Die perfekte Anmache

du selbst sein-was ist das?
Hallo Romana

Da du dich leider nicht an der von dir selbst angeregten
Buchbesprechung im Philo-Brett beteiligst, trage ich die Philosophie
hierher:
Wie wäre es mit einfach Du selbst zu sein?
Was meinst du damit eigentlich? Mir ist schon klar, dass dies eine
abgedroschene Floskel ist, scheinbar eine Binsenweisheit, aber ich
denke, dass diese Formel in die Irre fuehrt und von einem
unrealistischen Menschenbild ausgeht.
Ich behaupte: Es gibt kein Selbst, das du sein oder nicht sein
kannst. Entweder entspricht alles, was du tust, deinem Selbst oder
nichts.
Es gibt nur Rollen, die wir spielen, also bestimmte Verhaltens- und
Denkweisen. Du kannst, wenn du dich einem Menschen naeherst die Rolle
des Angsthasen, die des Angebers, die des Arroganten, die des
Freundlichen, die des Profis und was weiss ich nicht noch alles
spielen. Keine dieser Rollen umfasst dein Selbst. Dein Selbst ist die
Summe aller dieser Rollen oder aber der Begriff des Selbst ist
sinnlos, wohin ich tendiere.
Nun gibt es aber Standardrollen, die du mit Vorliebe und routiniert
spielst, in denen du dich wohlfuehlst. Und die Sentenz „Sei du
selbst“ soll wohl heissen: Spiele eine deiner Standardrollen, denn
das ist, was du am besten kannst und was du auch auf Dauer
reproduzieren kannst. Aber das Selbst mit dieser Standardrolle zu
identifizieren oder es auf sie zu reduzieren, waere wohl kein
konsistenter Selbst-Begriff.

O.k. Mir ist klar, dass dies eine akademische Diskussion ist, die
hier an dieser Stelle nicht sehr relevant ist, aber wer Lust hat,
kann sich ja dazu aeussern.

Gruss, Tychi

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