Man weiss das es bald zuende ist

Hallo Ilonka,

das problem für mich ist nicht das sterben an sich, sondern
das sterben zu einem zeitpunkt der nicht vorgesehen scheint,
ich finde er ist mit 50 eigentlich zu jung, so wie ein abo
dass zu einem zeitpunkt gekündigt wird.

Wir empfinden den Tot als schlimmer, desto jünger der Betroffene ist. Das Alter allein sagt aber nichts darüber aus, wie intensiv ein Leben gelebt wurde. Es gibt junge Menschen, die von sich behaupten, sie hätten alles gehabt, alles erlebt, alles gesehen. Sie hatten ein kurzes, aber erfülltes Leben, und sind zufrieden, mit dem, was sie hatten. Im Gegenzug dazu gibt es sehr alte Menschen, die von sich behaupten, vom Leben betrogen worden zu sein. Sie vermissen das Leben selbst, haben das Gefühl, nie wirklich gelebt zu haben.
Es kommt nicht darauf an, wie alt jemand ist, sondern ob die Zeit seines Lebens zum Leben genutzt wurde. Und dies kann kein anderer als der Betroffene selbst beurteilen.

Ein Sterbender, der dieses gesagt bekommt, macht sicherlich
einige Empfindungen und Prozesse durch, die von Person zu
Person unterschiedlich sind - wie z.B. das
Nichtwahrhabenwollen, Verzweiflung, Wut, Nichtverstehen,
Lebenshunger, Agonie, Sich abfinden, Ruhe finden (bestenfalls
und wünschenswert!)

Zusatz:
Nicht nur der Sterbende, sondern auch der Trauernde. Verdrängung, Wut und Schuldzuweisung, Verzweiflung, Auflehnung, Annehmen und Verzeihen, sind sowohl Trauer-, als auch Sterbephasen, die im spontanen Wechsel, völlig durcheinander von einem Moment zum anderen auftauchen, eben so kann es aber auch durchaus möglich sein, daß der Betroffene in einer Phase stecken bleibt, oder Phasen gänzlich ausbleiben. Diese Phasen sind also nicht kategorisch zu sehen.

ich hoffe auch dass er ruhe findet, er hat sich sein ganzes
leben sehr schwer gearbeitet, hat alles seinem sohn gegeben,
ist nie in den urlaub gefahren, hat sich nie was gegönnt.
ich neige jetz dazu zu sagen dass seine frau daran schuld ist
dass er sein leben nicht richtig genossen hat, aber im
endeffekt ist jeder für sein leben verantwortlich.

Ist es Deine Wertvorstellung? Wie sieht er es denn? Kannst Du Dir vorstellen, daß seine Frau vielleicht Eigenschaften hat, die ihm in seinem Leben ganz besonders wichtig waren, die er für nichts auf der Welt missen möchte? Frage ihn danach…(zum Post weiter oben, rufe ihn an. Zumindest kannst Du dadurch vielleicht Deine Wut über seine Frau abbauen…oder Du erfährst, daß sie zurecht ist, aber dann kannst Du ihm vielleicht die Stütze bieten, die er wohlmöglich braucht, um sich mit seiner Frau auszusöhnen). Bedenke, daß er in seinem Leben nicht so hart gearbeitet hat, weil er seine Familie nicht liebt.

da er in polen lebt ist es natürlich sehr schwierig.
einerseits weiss ich nicht ob ich bis dahin wieder in polen
bin. ich will aber auch nicht unbedingt hinfahren um zu sagen:
wollte dich nochmal sehen bevor du stirbst.

Wie wäre es mit schlicht: Ich wollte Dich sehen? Es bedarf keine Begründung, zumal das ja in sich schon Begründung genug wäre. Aber es gibt welche, wie: ich möchte mit Dir zusammen sein, …mit Dir reden, …schauen, wie’s Dir geht, …einfach so, weil es schön ist, Dich zu sehen usw.

vielleicht sollte ich mir die errinnerung an ihn bewahren wie
sie ist.
er hat in meiner jugend sehr viel für meine familie getan (da
lebte er noch in deutschland)

jaein, Du hast Zweifel, und dagegen kannst nur Du selbst etwas tun.

eine chance für ihn und eine chance für die angehörigen und
freunde,
aber es fällt trotzdem schwer.

Es fällt immer schwer, und tut immer verflixt weh. Desto enger die Beziehung, desto schlimmer der Schmerz, egal wie sehr sich darauf vorbereitet wurde. Die einzige Chance liegt in ein Stückchen Zeit, Zeit, die verbleibt um den anderen sagen zu können, wie sehr er geschätzt wurde, wie dankbar der andere ist, den anderen kennen zu dürfen, wie lieb der andere gewonnen wurde…

ganz herzlichen Gruß,
fionny

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Zwwar im Alltag oder Berufsleben nicht immer umsetzbar, aber du
kannst es dir doch weniger oder mehr schwer machen.

Das stimmt allerdings.

Ich meinte sowas wie „easy living“; was soll ich mir Sorgen
drum machen, was in zehn Jahren ist, ich will HEUTE gut drauf
sein.

Ich weiss schon, wie Du es meinst, aber wenn Du halt schon Verantwortung hast, wird es schwieriger (z.B. Kinder, wo Du immer
Sorge trägst, ein krankes Fam.-Mitglied etc.).

Na ja ich hab Dich verstanden, nur dieser Satz hat mich schon
immer aufgeregt. Eigentl. war mir schon klar, daß Du Dich nicht
jeden Abend von allen verabschiedest nur um es gemacht zu haben, für den Fall, daß Du den Morgen nicht erlebst…:smile:))

LG
d.

Soll nicht heißen, dass ich mir keine Gedanken um die Zukunft
mache oder bedenkenlos handele, aber was zählt, ist das JETZT.

Grüße, Markus! *just do it!*

Hallo Fionny,

Danke für das Posting und siehe auch meines unter Markus Antwort.

Dieser eine Tag kann
der Rest des Lebens sein. Wir nehmen ihn nur nicht allzeit als
dieses kostbare Gut wahr.

Das wäre ehrlich gesagt auch (jedenfalls für mich) fatal und ergibt
sich sicherlich aus meiner Arbeit im KH.

Ein nettes Lächeln, ein
aufmunterndes Augenzwinkern, ein klein wenig mehr Ehrlichkeit
und Offenheit fällt uns dann vielleicht gar nicht mehr so
schwer.

Das ist mir glücklicherweise nur sehr selten schwer gefallen, so selten, daß es auffiel, wenn ich mal kurz angebunden war.

Einen lb. Gruß zurück von
d.

Hallo ilonka

Ich befinde mich gerade in dieser Lage. Unsere Nachbarin ist ziemlich krank mit Metastasen in der Lunge. Sie hat das komplette Programm mit Chemo usw. schon hinter sich und ist nun, weil schon 73, sehr geschwächt. Nach Aussage ihres Mannes geht es ihr körperlich eigentlich ganz gut, aber vor allem psychisch nicht. Sie zieht alles ins Negative, ihr Lebensmut ist total verloren gegangen. Wir als Nachbarn und Freunde stehen hilflos daneben mit dem Gefühl, etwas tun zu wollen, sie zu besuchen und abzulenken. Sie will niemanden sehen, blockt Besuchsanfragen ab, geht nicht mehr aus dem Haus außer zur Krankengymnastik. Es tut weh, das zu sehen, weil sie so eine positive lebhafte Frau war, die wunderschön gemalt hat und trotz ihres Alters jung geblieben ist. Ich weiß nicht richtig, wie wir uns verhalten sollen, aber ich habe ganz stark das Gefühl, hier etwas zu versäumen oder falsch zu machen.

Herzliche Grüße
Corinna

Hallo Ilonka,

zunächst einmal ist es normal, sich etwas nicht vorstellen zu können, was einen selbst nicht betrifft. Es ist aber auch nicht nötig, da ja jeder seine eigenen Muster hat und es auch im Sterben kein „universelles“ Verhalten gibt.
Die einen bemerken plötzlich die wundervollen Kleinigkeiten um sie herum, die anderen sehen nur noch das negative, wieder andere werden aggresiv…
Wie jemand der noch nie schwanger war, sich eben nicht vorstellen kann, wie es sich anfühlen muss, so ist es wohl auch mit dem sterben.

Der nächste Punkt

ich weiss auch nicht wie ich mich ihm gegenüber benehmen soll,
tun als ob nichts ist? ihn ansprechen?

Es gibt kein „soll“. Aus Deinem Posting geht leider nicht hervor, wie Euer Verhältnis bisher war. Du schreibst, er ist ein Freund Deiner Eltern, den Du auch gut kanntest.
Versuch einfach in Dich hineinzufühlen. Welchen Wert hat dieser Mensch für DICH, was würdest Du gerne tun, was gerne mit ihm teilen?
Was genau ist für DICH das Schlimme an der Sache? Dass er in der ihm noch verbleibenden Zeit sicher leiden muss, dass Du einen lieben Menschen verlierst…?
Wenn DU das Bedürfnis hast, mit ihm zu sprechen, dann tu das. Klar, Polen ist nicht mal eben um die Ecke, aber es gibt Wochenenden, Urlaube in denen man sich Zeit nehmen kann, wenn man das möchte.
Es geht nicht darum, ob es machbar ist. Es geht darum, ob Du das möchtest, ob es Dir wichtig ist.
Dann gibts da ja auch noch die Möglichkeit, einen Brief zu schreiben. Briefe lassen genug Raum , Gedanken fliessen zu lassen. Und sie lassen ihm die Freiheit, ihn zu lesen oder ihn wegzulegen. Je nachdem, wie er selbst mit seiner Situation umgehen kann.
Für Dich ist es wichtig, mit dieser Situation so umzugehen, wie es für Dich gut ist. Mach es nicht von irgendeiner Moral abhängig, oder aus Schuldgefühlen heraus. Ich glaube, niemand kann eine Hilfe sein, wenn er es nicht von Herzen tut.
Ich möcht Dir noch eine Geschichte erzählen:
Vor kurzem starb meine Oma ( auch Krebs ). Ich hab als Kind meine Ferien bei ihr verbracht, hatte tolle Zeiten mit ihr. Später dann, als ich erwachsen und sie alt war, haben wir uns meistens gestritten. Ihre Art und meine Art passte nichtmehr. Ich hab sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Und doch hab ich sie geliebt.
Ich war nicht bei ihr, als sie im Krankenhaus lag, weiss aber von Verwandten, dass sie aggressiv war und den ganzen Tag nur geschimpft hat.
Sie ist gestorben. Ich war nicht auf ihrer Beerdigung ( weder ich habs mit der Kirche, noch meine Oma jemals ). Ich habe zu Hause gefeiert. Richtig, ich hab gefeiert. Eine gute Flasche Wein aufgemacht und den ganzen Abend meinem Mann die Geschichten von meiner Oma erzählt. Das war meine Art des Abschieds. Und obwohl sie in den letzten Jahren über jeden Menschen geschimpft hat, hat sie über mich nie ein böses Wort verloren. Komisch, gell:smile:

Ich wollte nur sagen, es gibt kein „muss“. Nimm Dir die Zeit die Du brauchst und mach es auf Deine Art.

Alles Liebe
Tanja

Hallo Wissende,

ich habe versucht mir vorzustellen wie das für mich wäre,
aber ich weiss es einfach nicht. ich glaube es gibt eine
blokade in meinem kopf die so ein denken gar nicht zulässt.

Hallo Ilona,
Wie Du schreibst, glaube ich, dass in einem solchen Fall mein Gehirn zur Selbsthilfe greift, d.h. es lässt solche Gedanken nicht mehr zu.

ich weiss auch nicht wie ich mich ihm gegenüber benehmen soll,
tun als ob nichts ist? ihn ansprechen?

Ich hatte einen Freund,der stand wissentlich vor dem Tod. Bei Besuchen habe ich mich an das Gespräch herangetastet und dann ganz ungezwungen über das Ende des Lebens diskutieren können. Er war sogar froh, dass ich mit ihm darüber frei gesprochen habe:

traurige grüsse
Ilona

Mit Gruss. hardy

Hallo Dilarah,

Dieser eine Tag kann
der Rest des Lebens sein. Wir nehmen ihn nur nicht allzeit als
dieses kostbare Gut wahr.

Das wäre ehrlich gesagt auch (jedenfalls für mich) fatal und
ergibt
sich sicherlich aus meiner Arbeit im KH.

Tach :wink:, ich denke, sich stets und ständig bewußt sein, daß es ein letztes Mal sein könnte, würde früher oder später Ängste in uns schüren, die sehr leicht auch zu tieferen Depressionen führen könnten. Ein ständiges dauerhaftes beschäftigen damit, läßt doch mal leicht am Leben vorbei leben.
Ich dachte hier nur an den Moment, den kurzen Augenblick, der unter Umständen unheimlich viel bedeuten kann. Die Schulung der Wahrnehmung, die Sensibilisierung, und ein klein wenig Mut, um daß, was im Augenblick gedacht, empfunden wird, auch umzusetzen. Diese Kombination ist trainierbar, indem einmal öfter ein Gedanke daran investiert wird, einmal öfter ein Stop gedacht wird, oder wenn Du so willst einmal öfter ein Schritt zurück getan wird, und einen Moment der Besonnenheit gelebt wird.
Geht es Dir nicht auch manchmal so:
Ein Gedanke, ein Gefühl, jetzt im Augenblick, was sagt, nimm den anderen in die Arme, sag wie sehr Du ihn magst, wie sehr er geschätzt wird, rufe eine bestimmte Person an, oder schau vorbei, einfach so. Aber die nächsten Schritte in Richtung Alltag werden getan, der Gedanke, das Gefühl übertüncht. Der Moment, den Du hattest, wird vertan, verworfen. Woraus unter Umständen im Nachhinein ein *hätte ich doch* werden könnte.

Ein nettes Lächeln, ein
aufmunterndes Augenzwinkern, ein klein wenig mehr Ehrlichkeit
und Offenheit fällt uns dann vielleicht gar nicht mehr so
schwer.

Das ist mir glücklicherweise nur sehr selten schwer gefallen,
so selten, daß es auffiel, wenn ich mal kurz angebunden war.

Ich weiß :wink: ich sprach auch allgemein.

ganz herzlich :wink: ich mag Dich doch,
fionny

Hallo Fionny,

Hab vielen Dank, so - genauso meinte - ich es doch.

Herzliche liebe Grüße
dilara

Hallo Ilona
Zu dem geschriebenen im obigen Votum, könntest Du ihn fragen, wie er es im innersten mit dem Glauben hat. Wenn die Antwort positiv ist, könntest Du Dich mit ihm noch auf diese geistliche Glaubensebene begehen.
Schwierig wird dies nur, wenn Du selber nicht gläubig bist?

Gruss Beat

Hallo beat,

die frage mit dem glauben kann ich nicht mit sicherheit
beantworten. nach aussen sah es auch als ob wenig glaube
vorhanden waere. aber ich weiss nicht was in seienm inneren
vorgegangen ist. ich denke dass es genau das gegenteil war,
also er gläubig war.

gruss
ilona

hallo beat,

du hast schon richtig vermutet. ich bin nicht wirklich gläubig.
mir wurde beigebracht an gott zu glauben und es fällt mir schwer zu sagen dass ich nicht an gott glaube. ich bin selber noch nicht mit mir und dem thema durch. deswegen könnte ich ein gespräch schlecht in die richtung lenken, er würde es mir nicht glauben… und ich mir auch nicht.
trotzdem danke und
liebe grüsse
ilona

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hallo Ilona

Vielleicht wäre dies auch eine Gelegenheit Dich mit dem Thema etwas intensiver auseinander zu setzen. Der Mensch besteht aus Körper, Seele und Geist, schade, das wir uns normalerweise so einseitig mit uns beschäftigen, finde ich.
Wenn Du mir die Gegend angibst, von wo Du kommst, hätte ich sicher eine gute Infoadresse in Deiner Nähe.

Liebe Grüsse
Beat