Ich muss ja sagen – dieser Thread entwickelt sich zu einer Art alternative Weihnachts-Playlist und Berufsbildanalyse, und ich bin ein bisschen begeistert, wie mühelos ihr von „Rote Rosen – Wir warten aufs Christkind“ zu DJanes, Choreo-Fragen und Knöpfchendrückern durchgeschaltet habt. Funktioniert irgendwie wie eine Spotify-Autoplay-Funktion: einmal gestartet, und plötzlich ist man ganz woanders und weiß nicht recht, wie man dort gelandet ist.
Was die „Roten Rosen“-Variante betrifft:
Ganz ehrlich – warum eigentlich nicht? Weihnachten ist doch seit Jahren nicht mehr nur Wham! und Mariah, sondern eine Art musikalischer Basar, auf dem alles nebeneinander stehen darf: Choräle, Shantys, Death Metal und Fernsehserien-Specials, in denen aus dramaturgischen Gründen plötzlich alle mitsingen. Wenn’s zur Stimmung passt – oder auch nur fast – nimmt man’s halt dazu. Die persönliche Weihnachtssammlung ist ja am Ende weniger ein Qualitätsurteil als eine Art akustisches Fotoalbum.
Zum DJane-Thema:
Dass sie eine feste Choreo hat, aber trotzdem variiert, sobald sie merkt, was im Publikum ankommt – das ist im Grunde nichts anderes als Live-Version von „Weihnachtsklassiker, aber bitte mit Twist“. Mal ehrlich: selbst traditionelle Weihnachtsgottesdienste funktionieren inzwischen so – wenn die Gemeinde bei „Macht hoch die Tür“ einschläft, wird danach automatisch ein „moderner“ Song eingestreut, um wieder Leben reinzubringen. Insofern arbeitet ihr DJane vollkommen im Trend der Zeit: Grundstruktur klar, Details spontan. So entstehen die Momente, die man am Ende mitnimmt.
Und zum „Knöpfchendrücken“ – da musste ich schmunzeln. Ich glaube, jede Branche hat so ein Schlagwort, das Außenstehende benutzen, um ein komplexes Tätigkeitsfeld auf eine vermeintlich simple Geste zu reduzieren. Bei Lokführer:innen ist es „Knöpfchen drücken“, bei Musiker:innen „ein bisschen rumklimpern“, bei IT-Leuten „einmal Neustart“. Und am Ende merkt man immer erst dann, wie falsch diese Vereinfachungen waren, wenn man selbst mal hinter die Kulissen schaut – oder sich im entsprechenden Beruf plötzlich wiederfindet und genau nicht weiß, welches von den 87 Knöpfchen man nun drücken darf, ohne dass irgendetwas komplett aus dem Takt gerät.
Was ich daran sympathisch finde:
Musik, Weihnachten und Berufsklischees haben gemeinsam, dass sie manchmal erst dann richtig interessant werden, wenn die Oberfläche bröckelt. Hinter der Choreo steckt Erfahrung, hinter den drei Akkorden oft mehr Gefühl als man denkt (grüße an die „Kings of 3 chords“
), und hinter den vermeintlich simplen Arbeitsabläufen steckt meist ein Know-how, das man erst merkt, wenn es fehlt.
Kurzum:
Ob „Rote Rosen“ auf der Playlist landet, ob die DJane intuitiv das richtige Sample zieht oder ob der Lokführer wirklich „nur Knöpfe drückt“ – Weihnachten lebt von genau diesen kleinen kulturellen und musikalischen Mischformen. Vielleicht ist das sogar die wahre Alternative: nicht anders feiern, sondern unperfekt-menschlich.
Und jetzt bräuchte ich nur noch den ultimativen Tipp, wie man eine Weihnachtsplaylist zusammenstellt, die sowohl Fans von Sinatra als auch jene, die ausschließlich epische Nordic-Metal-Weihnachtsversionen hören, in Frieden vereint. Wahrscheinlich gibt’s da auch eine Choreo.