- sich der Gabe also nicht bewusst ist,
das belegt nicht die Wirkung der verabreichten Mittel. Zum
einen kann allein die Tatsache, daß jemand etwas verabreicht
bekommt, einen Effekt haben, zum anderen ist immer mit
sogenannten Spontanremissionen zu rechnen. Deshalb gelten
reine Vorher-Nachher-Vergleiche als weniger aussagekräftig als
Kontrollgruppenvergleiche, in denen die auftretenden
Veränderungen in der Gruppe, die etwas verabreicht bekommen
hat, mit denen verglichen werden, in denen nichts oder nicht
dasselbe verabreicht wurde. So läßt sich der eigentliche
Effekt des Wirkstoffes ermitteln.
Nur, wie kann allein die Tatsache, dass jemand etwas verabreicht
bekommt, einen Effekt haben, wenn das ‚Verabreichte‘ unter ein
Yoghurt, in einen Kinderbrei oder sonstwas gemischt ist, nur als
Beispiel?
Wenn Allgemeinmediziner alles, was nicht mit ‚allgemeinmedizinischen
Medikamenten‘ therapiert wurde, bei Heilung als Spontanremission
bezeichnen - dann muss man sich doch fragen, in wie vielen Fällen
einer Einnahme eines ‚allgemeinmedizinischen‘ Medikaments war nicht
das Medikament für die Heilung zuständig, sondern eine
Spontanremission der Fall?
Denn Du hast natürlich recht, dass man alleine am Vorher/Nachher-
Vergleich nicht mit Sicherheit sagen kann, WAS verantwortlich für
eine Heilung war.
Ich werde auch manchmal bei irgendwas gefragt ‚und, hat’s geholfen?‘,
und sei es eine Kopfschmerztablette - ich denke immer, eh, wie soll
ich das denn wissen? Vielleicht wäre was-auch-immer auch von selbst
weggegangen. Wenn ich einer anscheinend kommenden Erkältung vorbeuge,
kann ich dann sicher sein, dass meine Vorsorge geholfen hat, oder
dass sie doch nicht im Kommen war? etc…
Fakt ist aber doch, dass verschiedene Menschen auf die gleichen
Wirkstoffe unterschiedlich reagieren. Männer und Frauen reagieren
unterschiedlich. Etc etc.
Ein Kontrollgruppenvergleich muss also mit einer grossen Anzahl und
einer gut durchmischten Gruppe von Teilnehmern durchgeführt werden,
um als wissenschaflich relevant zu gelten.
In der Homeopathie ist es aber tatsächlich so, dass der ganze Mensch,
und nicht seine Krankheit/sein Leiden behandelt wird.
Was eigentlich der Methode ‚Ursache, nicht Symptom‘ behandeln,
gleichkommt.
Wenn wir bei Kopfschmerzen als Beispiel bleiben:
Alle Teilnehmer an der Studie haben das gleiche Symptom.
Aber viele völlig verschiedene Ursachen!
Behandle ich also die Teilnehmer mit EINEM Medikament (welches nicht,
wie eine reine Schmerztablette, die Schmerzen lindert, sondern die
Ursache behandelt) - habe aber Teilnehmer mit zB 20 verschiedenen
Ursachen, die einigermassen gleich verteilt auf die Teilnehmer sind -
dann habe ich Erfolg mit nur maximal denen, die aufgrund derselben
Ursachen das Symptom Kopfschmerzen haben.
Ich habe also einen Erfolg von MAXIMAL 5%, und das Medikament wird
als unwirksam dargestellt…
Wenn ich aber evtl. das Glück hätte, festzustellen, was die
Teilnehmer, bei denen ein Erfolg zu verzeichnen war, gemeinsam
hatten, sähe die Sache vielleicht schon wieder anders aus…
Das ist wohl immer das Problem, wenn man ganzheitlich arbeitet.
Nun, ich habe nichts gegen die Methoden, mit denen konventionelle
Medikamente getestet werden. Vor allem nicht solche, die ganz gezielt
auf ein bestimmtes Symptom wirken sollen.
Hier ist aber die Kontrolle einfach.
Nun, ich denke, man hat sozusagen ‚gerade erst‘ angefangen, sich
damit auseinanderzusetzen, dass Männer und Frauen oft
unterschiedlcihe bzw unterschiedlich dosierte Wirkstoffe für ein und
dasselbe Problem brauchen, weil ihre Körper eben auch unterschiedlich
sind.
Was für hunderte von Faktoren noch eine Rolle spielen, wird man zum
Teil erst langsam herausfinden, zum Teil vielleicht gar nicht.
Unser Körper besteht nunmal nicht aus zusammengesetzten Einzelteilen,
sondern aus vielen Bestandteilen, deren Wechselwirkungen wir noch
nicht alle kennen, auch wenn die Forschung grosse Fortschritte macht.
Da hier sowohl Schul- als auch Alternativmediziner noch im Dunkeln
tappen, sollte man m.E. offen bleiben für unerklärte, weil
unverstandene, Heilungserfolgen.
Um aus dem Witzebrett zu zitieren:
" ‚Lois Pasteur’s theory of germs is ridiculous fiction‘ - Pierre
Pachet, Professor of Physiology at Toulouse, 1872"
Meiner Meinung nach liegt das Problem übrigens nicht in der Medizin,
sondern in den Menschen, die entweder die Schul- oder die
'Alternativ’medizin als Dogma ansehen.
Wenn man sieht, wie wenig Ärzte zB über Ernährung - welche eine
zentrale Rolle für unsere Gesundheit spielt - wissen, wird einem
manchmal Angst und Bange.
Wenn man sieht, wie manche 'Alternativ’mediziner gewonnene Kenntnisse
der Schulmedizin ignorieren, wird einem aber auch Angst und Bange…
Die Sache ist: Es gilt kein Entweder/Oder.
Und das scheinen viele Leute auf beiden Seiten nicht akzeptieren zu
wollen.
gruss, isabel