Deutsche Musik bald gesetzlich?

Guten Abend Günther,
du hast schon wieder ein Sternchen verdient!

Die finanzielle „Ausbeute“ ausländischer Songs in den USA ist
geradezu lächerlich. Durch das dortige „Sampling-Verfahren“
ist bezüglich der Radio-Playlists dem Betrug Tür und Tor
geöffnet.
Die einschlägigen DJs und Programmgestalter sind dermaßen
korrupt, das sogar ein eigener Fachbegriff für das Schmieren
der Radioanstalten entstanden ist. „Payola“!
Ein deutscher/europäischer Künstler brauch in den US einen
eigenen Rechtsanwalt, um wenigstens einen Bruchteil der ihm
zustehenden Tantiemen zu erhalten.

Als Verfechter deutschen Liedguts ist Dir bestimmt auch Falco ein Begriff („Rock me Amadeus“ number one in den US-Charts). Er war der erste europäische Rapper, vielleicht auch weltweit, ohne zu wissen, was Rap ist. Solche Leute sind einfach Exportschlager, wie auch Arnold Schwarzenegger.
Nóch einen unterhaltsamen Abend mit Deiner Lieblingsmusik
Franz

hallo günther,

von mir hast du dafür auch ein sternchen bekommen, weil sich dein beitrag sehr differenziert und analytisch mit der sache befaßt.

ich möchte aber noch auf was ganz anderes eingehen:
MÜNDIGKEIT contra DIE MACHT DER MEDIEN
in deutschland (und bestimmt nicht nur hier) sind - was musikgeschmack, mode, lifestyle und zeitgeist (politische meinungsbildung auch, das gehört jetzt nicht hierher) anbelangt, bestimmt 90% der bevölkerung mediengesteuert, kritiklos, träge, mit scheuklappen, gehirnamputiert. und da braucht mir keiner mit dem spruch „über geschmack kann man nicht streiten“ kommen. das hat nämlich nix mit liberalität und individualität zu tun, wenn der mainstream den geschmack von den medien eingehämmert bekommt.

hut ab aber vor denen, die sich die eigenständigkeit bewahren, hinterfragen, übern tellerrand schauen. die brauchen keine deutschquote. aber was macht man mit den 90%? die hören doch nicht britney spears, joe cocker oder las ketchup, weil die musik so toll ist …

eine firma microsoft wird zu 497 mio. euro verdonnert, weil die ihre marktbeherrschende wettbewerbsposition gegen ihre konkurrenten eingesetzt haben. warum muß das so sein? es kann doch jeder user für sich entscheiden, ob er statt m$ lieber linux, mac-os, netscape, realplayer und quicktime auf seiner kiste installiert! richtig, aber schaut euch die realität an: die gleichschaltung ist bestimmt bei über 95% der user präsent. aus geistiger trägheit heraus wird halt das gefressen, was man vorgesetzt bekommt, bis man voller inbrunst singt: „mc donalds, ich liebe es!“ und mit tcg (ehem. tcpa) und nscgb (windows „longhorn“) sind die nächsten eckpfeiler der globalisierten gleichschaltung gesetzt.

die frage ist also, ob man (die politiker, die radiosender usw.) es zulassen soll, daß die große empfängliche masse der musikkonsumenten weiterhin der übermächtigen promotion- und lifestylemaschinerie usa aussetzt ist, oder ob da auch ein bildungs- und informationsauftrag ausgeführt wird, damit die kleine konkurrenz namens „deutsche sprache, kultur und eigenständigkeit“ nicht erdrückt wird. ich sehe das nicht so, daß hier entmündigung droht, denn das setzt ja erstmal eine gewisse mündigkeit voraus :wink:)
müssen wir denn alle so blöd wie die amis (oder 90% von denen) werden, die hunde in die microwelle stecken, und nicht wissen, ob deutschland auf der anderen seite eines ozeans liegt? nur wegen dem liberalitätsgedanken?

lg, pit

No (Music from) us please!
Hallo ,

ich würde mich schon glücklich schätzen, wenn wir erheblich
weniger US-Produktionen - vor allem die vom Pentagon
gesponsorten - in den Programmen hätten.

Hey ho Captian Jack, was hat das Pentagon noch gesponsert?

Allein ‚deutsch‘
reicht mir allerdings nicht aus, denn uns „gelingt“ es ja
ebenso sehr gut, völligen Blödsinn herzustellen, wie es vor
allem die privaten, aber leider auch immer häufiger die
öffentlich-rechtlichen Sender vormachen.

immer häufiger? Waren die je besser? Ich sage nur Uschi Glas, wenn die Medizin es zulässt versucht das ZDF auch noch in 20 Jahren die als 35Jährige zu verkaufen. Da wird mir ja das US Produkt Cher richtig sympatisch.

Es müsste eigentlich heissen: Ein wenig mehr Qualität, mehr
Niveau, mehr Anspruch. Und dies nicht in „Programmghettos“
irgendwann nachts um zwei Uhr oder in Spartenkanälen, sondern
schön zur Hauptzeit.

Du hast mitbekommen das Viva2 mit einem relativ anspruchsvollen Programm pleite gegangen ist?

Ich hätte nix gegen Henry Rollins, Jello Biafra, Velvet Underground und die Ramones zur besten Sendezeit - aber ups das sind ja alles Amis. Und Heinz Rudolf Kunze, BAP, Scorpions, Udo Lindenberg, Wir sind Helden möchte ich nicht wirklich im Radio hören. Der Kunze versucht doch seit Jahren eine Qoute für deutsche Musik einzuführen, die Idee mit dem Deutschlandweiten Rockradio war aber ganz nett.

Gruss Jan

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Hallo Pit,

sehr gut! Ich kann mich Dir vollumfänglich anschließen. Kleine Ausnahme: „Die über den Tellerrand blickenden Künstler“ müssen auch Leben. Und da sie auf die Medien angewiesen sind, besteht auch für sie das Problem, durch das anglophile Sieb zu fallen.

Leider bleibt die Frage nach Lösungsansätzen offen. Ich bin da auch relativ pessimistisch. Denn die angeführten Probleme sind alle Teil eines großen Gesamtproblems. Nämlich unser aller, völlig außer Rand und Band geratener, Kapitalismus und Materialismus.
Ich vermute, dass die Konsumwut der westlichen Gesellschaften aus einem Defizit an Lebensinhalten kommt. Fatalerweise vergrössert sich nach dem konsumieren die Leere, und fordert neuen Konsum!
Diese Situation ist aber gewollt und wurde bewusst herbeigeführt. Konsumiert es sich doch viel besser, wenn man das Gehirn ausschaltet.
Und weil das in den USA so blendend funktioniert, will man uns gleich auf die selbe Art „beglücken“.
Dies funktioniert am besten über die sog. „Freien Medien“.
Leider traut sich keiner der in der Verantwortung stehenden Politiker, wirklich etwas dagegen zu tun. Thierses Vorschlag bzgl. deutscher Sprache ist ja nur ein kleiner schüchterner Versuch, den Medienmultis entgegenzutreten!
Wenn es zur Konkretisierung solcher Vorschläge kommt, kannst Du darauf warten bis das Schlagwort „Nazi-Patriotismus“ wieder kommt!!
Das viel größere Problem ist das Fernsehen, bei dem man von Jahr zu Jahr die zunehmende geistige Verrottung - sowohl von „Machern“, als auch von Konsumenten - beobachten kann.
Aber: Solange die in den Werbeblöcken beworbenen Produkte der Sender-Kunden (Industrie) dermaßen gut gekauft werden, sprich: solange der Konsument den Schrott, der ihm angpriesen wird kauft („Geiz ist geil“), bleibt alles beim Alten.
Du als Werbekaufmann weißt sicher ein Lied davon zu singen, worum es in den Privat-Medien wirklich geht.
UMSATZ AUS WERBEEINNAHMEN!
Was kann man tun? Wie kann man den heute 18-30jährigen klarmachen, dass sie die Melkkühe der Industrie sind.
Anders ausgedrückt: Welcher junge Mensch glaubt einem, dass Lebensqualität nicht über Konsum zu erlangen ist, und dass unser Konsumwahn in riesige Probleme führt. Diese sind bereits - nicht von mir - definiert: Einsamkeit, Depression, Sucht!
Sind wir krank? Vermutlich. Anders kann ich mir das verhalten unserer Gesellschaft nicht erklären.
Hast Du einen Lösungsansatz?

Beste Grüße
Günther

von mir hast du dafür auch ein sternchen bekommen, weil sich
dein beitrag sehr differenziert und analytisch mit der sache
befaßt.

ich möchte aber noch auf was ganz anderes eingehen:
MÜNDIGKEIT contra DIE MACHT DER MEDIEN
in deutschland (und bestimmt nicht nur hier) sind - was
musikgeschmack, mode, lifestyle und zeitgeist (politische
meinungsbildung auch, das gehört jetzt nicht hierher)
anbelangt, bestimmt 90% der bevölkerung mediengesteuert,
kritiklos, träge, mit scheuklappen, gehirnamputiert. und da
braucht mir keiner mit dem spruch „über geschmack kann man
nicht streiten“ kommen. das hat nämlich nix mit liberalität
und individualität zu tun, wenn der mainstream den geschmack
von den medien eingehämmert bekommt.

hut ab aber vor denen, die sich die eigenständigkeit bewahren,
hinterfragen, übern tellerrand schauen. die brauchen keine
deutschquote. aber was macht man mit den 90%? die hören doch
nicht britney spears, joe cocker oder las ketchup, weil die
musik so toll ist …

eine firma microsoft wird zu 497 mio. euro verdonnert, weil
die ihre marktbeherrschende wettbewerbsposition gegen ihre
konkurrenten eingesetzt haben. warum muß das so sein? es kann
doch jeder user für sich entscheiden, ob er statt m$ lieber
linux, mac-os, netscape, realplayer und quicktime auf seiner
kiste installiert! richtig, aber schaut euch die realität an:
die gleichschaltung ist bestimmt bei über 95% der user
präsent. aus geistiger trägheit heraus wird halt das
gefressen, was man vorgesetzt bekommt, bis man voller inbrunst
singt: „mc donalds, ich liebe es!“ und mit tcg (ehem. tcpa)
und nscgb (windows „longhorn“) sind die nächsten eckpfeiler
der globalisierten gleichschaltung gesetzt.

die frage ist also, ob man (die politiker, die radiosender
usw.) es zulassen soll, daß die große empfängliche masse der
musikkonsumenten weiterhin der übermächtigen promotion- und
lifestylemaschinerie usa aussetzt ist, oder ob da auch ein
bildungs- und informationsauftrag ausgeführt wird, damit die
kleine konkurrenz namens „deutsche sprache, kultur und
eigenständigkeit“ nicht erdrückt wird. ich sehe das nicht so,
daß hier entmündigung droht, denn das setzt ja erstmal eine
gewisse mündigkeit voraus :wink:)
müssen wir denn alle so blöd wie die amis (oder 90% von denen)
werden, die hunde in die microwelle stecken, und nicht wissen,
ob deutschland auf der anderen seite eines ozeans liegt? nur
wegen dem liberalitätsgedanken?

lg, pit

Sternchen ist OK!
Zuviel des Lobes!!
Danke.
Allerdings muss ich Dich korrigieren. Falco war nicht der erste europäische, und schon gar nicht der erste weltweite Rapper. Allerdings war er einer der ersten nicht-Ami-Rapper, der in den US.Charts erfolgreich waren.
Rap gibt es schon seit Ende der 70er-Jahre(Sugarhill-Gang usw.).
Und Falco war sich total bewußt, das er rappt.
Es ist ihm allerdings - meiner Meinung nach - nicht besonders gut gelungen!
Trotzdem war es ein Riesenknaller.

Beste Grüße
Günther

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

im Ausland wenig Chancen, wenn sie deutsch singen. Auch Nena
musste Englisch lernen, und wenn Du im Mai nach Istanbul zum
European Song Contest schaust, dann wirst Du sehen, dass sogar
die Türken Englisch singen.

Sooo schlecht schneidet deutsch beim Song Contest aber auch nicht ab, immerhin kamen letztes Jahr die beiden (zumindest teilweise) deutsch gesungenen Titel aus Österreich und Polen weiter nach vorne (Platz 6 und 7!) als so manches englische Lied.