Latein, der Buchstabe C

Hallo!

Die von Andreas genannten Punkte a) und b) sind richtig, aber lange nicht die einzigen Wissensquellen. Die Wikipedia macht diesbezüglich recht umfangreiche und richtige Aussagen, ich verlinke mal direkt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Aussprache#…

Und nun noch zu den Punkten nähere Erläuterungen von mir:

Explizite Aussagen der antiken lateinischen Grammatiker zur Aussprache
Das ist so, als würdest Du Dir ein Deutsch-Lehrbuch vornehmen, in dem steht: Am Anfang von Wörtern und Wortteilen spricht man st wie /scht/, im Wortinneren wie /ßt/. Dann hast Du schon mal einen Hinweis, kannst verschiedene Wörter miteinander in Verbindung bringen. Sobald Du also weißt, wie sich ß und sch aussprechen, hast Du auch st.

Entwicklung der Aussprache lateinischer Wörter bei lebenden Nachfolgesprachen
Dieser Punkt ist der ergiebigste, leider auch der komplizierteste: Findet man in allen lebenden romanischen Sprachen (Spanisch, Italienisch, Rumänisch, Französisch und einige kleinere) eine Gemeinsamkeit, so gibt diese vor allem Auskunft über das späte Latein. Zum Beispiel machen alle diese Sprachen eine Unterscheidung bei der Aussprache von c vor e,i bzw. a,o,u und Konsonanten.
Wenn man allerdings Unterschiede findet, lässt sich eine gemeinsame Urform rekonstruieren (weil man ungefähr weiß, auf welche Weise sich Laute wandeln; auch hierzu gibt es verschiedene Quellen). Ein Beispiel dafür wäre das deutsche Wort Haupt, welches eine gemeinsame Wurzel mit caput besitzt (aus dem k-Laut hat sich dann das h entwickelt). Die Verwandtschaft erkennt man natürlich erst, wenn man mehrere derartige Beispiele findet (Horn – cornu ist noch eines).
Leider fällt mir gerade kein Beispiel ein, wo das c im Lateinischen vor e,i,ae oder oe steht und im Deutschen ein h daraus wurde. Daran könnte man dann aber erkennen, dass sich die c alle gleich gesprochen haben.

Verse, Reime, Theater und Gesänge (Duktus)
Daraus entnimmt man vor allem die Betonung, Vokallänge und die Aussprache von Endsilben (die kann man dann wieder untereinander vergleichen).

Angaben, Vergleiche und Fehlerkritik beispielsweise bei Quintilian und Aulus Gellius
Da kannst Du Dir wieder ein Buch in dem Stile „Richtiges und gutes Deutsch“ vorstellen, welches irgendwo herumkrittelt (z.B. dass man im Hochdeutschen „dass“ und „das“ gleich ausspricht und es deshalb so viele Schreibfehler gibt; oder dass man im Süddeutschen entgegen der Norm das stimmlose und stimmhafte s nicht unterscheidet und es deshalb so viele Schreibfehler gibt, vgl. /t/geisselnahme-etc/5950581

Vergleiche ähnlich lautender Wörter
Ich glaube, das hatten wir jetzt schon ein paarmal. Vielleicht sind damit auch Lehnwörter gemeint (mir fallen jetzt nur welche ohne die fraglichen Laute ein):
Käse aus caseo, Ziegel aus tegula, Frucht aus fructus.
Dabei kann man auch ablesen, wann diese Wörter ins Deutsche (oder eben in andere Sprachen) eingewandert sind, weil sie dieselben Lautverschiebungen durchgemacht haben wie einheimische Wörter.

Vergleich mit Wortstamm
Wenn ich weiß, dass nox der Nominativ von noctis ist (der Wortstamm also „noct“), legt das nahe, dass dieses x wie ks oder kts gesprochen wurde.
Vergleiche ich es mit rex – regis, ist die Aussprache als ks wahrscheinlicher (sozusagen „regs“).
Wenn ich nun lux – lucis ansehe, dann schließe ich daraus, dass auch hier das c als k gesprochen wurde, sonst hätte ich ja auch im Nominativ „luz“ und nicht „lux = luks“.

Wiedergabe lateinischer Wörter im Altgriechischen und umgekehrt
Dies ist im Prinzip dasselbe Vorgehen wie im Vergleich mit lebenden Sprachen; nur dass man eine dieser beiden toten Sprachen schon erschlossen haben muss, um Aussagen über die andere zu treffen. Im Altgriechischen hat man nämlich dasselbe c-Problem (Zyklop oder Kyklop für griech. Κύκλωψ, lat. cyclops?).
Beim Vergleich mit dem Griechischen hat man aber noch einen anderen Nutzen: Das Lateinische Alphabet wurde aus dem Griechischen entlehnt. Man kann also mit einiger Sicherheit sagen, dass sich griechisches und lateinisches A, B, Δ/D, E, Z, I, K, M, N, O, T, Y jeweils gleich ausgesprochen haben.

Aufgrund von Unwissenheit in Lautschrift geschriebene Kritzeleien an Wänden antiker Häuser
Schreibfehler in überlieferten Originalschriften

Dies läuft zweimal aufs selbe hinaus. Diese Karte z.B.: http://www.realschule-übach-palenberg.de/Lustiges/Le… sagt Dir, dass man im Deutschen das h nach Vokal (wie bei „Lehrer“) nicht mitspricht, das v in der Vorsilbe „vor“ wie f ausspricht und das d im Auslaut (wie bei „und“) zum t verhärtet.

So. Daher weiß man so was. Ähnlich funktioniert es auch bei anderen ausgestorbenen Sprachen. (Dieses Buch: http://www.amazon.de/Die-Entzifferung-alter-Schrifte… ist sehr empfehlenswert.)

Liebe Grüße
Immo

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