Kann ich Ihm noch helfen? Letzter Versuch

Hallo Zahira.

Bei deiner Antwort ist mir mulmig geworden,und ich werde mich ein wenig öffnen,des besseren Verständnisses wegen.

Was in Dir treibt Dich dazu, Dich auf einen solchen Mann
einzulassen und solche Dinge mitzumachen?

Er kam in einer Zeit in der ich glaubte nichts wert zu sein.
So einen Durchhänger hat jeder mal,das ist nichts schlimmes.
Ich war alleinerziehend,keine Family und wurde seit über einem Jahr auf Arbeit gemobbt,aber ich habe einfach nicht gekündigt…ich wollte stark sein…mich nicht unterkriegen lassen.Das hat sehr viel Kraft gekostet.In der Zeit habe ich ihn kennengelernt,aber noch nicht gesehen,nur geschrieben.
Dann hatte ich einen schweren Autounfall,nachts auf der Autobahn,allein.(mein Kind war zu Haus mit Babysitter)
Das war der Punkt wo ich sagte,das Leben ist zu kurz und da ist jemand der dich kennenlernen will.

Ich verlor meinen Job,durch den Unfall…ganz schlimm gelaufen alles.
Kurz danach war ich schwanger.

Ich war für die Abtreibung…(gott…ich zitter und heule gerade.)
Er nicht.
Ich hatte Angst.Ich hatte 1,5 Jahre nach meinem Sohn eine Todgeburt im 8.ten Monat( ein Gen-defekt)…Ich hatte extreme Angst.

Er beruhigte mich,gab mir Kraft.Er war für mich da…er hat alles für mich getan,meine Freunde…meine Nachbarn,alle haben gesagt,ein toller Mann…er trägt die Frau auf Händen.Ich habe noch nie eine erste große Liebe gehabt,meine Mitmenschen sahen mich nur kalt und ohne Gefühle,es sei denn sie sahen mich mit meinem Sohn.
Und dann kam er und ich fühlte mich geliebt,aber

Irgendwann kamen Zweifel,warum auch immer und ich sah das Lügenhaus.
Ich war Ende des 4.ten Monats.
Ich schaffte es nicht mich zu trennen,ich hatte Angst vor so vielem.
Ich habe ihm trozdem vertraut und ihm geglaubt.

Es geht nicht um diesen Mann, was Du schreibst klingt so
haarsträubend, dass Dir jeder raten würde, ihn sofort
loszulassen, aber was nützte denn das schon?

Solange in Deinem Inneren unverstanden und unerkannte Bilder
wirken, die einen solchen Partner anziehen, solange wird er
Dich fesseln, und es ist kaum möglich , loszukommen.
Ein sinnloser, aber doch naheliegender Versuch ist dann auch,
ihn ändern, heilen zu wollen.
Was nie gelingen kann.

Zu der Erkenntnis bin ich gelangt.

KAnnst DU einen Berg schultern, neben Deinem eigenen schweren
Rucksack?Ich bezeifle das,zumindest ist das noch nie jemandem
gelungen, soweit mir bekannt ist.

Mir auch nicht und nein…ich kann es nicht.

Was aber möglich ist, ist die innere Arbeit, das Erkennen der
eigenen Bindungen an zerstörerische Bindungen.
Sich selber ändern!
Das funktioniert sogar garantiert, wenn man nicht ungeduldig
ist, und auch bereit, in schmerzhaften und unangenehmen
Arbeitsphasen dabei zu bleiben.
Vorrausgesetzt wäre eine wirklich gute und eingefühlte
Begleitung, durch eine Therapeutin z.B., die Dir ein Gefühl
von Vertrauen und Sicherheit bietet, das Du als verlässlich
empfindest.
Sowas ist möglich.

Kannst Du Dir so etwas vorstellen?
Wie geht es Dir mit dem Gedanken?

Ein schwerer Weg,aber vorstellbar und machbar.

Liebe Grüße vorerst-
Zahira

Entschuldige,das ich so kurzatmig zum Ende gekommen bin…aber ich muss erstmal ne Runde heulen…es tut einfach nur weh.

Es wäre sehr schön, wenn du mir auf meine Antwort antwortest.

Ich begreife einfach nicht wie diese Liebe und Zuneigung…dieses liebevolle …einfach weg sein kann…nur weil ich nicht alles glaube…?
Ich habe soviel für uns getan…Ich habe 5 Kinder hier…seine 3 mein Sohn und unser Kind…

Ich muss mich trennen,das weiß ich.
Es ist nur so verdammt schwer…
ich und die Kinder…auch seine…wir werden alle leiden…nur er nicht.

mystique

Liebe Mystique!

Du scheinst sehr mutig zu sein, Du lässt Dich, auch an anderer Stelle hier,auf die Möglichkeit den eigenen, zunächst schweren (später aber bestimmt nicht bedauerten und sich garantiert lohnenden!) Weg zu suchen zunächst ein und wehrst das nicht ab.
Du spürst, und teilst uns mit, es ist in und zwischen den Zeilen spürbar, wie viel Unsicherheit, Angst,und auch Einsamkeit in Dir leben.

Das tut in so einer Situaltion nicht jeder, und genau da sehe ich auch eine Stärke, mit der Du weiter gehen kannst, die Du nutzen, ausbauen und zu Deiner Freundin und Beschützerin machen kannst:
Mut und Ehrlichkeit.
Die sind Deine, die kann Dir keiner nehmen!

Du scheinst Dir durchaus im Klaren darüber zu sein, was Dich an diesen Mann gebunden hat.
Er scheint Dir Bestätigung, Sicherheit, Liebe gegeben zu haben.All das, was Du in der schlimmen Lebnssituation brauchtest, in der Du aus verschiedenen Gründen warst.
Das spürt sich wie ein reiner Überlebensstrohhalm, der er Dir gewesen ist.
Das finde ich absolut verständlcih und nachvollziehbar in Deiner großen Not, in der Du Dich befunden hast.

Natürlich ist das Leben, leider- zum Glück meine ich aber auch- so, dass es uns nicht auf Dauer durchgehen lässt, wenn wir im Aussen Beruhigung und Erfüllung suchen.
Zum Glück, weil es doch vielleicht eine bewältigbare, wenn auch mitunter sehr schwere (und eben Mut erfordernde) Aufgabe ist, all das:

Sicherheit
Liebe
Akzeptanz
Freude
Wertschätzung

in sich selber zufinden.

Haben wir eine schwierige Kindheit gehabt, in der uns all dieses zu sehr vorenthalten worden ist (manchmal wissen wir gar nicht darum, weil wir es völlig verdrängt haben), haben wir an anderen Stellen in unserem Leben Schlimmes, nicht zu Bewätigendes erlebt, dann sind wir zunächst einmal verloren, fühlen uns zumindest so.
Völlig verloren.

Wenn dann der Trost im Aussen nicht klappt, weil sich die große Liebe, die Wertschätzung, die Sicherheit als nicht fundiert heraus stellt, es in sich zusammenbricht, dann brechen wir selber (wieder) zusammen.
Das genau gilt es auszuhalten, den Zusammenbruch, den vermeintlichen, die vermeintliche Sicherheit im Aussen loszulassen, und dem Tsunami, der Fluwelle ins Auge zu schauen (viel später stellt sich diese Welle in der Regel als unser größter und liebevollster Entwicklungshelfer heraus).

Das ist der Preis, der zu zahlen wäre, das soll nicht verharmlost werden.
Aber:
Mit einer guten und liebevollen Begleitung (zahlen übrigens meist die Kassen!), die Dein Vertrauen besitzt (da darfst Du ruhig vorsichtig und wählerisch suchen!), bist Du vorerst (bis Du selber dahin gewachsen bist-und ja, das ist möglich!) in einer äusseren Sicherheit.
Aber in einer, die nicht lügt, Dich nicht emotional und anders mißbraucht, die Dir leibevoll zugewandt ist und nur auf Dich schaut, und dieses auch im Sinne Deiner Entwicklung, mit dem Zeil, dass Du unabhängig wirst und selber Schutz,Liebe, Wertschätzung Dir geben kannst.

Denn so sollte es sein, so ist es natürlich:
Das wir unsere Seele, unser Herz so sehr lieben, wie wir nur können, dass wir sie schützen, für sie sorgen, dass sie das Wichtigste ist, was es überhaupt in unserem Leben gibt.
Wie ein hilfloses Kind, unser Kind, unseren wertvollsten Schatz.

Das ist der Preis, den wir im Laufe einer Entwicklungsarbeit mit einem gutem Therapeuten erringen können, auch das soll nicht unerwähnt bleiben.
Ich meine, der zuzahlende Preis ist nicht zu hoch für einen so kostbaren Gewinn.

Das Leben scheint mir so zu funktionieren, dass wir den Druck des Leidens und des Schmerzes brauchen, um diese Entwicklungsarbeit zu machen, um am Ende in einer nie dagewesenen Tiefe zu uns selber zu finden.
So machen wir Schwächen zu Stärken.
Eine große Liebe, die durch großen Schmerz geboren wird.
Wenn wir es zulassen und wagen.

Ich verlor meinen Job,durch den Unfall…ganz schlimm gelaufen
alles.
Kurz danach war ich schwanger.

Ich war für die Abtreibung…(gott…ich zitter und heule
gerade.)
Er nicht.
Ich hatte Angst.Ich hatte 1,5 Jahre nach meinem Sohn eine
Todgeburt im 8.ten Monat( ein Gen-defekt)…Ich hatte extreme
Angst.

Auch all das wird in einer guten Therapoie ganz behutsam und in heilsamer Weise bearbeitet werden können und dadurch lässt sich wider Vertrauen finden ins Leben.
Darum scheint es mir seh zu gehen, wenn ich diese Deine Geschichte spüre.
Vertrauen in die große Kraft des Lebens.
Das Leben ist stärker, als der Tod, so wie wir ihn uns manchmal vorstellen, und der Tod ist sozusagen das Tor zum Leben, wenn auch der Durchgang unendlich schmerzen kann.

Irgendwann kamen Zweifel,warum auch immer und ich sah das
Lügenhaus.
Ich war Ende des 4.ten Monats.
Ich schaffte es nicht mich zu trennen,ich hatte Angst vor so
vielem.
Ich habe ihm trozdem vertraut und ihm geglaubt.

Und dieses Vertrauen, dieser Glauben sind ja eigentlich ganz genau richtig und die heilenden Kräfte.
Nur an der völlig falschen Adresse bei ihm.
Vertrauen und Glauben darft Du in Dir, Dir selber gegenüber entwickeln. Und ins Leben!

Mir auch nicht und nein…ich kann es nicht.

Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Mut behältst und diese Ehrlichkeit Deiner Situation gegenüber Dich zu weiterer Entwicklung treibt.
Ich bin überzeugt, dass das möglich ist!

Ein schwerer Weg,aber vorstellbar und machbar.

Ja, und realistisch genug bist Du übrigens auch, das sind ganz große Vorraussetzungen.
Vergiss diese Deine großen Kräfte, Deine Entwicklungshelfer nicht, wenn Du mal verzagst!

Entschuldige,das ich so kurzatmig zum Ende gekommen bin…aber
ich muss erstmal ne Runde heulen…es tut einfach nur weh.

Ja.Das tut sehr weh, das spüre ich.

Ich muss mich trennen,das weiß ich.
Es ist nur so verdammt schwer…
ich und die Kinder…auch seine…wir werden alle
leiden…nur er nicht.

Ich glaube übrigens nicht, dass es vorrangig darum geht, dass Du Dich trennst und müssen tust Du schon mal gar nichts.Überfordere Dich auch nicht!

Was wirklich noch revolutonärer wäre, als eine Trennung wäre, wenn Du ausdauernd und konsequent Deinen Entwicklungsweg gehen würdest, der einzig und allein zum Ziel hat, Dich selber um Dich und Deine Bedürfnisse zu kümmern, Dich zu lieben wie Du niemals jemanden geliebt hast und niemals geliebt worden bist.
Dann wirst Du Dich möglicherweise sehr entspannt und einzig und allein aus Liebe zu Dir selber trennen wollen.

Schaffst Du es andererseits schon jetzt, Dich aus Respekt vor Dir selber und großer Zuneigung zu Dir selber jetzt zu trennen, dürfte Dich das mittelfristig nur stärker machen.

Ich bin sehr davon überzeugt, dass Du gute Vorraussetzungen hast, diese Krise zu Deinem großen Vorteil zu bewältigen und glaube da sehr an Deine Kraft!

Ganz herzliche Grüße,
Zahira

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