'Nabend zusammen!
LaTeX-Fritzen,
hehe … könnte mich ja mal umbenennen.
daß alle, die ich kenne, immer sofort rot
sehen, wenn man auch nur einmal zu behaupten wagt, daß LaTeX
hier und da Schwächen hat.
Lies doch mal in aller Ruhe bei einem guten Glas Rotwein Dein erstes Posting hier in dem Thread nochmal durch. Dann lehne Dich zurück und frage Dich: Wie wirkt dieser Text auf die Leser, die weder mit LaTeX noch mit Layout und Schriftsatz etwas am Hut haben?
Ich kann es nur immer wieder
wiederholen: Ich habe eindeutig geschrieben, daß LaTeX, wenn
es um Formesatz geht, das Programm der Wahl ist, weil es
nichts besseres gibt. Auch wenn Du das offenbar nicht einsehen
willst. Ich habe auch geschrieben, daß das 08/15-Layout sehr
solide ist und insbesondere für wissenschaftliche
Publikationen sehr gut paßt. Steht alles da.
Nein, nicht alles. Insbesondere letzteres habe ich in Deinem Ursprungsposting vermisst. 08/15 taucht da auch nur im Zusammenhang mit Word auf, ist aber auch mit Sicherheit kein Ausdruck für „Da stimmt die Qualität“. Mit anderen Worten: Du willst ständig unterschwellig LaTeX schlecht machen, traust Dich aber nicht so richtig.
Ich hab’s einfacher. Ich brauche Word nicht schlecht machen, weil es das von alleine ist 
Woher Du da jetzt
das »LaTeX kannst Du vergessen!« nimmst möchte ich gerne
wissen.
Ich sagte, ich habe Deine Aussage:
Das Layout ist besser als das übliche 08/15-Layout von Word, aber beileibe nicht perfekt. Das fängt schon mit den unschönen Trennungen an, die von LaTeX-Usern immer wieder gerne toleriert werden, weil dafür der Blocksatz sooooo toll ist in LaTeX.
Für andere Zwecke können, so wird man von LaTeX-Usern immer wieder belehrt, diverse Vorlagen von allen möglichen Stellen (eine ist der Springer-Verlag) heruntergeladen werden. Hierbei wird aber eines übersehen: Es gibt Leute, die den Text aktiv gestalten wollen. Wenn Du diesen Anspruch hast, dann solltest Du die Finger von LaTeX lassen.
so verstanden und mir die Zusammenfassung erlaubt.
Ich würde mal vermuten, daß das Deinem gekränkten
Stolz entspringt, daß ich es es a) überhautp nur wage, LaTeX
zu kritisieren und dann b) schon seit längerem so uneinsichtig
bin.
Nein, ich möchte nur verhindern, dass hier in Forum, das ja nun wirklich Word-lastig genug ist, noch aufgrund des besseren Layout-Potentials von Word(!) davon abgeraten wird, LaTeX zu nutzen. Da fällt mir echt ein Ei aus der Hose, wenn ich sowas lese. Du hast Dich zwar nach und nach zu dem einen oder anderen Zugeständnis überreden lassen, aber irgendwie nehme ich Dir das nicht so ganz ab.
Bin ich ja, gebe ich zu. Aber das aus gutem Grund: Wir
haben auch zusammen erarbeitet, daß es heutzutage für Layout
bessere Alternativen gibt. Und da ich Layout und Typo sehr
ernst nehme, dauert es mir einfach zu lange, bis ich in der
Lage bin, in TeX meine Bedürfnisse zu befriedigen (die
Verkleinerung um 0,5 pt und die Sperrung um 0,4 pt ist ja nur
eine Fingerübung; Bilder ein ganz anderes Kapitel!).
Du hast Dir offenbar TeX noch nie angeguckt. Ich persönlich ziehe es in den meisten Fällen vor, nicht mit der Maus herumzufuhrwerken, wenn es darum geht, grundsätzliche Dinge zu definieren. Nichtmal Grafiken lassen sich in jedem Falle besser mit der Maus bearbeiten.
Wäre ich ein Layout-Freak, würde ich mit TeX arbeiten. Es ist in keiner Weise veraltet. Nur für Leute mit GUI-Neurose muss halt was anderes, vermeintlich einfacheres, her.
[Unterschied LaTeX-Word]
Ich meine jetzt nicht den Arbeitsaufwand, der dahin
geführt hat.
Genau den meinen ich aber. Wer von Layout und Typographie keine Ahnung hat, der erzeugt mit LaTeX sehr ansehnliche Texte. Mit Word erzeugt er Müll. Das man jetzt mit (meiner Meinung nach) erheblichem Aufwand und dem zugehörigen Wissen da was anständiges hinfrickeln kann, mag durchaus richtig sein. Dafür hat aber der normale Autor weder Lust noch Zeit. Das macht den Unterschied aus.
Wenn jemand mit gleichem zeitlichen Aufwand am Layout feilt, wird LaTeX stets die Nase vorn haben. Wenn man gar nichts tut, und einfach Inhalt schreibt, sieht man den Unterschied. Wenn man bei Word x Stunden rumfummelt, sieht es besser aus. Wenn man mit LaTeX die gleichen x Stunden rumfummelt, ist es aber auch noch einmal eine Ecke besser geworden. Das ist wie mit dem Läufer und der Schildkröte. LaTeX ist immer ein Stückchen vorneweg, auch wenn der Abstand bei unendlichem Aufwand infinitesimal klein wird 
Ich meine das jetzt ganz abstrakt und theoretisch: Was für
features hat LaTeX, die den Text, so ich ihn denn in
LaTeX gesetzt hätte, so meilenweit unterscheidbar macht?
Ich will es nicht zu lang machen, muss noch was erledigen heute Abend.
LaTeX sorgt dafür, dass man ohne eigenen Aufwand sehr ausgefeilte „Formatvorlagen“ nutzen *muss*. Dadurch wird das Layout einerseits nicht überfrachtet (x verschiedene Schriften, Unterstreichungen (KOTZ), Gliederungsebenen ala 1.1.1.1.2.1.2 werden unterbunden, etc. und es ist andererseits sichergestellt, dass sich da ein paar Experten (wirklich, mindestens im Kaliber Christian Rudolph
heftigst Gedanken gemacht haben, wie man das Layout optimiert. Man muss sich nicht um den Satzspiegel kümmern, d.h. die Seiten werden nicht überfüllt und das Lesen durch zu lange Zeilen erschwert, etc.
Word Nutzer neigen in der überwiegenden Mehrzahl dazu, keinerlei derartiges Wissen in ihre Arbeit einfließen zu lassen und stattdessen getreu dem Motto „Wenn ich es ästhetisch finde, ist es gut“ zu handeln.
Die Anzahl derer, die nicht einmal den Unterschied zwischen Zeilenumbruch und einem neuen Absatz verstanden haben, und brav für den Durchschuss per Enter-Taste einen Haufen neue Absätze einfügen, ist Legion!
[Deine LaTeX-Probleme]
Genau, ich bin nicht einverstanden, daß ein Bild nicht mittig
ist, wenn ich das Attribut \centering gesetzt habe. Das Bild
ist nach rechts verschoben.
Das wundert mich jetzt aber, dass Du damit ein Problem hast. LaTeX berechnet eine „binding correction“. D.h. wenn Du die Seiten in der Mitte in irgend einer Form zusammenheftest/bindest/wasimmer, dann geht ein Stück verloren. Dieses Stückchen zieht LaTeX von der Seitenfläche ab. Natürlich nur auf der inneren Seite. Wenn Du nur einseitiges Layout wählst, dann immer links (der Inhalt erscheint nach Rechts verschoben). Bei doppelseitigem Layout ist es bei geraden Seiten genau umgekehrt und der Text erscheint nach Links verschoben.
Wenn Du das nicht willst, kannst Du das abschalten (Option BCOR bei den KOMA-Klassen). Steht aber auch in der wirklich nicht unübersichtlichen Anleitung.
Außerdem bekomme ich immer, wenn
ich nichts weiter angebe, die Pfadangabe des Bildes als
Unterschrift. Sofern ich das Bild denn überhaupt einbinden
kann.
Hä? Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Selbst bei übelster Verhunzung der Konfiguration von TeXnicCenter werden da keine Pfade eingefügt, sondern brav nach einem entsprechenden Text in einer Maske gefragt. Und wenn man die Abbildungen von Hand einbindet, dann kommt ohnehin niemals irgendetwas von alleine.
Dazu hätte ich gerne mal einen Screenshot, in welchem Programm (muss irgend ein LaTeX-Editor unter Windows sein) sowas passiert.
Nein, Du hast es darauf geschoben, daß ich wohl eine
Klicki-Bunti-Oberfläche benutzen würde. Was auch stimmt, da
ich TeXniCenter nutze. Allerdings nicht zum einfügen von
Bildern.
Mit was fügst Du denn die Bilder ein? Verrat’s mir doch mal.
Also die c’t ist nun wirklich nichts exotisches und sollte in
so ziemlich jeder ernstzunehmenden Bibliothek vorhanden sein.
Ähem, hättest Du Dir die Mühe gemacht, mal einen Blick in
meine Vita zu werfen, wüßtest Du, daß ich derzeit nicht
Deutschland weile. Und sooo verbreitet ist die c’t auch wieder
nicht, daß man sie international in jeder Bibliothek bekäme,
gell?
Dafür gibts http://www.heise.de/ct/inhverz/search.shtml. Da kann man auch Artikel online lesen. Manche muss man allerdings mit ein paar Cent bezahlen.
Ich würde mich über Anmerkungen und
Deine Meinung zu den Beispielen freuen.
Oh, wenn Du mich so explizit nach meiner Meinung fragst, will
ich sie Dir nicht verhehlen!
Ich meinte eigentlich die Beispiele aus dem TeX-Showroom. Schau doch die Links auch mal an 
Unter optimaler Lesbarkeit setze ich das Hier
und Jetzt voraus und es ist (leider?) ein Fakt, daß heute kaum
noch einer korrekt gesetzte gebrochene Schriften lesen kann.
Ich bin da immer mißtrauisch und habe zwei Deutsche Kollegen
hier gefragt. Ich zitiere nur den einen: »Ja, des sieht hübsch
aus, aber das kann doch kein Schwein lesen! Das Märchen vom
Afchenputtel«?
Hehe, sowas. Das schöne daran war, dass ich den Text nahezu unverändert per cut&paste übernehmen konnte. Noch das „yfonts“ Paket eingebunden, eine „\yinit{E}“ vorne eingefügt, ein paar Ligaturen angepasst (und dabei ein paar übersehen
, fertig. Ich musste z.B. nicht von Hand am Zeilenabstand fummeln, um den für „moderne“ Schriften zu kleinen, aber für die gewählte Frakturschrift angemessenen Abstand zu bekommen. Ich finde das einfach toll und habe mich (weil ich auch ein wenig auf guten Schriftsatz stehe) darüber sehr gefreut. Das war alles.
Mit der »puren« LaTeX-Version (CMR) habe ich deutlich größere
Schwierigkeiten, weil persönlich die CMR nicht leiden kann.
Ja. Das hatten wir auch schonmal
Ich bin aber immer noch der Meinung, das CMR wirklich besser ist, als TNR oder Arial, die bei Word in der Regel als Standardschriften gewählt werden.
Nicht jeder ist bereit, für einen guten Font nochmal extra zu bezahlen. Auch da hält sich die Zahl der Word-Nutzer, die überhaupt von der Möglichkeit wissen, professionelle Zeichensätze einkaufen zu können, arg in Grenzen.
Die »Helvetica«-Version ist schlicht eine Vergewaltung aller
guten Sitten; das erreicht fast
Word-Arial-12-pt-einfacher-Zeilenabstand-Nieveau.
Das deckt sich 100% mit meiner Meinung. Aber schau Dich mal um, wieviele Leute genau diese Kombination als Standard festgelegt haben! Alleine bei einem großen deutschen Elektrokonzern betrifft das ca. 300000 Anwender! Mir kommt beim Anblick der Korrespondenz regelmäßig das Frühstück hoch!
Also, die Aussage kam, ihrer Aussage zur Folge, vom Betreuer
und das ist wohl mehr als ein Gerücht.
Naja, Hörensagen 
Übrigens wundert man
sich immer wieder: In der Studienordnung für Biologen der Uni
Göttingen steht, daß Diplomarbeiten in TNR, 12 pt, mit
1,5fachem Zeilenabstand abgegeben werden sollen und keinen
schwarzen Buchrücken tragen dürfen. Und das ist kein Gerücht!
Nein. Das ist ein typisches Beispiel, für eine auf Microsoft Word abgestimmte Studienordnung. Abgesehen davon, dass die Anforderung an sich Gutenberg im Grabe rotieren lässt, gehört sowas prinzipiell unterbunden. Das kann in der Regel aber bei einem klärenden Gespräch mit dem betreuenden Professor ausgeräumt werden.
Aber nur, wenn Du den entsprechenden Inputfilter installierst
hast. Standardmäßig ist er das (zumindest bei Office97) nicht!
Naja, wenn Du noch mit Office97 arbeitest, wird mir einiges
klar. Ich habe übrigens nix selber installiert. Das ist
default in OfficeXP. Ähm, was ist OfficeXP? Ich habe hier auch ein 2000 und ein 2003. War XP irgendwann dazwischen? Werde mal schauen, ab wann das „Standard“ ist. Ich hatte damit eben während meines Studiums so meine Probleme, weil ich mir Funktionsplots etc. nur entweder als Bitmap (BMP) oder als EPS ausgeben lassen konnte. Da fällt die Wahl wahrlich nicht schwer. Ein Kommilitone wollte unbedingt sein Protokoll mit Word 97 schreiben und konnte die EPS nicht einbinden. Ich musste sie ihm erst in Bitmaps umwandeln. Das war dann wieder so ein Moment. Ist schon eine ganze Weile her, hat sich aber in meinem Gedächtnis eingebrannt 
Ja, laut einem Freund ist Photoshop-eps zwar tatsächlich eps,
Photoshop verwendet aber einen eigenen header, der bei
der Einbindung offenbar stört. Man kann den über einen Editor
einfach löschen und schon funzts. Viel Spaß dabei …
Man kann auch ps2eps drüberlaufen lassen. Das ganze ist ein Shell-Kommando und geht recht zügig. Es kommen dann Meldungen: „Windows generated Postscript file detected, fixing …“ 
Ja, ja, das hast Du schon öfters erzählt. Glaube ich Dir auch.
Nebenbei, hast Du schon mal ernsthaft in Erwägung gezogen, daß
es zufriedene Word-Nutzer geben könnte?
Klar habe ich das. Es gibt auch Leute, die lassen sich sehr gerne für teures Geld von einer Ledertussi auspeitschen und sind dann richtig zufrieden. Meine Vermutung ist: Es gibt eine Schnittmenge und sie ist nicht leer 
Ich kenne Personen,
die haben ihre Diplomarbeit in Word verfaßt und hatten
keinerlei Probleme!
Das ist schön für sie.
Du tust immer so, als würde jeder
Word-Anwender grundsätzlich Probleme haben. Vielleicht ist das
in Deiner Wahrnehmung auch so, weil die Leute, die glücklich
sind, Dich weder fragen noch in den Foren auftauchen.
Genau. Es ist so. Es gibt ja auch säckeweise Anfragen in LaTeX-Foren. Aber die Qualität der beschriebenen Probleme lässt einen doch hellhörig werden. Bei Word sind das entweder Kracher wie „Mein Text ist weg, wie krieg ich ihn wieder“ oder so Kinkerlitzchen wie „Wie erreiche ich, dass die Seitenzahlen nicht nur in der WYSIWYG Bildschirmansicht auftauchen, sondern auch nach dem Drucken noch da sind“ oder „Argh! Meine Fußnoten!“ oder „Wieso kann Word keine Gleichungen am äußeren Rand nummerieren, wie sich das gehört“ (ist übrigens bis Office 2003 nicht gefixt) oder „Wie mache ich einen Querverweis“ etc. Alles Dinge, die bei LaTeX trivial sind.
Dafür kommen bei LaTeX regelmäßig Fragen zum einbinden von Abbildungen und zu Tabellen. Insbesondere umfangreiche Tabellen sind nicht trivial. Aber (dazu stehe ich nach wie vor) sowas hat im Hauptteil einer Arbeit auch nichts verloren. Abbildungen natürlich schon. Und die sind dank „graphicx“ Paket und ImageMagick kein wirkliches Problem.
Und bei der Gelegenheit: OO ist sowohl bei mir als auch bei
meinen Kollegen deutlich instabiler als OfficeXP; soviel zur
Bemerkung, daß jedes Programm immer besser ist als M$ Word.
Leut Test von c’t eben gerade nicht. Es wurde Office97 oder 2000, ich weiss es nicht, gegen OpenOffice 1.irgendwas und noch sechs andere getestet. Word war auf dem letzten Platz bei Arbeiten > 100 Seiten.
Und in der neuesten Ausgabe dann Office 2003 vs. OO 2.0. Excel ist stabiler als Calc, Access ist besser als HSQLDB oder wie das bei OO heißt. Aber Word 2003 ist immer noch erheblich instabiler, als OO Writer.
Persönlich habe ich weder mit dem einen noch mit dem anderen Programm jemals ein Dokument, was auch nur annährend an die 100 Seiten herankäme, geschrieben. Wie gesagt, dann doch lieber eine vernünftige Schreibmaschine 
Einen schönen Abend,
Dito
Jens