Durchschnittlicher Stundenlohn von Kurierfahrern?

Hallo,

ich wollte mal rein interessehalber fragen, was Kurierfahrer durchschnittlich netto pro Stunde an Lohn erhalten.

Bei Stellenanzeigen habe ich etwas von über 14€/h gelesen. Allerdings wird meistens ein eigenes Auto vorausgesetzt, so dass man für dessen laufende Kosten selbst aufkommen muss und die zur Berechnung des Nettolohns auch berücksichtigen muss.

Deshalb möchte ich von Leuten mit Erfahrung wissen, was man unterm Strich am Ende im Durchschnitt herausbekommt, wenn man die Sache hauptberuflich (40h/Woche) macht.

Verdient man mehr, wenn man nachts arbeitet?

Hallo!

Bei Stellenanzeigen habe ich :etwas von über 14€/h gelesen.
Allerdings wird meistens ein :eigenes Auto vorausgesetzt, :so dass man für dessen :laufende Kosten selbst :aufkommen muss und
die zur Berechnung des :Nettolohns auch :berücksichtigen muss.

Die Daten sind zu dünn, um die Frage nach dem Verdienst beantworten zu können. Es ist ein Unterschied, ob der Fahrer im Angestelltenverhältnis arbeitet, Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub und Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung hat oder ob der Fahrer selbständig ist.

Im Angestelltenverhältnis und ohne für das Fahrzeug selbst aufkommen zu müssen, kann man von 14 €/h leben. Alle anderen Konstellationen sind aber niemals tragfähig. Für ein Fahrzeug, das dauernd im Einsatz ist, brauchst Du alle paar Jahre Ersatz. Dafür müssen je nach Art des Fahrzeugs einige zig tausend Euronen erwirtschaftet werden. Dazu die Betriebskosten, wobei alleine Sprit schon mal 14 €/Stunde kosten kann.

Sei vorsichtig! In der Kurierbranche werden laufend Dumme gesucht, die hohe Verpflichtungen eingehen und am Ende kaum etwas verdienen oder sogar noch Geld mitbringen.

Also: Anstellung mit Lohnsteuerkarte und für das Fahrzeug sorgt der Arbeitgeber ganz alleine oder Finger weg!

Gruß
Wolfgang

Hallo.

Deshalb möchte ich von Leuten mit Erfahrung wissen, was man
unterm Strich am Ende im Durchschnitt herausbekommt, wenn man
die Sache hauptberuflich (40h/Woche) macht.

Obwohl ohne Erfahrung, rechne ich Dir mal etwas vor. Dazu nehmen wir die 14 € und die 40 Std./Woche …

Sagen wir mal, 6 von den 8 Stunden sind reine Fahrzeit. Bewegst Du Dich ausschließlich in der Stadt, wirst Du mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h unterwegs sein. Das macht 180 km / Tag. Mit einem (Stadt)Verbrauch von 8 l / 100 km, was eher niedrig angesiedelt ist, benötigst Du also bei einem Literpreis von 1,10 € pro Tag allein 15,84 € für Sprit.

Bei 220 Arbeitstagen im Jahr fährst Du 39600 km im Jahr. Das heißt, ein Satz Reifen und einmal Bremsklötze pro Jahr sind fällig. Seien wir großzügig und rechnen alle Nebengeräusche nur mit 2500 € im Jahr (inkl. Steuer, Versicherung, bla und blä).

Nach spätestens 6 Jahren ist die Karre fertig (bei 237600 km in 6 Jahren „nur“ Stadtverkehr ist das eigentlich auch zu hoch gegriffen). Sagen wir, die Neuanschaffung kostet 15000 € - das macht Abschreibung in Höhe von 2500 € pro Jahr.

Gesamtrechnung nach rosa-Brillen-Modus von oben :

Gesamtlohn für 6 Jahre : 220 x 6 x 8 x 14 = 147840,00 €
Sprit für 6 Jahre : 220 x 15,84 x 6 = -20908,80 €
Nebengeräusche : 2500 x 6 = -15000,00 €
Neuanschaffung : = -15000,00 €
 ---------- 
bleibt übrig 96931,20 €

Daraus ergibt sich der Reinverdienst brutto mit 96931,20 / 220 / 6 / 8 zu 9,18 € pro Stunde. Davon müsstest Du noch alle persönlichen Versicherungen (Rente, Krankheit, Unfall, Rechtsschutz) bestreiten. Nehmen wir noch mal die rosa Brille zur Hand und sagen, dass Dir netto 6 € pro Stunde übrig bleiben, was Dir bei 220 / 12 = 18,33 Arbeitstagen pro Monat 18,33 x 8 x 6 = 879,84 € zum Leben lässt.

Das ist das Angebot - interessiert? :wink:

Gruß kw

moin,

die vorschreiber haben das schon sehr realistisch dargestellt - noch einige zusatzinfos:

die eur 14.- entstammen meist statistiken von kurierdiensten.
bei diesen diensten bekommst du normalerweise einen knappen euro pro sendung fuer abholung/zustellung.
in einem gut organisierten bereich schaffst du auch deine 14 abwicklungen pro stunde.
in einigen industrie- und businessgebieten teils erheblich mehr, und auf dem platten land erheblich weniger.
geh mal davon aus, dass du in der anfangsphase das platte land bedienst… hier allerdings gibt es dann auch trinkgelder, wenn oma nen neues nachthemd aus dem versandhaus bestellt…

das problem ist nun, dass deine durchschnittlichen 14 sendungen/stunde ein erfahrungswert der auftraggeber sind.
du hast also theoretisch ca 110 abwicklungen auf dem auto, die sichschoen auf 8 stunden verteilt in je 14 portionieren lassen.

wenn du aber fuer deine abwicklungen laenger brauchst ( stau, glatteis, fehlender ansprechpartner ) ist das dem auftraggeber voellig egal, ob du die tour in 7 oder 17 stunden ableistest - bezahlt wirst du nach auftraegen.

ebenso gibt es „tote“ tage ( nach feiertagen )
dann hast du vielleicht am 2. januar nur 7 sendungen abzuwickeln, die du auch in 30 minuten schaffst, bist aber ne stunde vorher zum laden angereist und musst auch wieder nach hause, nachdem du abgerechnet hast.

dann biste nach neujahr also frueh aufgestanden, hast 7 euro brutto eingenommen…

die leasingfirmen, be denen du das fahrzeug finanziert hast, interessiert deine auftragslage nicht!

der kurierdienst ist GNADENLOS zusammengebrochen.
ich mach das nun schon einige jahre, wir vergeben auch fernfahrten.

vor 20 jahren bezahlten wir kurieren mindestens DM 1.- pro GEFAHRENEM kilometer - das waren also z.b. fuer frankfurt-paris DM 1.100.-

jetzt bekomm ich das ganze fuer euro 330.- und die leute pruegeln sich um den auftrag…

gruss
khs

Danke an alle für die interessanten Infos.

Das stimmt so allerdings nicht. Denn wenn er bereits ein Auto hat, fällt die Neuanschaffung und die Nebenkosten auch weg (Versicherung etc. ist ja bereits einmalig bezahlt), und warum soll der Wagen nicht gut und gerne doppelt so viel laufen, eine halbe Million oder noch mehr Kilometer könnte durchaus drin sein.

Dann sieht es vllt. ein bißchen besser aus, aber zugegebenermaßen nicht sehr viel, denn Sprit geht so oder so weg, und Reparaturen, die wegen der starken Benutzung sonst nicht anfallen würden, wohl auch.

Daß er nicht versichert ist, ist natürlich ärgerlich, außer wenn es nicht als Dauerlösung gedacht ist, dann wäre es schon okay. Sonst bleibt zwar wirklich nicht viel, aber das ist in der Branche wohl auch nicht zu erwarten, anderswo wird auch nicht viel mehr verdient.