Hallo,
Wioe gesagt wenn Du alles gelesen hast weist du das Kevin das
Erste Jahr im Krankenhaus lag und wir sehr viel nachholen
mussten.Eigentlich sind wir immernoch am
Nacholen(Ergo,integrative Schule und dergleichen)
Sei mir nicht böse, aber zu besagten Zivizeiten hatte ich ein paar Lehrgänge, und habe seit dem den Spruch eines der Ausbilder nie vergessen: „Eine Behinderung ist eine Erklärung aber keine Begründung“
Was er damit sagen wollte war, dass es abseits von den Dingen die wirklich aufgrund einer Behinderung nicht gehen/nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich sind, eine große Tendenz (gerade der Eltern) gibt, eine Behinderung als Begründung für jede Schwäche, jeden Fehler, … heran zu ziehen. Dies ist einerseits verständlich, hilft aber den Betroffenen nicht, sondern schadet ihnen sogar. Denn damit packt man sie in Watte, und behindert sie zusätzlich, indem man von ihnen weniger fordert als möglich wäre, wodurch sie auch weniger lernen, und weniger Fähigkeiten entwickeln, als ihnen eigentlich möglich wäre.
Die Leute mit denen ich damals zu tun hatte, waren alle mit 100% geistiger Behinderung versehen. Trotzdem konnten die auch nicht alle in meinem Bett schlafen, wenn ich Nachtbereitschaft hatte. Und wenn die das hinbekommen haben, dann frage ich mich schon, warum man dies nicht auch bei einem Kind hinbekommt, wo wir glücklicherweise nicht von solch massiven Behinderungen sprechen.
Verständnis, Mitgefühl, … gehört bei mir zur Stellenbeschreibung, und die Leute kämen sicher heute nicht aus einem Umkreis von diversen zig Kilometern zu mir, wenn sie plötzlich mit Betreuung, schwerer Krankheit oder Tod betroffen wären, wenn hier nicht eine massive Weiterempfehlung stattfinden würde. Allerdings halte ich nichts von „Bedauern“ und Gefühlshudeleien, sondern sehe Verständnis und Mitgefühl ganz praktisch. D.h. auf konkrete Probleme/Fragen gibt es von mir konkrete Antworten und Hilfestellungen. Jedem ist überlassen, diese dann anzunehmen oder auch nicht. Was ich aber überhaupt nicht leiden kann ist, wenn es dann polemische Antworten gibt, und jeder Versuch eines Herangehens als im konkreten Fall ungeeignet zurückgewiesen wird. Zum „Nur mal auskotzen und Streicheleinheiten abholen, aber am Problem nicht ändern“ bin ich der falsche Ansprechpartner.
Ich habe nicht bei einer der hier gegebenen Antworten gelesen, dass Du hierin einen geeigneten Ansatz sehen würdest, sondern immer wieder nur gefunden, dass die Entwicklungsverzögerung Grund genug ist, dass es so ist wie es ist … und Hilfe somit eigentlich ohnehin nicht möglich sei. Dies ist ziemlich schade für alle, die sich Mühe geben, und helfen wollen. Viel schlimmer ist dies aber für den Betroffenen.
Kinder können ziemlich grausam sein, und haben ein gutes Gespür dafür, wenn jemand angreifbar und verletzlich ist. Daher ist es um so wichtiger für ein Kind mit gewissen Handicaps, dass es diese nicht ständig als zulässige Begründung für jedes Problem um den Bart geschmiert bekommt, denn dies wird bei Klassenkameraden schnell nach hinten losgehen. Ein Kind was jede Nacht zu Mama und Papa muss, verpasst viel an Sozialisation (Sleep-over im Kindergarten, Schule, Urlaub - alleine - bei Verwandten und Freunden), und wird schnell zum Opfer von Spott und Verletzungen durch andere Kinder. Wenn sich die Sache hier aufgrund der Vorgeschichte etwas verzögert hat, dann ist dies OK, aber ich bleibe dabei, dass es trotzdem ein „Vorgestern“-Problem gewesen wäre. Ein oder zwei Jahre Verzug wären ja nicht das Thema gewesen, aber damit wären wir noch lange nicht beim heutigen Alter.
Gruß vom Wiz