Ist verhungern lassen Völkermord?

Nicht von allen, nein. Von einigen wenigen ja, denen es auch tatsächlich gelang, viele Menschen und Medien mit offensichtlich widersprüchlichen Aussagen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Aber bleib doch einfach mal beim Thema.

Wir reden hier weder über den Braunkohleabbau noch über ölhaltige Abfälle in Naturschutzgebieten, sondern davon, warum es für die Menschen in Mali und in Eritrea eine oder eben keine Rolle spielt, ob Deutschland ein bisschen weniger Weizen produziert, der gar nicht zu ihnen geliefert worden wäre und der den Preis auf dem Wochenmarkt, den sie sie nicht bezahlen können, gar nicht beeinflusst hätte.

Und in meinem Kühlschrank steht ein Joghurt mit 1% Fett. Das ist für die Diskussion ähnlich relevant wie dein Satz hier.

Wie bereits oben geschrieben - nein.

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Das hier kürzlich ziemlich ausführlich diskutierte Thema „Selbstversorgungsgrad“ hast Du aber noch im Gedächtnis, hoffe ich.

Selbstverständlich muss die landwirtschaftliche Produktion in D extrem gesteigert werden - es gibt nicht so sehr viele Länder, in denen die Landwirtschaft eine schlechtere Energiebilanz hat (= in Energiegehalt bewerteter Output minus Einsatz fossiler Energieträger) als in D, und irgendwie sollten wir die Erde doch verschrottet kriegen!

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Im Grunde ist die Nachricht nicht neu und solange ich Medien verfolge, solange kenne ich das typische Bild des schwarzen unterernährten Kindes, mit 20 Fliegen im Gesicht. (krass ausgedrückt)

Diese Aussage:

mit dieser Aussage

zu vermengen finde ich sehr überzogen.

Es ist vielleicht hilfreicher darauf zu schauen, warum es Hunger in der Welt gibt.
In einem Bericht von Feb. 2023 von deutschlandfunk.de werden folgende Ursachen genannt:

  • Kriege und Konflikte
  • Klimakriese
  • Corona
  • Verzerrter Welthandel

Der Artikel zeigt auch mögliche Wege aus der Krise.

Gib mal bei Google „welthunger biosprit“ ein, das war bereits in den 16 Jahren Merkel Thema und wurde kontrovers diskutiert. In Deutschland hat sich deswegen auch niemand schuldig gefühlt.

Ich sehe daher keinen Zusammenhang darin ob und wie in Deutschland Agrarflächen genutzt werden und die aktuelle Regierung in irgendeiner Form mitschuldig an dem Welthunger sein soll.

Servus,

sicher ist, dass bei mit welchen Instrumenten auch immer forcierter Umstellung sehr viel mehr Grünland-/Milchviehbetriebe umstellen werden als Ackerbaubetriebe, Obst- und Gemüseerzeuger. Gerade deswegen, weil die Ertragseinbußen sich bei diesen in ziemlich übersichtlichen Grenzen halten und die Umstellung keine dramatischen Investitionen verlangt - beides ist im intensiven Ackerbau vollkommen anders.

Schöne Grüße

MM

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Wenn Du es wenigstens schaffen würdest, den Versuch zu unternehmen, Dinge zu lesen und zu verstehen, bevor Du reflexartig den nächsten Unfug absonderst, wäre der Welt wirklich ein großer Dienst erwiesen! In meinem Beitrag steht nichts, aber auch gar nichts davon, dass man

sollte!

Da ist vielmehr erläutert, dass eine so weitgehende Unterlassenstrafbarkeit, wie Du sie hier wahnhaft meinst gegenüber unserem Staat annehmen zu können, nicht nur unseren deutschem sondern jeglichem Strafrecht auf der Welt vollkommen fremd ist. Denn wenn sie es nicht wäre, dann wären nicht nur Staaten, sondern jeder einzelne individuell auch (noch mal zum Mitdenken: Parallel und nicht anstatt!) dafür strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, dass er nicht alle seine Mittel und Möglichkeiten ausschließlich dafür einsetzt jegliches Leid auf dieser Welt bestmöglich zu lindern. Das hat also rein gar nichts mit „an die eigene Nase fassen“ zu tun, sondern bezieht sich ausschließlich auf die grundsätzliche Frage Strafbarkeit einer Unterlassung.

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Zu deiner Frage in der Titelzeile:
Ja.

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Und jetzt schauen wir uns mall an, worum es im Holodomor ging, und überlegen mal ganz scharf, was das damit zu tun hat, dass Deutschland mehr Ökolandbau betreiben will und zeitgleich irgendwo auf der Welt Menschen Hunger leiden (so schlimm das auch ist):

Ich zitiere mal den spannenden Absatz aus Wikipedia:

Josef Stalin verfolgte das politische Ziel, den ukrainischen Freiheitswillen zu unterdrücken und die sowjetische Herrschaft in der Ukraine zu festigen. Die Bolschewiki waren bereits zuvor radikal gegen die ukrainische Intelligenzija und den ukrainischen Klerus vorgegangen. Zwischen 1926 und 1932 wurden durch staatlichen Terror in der Sowjetunion 10.000 Kleriker ermordet. Allein im Jahr 1931 wurden mehr als 50.000 Intellektuelle nach Sibirien deportiert, darunter die 114 wichtigsten Dichter, Schriftsteller und Künstler des Landes. Danach wandten sich die Bolschewiki nun gegen die Bauernschaft, die sich weiterhin hartnäckig der Kollektivierung und Umerziehung widersetzte. Im Sinne einer Russifizierung sollte die ukrainische Kultur ausgemerzt werden, so dass nur noch eine sowjetische Kultur übrig bliebe.[4]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Holodomor begann mit zwei Missernten in den Jahren 1931 und 1932.[5] Trotz des Hungers der Landbevölkerung erhöhten die Parteikader die Abgabenquote der Bauern auf 44 Prozent. Während im Jahr 1931 noch 7,2 Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine requiriert wurden, sank dieser Wert trotzdem auf 4,3 Millionen Tonnen im Jahr 1932. Das Getreide wurde größtenteils zur Devisenbeschaffung auf dem Weltmarkt verkauft. Die Einnahmen wurden zur Industrialisierung der sowjetischen Wirtschaft und zu Rüstungszwecken genutzt.[6][7]

Nach der Historikerin Anne Applebaum entschied Stalin im Herbst 1932, die Hungerkrise gezielt gegen die Ukraine zu nutzen. Die Grenzen wurden geschlossen, so dass Hungerflüchtlinge nicht ausreisen konnten.[8] Im Jahr 1932 erhielt Stanislaw Redens (Leiter der ukrainischen GPU und Schwager Stalins) zusammen mit dem Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Ukraine (KPU), Stanislaw Kossior, die Aufgabe, als Bestandteil der Kollektivierung einen Plan zu entwickeln, um die „Kulaken und die petljurschen Konterrevolutionäre“ zu [liquidieren](https://de.wikipedia.org/wiki/Gezielte_Tötung). Zweitausend Kolchosvorsitzende wurden daraufhin verhaftet. Als im Januar 1933 das Getreidesoll nicht erreicht war, löste man Redens in der Ukraine ab.[9]

Am 28. November 1932 beschloss das Politbüro der KPU unter Wjatscheslaw Molotow, dem späteren sowjetischen Außenminister, als Bevollmächtigtem von Generalsekretär Stalin, die Verhängung von „Naturalienstrafen“ und die Einführung von „Schwarzen Listen“ gegen opponierende Bauern. In der Folge wurden die Lebensmittelforderungen an die Bauern drastisch forciert. In den Dörfern wurden darüber hinaus Haushaltsgegenstände wie Seife oder Petroleum konfisziert. Bolschewistische Brigaden suchten nach versteckten Lebensmitteln. Dörfer wurden systematisch ausgeplündert. In der Folge von Strafabgaben verloren viele Bauernfamilien ihren gesamten Besitz und endeten, um Essen bettelnd, in den Städten.[10]

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Ich bezog mich allein auf die Frage in der Titelzeile:

War das so schwer formuliert?

Und wie Du meiner Antwort entnehmen kannst, ist deine Antwort in dieser Pauschalität schlicht und ergreifend - gerade unter Berücksichtigung des dann in der Frage konstruierten Falls - mal wieder falsch. Auch wenn man im konkreten Fall des Holodomor - übrigens nach äußerst langwieriger und keinesfalls einfacher und konfliktfreier Bewertung - schließlich zu einer Bewertung als Völkermord gekommen ist, ist das immer noch ein absoluter Einzelfall, der von ganz besonderen Umständen gekennzeichnet ist, die ich in meinem vorhergehenden Posting auch ordentlich fett markiert hatte. Er eignet sich insoweit nicht ansatzweise als Beleg für eine so grundsätzliche Aussage wie Du sie triffst.

Richtig wäre hingegen eine Aussage wie: „Das verhungern lassen einer ethnischen Gruppe kann einen Völkermord darstellen, wenn ein Hungerereignis durch vorsätzliche und zielgerichtete Maßnahmen hervorgerufen wird, die auf die Einschränkung der Nahrungsversorgung dieser ethnischen Gruppe in einem Maße gerichtet sind, dass mit einer Vielzahl von Hungertoten absehbar gerechnet werden muss, und sich dies dann verwirklicht hat.“ o.ä.

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Weil es keiner ist :man_shrugging:
Ein Ex-Arbeitskollege vertritt folgenden Standpunkt: „Halb Afrika ist Wüste. Wenn da nix wächst, wo ich bin, muss ich halt woanders hin“
Klingt vielleicht ignorant und unmenschlich, ist objektiv gesehen aber richtig. Die ärmsten Länder haben die höchsten Geburtenraten und tragen damit selbst dazu bei, die Versorgungslage zu verschlimmern.
Die lokalen Machthaber - so es sie gibt - haben alle Hände voll zu tun, ihre eigenen Taschen zu füllen, so wie sie es von ihren ehemaligen Kolonialherren gelernt haben.
Und der reiche Westen hilft seit Jahrzehnten, ohne dass sich grundlegend was ändert - sofern das überhaupt wirklich gewünscht ist: Welche Hilfsorganisation arbeitet schon gezielt daran, sich selbst überflüssig zu machen? Das sind auch nur Leute, die Geld verdienen wollen.
Teilweise fehlt es auch schlicht an Bildung und dementsprechend guten Lösungen. In einer Reportage haben sie mal erzählt, dass ein Großteil z.B. der Mangoernte verdirbt, weil alle Mangos fast gleichzeitig reif sind. Damit ist der Markt überschwemmt, die Preise im Keller, und kurz darauf herrscht Mangel. Geeignete Kühlräume könnte man bauen, aber das KnowHow ist nicht da. Großartige Investitionen braucht es dazu gar nicht: Der einfachste Kühlraum der Welt | NZZ
Unterm Strich sind arme Länder zum Teil selbst schuld an ihrer Misere, zum Teil haben die ehemaligen Kolonialmächte die Grundlage dafür gelegt, und zum Teil wollen die Industrienationen gar nicht, dass diese Länder auf die Beine kommen.
Die Landwirtschaft in Deutschland hat an keinem Faktor einen messbaren Anteil.

Gruß,

Kannitverstan

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Dem stimme ich zu.
Mit der Geldgießkanne durch Afrika zu gehen bringt mit Sicherheit nichts.

Servus,

da scherst Du einen ganzen Kontinent über einen Kamm, auf dessen riesiger Fläche es sehr viele verschiedenen Länder mit verschiedenen Bedingungen und verschiedenen Ökonomien gibt.

Bemerkenswert finde ich z.B. die Entwicklungen in Äthiopien, Ruanda, Malawi, Botsuana.

Mangos stammen aus Indien (Assam) und ihr Anbau findet in Afrika zwar statt (u.a. Kenia), ist aber nicht besonders bedeutend; Verlust von Lebensmitteln durch Verderb ist ein vor allem in den in feuchtwarmem Klima gelegenen Ballungsgebieten Indiens gegebenes Problem. Ein wichtiges Mittel, um ihm entegenzuwirken, die Gammabestrahlung aller Transporte von Obst und Gemüse, die in ein Ballungsgebiet einfahren, in dafür eingerichteten Stationen an den Einfallstraßen, ist übrigens von indischen Ingenieuren und Technikern entwickelt und aufgegleist worden.

Zu der Geschichte mit der „Geldgießkanne“, die sich genauso hartnäckig hält wie die Geschichten von Milchseen und Butterbergen aus den 1970er Jahren, an dieser Stelle lieber nichts weiter.

Schöne Grüße

MM

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„Geldgießkanne“ ist ein Synonym für das Geldausgeben reicher Dummköpfe ohne sich VORHER Gedanken zu machen wo und wie man es am besten einsetzen kann, um möglichst effektiv Positives zu bewirken.

Ich halte den Ausdruck für ziemlich verbreitet.

Ja - er ist sicherlich bedeutend weiter verbreitet als der Gegenstand, den er beschreibt.

Sicherlich gibt es Aktionen der GIZ, an deren Motiven und Sinn man zweifeln kann; es gibt auch sehr viele andere, bei denen solche Zweifel nicht angebracht sind, und es ist nicht sinnvoll oder nützlich, sie alle über einen Kamm zu scheren.

Einzelheiten dazu gibt es u.a. hier:

Schöne Grüße

MM

Aber nicht doch. Der Kamm sollte nur die Länder treffen, die… es eben betrifft :wink:

Natürlich ist es mitnichten so, dass ganz Afrika dahinsiecht und natürlich gibt es Länder, die auch aus eigener Kraft einiges erreicht haben.
Das ändert aber nichts daran, dass viele Hungerländer an hausgemachten Problemen leiden. Und die kriegen sie nicht in den Griff, indem wir mehr Getreide hinschicken. Oder doch?

Gruß,

Kannitverstan

In der Tat. Höchstens indirekt, wenn den deutschen Weichweizen keiner mag und der Große Mann beim nächsten Putsch versprechen muss, dass es endlich wieder die gute eigene Hirse geben wird…

Schöne Grüße

MM

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Da sollte man jetzt aber mal deutlich zwischen Akuthilfe und längerfristig angelegten Projekten unterscheiden. Wenn ein Kind vor Dir liegt, dass dem Hungertod näher als dem Leben ist, dann reden wir von akuter Hilfe und willst Du diesem Kind sicher nicht erklären wollen, dass seine Eltern es besser nicht gezeugt hätten, der Machthaber seines Geburtslandes korrupt ist, irgendwann mal böse Kolonialmächte geherrscht haben, und sich an der Situation in seinem Land ohnehin nichts ändern wird. Da kannst Du nur in genau dem Moment mit importierten Nahrungsmitteln helfen.

Und viel Geld geht nun einmal in solche ganz akuten Notfälle, weil glücklicherweise nur wenige Menschen die Kaltschnäuzigkeit besitzen zuzusehen, wie sich die Straßen mehr als vermeidbar mit Leichen füllen, während sie versuchen politische Bildung zu vermitteln, damit das Volk sich einen besseren Herrscher wählen möge.

Die Lage ist in vielen Ländern in der Tat besch… und es ist selbstverständlich mehr als unbefriedigend, immer mehr und immer häufiger akute Hilfe leisten zu müssen, weil sich im Großen nicht so viel bewegt bzw. zwischenzeitliche Erfolge dann wieder Naturkatastrophen oder Kriegen zum Opfer fallen. Aber eine Hilfe in Akutlagen deshalb gegenüber denen einzustellen, die dafür am wenigsten können, wäre nicht nur barbarisch sondern auch höchst unklug. Denn wenn Du so schön schreibst:

Dann sprichst Du damit natürlich eine Einladung aus, die uns nicht nur finanziell noch weit, weit mehr belasten würde, als Akuthilfe und längerfristige Projekte vor Ort.

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Es ist ein Irrtum zu glauben, dass der Hunger in der Welt ein Problem der Nahrungsmenge ist. Wir könnten jeden einzelnen Menschen auf diesem Planeten ernähren - das Problem ist die Armut.

Hunger haben vor allem die Menschen, die weniger Kapital haben, als es kostet, dass Essen zu produzieren., oder die in einer Krisenregion leben, die keinen Zugang zum internationalen Markt hat. Deswegen ist dieses Agrarflächen-Argument ziemlicher Unsinn.

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HI!

Das Problem wäre einfach zu lösen: Da Fleisch nur 18% der Nahrungsmittel ausmachen, aber 83% der Landflächen benötigen für den Futteranbau, würde ein Verzicht auf Fleisch (ich spreche nicht von vollständigem Verzicht) eine gut umsetzbare Alternative.
Dadurch würde weniger Gülle anfallen, dass die Böden und das Grundwasser gefährdet, es gäbe weniger Methanausstoß, der die Athmosphäre stärker belastet als CO2. Usw. usf.

Für deine Suche nach einem Sündenbock ist diese Lösung natürlich nicht geeignet:
Die Frage wäre dann, ob du dich zum Mörder machst, wenn du weiterhin Fleisch isst.

Gruß, Diva

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