Deutsche Syncho

Nähkästchengeplauder…
Hallo Heinrich

Nun ja…

Ich hatte vor einigen Jahren mal das Glück, einerseits Charles Rettinghaus (Jean Claude Van Damme und LeVar Burton (Geordi LaForge) in TNG) und Detlef Bierstedt (Jonathan Frakes aka Cmdr. Riker in TNG), andererseits (bei einem anderen Anlass) den mittlerweile verstorbenen Herbert Weicker (Synchronstimme von Leonard ‚Mr. Spock‘ Nimoy) kennenzulernen. Die haben an diesen Anlässen ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, sprich die Arbeit eines Synchronsprechers erläutert.

Die Sprecher selber haben vielfach wenig bis keinen Einfluss auf den exakten Text. Wortspiele und andere Sachen sind mitunter nicht übersetzbar, hinzu kommen gewisse Anpassungen im Text, damit es noch möglichst lippensynchron ist. Auch das bewirkt mitunter gewisse Fehler.

Da ein Sprecher auf einmal meist nur relativ kurze Sequenzen zu sehen bekommt, die aber nicht in der korrekten Reihenfolge (Handlungsablauf) sind, ist es für den Sprecher schwer, wirklich nachzuvollziehen, was jetzt da tatsächlich passiert. Mitunter könnte er mit besserem Überblick über die Handlung gewisse Nuancen besser machen.

Insgesamt finde ich allerdings die Synchronisationen in Deutsch sehr gut gemacht. Vom Klang her passen sie sich in aller Regel sehr gut in die restlichen Geräusche ein und es wird zumindest versucht, Stimme, Stimmung etc. anzugleichen. Wenn ich da vergleiche, wie das z.B. bei italienischen Sendern jeweils tönt… die Personen sind in offenem Gelände, die Stimmen tönen aber, wie wenn sie in einer Telefonzelle sitzen würden… oder wie im polnischen TV (zumindest hat das Stefan Raab in TV Total mit einem Ausschnitt aus ALF so gezeigt…), wo eine Stimme alle Personen spricht und das erst noch mit dem Originalton im Hintergrund…

Nichtsdestotrotz schaue ich mir halt Filme und wenn möglich Serien jeweils im Original an.

BTW: In der Serie ‚The District‘ ist ein Polizist dabei, der ist Ire. Im Original hat er dementsprechend einen irischen Akzent. In der deutschen Fassung ist davon nichts zu hören. Das ist eigentlich schon schade. Andererseits sind dann in anderen Filmen solche Ansätze mitunter ebenso verkehrt, wenn eine Person etwa mit bayrischem Akzent redet… eine Zwickmühle…

CU
Peter

kennst du blairwitch project ? Offensichtlich nicht. Sonst wüßtest du was ich meine.

hallo Arthur
was soll der Blödsinn? Als Babelfish-Träger macht das doch gar keinen Unterschied für dich. Deutsch, Englisch, Vogonisch …
Aber im Ernst ja die Leute machen eine guten Job, aber Mist ist die Übersetzterei trotzdem. In Filmen, in Büchern, in…
Vieles lässt sich halt nicht übersetzten. Aber immer noch besser Synchron als gar kein Plan.
" What’s up.- I don’t know I haven’t been there." (sollte dir bekannt vorkommen)
Jetzt übersetz mal ohne das der Witz verloren geht.
Synchronisierte Grüße Zig

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, bei Filmen auf DVD
die Synchrontexte mit dem Originaltext zu vergleichen. Und ich
muss leider feststellen, dass die deutschen Synchrontexte
immer schlechter werden - insbesondere weil feststehende
Begriffe im Englischen völlig falsch übersetzt werden.

Know why ?
Es lief vor langer Zeit (5 Jahre mindestens) mal auf ZDF in Aspekte ein Bericht das damals schon Übersetzer immer häufiger nicht nach Arbeitszeit sondern nach übersetzten Worten bezahlt wurden … Was bedeutet das sie mehr verdienen wenn sie das ganze schnell über die Bühne bringen. Da die wohl eh nicht so die Schwerverdiener sind, kannst du dir ausrechnen das sich keiner von denen lange an komplizierten Passagen aufhält, sondern das schnell hinschludert.

Schau dir mal Bücher an, es gibt einige Bücher, die vor 1998 übersetzt worden und dem Original (egal welcher Sprache sehr ähnlich sind), dann gab es irgendwann einen Bruch und heute sind wir da wo wir jetzt sind (toller satz).
Außerdem muss man sagen das es den meisten Filmen aus US scheißegal ist was mit ihren Dialogen passiert, m.E. ist Disney die einzige Firma die Synchronisationen explizit abnimmt bevor sie die Filme in die Kinos läßt.

BWAHAHAHAHAHA!!! So’n Bullshit!!! LOL owT
TapouT

[MOD]Meine Bitte (s.u.) ist auch für Dich bestimmt
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Gruß
Beowolf

kennst du blairwitch project ? Offensichtlich nicht. Sonst
wüßtest du was ich meine.

Soll das heißen, du hältst die Handlung in Blairwitch Project für real?
Heilige Einfalt! Das Ding ist ein clever gemachtes Fake. Das hat Eduardo Sanchez, einer der beiden Macher von Blairwitch Project, längst zugegeben.

Zitat:
"Eduardo Sanchez:
Aber es bedarf keiner großen Mühe, um zu erkennen, dass es keinen Bürgermeister von Blair County gibt und ebensowenig die drei Filmemacher. Soviel Realitätssinn können wir bei unserem Publikum schon erwarten. Schließlich laufen am Ende auch die Credits und es heißt „Directed by …“. In Amerika konnten wir natürlich über unsere Website besser mit der Frage „Realität oder Fiktion?“ spielen, weil ansonsten niemand etwas über den Film wusste. In Europa ist das jetzt anders, weil alle schon vorher wissen, dass alles Fiktion ist. Aber letztlich kommt es natürlich immer auf den Film selbst an. Wenn er den Leuten nicht gefällt, nützt die beste Öffentlichkeitsarbeit nichts.

Frage:
Was war für Sie die größte Herausforderung bei der filmischen Umsetzung der Idee?

Eduardo Sanchez:
Die Aufrechterhaltung des Realismus: Jedes einzelne Bild des Films sollte authentisch wirken. Es gibt so viele angebliche Dokumentationen, denen man die Inszenierung ansieht. Jemand kommt aus einem Supermarkt, gibt ein Statement ab - und es ist klar: Das ist ein Schauspieler, der seinen Text aufsagt. Das wollten wir vermeiden. Dazu gehörte, die richtigen Schauspieler zu finden und das Drehbuch so zu verfassen, dass es nicht konstruiert wirkte. Das war die größte Herausforderung und oberste Richtlinie, an der wir jeden Schritt immer wieder gemessen haben. Alles, was inszeniert wirkte, haben wir heraus geschnitten - auch wenn es sich um großartige Dialogsätze handelte. Dabei mussten wir auch ständig gegen die Traditionen und Klischees ankämpfen, mit denen wir aufgewachsen sind: Amerikanische Kinobesucher erwarten eine Drei-Akt-Struktur, eine bestimmte Entwicklung des Plots und wollen am Ende das Monster sehen. Es war schwer, sich dagegen zu wehren.

Frage:
Hatten die Schauspieler Angst?

Eduardo Sanchez:
Ich glaube schon, in manchen Momenten. Natürlich wussten sie tief im Innern, dass wir dahinter steckten. Sie wussten, dass nachts irgend etwas passieren würde. Aber wir erzählten ihnen nicht, was genau wir vorhatten. Und diese Unsicherheit sorgte für eine gewisse Grundangst. Was Sie auf der Leinwand sehen, ist jedoch gespielt. Ich hoffe, dass die Schauspieler für diese Leistung auch angemessene Anerkennung bekommen. Wir haben sie aus 2000 Bewerbern ausgewählt, die wir uns während eines Jahres angesehen haben. Es sind nicht einfach nur drei Leute, die wir von der Straße aufgelesen haben, sondern hoch talentierte, überzeugende Schauspieler - manchmal sogar fast zu überzeugend, etwa wenn sie den Eindruck erwecken, sie würden einfach nur auf unsere nächtlichen Überraschungen reagieren. Aber das stimmt nicht. Sie spielen ständig ihre Rollen."

Das ganze Interview mit Eduardo Sanchez ist auf www.heise.de nachzulesen.

Willkommen in der Realität!

Grüße
Heinrich

Hi,

Die Sprecher selber haben vielfach wenig bis keinen Einfluss
auf den exakten Text. Wortspiele und andere Sachen sind
mitunter nicht übersetzbar, hinzu kommen gewisse Anpassungen
im Text, damit es noch möglichst lippensynchron ist. Auch das
bewirkt mitunter gewisse Fehler.

oh ja! Hier steht der Ehrgeiz der Synchronregisseure zur größtmöglichen Lippensynchronität sehr oft der Qualität des Ergebnisses im Wege. Auf diesem Weg ist übrigens auch das amerikanische „Oops“ in die deutsche Sprache geschwappt - das passende - und mittlerweile kaum noch gebräuchliche - „Huch“ oder „Hoppla“ würde weniger gut zu den Sprechbewegungen passen. Ähnlich verhält es sich mit dem deutschen „Ich hab dich lieb“, das sich kaum mit den Lippenbewegungen des englischen „I love you“ verträgt. Der inflationäre Gebrauch der Übersetzung „Ich liebe dich“, auch in Szenen, in denen dies völlig unangebracht ist, ist mein verhasstester Synchronisations-Faux-Pas.

Ich „durfte“ übrigens mal einer Synchronisation beiwohnen, bei der es sich die Regisseurin nicht nehmen ließ, den Originalsatz „He was my friend as well“ der Lippenbewegungen wegen mit „Er war mein Freund auch“ zu synchronisieren. Ächz.

Da ein Sprecher auf einmal meist nur relativ kurze Sequenzen
zu sehen bekommt, die aber nicht in der korrekten Reihenfolge
(Handlungsablauf) sind, ist es für den Sprecher schwer,
wirklich nachzuvollziehen, was jetzt da tatsächlich passiert.
Mitunter könnte er mit besserem Überblick über die Handlung
gewisse Nuancen besser machen.

Naja. Das ist eher die typische Art deutscher Schauspieler, sich in der Opferrolle zu sehen. Ich kenne keinen Synchronregisseur, der es seinen Sprechern verweigern würde, vorher das komplette Buch zu lesen und/oder eine Kopie der Originalversion zu sehen. Allerdings bekäme der Sprecher die Zeit, die er dazu benötigt, nicht bezahlt. Das Honorar wird schließlich ausschließlich nach Anfahrt und Takes berechnet.

Insgesamt finde ich allerdings die Synchronisationen in
Deutsch sehr gut gemacht. Vom Klang her passen sie sich in
aller Regel sehr gut in die restlichen Geräusche ein und es
wird zumindest versucht, Stimme, Stimmung etc. anzugleichen.

Das finde ich auch. Die deutschen Endmischungen sind Spitzenklasse und oft sogar besser als die Originalmischungen. Nicht selten passiert es auch, dass der ausländische Lizenzgeber ein ME-(=Musik&Effekte, auch: IT=International Tape)-Band liefert, auf dem viele der Effekte (Schritte, Glas wird abgestellt etc.) fehlen, weil sie zusammen mit der Sprache aufgenommen wurden und deshalb nicht getrennt vorliegen (zumindest bei kleineren Produktionen). In anderen Ländern sind diese Geräusche dann in der Synchronisation schlicht nicht vorhanden, während hier zu Lande das Fehlende meist aufwändig von einem Geräuschemacher nachproduziert wird.

Nichtsdestotrotz schaue ich mir halt Filme und wenn möglich
Serien jeweils im Original an.

Ich auch, weil ich den englischen Wortwitz und die Sprachspiele nicht verpassen will (die aber meist einfach nicht übersetzbar sind, hier kann man den Synchronstudios keinen Vorwurf machen) und weil ich einfach nicht warten will, bis die deutsche Fassung herauskommt.

lemmy

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" What’s up.- I don’t know I haven’t been there." (sollte dir
bekannt vorkommen)
Jetzt übersetz mal ohne das der Witz verloren geht.

„Was geht?“ - Weiss nicht. Alles was nicht stehenbleibt?

Eduardo Sanchez:
Ich glaube schon, in manchen Momenten. Natürlich wussten sie
tief im Innern, dass wir dahinter steckten. Sie wussten, dass
nachts irgend etwas passieren würde. Aber wir erzählten ihnen
nicht, was genau wir vorhatten. Und diese Unsicherheit sorgte
für eine gewisse Grundangst.

Das ist aber genau das was ich meine. Besonders die Frau sagte in einem Interview später das sie nach einiger Zeit anfing extrem an der ganzen Sache zu zweifeln und dachte, das doch andere Dinge passieren würden als ihnen vorher angedeutet wurden. So ist z.b. dieser Abschiedsmonolog von ihr kaum noch gespielt gewesen.
Die Frau *hatte* Angst.

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Hi ad,

und ich haette Dich beinahe ernst genommen… :wink:)

liebe Gruesse,
Astrid

P.S.: Wenn ich 'mal in Deutschland bin kann ich mir keine synchronisierten Sachen mehr angucken *brrrschuettel*, ich freue mich dann wenn der Empfang fuer TV2 (daen. Sender) gut ist und ich einen „originalen“ Film gucken kann!

Hi!

Nach allem, was ich damals gelesen habe, haben sie die armen Schauspieler auch tatsächlich hungern lassen und sind nachts überraschend ums Zelt gesprungen u.ä.

Ich empfinde die Angst der Leute in diesem Film jedenfalls auch als extrem authentisch.

Viele Grüße
Silke