Life sucks

Hallo Hope,

Mein Leben ist so traurig und oft wünsche ich, ich würde
einfach morgens nicht mehr aufwachen. Das wäre schön…

Das wäre nicht schön, es wäre traurig, ganz furchtbar traurig sogar. Deine Kinder würden sehr weinen. Sie brauchen Dich!

Meine Kinder hätten es besser, denn niemand würde sie mehr
anschreien. Sie hätten die Chance, aufzuwachsen ohne Angst vor
Mama’s schlechter Laune.

Mami darf auch schlechte Laune haben, Kinder dürfen schließlich auch schlechte Laune haben. Kinder sagen, warum sie schlecht gelaunt sind, und sie wollen wissen, warum die Mami schlecht gelaunt sind. Du darft Deinen Kindern zutrauen, zu erfahren, warum es Dir nicht gut geht.

Vielleicht würden sie sogar zu
Persönlichkeiten heranwachsen, die Spass am Leben haben, wenn
ich nicht schon alles zerstört habe. Sie sollen nicht werden
wie ich, ein seelischeer Krüppel, unfähig eine gute Mutter zu
sein oder eine Beziehung zu haben. Ich hoffe, ich habe sie
noch nicht zu so lebens- und beziehungunfähigen Wracks
erzogen, wie ich eines bin.

Du scheinst mir Deine Kinder so sehr zu lieben, daß Du lieber gehen würdest, als etwas falsch zu machen? Ich kann mir vorstellen, daß Deine Kinder ebenso an Dir hängen. Es wäre falsch, sie im Stich zu lassen.

Allerdings denke ich, es ist höchste Zeit, denn meine Tochter
(13) war mittlerweile in Behandlung wegen Depressionen (seit
sie 10 ist) und mein Sohn (5) platzte letztens heraus „ich mag
nicht mehr leben“ nachdem ich ihn geschimpft habe. Ich frage
mich woher er sowas hat, ich habe das noch nie gesagt, gedacht
allerdings schon so oft.

Bist Du Dir ganz sicher? So ganz leise für Dich vielleicht, und er hat es ev. mitbekommen, ohne daß es Dir auffiel? Dann gibt es abendliche Gespräche mit dem Partner, Freund/in? der Kleine schläft vielleicht doch noch nicht…Möglichkeiten gäbe es viele, und die Kleinen bekommen mehr mit, als dem Erwachsenen lieb sein mag.
Deine Tochter ist in der Pubertät, Hormonumstellungen und Depressionen gehen da oft Hand in Hand.

Ich liege oft im Bett und denke nach. Wann ich das letzte mal
glücklich war. Wann ich zum letzen Mal richtigen Spass am
Leben hatte. Ich denke über Einsamkeit nach und weiß, ich bin
nicht allein, ich habe meine Kinder, aber ich bin unsagbar
einsam. Schon so lange… Obwohl ich mir, wenn ich merke, ich
gleite ab in Selbstmitleid sage, es gibt andere, denen geht es
so viel schlechter - ich kann es nicht stoppen. Ich kann die
Tränen und die Traurigkeit nicht stoppen. Ich weine so viel.
Täglich, mehrmals. Ich kann nichts dagegen tun. Meine Tochter
nervt mein ewiges geheule.

Wie wäre es, daß Faß mal richtig rollen zu lassen? Es tropft nur, und das ist quälend. Wenn Du allein bist, mal richtig losheulen, schimpfen, verklage die Welt, die Götter und Geister, oder was auch immer, aber laß es mal richtig raus. Befreie Dich, mach Dir Luft, daß gibt Dir Kraft.

Ich bin immer Traurig. Und ich bin immer müde. Ich tue nichts
mehr. Einfachste Tätigkeiten wie Wäsche waschen, den Müll
rausbringen oder den Geschirrspüler befüllen türmen sich…sie
werden ein grosser Berg …ich sehe den Berg und bin gelähmt.
Ich schlafe viel. Wenn ich es tatsächlich mal schaffe, etwas
zu tun, muß ich mich danach hinlegen. Es klingt lächerlich
aber es ist so. Ich bin stolz wenn ich eine Arbeit von meinem
„Berg“ abgearbeitet habe, dann aber zu müde um weiter zu
machen.

Das hört sich für mich nach einen gewaltigen burn out an. Kann es sein, daß Du Dich unter Leistungsdruck setzt? So in Richtung perfekte Mami? Hast Du schon mal daran gedacht, Aufgaben zu verteilen? Ich denke da so, daß Deine 13jährige auch mal die Wäsche auf- oder abnehmen kann, auch mal den Geschirrspüler aus/einräumen kann. Dein Sohnemann wird Dir sicher gern den Müll herunter bringen oder mal die Küche fegen. Auch er möchte gebraucht werden.
Auch gibt es Dinge, die zusammen getan werden können (Kochen z. B., daß Essen muß nicht auf den Tisch stehen, wenn die Kinder heim kommen.). Trau Deinen Kindern etwas zu, das stärkt sie. Und so ganz nebenbei kann ganz viel besprochen werden, und besonders viel gelacht werden.

Mein Vater ruft an. Erinnert mich an Dinge, die ich vergessen
habe. Ich vergesse Rechnungen zu zahlen. Ich vergesse
Erledigungen und Besorgungen. Ich habe ein mulmiges Gefühl
wenn mein Vater anruft. Er ist nett und erinnert mich immer
wieder, aber ich weiß, er wundert sich und ist verstimmt weil
ich nichts gebacken kriege. Er versteht nicht wenn ich sage,
es ist so viel…die Liste ist so lang und ich schaue auf die
Liste und bin überfordert und lege die Liste wieder weg.

Kleiner Tip, lege die Liste neben die Kaffemaschine. Teile sie nach Prioritäten ein, und arbeite sie Portionsweise ab. Das wichtigste zuerst, und nicht zuviel auf einmal. Dein Soll ist erfüllt, wenn das erste Stück dick durchstrichen ist. Du glaubst nicht, wie stolz Du sein kannst, wenn nach ein/zwei Wochen eine Liste liegt, die nur noch dicke Striche hat. Rechnungen zum ersten und zum 15. bezahlen. Was dazwischen kommt wandert auf den Haufen *zu bezahlen*. So kannst Du nichts vergessen, und zwei Wochen sind immer, um etwas zu bezahlen.

Täglich kommen neue Probleme hinzu. Rechnungen…nur
Rechnungen. Das kranke Haustier. Die kaputte Waschmaschine.
Der schwierige Sohn und die pubertierende Tochter die mich
hoffnunglos überfordern. Krankheiten die mich beinträchtigen.
Schmerzhafte Abszesse die überall an meinem Körper sind, die
an manchen Tagen so zahlreich sind daß ich mich nur mit Mühe
bewegen kann und die nach dem abheilen hässliche Narben
hinterlassen. Fettablagerungen an den Augen die nach
Behandlung wieder an der selben Stelle erscheinen. Übergewicht
das mehr wird mit jedem Tag. Und so viel mehr…Zipperlein als
wäre ich 60 und nicht 37.

Warst Du schon beim Hautarzt? (In diesem Jahr ist es noch günstig, ab nächtes Jahr kostets was :wink:. Versuche doch mal Dein Übergewicht mit einer täglichen Portion Freude zu behandeln. Einmal am Tag hast Du, …weiß nicht, ein, zwei, drei…Stunden Zeit, etwas zu tun, was Dir nur Spaß macht (können ja x-verschiedene Dinge sein, auch mit den Kindern), die hast Du Dir verdient, wenn Du Dein Arbeitspensum, was Du Dir setztes geschafft hast. Sieh es als unantastbare Zeit, die Dir zusteht, und auf die Du Dich freuen darfst (Selbstmotivation).

Alles um mich herum ist schwarz. Manchmal grau. Ich schaffe
es noch, anderen vorzuspielen, es ginge mir gut. Aber ich
verliere immer öfter die Kontrolle. Wenn ich andeute es geht
mir nicht gut, merke ich wie sich die Leute winden. Sie wollen
sowas nicht hören. Sie sagen es ginge ihnen auch schlecht.
Oder noch viel schlechter. „Stell dich nicht so an, dir geht
es doch gut“ sagen sie. Sie hören die leisen Töne nicht. Was
soll ich tun? Mich auf ein Brückengeländer stellen und auf die
Feuerwehr warten damit sie merken hier stimmt was nicht? Ich
war bei meiner Ärztin. Aber ich schäme mich, zuzugeben wie
schlecht es mir wirklich geht. Sie hat mich nun zur Kur
geschickt. Mal sehen…

Sie wissen nicht, wie sie Dir helfen können. Sie haben selbst auch genug Probleme (und vermutlich wenig Zeit). Und natürlich gibt es immer Leute, denen es schlechter geht. Aber es gibt auch eine Menge Leute, denen es besser geht. Schau, warum es denen besser geht. Doch bestimmt nicht, weil sie eine Rechnung weniger zu zahlen haben, keine komplizierten Entwicklungsschritte der Kinder durchleben müssen, oder ihr Haushalt nicht schmutzig wird. Du möchtest das für Dich doch auch haben, so ein klein wenig Freude im tristen Alltag, ein nettes Wort, ein Stückchen Leben. Nimm es Dir, es liegt vor Dir.

Ich wünsche Dir eine Kur mit ganz viel Spaß! Brauchbare Tip’s zur Kinderversorgung hast Du ja.

Ganz lieben Gruß,
fionny

Hallo Hope

Ist Dir aufgefallen, dass deine Kinder auch an depressiven Phasen leiden wie Du?
Wenn Du meinst, dass dies an Dir im Sinne deiner erziehung und des Umgangs mit den Kindern liegt, dann liegst Du völlig falsch.
Depressionen sind Vererbbar und jetzt kommt das Gute, meist nicht die Depressionen an und für sich, sonder die körperliche Veranlagung, das dahinterliegende organische Problem!
Man kann seit einger zeit diese organische Probleme labormässig herausfinden und entsprechend Behandlen. Bin der Meinung, dass dies positive Auswirkung auf Dich und Deine Kinder haben wird. Bist du bereit einen entsprechenden Fragebogen zu beantworten um die organischen Ursachen einzuschränken? Wenn Ja, schreib mir ein mail.

Gruss
Beat