hallo, alle,
der Kannibalismus ist sehr wohl eine religiöse Angelegenheit: denkt an die Azteken, deren Prister das warme, „noch zuckende“ Herz zu Ehren der Götter aßen. Auch extremer Aberglaube ist dabei: der getötete Feind wurde gegessen, um seine Kraft (auch seine Intelligenz) zu essen. Zum Thema Intelligenz: es wurden Versuche gemacht, die Gehirnzellen aufzubereiten und einem anderen Wesen der gleichen Gattung einzuspritzen: teilweise mit Erfolg! Die Spekulation ging dann natürlich weiter: was passiert, wenn man Beispielsweise das Gehirn eines (Super-)Physikers aufbereitet und einem anderen (Super-)Physiker einspritzt? Bekommt er das gesamte Wissen des Toten mit? Ist er dann doppelt so klug? Das eigenartige an den Versuchen war, dass die Versuchsratten, die in 2 Gruppen aufgeteilt waren, die vorher konditionierten Erfahrungen der einen Gruppe plötzlich in der andern hatten. Also ein eindeutiger Beweis, dass man Intelligenz (oder besser: Wissen) „essen“ kann!
Die Gleichsetzung, daß das letzte Abendmahl ein Pessach-Seder gewesen sei ist sowohl unter christlichen Exegeten als auch unter jüdischen Bibelwissenschaftlern absolut umstritten.
Kannibalismus ist ursprunglich ein Ritual, Die Aneignung, Uebereignung der Lebenskraft des Gegners/ Sippenmitglieds, wobei u.U. fuer die Gottheit bestimmte Koerperteile reserviert blieben. (Verwandt damit: Verzehr der Leichnahme Verstorbener, angeblich auch keltisch???) Teilweise war K. auch profane Nahrungsaufnahme in Gesellschaften mit Gruppen- statt Individualindeitaet, inbesondere in hierarchischen Gesellschaften( z.B. Indianische Hochkulturen in Suedamerika).Fuer die historische Zeit ist im Kulturraum der nachmaligen Israeliten kein Kannibalismus nachweisbar.
Eine Erinnerung nach Menschenopfer (und damit Kannibalismus?) enthaelt Gen 23, die sog. Opferung Isaaks. In der uralten Sage wird paradigmatisch die Ablehnung von Menschenopfern durch Jahwe am Patriarch Abraham verifiziert.
Die katholische Messe (Wein, Brot usw.) hat mit K. nix zu tun.
Fermentierte Vorstellung vom Opferlamm ist der wahrscheinlichste motivgeschichtliche Vorstellungshorizont.
Lektuereempfehlung:
Wissenschaftliche Kommentare zu Gen 23 und Joh.Ev. sowie der dort angegebenen Lit. Evtl. ueber Online Katalog der Uni Tuebingen
MFG