Hi Diana,
teils schaue ich in die Einkaufswägen anderer Leute, u.a. um mich zu inspirieren und öfter stelle ich immer wieder fest, wie viele „ungesunde“ Lebensmittel die Leute einkaufen. Das sind dann allerdings schon in der Regel Normalgewichtige. Besonders erstaunt bin ich dann, wenn mitunter gerade sehr schlanke Menschen, „dürre“ Menschen, im Einkaufswagen Joghurt, Pizza und Cola haben. Andere Leute müssen teils nur das Fettgedruckte einer Zeitung lesen und haben schon ein paar Kilo auf der Waage.
In solchen Empfehlungen wird immer gesagt, was man lassen soll, z.B. fettreduziert und zuckerarm essen, kalorienreiches Essen meiden, Kohlehydrate ja, Ballaststoffe ja, kleine Sünden ja… doch nie werden all die Menschen erwähnt, die all diese ungesunden Sachen essen und dennoch schlank sind bzw. wesentlich schlanker sind als so manch adipöser Mensch, der weniger ißt oder sich sogar (temporär) gesünder ernährt.
Also, das Essen ansich kann es allein nicht sein. Sicherlich hat das auch mit dem Typ zu tun, z.B. welcher Futterverwerter man ist. Doch was ist es, das einen Menschen die Dinge eher festhalten läßt, vielleicht sogar „geizig“ einlagert, während ein anderer großzügig alles ausscheidet?
Dringend zu empfehlen ist zunächst ein ärztlicher Check, bei der vor allem die Schiddrüse gecheckt wird. Ist der Hormonhaushalt okay? Teilweise reichen auch schon Jodetten aus. 
Will er abnehmen? Falls ja, weshalb will er das? Will er das, weil er den gesellschaftlichen Druck nachgibt um z.B. sich akzeptierter, gewollter zu fühlen? Meines Erachtens sollte er es dann lassen. Selbst wenn er das durchziehen könnte, so würde das was die Ursachen für das Übergewicht sind, auf einer anderen Ebene sich seinen Weg bahnen.
Weshalb ißt er? Kennt er die Gründe? Derer gibt es viele. Sicherlich kommt im Laufe der Zeit Gewohnheit hinzu. Manche essen aus Frust, Langeweile, Stress, Wut… Was steckt hinter dem sehnsüchtigen Hunger? Was will der Mensch, das er mit Essen zu kompensieren sucht?
Hier kan eine Psychotherapie (Einzeltherapie) und eventuell zusätzlich eine Gruppentherapie mit Menschen die denselben Problemreis haben, hilfreich sein. Es geht ja auch darum herauszufinden, was einen außer Hunger zwecks Energieaufnahme essen läßt? Wieder oder gar erstmals zu lernen zu unterscheiden, wann ißt man zur Enegieaufnahme und wann ißt man aus kompensatorischen Gründen, ist schon ein großer Schritt. Doch dann gilt es auch das Gefühl auszuhalten, wenn man spürt, daß man aus Wut, Langeweile, Frust… essen möchte. Es gilt sich bewußt zu machen, was man „eigentlich“ haben möchte und dies gilt es zu lernen sich zu besorgen.
Das Gefühl der inneren Unruhe die hochkommen kann, das man sonst mit Essen zugestopft hat, und sich so wieder künstlich beruhigt hat, muß man lernen auszuhalten. Und dann kommen höchstwahrscheinlich auch sehr schmerzliche Gefühle hoch, der Schmerz über die Dinge, die man sich selbst teils viele Jahre, eventuell sein Leben lang sogar, versagt hat. Je länger diese Sucht schon anhält, desto schwieriger wird es, allein die Gesundung hinzukommen.
Natürlich können und sollen Freunde eine Stütze sein. Doch ich denke auch, daß hier ein Fachmann bzw. eine Fachfrau nötig ist, die a, die Professionalität hat und b, auch den nötigen Abstand. Denn in Beziehungen, so liebevoll sie auch sind, gibt es einfach auch Verletzungen. Und so kann es sein, daß jemand dann Verhalten, Verletzungen auf sein Übergewicht bezieht, obwohl es damit gar nichts zu tun hat. Hier kann eine „neutrale“ Person meines Erachtens wie man sie in einer Psychotherapie hat, viel hilfreicher sein.
Selbst bin ich ein Mensch der die Ansicht vertritt, Sport ist Mord und jede Bewegung schlafft ab. Also, zum Sporteln kriegt mich keiner.
Allerdings schwimme ich gerne, was ich nicht als Sport ansehe. Nicht nur daß jeder sich im Wasser leichter fühlt, es werden auch die meisten Muskelgruppen beansprucht. Laufen ist natürlich auch nicht so mein Ding. Allerdings fotografiere ich z.B. gerne. Das heißt, bin ich dann z.B. im Botanischen Garten oder wo auch immer unterwegs, so merke ich gar nicht, daß ich mich bewege. Verstehst Du, was ich damit sagen möchte?
Ich würde mich zutiefst dagegen verwehren mich zu bewegen, Sport zu machen um abzunehmen. Doch wenn ich etwas tue, das mir Spaß macht und ein positiver Nebeneffekt eine Gewichtsreduktion ist, was will ich bitte mehr. Abnehmen kann, muß meines Erachtens auch Spaß machen. Wenn man einem Süchtigen was nimmt, so muß man das was man nimmt auch mit etwas ersetzen, das er stattdessen haben möchte.
Ich mag es mal überspitzt so formulieren, es geht gar nicht darum primär abzunehmen, sondern es geht viel mehr darum sich wohlzufühlen. Und dazu gehört eben auch, daß man Interessen hat und denen nachgeht. Wer ein Buch liest und sich damit unterhält oder weiterbildet, muß nicht unbedingt was essen. Wer mit Freunden spazieren geht oder einen Einkaufsbummel macht, schwimmen geht, eine Radtour macht, … muß nicht unbedingt das Gefühl haben abnehmen zu müssen. Viel wichtiger finde ich, daß man lernt herauszufinden was man möchte und dies dann mehr und mehr er-lebt. Umso mehr kann man dann auch auf das kompensierende Essen verzichten.
Natürlich gibt es viele kleine Tricks, z.B. sich bewußt einzucremen, wieder einen Bezug zum Körper herzustellen, sich wieder lernen besser zu spüren und wahrzunehmen oder vor dem Essen Wasser oder Früchtetees zu trinken oder, oder, oder… Doch Abnehmen beginnt meines Erachtens eher dann, wenn man sich wohl-er fühlt. IHr könnt’ natürlich sagen, es ist genau umgekehrt, man fühlt sich wohler, nachdem man abgenommen hat. Ja, das ist ein zusätzlicher Effekt. Doch ich sehe es eher andersrum, daß man einfach mal herausfinden muß, was man statt der übermäßigen Nahrungszufuhr haben möchte, wo herrscht ein Mangel und wie kann man diesen ausgleichen? Letztendlich ist es immer eine Angelegenheit auch von (Selbst-)Liebe, die ja bekanntlich durch den Magen geht.
Gib Dir das was Du brauchst, und Du brauchst keinen Ersatz, der nie so befriedigend sein kann.
Du schreibst, Dein Freund hätte als Kind schon soviel essen wollen… Möglicherweise war Essen das Einzige das ihm Wohlgefühl gebracht hat. Oder es war wenigstens am einfachsten zu bekommen? Ich bin der Ansicht, eine intensive Auseinandersetzung mit seinem Leben, beginnend mit seiner Kindheit, gehört zu seinem Weg um mit seinem Gewicht mehr ins Gleichgewicht zu kommen.
Seufz. Tut mir leid, sollte ich recht wirr geschrieben haben, doch ich nehme gerade mal wieder ein homöopathisches Mittel das mich recht benebelt fühlen läßt.
Ciao,
Romana