Hallo Michael,
schön, wenn sich aus humorig angehauchten Darstellungen ernsthafte Diskussionen entwickeln. Wie befriedigend ich allerdings in der Lage sein werde, deine Frage zu beantworten, weiß ich nicht.
Wie definierst Du eigentlich Ahnung von Musik?
Ich gebe zu, die „Ahnung“ ist ein schwieriger Begriff. Der DUDEN definiert sie als „intuitives Wissen, Vermutung, Vorstellung von etw.“. Es geht aber bei der Ahnung, die ich meine, um mehr als Intuition, sondern um greifbares, ohne größere „akademische Hürden“ zugängliches Handwerkszeug. Als „Ahnung“, so enden die meisten meiner Definitionsversuche, könnte man die Fertigkeit beschreiben, möglichst umfassend und konstruktiv an einer laienhaften Diskussion über Musik teilnehmen zu können. Das heißt: Die Ahnung erhält ihren größten Wert dann, wenn sie uns hilft, Musik einzuordnen und über sie zu kommunizieren.
Es ist hierbei sicher nützlich, nicht aber notwendig, zum Beispiel selbst Musiker zu sein oder musik- bzw. textanalytische Fähigkeiten aufzuweisen – das können I-Punkte sein, aber auch Hindernisse im Kontakt mit musikalisch weniger geschulten Menschen. „Ahnung“ sollte von möglichst wenigen Theorien, Abstrakta und Fachbegriffen abhängen. Als absolut zentral dagegen empfinde ich die Weite des Horizonts, oder etwas weniger metaphorisch gefasst, den Umfang der Musik-Kenntnis eines Menschen. Ich meine den Aspekt: Mit welcher Menge, welcher Breite und in welcher Intensität hat sich ein Mensch mit Musik auseinandergesetzt?
Es ist sicher interessant, sich mit jemandem, der nur wenig Musik kennt, über zum Beispiel sein Idol zu unterhalten. Es erscheint mir aber wesentlich interessanter, sich mit jemandem über jedwede Musik zu unterhalten, der diese in eine wenn auch laienhafte Beziehung zu einer großen Spannweite anderer Künstler, Epochen, Stile, etc. setzen kann. Interesse an Wechselwirkungen anderer Kunstformen mit der Musik und Spaß an der Beschäftigung mit Künstler-Persönlichkeiten tragen auch zu dieser „Ahnung“ bei. Als klarerer Ersatzbegriff für die „Ahnung“ böte sich vielleicht die „nicht-wissenschaftliche Einordnungsfähigkeit“ an.
Macht das die Sache ein wenig verständlicher?
Gruß
Christopher