Hallo Thomas!
Was Du alles in meinen Satz hineinliest!
ich habe nicht in deinen Satz hineingelesen. So, wie er
dasteht, ist er jedenfalls nicht eindeutig und führt
möglicherweise in die falsche Richtung (zumal du ihn nicht
erläuterst).
Ja, Du hast in meinen Satz hineingelesen, daß ich das Leib-Seele-Problem auf Descartes reduziere und Anhänger des Dualismus bin. Das geht aus Deinem Posting hervor. Und diese „Deutung“ meines Satzes hat mich geärgert. Gerade von Akademikern sollte erwartet werden können, daß ihnen solche Kaffeesatzleserei nicht passiert.
Ach ja, stimmt, das hatte ich wirklich vergessen, wie konnte
ich nur.
Zumal Du so hinter meiner Diplomarbeit hinterher warst. Die ist nämlich ziemlich behavioristisch orientiert!
Wieso gehst du eigentlich davon aus, dass jeder weiß,
was du denkst?
Gehe ich nicht. Aber ich will auch nicht jedem erklären, was ich gerade meine oder nicht meine.
Und kann man mit dem behavioristischen Modell
auch deine unterschwellige Aggressivität erklären?
**Das behavioristische Modell gibt es nicht. Ich darf auch Skinner (1976) in diesem Zusammenhang zitieren: „Behaviorism is not the science of human behavior; it is the philosophy of that science*“ (S. 4). So viel Genauigkeit muß schon sein, wenn es um Dein Fachgebiet geht.
Mir fällt
jedenfalls auf, dass deine sonst sehr langen und
inhaltsreichen Kommentare in auffälligem Kontrast zu diesem
kurzen Posting steht, über das wir jetzt hier sprechen.
Gut beobachtet. Eine Nachfrage hätte ergeben: „Zu wenig Zeit.“
Wie löst sich denn das Leib-Seele-Problem aus deiner Sicht
behavioristisch? Das würde mich schon interessieren.
Glaube ich Dir gern. Leider habe ich zu wenig Zeit, um Dir in der von Dir gewünschten Form zu antworten. Vielleicht können wir das Thema irgendwann später einmal besprechen.
(Man soll es
nicht für möglich halten, dass wir mal einer Meinung sind.
*g*)
Wir waren schon mind. 3mal einer Meinung (inklusive dieses Punktes).
Falsch bzw. irreführend ist der Hinweis nur, wenn ich mit ihm
sagen wollte, Descartes hätte recht.
Irreführend kann etwas auch sein, wenn man die Erklärung
weglässt.
Klar, aber wie Du den Satz „Lies Descartes - dann weißt Du es“ interpretiert hast …
und da Descartes schon
eher in meinen Fachbereich gehört, fühlte ich mich genötigt,
etwas gegen mögliche Irrtüner zu sagen.
Die noch nicht mal da standen. Ein gutgemeinter Vorschlag meinerseits: Zieh Dein Schwert, wenn der Irrtum heraus ist. Nicht, wenn er sich nicht zeigt. Macht nur das Schwert schartig und die Truppen mürrisch.
Wenn ich jetzt böse wäre, würde ich schreiben, dass ich vom
Behaviorismus viel gelernt habe, aber ich bin ja gar nicht
böse.
-)
Ist angekommen. Den Kommentar bin ich gewöhnt. Falsches wird aber auch nicht richtig, wenn es tausendmal wiederholt wird. Das ist so ähnlich wie mit den Dualisten: Die Leute sind sich absolut sicher, daß behavioristische Aussagen falsch sind. Nur bis zum Ende begründen, können sie es nicht. Da kommt dann z.B. so etwas:
„I suspect that there is a class of positions that are wrong but not refutable and that behaviourism may be in such a class**“ (Koch, 1964, S. 6).
Alles klar!
das
Frageposting, in dem ganz selbstverständlich von Leib und
Seele als Einheit die Rede war und damit implizit ein
Ganzheitsgedanke vertreten wurde, den ich - so unbegründet
hingesetzt - nicht für richtig halte. Und solch ein impliziter
Gedankengang ist IMHO alles andere als eine Mücke, weil die
sich ziemlich schnell als angelegter Elefant erweisen kann.
Ich stimme vollkommen zu (Zähler steigt auf 4).
Ich hoffe: Alle Gemeinsamkeiten sind beseitigt. 
Bis demnächst,
Oliver
* „Behaviorismus ist nicht die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten, sondern die Philosophie dieser Wissenschaft.“ (Übers. von mir).
** „Ich nehme an, daß es eine Gruppe von Positionen gibt, die falsch, aber nicht widerlegbar sind, und daß Behaviorismus in einer solchen Gruppe sein könnte“ (Übers. von mir).
Lit.:
Koch, S. (1964). Psychology and emerging conceptions of knowledge as unitary. In T.W. Wann (Ed.), Behaviorism and phenomenoly: Contrasting bases for modern psychology. Chicago: University of Chicago Press.
Skinner, B.F. (1976). Behaviorism. New York: Vintage Books.
Für Thomas: Ich weiß, daß die erste Ausgabe des Skinner-Buches bei Random House 1974 erschienen ist. Nicht, daß Du Dich wieder so aufregst wie bei Freud, als ich die Jahreszahl meiner Ausgabe angegeben habe!
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