Das Dichten ist schon eine Kunst,
zu oft ward nur die Sprach’ verhunzt,
zu oft ward „Herz“ auf „Schmerz“ gereimt,
und der „Reim“ mit „Schleim“ verleimt.
Drum prüfe wer als Reimer tätig,
ob auch die Muse ist ihm gnädig.
Denn sonst kommt dummes Zeug heraus -
und solche Dichter sind ein Graus.
Und freilich ist’s nicht einerlei,
[…]
ob Inhalt oder Reim besticht,
wenn nur der Reim den Inhalt bricht.
Dräut Lyrik dröger Logik dreist
entgegen, ist der Dichter meist
um eine Antwort nicht verlegen
(und sei’s auch bloß des Reimes wegen!)
Als Beispiel sei hier angeführt
ein Fall, der dieses illustriert:
Bert Brecht lässt seinen Titelhelden
in »Baal« folgenden Vers vermelden:
»_ Und ein Mann / starb im Wald / wo Sturm und Strom ihn umbrausten … _« [selber schuld / wär’ er halt / bei so ’n Sauwetter nicht draußten …] [kleiner Scherz, hehe ; )]
Hier ätzt der Leser: »Sie, Herr Brecht -
als Stabreim klingt der ja nicht schlecht,
Ihr Vers vom Sturm und Strom im Wald.
Man fragt an dieser Stelle halt
als Leser sich: wo, bitte sehr,
kommt denn im Wald der Strom daher?«
Herr Brecht, der denkt nicht lange nach
und antwortet dem Leser: »Ach,
der Strom? Der kommt auf alle Fälle
aus Batterien von Duracelle, gelle!«
Man fragt an dieser Stelle halt
als Leser sich: wo, bitte sehr,
kommt denn im Wald der Strom daher?«
Herr Brecht, der denkt nicht lange nach
und antwortet dem Leser: »Ach,
der Strom? Der kommt auf alle Fälle
aus Batterien von Duracelle, gelle!«
Das „Gelle“ war jetzt überflüssig
vermerkt der Versmesser hier müßig,
jedoch Verballhornung von Brecht
ist doch schon mehr als recht und schlecht.
Der Mann starb nicht einfach im Wald,
sondern im ewiglichen halt.
Das ist fürwahr ein Unterschied,
wie zwischen Venustal und Glied:
Es mag ja stürmen in 'nem Weib,
der Strom kommt aus dem Unterleib
des Mannes, der das Leben säht
und folglich ihren Leib aufbläht.
Vielleicht war’s ja der Mann im Wald,
der sich dies’ Weib hier hat gekrallt
und nach der Penetration
verblich: die Englein sangen schon…