Kann eine brustamputierte Frau oben ohne gehen wie ein Bauarbeiter?

In einem Nacktbereich ist daswohl auch kein Problem, da laufen noch ganz andere rum.
In der Öffentlichkeit oder im Job würde man das wohl eher anstößig finden.

Diese neue Prüderie finde ich schon länger seltsam. Wobei sie auch in Bereichen auftritt, wo Geschlechtertrennung herrscht. Im Fitnessstudio erlebe ich Frauen, "die lieber zu Hause duschen ", in Saunas begegnen mir heute mehr gut in Handtücher eingerollte Frauen, als früher.

Im Schwimmbad bei der Jugend nimmt es aber oft absurde Züge an: die Bikinis der Frauen/Mädchen sind klein, Stringtangas nicht ungewöhnlich, während die Männer/Jungs zwar oberkörperfrei aber von drei Zentimeter unterm Nabel bis zu den Knien in Baggys stecken (Wobei viele keine Probleme damit zu haben scheinen, ihre Gesäßritze auf der Straße zu zeigen, sei’s beim Bücken, beim Radfahren oder Laufen - so viele wie dieses Jahr habe ich noch nie gesehen, da wünscht man sich fast die Mode der runtergerutschten Jeans mit sichtbarer Unterwäsche zurück).

Grüße
Siboniwe

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," wie hier schon erwähnt wurde."
Von mir. Ende der 70er Jahre fing das in München mit oben ohne an, damals habe ich an der LMU studiert.

Nichtsdestotrotz behaupte ich, dass öffentliches Stillen in einem kleinen Ort in Niederbayern oder auf der schwäbischen Alb oder in der Eifel nicht ganz so reibungslos verläuft.

Und Kleiderordnungen an Schulen sind Dauerthema bei Elternversammlungen ab etwa Klasse 7 oder 8.

Grüße
Siboniwe

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nun ich fahre heute nach Nordbayern, in einen kleinen Ort, werde mal die Augen offen halten. allerdings im Städtischen Freibad sieht man dort ab und an Damen die sich oben ohne Sonnen.

Hallo,

mir ist nicht ganz klar, ob Du nun auf gesellschaftliche Konventionen abzielst oder auf die ordnungs-/strafrechtliche Bewertung. Falls zweiteres: es kommt immer auf den Kontext an. Relevant kann hier § 118 Ordnungswidrigkeitsgesetz (Belästigung der Allgemeinheit). Daraus ergibt sich letztlich, daß ein nackter Oberkörper am Strand (ganz gleich ob Frau oder Mann, attraktiv oder nicht, operiert oder nicht) keine Belästigung darstellt, da man dort mit dem Anblick rechnen muß. Andererseits gab es mal ein Urteil gegen jemanden, der in Badehose im Innenhof eines Kurhauses herumlief.

Wie gesagt: es kommt auf den Kontext an. Zwischen völliger Nacktheit in der Öffentlichkeit jenseits von FKK-Bereichen und komplett bekleideten Personen gibt es eine riesige Grauzone, die rechtlich nicht geklärt ist bzw. wo jede Situation einen Einzelfall darstellt, der beurteilt werden will.

In der Praxis braucht es eine halbnackte Personen, jemanden, der sich belästigt fühlt und jemanden im Ordnungsamt, der eine Geldbuße verhängen will. Erst, wenn wir überhaupt bis dahin gekommen sind und der „Täter“ gegen den Bußgeldbescheid vorgeht, landet die Sache vor Gericht, daß dann diesen (und nur diesen) Einzelfall prüft. Das kam bei halbnackten Frauen m.W. bisher noch nicht vor.

Was vorkommt, ist, daß die Polizei einen Platzverweis verhängt, aber das zieht dann keine juristische Beurteilung nach sich.

Der langen Rede kurzer Sinn: im Regelfall ist das ganze kein Thema für Gerichte und Behörden, sondern eine Frage des persönlichen Schamgefühls und des Respekts vor gesellschaftlichen Konventionen. Eine Regelung, die der von Dir angesprochenen Frau das öffentliche Herumlaufen mit nacktem Oberkörper verbietet, gibt es jedenfalls nicht.

Die sind ja auch eher ein tertiäres Geschlechtsmerkmal :slight_smile:

Wenn Du es wirklich wissen willst, dann solltest Du wohl eher die Brüste offenhalten …

Allgemeine Gesellschaftliche Konventionen.

Oder anders gesagt: ein BH und ein Bikinioberteil sind sich ziemlich ähnlich. Aber nur eins von beiden ist als „Oberbekleidung“ in der Gesellschaft akzeptiert.

BTW mag ich als Frau auch nicht gerne obenrum unbekleidete Arbeiter ansehen. Das liegt aber am persönlichen Geschmack, der recht exklusiv ist.

Wäre aber bei dem ein oder anderem durchaus eine gute Idee.

Grüße
Dirk

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Und man duscht mit Badehose…

Grüße
Dirk

Hallo,

wir Menschen sind meines Wissens die einzige Säugetierart, die die weiblichen Brüste als sekundäres Geschlechtsmerkmal erkennen. Also im Sinne einer Triebsteuerung. Ich hörte die Theorie, dass mit dem „aufrechten Gang“ die Fixierung auf das Gesäß seine Bedeutung verlor und sich statt dessen die Brust als sexuelle Anregung heraus bildete. Darum ist der Mensch auch das einzige Säugetier, bei dem die Weibchen auch ohne Nachwuchs eine äußerlich pralle Brust aufweisen. Ob dem so ist, oder es einfach nur zur evolutionären Auslese von Weibchen mit größeren Brüsten kam, kann ich nicht beurteilen.

Aber eines scheint sicher: auf die meisten Männer wirkt eine weibliche Brust sexuell stimulierend. In unserer Gesellschaft gibt es schon fast eine Besessenheit auf die weiblich Brust - in anderen Kulturen ist sie weit weniger Objekt der Begierde. Weil es in unserer Gesellschaft aber als anstößig gilt, in der Öffentlichkeit andere sexuell zu stimulieren oder seine eigene Stimulation nach außen zu zeigen, ist es gesellschaftlicher Konsens, die Erregung auf ein „erträgliches“ Maß zu reduzieren. Daher werden die meisten Frauen die meiste Zeit in der Öffentlichkeit die Brüste ebenso wie das Gesäß, verhüllen. (Die Männer werden das selbe mit ihrer Zone zwischen Schultern und Mitte Oberschenkel tun. Und ja, ich fühle mich von jungen Männern, die in der Stadt mit freiem Oberkörper herum laufen peinlich berührt. Das passt nicht zu meiner eigenen Vorstellung, was gesellschaftlicher Konsens ist, oder sein sollte.)

Ja, die Grenze ist fließend. An heißen Sommertagen kann das heute in unserer Region bei Frauen bedeuten, dass sie nur ein knappes Top und Hotpans tragen, der „Bauarbeiter“ nur eine Badehose. Früher haben sich die „vornehmen Leute“ in Europa bis zum Kinn in Klamotten eingepackt und die natürlichen Haare unter Perücken versteckt. Und ja, in anderen Regionen bleibt von der Frau praktisch nichts zu sehen. Ob die jeweilige „Kleiderordnung“ von oben diktiert wird oder „nur“ allgemeiner Konsens ist, ist schwer abzugrenzen. Es scheint aber so, dass die Freiheit der Frau bei der Wahl ihrer Bekleidung sehr von der Freiheit auf Bildung und Arbeit abhängt, die ihr das Patriarchat zugesteht.

In unserer Regio ist das Zeigen des unverhüllten weiblichen Oberkörpers so verpönt, dass es noch immer zu Protesten genutzt wird - Stichwort Femen.

Und zum Thema BH: die Brust besteht zu großen Teilen aus Fett- und Drüsengewebe. Dieses ist sehr elastisch, das bedeutet auch, dass es auf die Gravitation reagiert, dauerhaft, nachhaltig. Und weil die Frauen in der westlichen Welt um den „Wert“ des Busen wissen, wollen sie ihn so lange wie möglich erhalten. Zudem ist er eine gute Wahl, um die mechanische Last, die er bedeutet zu verteilen. Nicht wenige Frauen haben Rücken- und Nackenbeschwerden, vom Herumtragen ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale.

Grüße
Pierre

Eine Frau, die aufgrund einer Chemotherapie keine Kopfhaare mehr hat, kann mit Glatze auf die Straße gehen, das wird sie aber in aller Regel nicht tun. Warum nicht? Keine Ahnung, frag sie selber (bzw. schalte deinen Kopf ein).

Das sekundäre Geschlechtsmerkmal der Frau sind dagegen die Haare auf den Zähnen! :smile: :stuck_out_tongue_winking_eye: :stuck_out_tongue_closed_eyes: :stuck_out_tongue:

Ich fand den gut!

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Dieses Wochenende würde das auf dem Marktplatz auffallen, nächstes sicherlich nicht.:wink:

und beim Mann die Socken…

Oder was Heute in der NRW Landeshauptstadt stattfindet, obwohl da sich viele „nicht so Prüde Frauen“ aufhalten. Dafür aber viele Bise, und ich bin dabei. :heart_eyes:

Nur als Anschluss an deinen lesenswerten Beitrag, nicht als Widerrede …

Übrigens weniger des Blicks wegen, sondern v.a. des Geruchs wegen.
(Der starke Bedeutungsgewinn des Auges gegenüber der Nase ist ja eine vergleichsweise junge Entwicklung der Menschheit.)
Der Unterleib-Nase-Abstand wurde zu groß.
Insofern ist die Brust ein ganz miserabler Ersatz für das weibliche Hinterteil.

So gesehen hätte Paran komplett recht, dass der BH nur graduell etwas anderes ist als das Kopftuch.

Ich glaube aber, dass das zu kurz greift, weil es hier um eine „Dialektik der Erregung“ geht.
Würden sämtliche Frauen ständig oben ohne herum laufen, würde die weibliche Brust ihr erotisches Potential bald weitgehend einbüßen. Archaische Stammesgesellschaften zeigen das klar.

Gegenthese also: Wenn es der Menschheit bei der Bedeckung der weiblichen Brust um etwas geht, dann weniger um Erregungs-Reduktion, sondern um Erregungs-Steigerung, zumindest um ein (zutiefst machtgetränktes) „Spiel“ von Steigerung und Reduktion.

Der große Norbert Elias hat in seiner Zivilisationstheorie schön gezeigt, dass der universelle Hauptmechanismus der Einführung und Durchsetzung von Kleider- und Benimmordnungen ein Top-Down-Mechanismus ist, aber kein einfaches Durchdrücken nach unten, sondern eher ein begieriges Aufsogen von unten, weshalb „oben“ laufend neue Ordnungen entwickelt werden, um die Distinktion nach unten zu wahren.

Gruß
F.

Interessante These, die nicht von der Hand zu weisen ist.

Noch bizarrer finde ich es allerdings, dass bereits Mädchen im Kleinkindalter in Bikinis gesteckt werden.

:paw_prints:

In welcher Stadt sieht man denn bei welchen Gelegenheiten Frauen oben ohne? Und nein, Liegewiese wie in München gilt nicht.

:paw_prints:

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