Hallo,
*kopfschüttel* … wer sich hier wirklich eine Chance vergibt,
das
ist doch wohl der Bewerber. Da bekommt „ihr“ die einmalige
Gelegenheit, zu erfahren weshalb eure Bewerbung nicht mal
gelesen wird - und anstatt „Dankeschön“ für den Insidertip
zu sagen, hackt „ihr“ auf dem System rum welches Claudia
einfach so beschrieben habt wie es nunmal ist.
Ich bestreite ja nicht daß das einzig Sinnvolle für jeden Bewerber ist wenn er solche „Spielchen“ genau so mitspielt wie es erforderlich ist um seine Erfolgschancen möglichst hoch anzusiedeln.
Ich denke nur daß kein Mensch anhand derartiger Kleinigkeiten weiß ob ein Bewerber für eine Stelle geeignet wäre oder es nicht ist.
Ich behaupte sogar daß man das erst merkt wenn derjenige eine Weile lang an einem Arbeitsplatz eingesetzt war, selbst anhand eines Vorstellungsgesprächs kann man nicht wirklich „die Spreu vom Weizen trennen“, es kann sein daß da immer noch Leute durchschlüpfen, die einfach nur eine gute Empathie aufbringen und gut „schauspielern“ können.
Wenn aber sogar die Grußformel eines Anschreibens zu einem Auswahlkriterium gemacht wird - dann kann ICH darüber nur den Kopf schütteln. Du mußt wirklich zugeben daß man daran nun wirklich nicht erkennen kann was ein Bewerber womöglich zu bieten hat (oder nicht zu bieten hat).
Insofern geht meine Kritik nicht nur in Richtung Claudia, sondern bezieht sich generell auf eine Gesellschaft, Kultur - wie immer Du es nennen willst - in der nach solch wirklich albernen Auswahlkriterien schon eine erste Selektion stattfindet.
> Und was ist generell falsch daran wenn sich ein
> Labormitarbeiter in einer Beratungsfirma bewirbt?
> Das zeugt von Bereitschaft und Flexibilität sich
> in neuen Arbeitsbereichen zu engagieren.
Na toll - und wie begründet er das, soll der neue Arbeitgeber
sich einfach mal auf das Risiko einlassen ?
Wenn ich ne neue Stelle zu besetzen hab, dann möchte ich
bitteschön mehr sehen als „ominöse Behauptungen“ wie
„Bereitschaft und Flexibilität sich in neuen
Arbeitsbereichen zu engagieren“.
Aber es bleibt doch naturgemäß gar keine andere Möglichkeit. Das Bewerbungsschreiben kann noch so toll gewesen sein, das Vorstellungsgespräch noch so erfreulich - was ein Mitarbeiter wirklich zu leisten im Stande ist zeigt sich IMMER erst wenn derjenige dann wirklich an einer Arbeitsstelle tätig wird und beweisen muß daß er auch praktisch das leistet, was er vorher auf dem Papier und mit dem Mund feilgeboten hat.
Das Risiko auf einen Blender hereinzufallen bleibt naturgemäß immer - übrigens nicht nur aus Sicht eines Arbeitgebers; auch als Arbeitnehmer kann es passieren daß sich der Arbeitgeber, der Chef, die Kollegen, die Arbeitsbedingungen etc. in der Praxis als schlecht erweisen.
Gesetzt dieser neue MA würde eingestellt, würde er dann
die ersten 3 Monate auf Gehalt verzichten, weil er ja noch
gar nicht das „kann“ wofür er bezahlt werden würde ?
Was wenn er sich getäuscht hätte, und der neue Job doch
nicht seinen Fähigkeiten entspricht ?
Dafür gibt es ja die Probezeit, in der beide Seiten den Vertrag wieder lösen können.
> Ich behaupte sowieso daß man in 60, 70, 80 Prozent
> aller Jobs sowieso eingearbeitet werden muß…
Und wer bezahlt das ?
Und wie lange ?
Ist es so schwer zu verstehen, das ein AG zuerst mal jemand
sucht den er von Anfang an zu nahezu 100 % einsetzen kann ?
Erst wenn es das am Markt nicht gibt, wird der Anspruch
nach unten gedreht und „das kleinste Übel“ genommen.
Aber das ist doch die Regel und nicht die Ausnahme - selbst wenn jemand einen Job perfekt beherrscht muß er sich an die Gepflogenheiten eines neuen Arbeitgebers, einer neuen Umgebung, gewöhnen.
Abgesehen davon gehen neue Mitarbeiter, die sich in der Probezeit befinden, sicherlich motivierter an ihre Aufgabe heran als altgediente Mitarbeiter, die das Gefühl haben daß „ihnen sowieso nicht mehr passieren“ kann und die deswegen auch keine perfekten Arbeitnehmer sind…
wenn das wenige dann auch noch „schlampig“ oder unvollständig
ist,
wie soll man da auf „Charakter“ oder „Chemie“ schliessen.
Das wird dann in den nachfolgenden Stufen, 1. und 2.
Bewerbungsgespräch
abgecheckt. Um erstmal soweit zu kommen MÜSSEN die Unterlagen
top sein.
Was schlägst du vor als Kriterien heranzuziehen ?
Ich denke daß man anhand der Bewerbungsunterlagen und anhand der Vorstellungsgespräche natürlich eine (Vor-)Auswahl treffen muß. Vielleicht kann man jemanden auch „probearbeiten“ lassen. Natürlich geben dann immer relative Kleinigkeiten den Ausschlag warum die Entscheidung zugunsten des einen und entgegen einem anderen Bewerber gefallen ist. So gesehen ist es natürlich auch - aus Bewerbersicht - richtig auf eine möglichst rundum perfekte Präsentation Wert zu legen.
Aber aus Sicht eines AG sollte man sich immer darüber im Klaren sein daß man während einer Bewerbung nur einen ganz kleinen Ausschnitt eines Bewerbers zu sehen bekommt und daß Menschen unterschiedlich gut darin sind sich selbst zu präsentieren, man also trotz allem nie so 100%ig wissen kann wie sich jemand später machen wird wenn derjenige als Mitarbeiter und nicht als „Werbefuzzi in eigener Sache“ auftritt.
Mich stört an Aussagen wie denen von Claudia einfach nur daß es immer so rüberkommt als könnten Personalverantwortliche schon an den ersten 3 Worten einer Grußformel oder einer anderen winzigen, formalen Kleinigkeit ablesen mit welcher Art Mensch man es zu tun hat. Und das ist nun mal Unsinn, das kann kein Mensch.
Ich bestreite nicht daß sich ein Bewerber disqualifiziert wenn die Bewerbung gleich dutzende von wirklich leicht vermeidbaren Fehlern enthält, denn zu einem Mindestmaß an Intelligenz und Engagement gehört sicher auch daß man sich nach bestimmten Gepflogenheiten richtet und der Bedeutung einer Bewerbung entsprechend große Sorgfalt bei der Erstellung der Unterlagen an den Tag legt.
Aber bitte nicht solche unsinnig kritischen Auswahlkriterien wie ich sie weiter oben kritisiert habe.
Dein Opa hat offensichtlich verstanden die Anforderungen des
Schreiners
zu erkennen und auf diese einzugehen - bravo.
„Wes’ Brot ich ess - des Lied ich sing“
Die Anforderungen sind heute andere, sie zu erkennen gilt es !
Und dann danach zu handeln !
Die Anforderungen sind heute noch ganz genauso! Die Quintessenz eines jeden Bewerbungs-Ratgebers ist, wenn man das auf eine Kernaussage zusammenstreicht, eigentlich immer diese eine: präsentiere Dich als strebsamer, lernbegieriger, an allem interessierter und aufgeschlossener, flexibler Bewerber.
Es ist nach wie vor so daß NATÜRLICH derjenige die besten Chancen auf den Job hat, der den Entscheidungsträgern möglichst glaubwürdig vermitteln kann daß er eine Bereicherung für die Firma wäre, also sinngemäß: „Wes’ Brot ich ess - des Lied ich sing“.
Wenn z.B. die typische Bewerbungsgespräch-Frage nach der Motivation, sich gerade in DIESEM Unternehmen zu bewerben, kommt - was glaubst Du, würden Bewerber reihenweise antworten wenn sie ehrlich antworten würden?
In dieser Situation labert doch jeder Bewerber mehr oder weniger geschickt herum, bringt irgendwelche ausgedachten Gründe hervor, die den Interviewer überzeugen sollen.
In Wirklichkeit haben sich die Leute einfach reihenweise bei allen in Frage kommenden Betrieben beworben und sitzen nach der 200. Bewerbung im 50. Vorstellungsgespräch. Völlig egal ob es Firma A, B, C … Z ist - jeder Firma werden irgendwelche Argumente präsentiert und begründet warum man sich gerade dort beworben hat. Aber das ist doch in den seltensten Fällen wirklich ehrlich…
Mal ganz platt gesagt: ein Bewerber will einen sicheren Job mit einer nicht allzu belastenden Tätigkeit bei ausreichendem Verdienst. Interessiert es ihn aber ganz ehrlich und wirklich ob die Firma innovativ, erfolgreich, blablabla ist? Ehrlicherweise nicht, solange man Spaß an der eigenen Tätigkeit und einen sicheren zukünftigen Arbeitsplatz hat. Nur sagt das niemand ehrlich - kann es nicht sagen - weil das sicher das letzte wäre, was im Vorstellungsgespräch gut ankäme.
So läuft „das Spiel“ nunmal, und diese wie du sie bezeichnest
„dümmlichen Kriterien“ entscheiden nun mal ob eine Bewerbung
„weggeworfen“
wird, oder ob man die Chance zum Vorstellungsgepräch erhält.Nochmal, es geht nicht darum zu beurteilen ob diese System, so
wie
es ist, ein „gutes“ System ist, sondern darum zu beschreiben
„wie“
es funktioniert - und diese „Regeln“ bestmöglichst zu erfüllen
!Insofern nocheinmal den gut gemeinten Rat, das was Claudia
geschrieben
hat „verdammt“ ernst zu nehmen.
Keine Frage, ein kluger Bewerber spielt das Spielchen natürlich genau so mit wie es Arbeitgeber bzw. „der Markt“ vorgeben und fordern.
Trotzdem kritisiere ich das, denn damit wird in relativ hohem Maße der clevere Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen und Schauspielkunst eingefordert und die eigentlich wichtigen Kriterien - nämlich ob ein Bewerber wirklich für die spätere Tätigkeit geeignet ist - werden nebensächlich.
Ich finde es nach wie vor ziemlich dümmlich wenn schon einzelne, banale Nebensächlichkeiten von Seiten eines Personalverantwortlichen zur Vorauswahl von Bewerbern herangezogen werden und diese Leute dann auch noch davon überzeugt sind daß sie trotzdem richtig liegen mit ihren Auswahlkriterien.
Schöne Grüße,
MecFleih
