Hallo „chill0r“,
Man stelle sich 2 geladene Kondensatorplatten im luftleeren
Raum vor (Abstand d). Der eine trägt die Ladung Q der andere
Q-, so dass sich zwischen ihnen ein homogenes elektrisches
Feld E befindet. Ferner stellt man sich vor, dass beide
Platten isoliert und an keiner Spannungsquelle angeschlossen
sind, so dass kein Ladungsaustausch stattfinden kann.
OK.
Zu meiner Frage, wennm man nun ein Elektronenstrahl durch die
Platten hindurchfliegen lässt so wird dieser Strahl abgelenkt
in gegen der Richtung von E.
Ja.
Doch woher kommt die dazu
notwendige Energie? Die Elektronen verlassen den Kondensator
ja mit einer höheren Kinetischen Energie als sie in das Feld
eingetreten sind…
d.h. die Energie des Kondenstors müsste sinken…aber wenn ja
wodurch?
Die Energie sitzt ja im Feld aber die Quelle für die Energie
ist doch erstmal nur die Ladung und die kann ja nicht runter.
Oder gibts da noch etwas, was ich nicht berücksichtigt habe?
Ja – Du musst auch noch sagen, was Du mit dem Elektron, das sich anschickt, den Kondensator mit seiner größeren Geschwindigkeit und seiner höheren kinetischen Energie wieder zu verlassen, machst!
Zwei Extremfälle:
Fall 1: Du lässt das Elektron erstmal 100 m ungehindert weiterfliegen, bevor Du es in eine Nebelkammer eintreten lässt, um noch seine Geschwindigkeit zu messen, bevor es von irgendwelchen Atomen dort eingefangen wird.
Machst Du das so, wirst Du feststellen, dass das Elektron mit genau derselben Geschwindigkeit an der Nebelkammer ankommt, mit der Du es in den Kondensator geschickt hast. Das liegt daran, weil das Elektron ab dem Moment seines Austretens aus dem Kondensator wieder abgebremst wird, und zwar genau auf seine ursprüngliche Geschwindigkeit, wenn Du es lange genug frei fliegen läßt. Das Feld außerhalb des Kondensators ist ja nicht Null. Es wird auch sofort klar, wenn Du Dir die beiden Platten und die Flugbahn des Elektrons einmal aufmalst:
+--------------------------------------+
| - - - - - - - - - - - - |
+--------------------------------------+
•• e •••••••••••••••••• X
•••••••••••••
•••••••••
••O••••
•••••
+--------------------------------------+ ••••
| + + + + + + + + + + + + | ••••
+--------------------------------------+ ••••
••••
Wenn das Elektron den Kondensator verläßt, ist es der positiv geladenen Platte etwas näher als der negativen. Deshalb wird es von der positiven Platte ein bisschen stärker abgebremst als es von der negativen abgestoßen wird. Im „Unendlichen“ hat es gerade seine ursprüngliche Eintrittsgeschwindigkeit wiedererlangt. Das muss so sein, weil das elektrostatische Feld im und um den Kondensator konservativ ist. Vor dem Eintritt in den Kondensator ist die kinetische Energie des Elektrons konstant, und seine potentielle Energie ebenfalls (z. B. Epot = 10, Ekin = 30). Im Kondensator verliert es potentielle Energie und gewinnt zum Ausgleich genau soviel kinetische (wenn z. B. Epot auf 7 sinkt, dann steigt Ekin auf 33). Nach dem Verlassen des Kondensators gewinnt es wieder potentielle Energie und verliert genauso viel kinetische. Im Unendlichen hat es gerade wieder Epot = 10, Ekin = 30. Seine Gesamtenergie (= Summe aus potentieller und kinetischer Energie) ist zu jedem Zeitpunkt gleich (im Beispiel Eges = 40).
Fall 2: Du willst das Elektron nicht weglassen. Dazu läßt Du es genau dort, wo es den Kondensator verlassen will (in der obigen Skizze mit „O“ markierter Punkt), auf ein Hindernis, etwa einen Nagelkopf, auftreffen, das es absorbiert. Durch die Umwandlung der kinetischen Energie des Elektrons in Wärmeenergie (Reibungswärme) wird sich der Nagelkopf erhitzen, z. B. auf 80 °C. Wäre der Kondensator nicht vorhanden, müßtest Du den Nagelkopf am Ort „X“ positionieren. Die Elektronen würden dort mit geringerer kinetischer Energie auftreffen, und der Nagelkopf sich deshalb nur auf z. B. 50 °C erwärmen. Hoppla… woher kommt die zusätzliche Energie für den Temperaturunterschied von 30 °C?
Antwort: Der Kondensator und der Nagelkopf bilden einen „neuen Kondensator“, dessen Gesamt-Energie mit jedem von dem Nagelkopf absorbierten Elektron sinkt. Der elektronensammelnde Nagelkopf ist ja ebenfalls Quelle eines elektrostatischen Feldes! Irgendwann wird dieses Feld sogar so groß, dass der Nagelkopf die Elektronen, die er absorbieren soll, so stark abstößt, dass sie ihn gar nicht mehr erreichen. Er ist quasi „verbraucht“. Bevor er wieder seinen Zweck erfüllen kann, musst Du die Elektronen von ihm entfernen. Tja, und damit liegt gerade wieder Fall 1 vor, nur etwas anders verpackt. Das Entfernen der Elektronen kostet Energie, weil der Nagelkopf näher an der positiven Kondensatorplatte sitzt als an der negativen. Hier steckt die zweite Hälfte der Energiebilanz. Würdest Du auf den Kondensator und auf das mühevolle Entladen des Nagelkopfes verzichten, und statt dessen mit genau derselben Anstrengung am Nagelkopf reiben, würde dieser um exakt 30 °C wärmer werden.
Fazit: Es ist energiesatzmäßig alles in Ordnung
.
Gruß
Martin