Auszeit = Flucht (?)

Huhu Dilarah,

ohne jetzt die anderen Antworten gelesen zu haben hier noch mein Senf dazu :wink:
Da gab’s doch früher mal so einen Werbeslogan: „Beton - es kommt drauf an, was man daraus macht“. Und ich will jetzt auch nicht Auszeiten mit Beton vergleichen (*grusel* das wär aber auch ein hinkender Vergleich!) sondern den Spruch für Dich umdichten: „Auszeit - es kommt darauf an, was man daraus macht“. Ich hab keine Ahnung, ob sowas sinnvoll ist, aber was ich vor so ner Auszeit wohl machen würde wäre aufzuschreiben, was ich in der Zeit klären / tun möchte. Sei es nun irgendwelche Erlebnisse der Vergangenheit aufarbeiten bzw. klären, seien es Zukunftspläne (Berufswechsel, Umzug, private Veränderung) zu schmieden oder sei es der Selbstverwirklichungs-Trip nach Indien oder „nur“ der Urlaub in der Sonne :wink:
Was auch immer Du vorhast - alles Gute!

Petzi

Hi Dilarah,

überlegt habe ich schon, überhaupt so etwas Persönliches hier zu schreiben. Doch mittlerweile ist mir gleich geworden was andere über mich denken. :smile: Außerdem finde ich an einem Klinikaufenthalt nichts Schlimmes (mehr).

Einige Leute meinten dort sie haben in der Arbeit erzählt, sie seien im Urlaub, im Krankenhaus, … Wenige konnten scheinbar zugeben, daß sie in einer psychosomatischen Klinik sind. Weshalb ist das so?

Dort schienen viele Menschen aus dem sozialen Bereich zu sein. Wenigstens traf ich auf Psychologen, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen… Die meisten hatten massive Probleme mit dem Thema Abgrenzung. Sie waren für andere, doch nicht ausreichend für sich selbst da.

Woher kommt das Problem nicht sagen zu können, eine Auszeit nötig zu haben?

Meines Erachtens braucht jeder Mensch mal eine Auszeit. Manche Menschen können besser für sich sorgen und müssen dies nicht erst in einem stationären Aufenthalt lernen. Viele Menschen gestehen sich möglicherweise gar nicht ein, daß und welche Art von Hilfe sie benötigen.

Im Grunde sitzen wir Alle doch im selben Boot und wir benötigen Alle mal eine Auszeit. Bzw. nur wer sich hi und da eine Auszeit gönnt, wird sich neu sammeln und orientieren können bzw. möglicherweise sein Leben angemessener leben können.

Eine Auszeit ist wichtig für jeden Menschen, doch es hängt davon ab, was er daraus macht. Manche Menschen wollten gar nicht mehr aus der Klinik. Manche fallen nachher in ein tiefes Loch bzw. eine junge Borderlinerin hat sich sogar kurz vor ihrer Entlassung die Pulsadern aufgeritzt, sodaß die Klinik sie in die Psychiatrie überweisen mußte.

Natürlich ist es schön mal versorgt zu werden, vor allem wenn man dies kaum im Leben erfahren hat. Bei der Borderlinerin beispielsweise hat nicht mal jemand aus ihrer Familie zu ihrem Geburtstag angerufen geschweige denn daß jemand gekommen wäre. Von einigen habe ich gehört, daß sie in ein tiefes Loch nach ihrem Aufenthalt gefallen sind.

Diese Angst hatte ich zwar auch, da ich meinte und meine, noch nicht genug neue Strategien für meinen Alltag entwickelt zu haben. Doch ich bin auch wieder heilfroh zu Hause zu sein. Ich bestimme doch lieber selbst über mein Leben und lasse mir ungern von einer Nachtschwester in einem guten Gespräch um elf Uhr sagen, daß sie nun die Runde auflösen muß. :smile: Damit und mit oftmals denselben Salaten hatte ich die größten Probleme. Sogar das Telefon wurde um 11 Uhr abgeschalten. Ich weiß, in anderen Kliniken soll es noch viel „schlimmer“ zugehen, doch diese Beschneidung hat mir schon mehr als gereicht.

Meine Empfehlung ist, daß sich Menschen immer mal eine Auszeit nehmen um zu sehen, zu spüren, ob das was sie leben, das ist was sie möchten und wo sie welche Kurskorrekturen vornehmen wollen? Und nur weil man möglicherweise selbst einen Weg nicht sieht, so heißt das nicht, daß es keinen gibt. Dafür gibt es dann Profis wie Therapeuten, die einen unterstützen können, einen Weg zu finden. :smile: Doch das A und O ist das was ein Mensch will und der Rahmen seiner Möglichkeiten, doch den findet er nur dann heraus, wenn er ausprobiert. :smile:

Ciao,
Romana

Huhu Petzi,

danke, Du sagst ohne zu lesen genau, was alle dazu meinen.
Diesmal aber geht es nicht um mich und ich nehme auch dieses
Posting und leite es an die richtige Stelle. Aber mich hast
auch Du ein wenig mehr überzeugt, daß ein Freund von mir
evtl. das Richtige tut, da ich eher skeptisch war.

Herzliche Grüße
d.

Hi Romana,

überlegt habe ich schon, überhaupt so etwas Persönliches hier
zu schreiben. Doch mittlerweile ist mir gleich geworden was
andere über mich denken. :smile:

Das sollte es auch! Ganz ehrlich, sich darum auch noch zu sorgen, ist ein Privileg der „Andersdenkenden“…:smile:))

Einige Leute meinten dort sie haben in der Arbeit erzählt, sie
seien im Urlaub, im Krankenhaus, … Wenige konnten scheinbar
zugeben, daß sie in einer psychosomatischen Klinik sind.
Weshalb ist das so?

Weil …es immer noch eine Art Schamgefühl auslöst, nicht
zu funktionieren. Man ist mit sich nicht gut genug, um zuzu-
geben, was man nötig hat. Ich finde so eine Einstellung recht
gefährlich, was den Gesundungsprozess angeht. Jeder kommt
irgendwann mal an den Punkt, wo es nicht weiterzugehen scheint und dann kommt es drauf an, wer wie reagiert und welche Möglichkeiten vorhanden sind. Allerdings, und das ist typisch,
weiss ich dies für andere immer genau, wie es da bei mir
aussieht, verschweige ich lieber. Bzw. ich weiss (nicht zuletzt
dieses Forums wegen, daß ich genauso j e t z t handeln würde).

Dort schienen viele Menschen aus dem sozialen Bereich zu sein.
Wenigstens traf ich auf Psychologen, Krankenschwestern,
Altenpflegerinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen… Die
meisten hatten massive Probleme mit dem Thema Abgrenzung. Sie
waren für andere, doch nicht ausreichend für sich selbst da.

Das ist Berufsrisiko. Ging mir genauso. Plötzlich, wenn Du
wie Du glaubst, e i n m a l selber Hilfe bräuchtest, merkst Du, daß Du verlernt hast zu bitten.

Woher kommt das Problem nicht sagen zu können, eine Auszeit
nötig zu haben?

s.o.

Meines Erachtens braucht jeder Mensch mal eine Auszeit. Manche
Menschen können besser für sich sorgen und müssen dies nicht
erst in einem stationären Aufenthalt lernen. Viele Menschen
gestehen sich möglicherweise gar nicht ein, daß und welche Art
von Hilfe sie benötigen.

-) Meine Worte von oben.

Im Grunde sitzen wir Alle doch im selben Boot und wir
benötigen Alle mal eine Auszeit. Bzw. nur wer sich hi und da
eine Auszeit gönnt, wird sich neu sammeln und orientieren
können bzw. möglicherweise sein Leben angemessener leben
können.

Ich weiss es nicht, bin aber theoretisch ganz sicher, daß dies
so ist.

Eine Auszeit ist wichtig für jeden Menschen, doch es hängt
davon ab, was er daraus macht. Manche Menschen wollten gar
nicht mehr aus der Klinik. Manche fallen nachher in ein tiefes
Loch bzw. eine junge Borderlinerin hat sich sogar kurz vor
ihrer Entlassung die Pulsadern aufgeritzt, sodaß die Klinik
sie in die Psychiatrie überweisen mußte.

Das ist die Angst, die ich um meinen Freund halt auch hab.
Alles für eine Weile pures Leben, dann wieder der Alltag, der
erdrückt (er ist chronisch krank und wird nicht ewig leben).

Doch ich bin auch wieder heilfroh zu Hause zu sein. Ich

bestimme doch lieber selbst über mein Leben und lasse mir
ungern von einer Nachtschwester in einem guten Gespräch um elf
Uhr sagen, daß sie nun die Runde auflösen muß. :smile:

Du bist auf dem Weg!!! Soweit kommts noch…*gg*. Selbst ist die
Frau/der Mann/der Mensch. Ich glaub, Du hast wirklich das richtige getan und tust es.

Meine Empfehlung ist, daß sich Menschen immer mal eine Auszeit
nehmen um zu sehen, zu spüren, ob das was sie leben, das ist
was sie möchten und wo sie welche Kurskorrekturen vornehmen
wollen?

Das ist mir zu pragmatisch, meine Worte wie Kurskorrekturen etc.
Ich denk wir alle wissen, was wir wollen. Aber wir tun uns schwer, zuzugeben, daß wir manches nie erreichen.
Da liegt meines Erachtens nach der Hase im Pfeffer.

Ich wünsch Dir viel Glück bei allem was Du tust und keine
dunklen Löcher bei Nichterfüllung mancher Träume.

Liebe Grüße
d.

Hallo Eckard,

ich hatte vor kurzem weiter unten ein Posting eingestellt und sehr hilreiche und liebe Antworten bekommen.

Deine Worte hier, die ich eben gelesen haben, sind in ihrer Kürze so unglaublich treffend und (abgesehen von ihrer allgemeinen Wahrheit) auch speziell für mich unglaublich toll gewesen, sie so hier so zu lesen. Sie sind ein kleines, weiteres Mosaikstückchen bei der Bewältigung meiner Situation.

Wollte ich einfach nur so sagen.

Liebe Grüße
Anja

Hi Dilarah,

ich weiß nicht, wieviele Menschen ihre Möglichkeiten wirklich kennen. Natürlich wissen wir viel mehr das was nicht geht, was wir nicht erreichen. Doch weshalb erreichen wir manches nicht? Sind es tatsächliche Grenzen oder erreichen wir nur manches durch die Blockaden in unseren Köpfen nicht? Fakt ist, daß viel mehr möglich ist, als Menschen teils aus sich und ihrem Leben machen.

Zu Deinem Bekannten / Freund: ich weiß nicht, ob er das pralle Leben in einer Klinik hätte? Das hängt ganz klar von ihm ab, was er z.B. erwartet, wie sehr er das ihm Angebotene annehmen kann…

Nur weil jemand versorgt wird, heißt das noch lange nicht, daß es einem gut dabei gehen kann. Es kann auch sein, daß jemand Hilfe gar nicht annehmen kann bzw. das Versorgtwerden nicht als etwas Schönes erlebt, sondern sich dabei selbstquälerisch verhält, indem er sich sagt, daß er nicht funktioniert und sich dafür gedankich peinigt. Also, ob es das pralle Leben für ihn wäre, sei dahingestellt.

Es geht halt darum die Zeit so intensiv wie nur irgendmöglich zu nutzen, auch mit eingeschränkter Lebensqualität und -quantität. Kennst Du das Buch „Mars“ von Fritz Zorn? Das behandelt zwar einen Krebskranken, doch er hat die ihm verbleibende Zeit sehr intensiv für sich genutzt. Hierzu gibt es bestimmt noch andere, passendere Literatur. Es hängt nicht von der Länge eines Lebens ab wie gut und wertvoll es ist, sondern nur davon wie gut und intensiv man es er-lebt.

Natürlich sind Phasen der Niedergeschlagenheit immer wieder möglich, gerade wenn man weiß, man wird nur eine sehr begrenzte Zeit auf Erden sein und man hat nur eingeschränkte Möglichkeiten zu leben. Doch das ist bei uns allen so, doch nur daß sein Rahmen möglicherweise noch viel eingeschränkter ist. Dennoch hat er auch Wahlmöglichkeiten, die Zeit auf Erden möglichst gut für sich zu verbringen. Was nutzt es, wenn er nur auf das blickt was er nicht hat und nicht kann? Ist es nicht sinnvoller sein Augenmerk darauf zu richten was ihm Spaß und Freude macht oder was er er-lernen kann?

Ciao,
Romana