Juden meinen. Nur waren die damals, auch nach eigener Meinung, noch keine ordentliche Nation mit Fahne, Hymne und Briefmarke. Aber es gibt einen Geheimtipp zu der Frage: Die Tschechen. Hitler hatte einen Tschechenfimmel aus seiner mis-ratenen multikulturellen Kindheit im kunterbunten Österreich-Ungarischen Böhmen, alias Tschechien. Aber dafür muss man seine „Tischgespräche“, die Monologe im Führerhauptquartier lesen. Und dafür lohnt sich das nun eigentlich wieder auch nicht.
- Beschreibe den Weg in den Krieg (Stichworte)! (9)
Die Panzer fuhren erst nach Osten und dann nach Westen und später wieder zurück - soweit sie halt noch da waren und Benzin hatten - für die Flugzeuge ging es dagegen immer nach oben und sann alle wieder nach unten. Darauf war Verlass. Bei den U-Booten umgekehrt wie bei den Fluzeugen; und dass die meisten auch unten blieben, was beweist, das die Schwerkraft auch im Krieg die wichtigste ist und veilleicht Physik erkellender als Geschichte; zumindest, wen man in Gechichte so fragt, wie euer Pauker. Ist er aus dem Westen, Altgenosse, Neuliberaler, Moderechter oder Alkoholiker? Oder ist er nur ein armer Tropf, so verständnislos in dieser Welt, wie er fragt?
Dem Lehrer gehört die Pisa-Studie um die Ohren geschlagen, wenn er die Fragen wirklich so gestellt hat. Eine Frage ohne Subjekt, dafür mit zwei Objekten, unglaublich. Wie konnte Hitler den Krieg so anbahnen, dass er dabei einen Eindruck durchsetzen konnte, er bemühe sich um Frieden? So etwa wäre die Frage richtig gestellt, ob der Herr Lehrer zu ihrer Beantwortung etwas Hilfreiches beisteuern könnte, würde ich mal austesten. Die Art, wie er weiter fragt, spricht nicht dafür.
- Wer waren die Gegner im zweiten Weltkrieg? (8)
„Gegner“ als Oberbegriff für Opfer und für welche die sich erfolgreich wehren können? England war eigentlich der einzige Gegener im strengen Sinne des Wortes. Polen und die SU wurden erst als Überfallene zu „Gegnern“ und wären es gerne nicht geworden.
Den Deutschen eine Einigung mit Polen zu versprechen, die mit Polen nicht zu erzielen ist; nicht so wichtig finden, dass Frankreich und England sich verpflichten, Polen beizustehen; sich mit Stalins Sowjetunion heimlich über die Aufteilung Osteuropas verständigen und damit dann einfach anzufangen.
So macht man sich alle zu Gegnern, die man nicht zu Opfern machen kann. Und wenn dann die, die man sich so geschickterweise zu Gegnern gemacht hat, sich in Übersee befinden oder es so saukalt haben, dass einem Diesel und Öl gefrieren, dann hat man schlechte Karten und muss hinterher erzählen, man hätte so viele Gegner gehabt.
- Zähle die vier Etappen des Krieges auf! (13)
Zu Lande, zu Wasser, in der Luft und unter Wasser. Da soll er mal das Gegenteil beweisen. Wenn er eine Etappentheorie hat, dann soll er sie selber vertreten und dann diskutieren, aber nicht irgendwelche willkürlich herausgesuchten Einteilungen einfach abfragen.
- Beschreibe das Ziel der deutschen Besatzungpolitik! (4)
Das Ziel war, Beliebtheit zu erlangen und Begeistung auszulösen.
Nur waren die Vorstellungen, davon, wie Beliebtheit zu stande kommt und Begeisterung sich bildet, etwas anders als wir das heute sehen würden. Verhungern lassen, vergasen, erpressen, Geisseln massakrieren und willkürlich verdächtigen, um ausgiebig foltern zu können, halten wir heute überwiegend nicht mehr für geeignet, um sich wirklich beliebt zu machen. Die deutsche Besatzungspolitik hat dagegen nie das Ziel verkündet, sich gerne unbeliebt machen zu wollen. Wieder ist die Frage so falsch gestellt, dass jeder Versuch sie zu beantworten, vom Verständnis wegführt, statt hinzuführen.
- Wie bechreibt Goebbels den „totalen Krieg“? (1)
Hat er den beschrieben? Totaler und radikaler als wir uns ihn überhaupt vorstellen können, hat er, glaube ich gesagt, oder besser gesagt geschrien. Er hat also gesagt, dass etwas passieren wird, was sich die Leute nicht vorstellen können. Und das fanden die Leute grossartig, jedenfalls die, die gefilmt wurden, von denen, die im Saal waren. Und gesagt hat er noch, dass man da rein gehen wird, wie in einen Gottesdienst, in den totelen Krieg.
Laut jedenfalls, beschrieb er ihn, LAUT!!!
- Was versteht man unter „Kriegswirtschaft“? (4)
Gegenfrage: Wozu gibt es Wörter?
- Wie und wo kam es zum Abwurf der ersten Atombomben? (3)
- Wann begann der Zweite Weltkrieg? Wann endete er? Wie sah
seine Bilanz aus? (4)
Endlich mal was, was man exakt nachlesen kann. Zu der Bombe wäre allerdings noch zu ergänzen, dass sie dazu diente, um Stalin Angst zu machen. Dieser hat das aber missverstanden und gedacht, dass er jetzt auch schnell was machen muss, damit nicht die armen Amerikaner die ganze schwere Kriegslast so alleine tragen müssen. Und da hat er schnell halb China und halb Korea den Japanern weggeschnappt, etwas was die Amerikaner dann wenigstens mächtig beeindruckt hatte. Die Japaner waren natürlich sauer, weil sie nur wegen ihrer eingenen Sachen bereit sind, zu sterben, aber nicht wegen irgendwelcher verschlüsselter Bot-schaften von Amerikanern an Russen, die die Russen dann sowieso völlig anders verstehen. Wegen der Hunderttausenden die in ihren Papierhütten in amerikanischem Phosphor verbrannt sind, hat kein Japaner was gesagt; aber das mit Hiroschima, nur um Stalin zu zeigen, wie man mit einem Knopfdruck zehntausende töten kann, das finden viele Japaner bis heute nicht ganz fair. Ausserdem wusste Stalin, wie man mit einem Knopfdruck zehntausende töten kann: man muss nur Torpedos auf überladene Flüchtlingsschiffe abschiessen. Das kam auch gut und ging sogar öfter. War also nichts neues für Onkel Joe, wofür die Japaner da sterben mussten.
- Zähle gründe für den Wiederstand auf! (8)
Die Antwort müsste sich aus Frage 11, Satz drei, ergeben.
- Zähle Wiederstandskreise auf! (6)
Kann man nachlesen, Kreisauer, Rote Kapelle etc. und sich dann prima streiten, ob Widerstand auch Spionage sein darf oder gefälligst einen ordentlichen Putsch hinzulegen hat und ob das auch dann gibt, wenn das Ausland einen Putsch aber doof fände.
Schnee von gestern, brotlose Kunst.
Ich spüre eine ganz schöne Wut, gegen die Art von Geschichts-unterricht, die sich in dieser Art, zu „fragen“ da mitteilt. In dieser strikt und geschickt verstandnisvermeidenden, verstand-nisverhütenden, verstandnisscheuenden Form zu fragen, gegen jede Anschauung, jede Chance auf Nachvollziehung, Einsicht, Entsetzen und Demut. Leute, die so blutleer fragen, wie dieser Pauker sollten abgeschoben werden in irgendwelche hinterletzten Ver-waltungsstellt, die irgendwas verwalten, was es schon längst nicht mehr gibt. Aber nicht auf lebendige Menschen losgelassen werden.
Schon mal VIELEN DANK an alle Helfer !!!
Die Lehrer müssten eure Helfer sein, aber viele von denen finden es wohl auch ok, euer Problem zu sein. So sind sie auch für euch da, auf die Art, auf die sie es halt können.