Auf die Nachbarschaft gehen

Aber genau das funktioniert nicht, da im Deutschen schon immer der Artikel genutzt wurde. D.h. bei uns ergibt sich kein Unterschied, egal ob die Ukraine jetzt sagt, dass die den Artikel haben will, oder nicht. Bei uns geht dieser Wunsch einfach in Leere. Ganz anders z.B. im englischsprachigen Raum, in dem sich der gewünschte Artikel erst durchsetzen muss/musste und damit dann ein Bewusstsein für die veränderte politische Lage durch Verwendung des Artikels geschaffen wird/werden kann.

Ein - wenn auch ziemlich entfernt - ungefähr analoger Gebrauch ist die Verwendung von „zu“ + Ortsname als Bezeichnung eines Ortes, nur wenn die genannte Stadt eine gewisse Bedeutung hat: „Zu Straßburg auf der Schanz`“, „Im Kerker zu Frankfurt am Main“ usw. aber nicht „im Dorfkrug zu Leiferde“ oder „in der Turnhalle zu Hettenleidelheim“. (außerhalb des südlichen Schwäbischen, wo das „zu“ unabhängig von der Bedeutung des Ortes ist, z.B. auch z’Schemmara oder z’Äpfenga). „In“ geht im Gegensatz dazu immer: In Straßburg, in Leiferde, in Hettenleidelheim.

Schöne Grüße

MM

2 Like

Das „zu“ ist halt etwas antiquiert, weshalb es in der Schriftsprache ernsthaft nur noch in gehobenen Kontexten (also Dingen von Bedeutung) angewendet wird

…während in den Dialekten sich so maches altertümliche bewahrt hat, ohne dass es altertümlich wäre. Die Verwendung ist nämlich nicht nur auf das südliche Schwäbisch beschränkt, sondern findet sich auch im Bairischen: z’Miaschboch oder z’Minga.

Hawediehre,
Max

Geht es dir denn um den Artikel? Oder vielmehr um die Präposition „auf“?

Also in einer slawisch-sprachigen Diskussionrunde!?

In der Nähe der Ukraine

spricht man mit Ausnahme Unganrs und Rumäniens ausschließlich (west- und ost-)slawische Sprachen. Und dort weiß man, daß z.B.
polnisch na Ukrainę
slowakisch na Ukrajinu
russisch в Украину
ins Deutsche nicht mit „in die …“, sondern „auf die …“ übersetzt wird, obwohl diese Präpositionen zwischen „in“ und „auf“ in den genannten Sprachen gar nicht unterscheiden?

Aber vielleicht hast du in dem Forum mit in diesen Ländern lebenden Deutschen gesprochen? Und deren Ur-Eltern noch wussten, daß „ukraina“ schlicht „Gegend, Landschaft“ bedeutete, also bevor es zum Namen des Staates wurde, und die vor einigen Jahrhunderten gemeinte gegraphische Gegend → „Wildes Feld“ genannt wurde? („aufs Feld gehen“ ist im Dt. geläufig, aber das hat mit „Nachbarschaft“ nichts zu tun!)

Die Präposition „auf“, eine spätere Entwicklung eines entsprechenden Adverbs, gehört zu denen mit der umfangreichsten Mannigfalitigkeit von Anwendungsvarianten. Das → Grimmsche DWB weist allein für den Akkusativ 27 Varianten auf, die fast alle mit dem ursprünglichen „oben“ bzw. „nach oben“ nichts Erkennbares mehr zu tun haben. Entsprechend auch die Varianten von „auf-“ als Partikel von Partikelverben.

So natürlich auch
„auf Reisen gehen“
„Auf Wiedersehen!“
oder
„Auf gut Glück!“ usw. usw.

Und das einmalige, von @Kreszentia gefundene Beispiel (und zwar ohne Artikel!) hat mit „in die Nachbarschaft gehen“ oder „zu den Nachbarn gehen“ nichts zu tun, wie bereits erklärt.

Die

„theoretische Frage, ob so etwas gibt“

hat also eine Antwort: Nein, gibt es nicht :slight_smile:

Schönen Gruß
Metapher

2 Like

„aufs Feld gehen“ passt schon und klingt plausibel.

Ich finde es sehr schade.

Grüße

@Metapher - Träumezerstörer seit 11/2000 :stuck_out_tongue_winking_eye:

2 Like

und auch Fantasiezertörer seit 11/2000 :innocent:

Bin doch durch und durch unschuldig. Aber sowas von! :man_shrugging:t2:

incl. die erstaunliche Variante von „von“ in dem Ausdruck :sunglasses:

1 Like

man könnte zur weiteren verkomplizierung noch assoziativ hinzufügen:

ich gehe der nachbarschaft auf

  • die nerven
  • den senkel
  • die eier
  • den geist

jaja, bin schon weg.

e.c.

Gsst - ich weiß was! Du host die Großschreibung beim Alterthümlichen vergessen!

Am Wochenende, um diese Uhrzeit, bei der Hitze, kann man schonmal in die Barrikaden gehen …
Sry4offtopic

1 Like

@Kudo das war jetzt unnötig wie ein Kropf! Lese lieber Mal ein Buch!

@Irma
Das war ein Köderfisch, und Nadja, wie ich sie einschätze, den Begriff „auf die Barrikaden gehen“ sehr schnell findet und im Zusammenhang versteht, falls sie ihn noch nicht kennt; und der ist nicht mal weit vom Thema.

Aber danke für Deinen wertvollen Beitrag.

3 Like

Der Imperativ von „lesen“ ist „lies!“

4 Like