Hi,
und Du denkst daß Du in guten Händen bist wenn ein Notarzt da ist? Das kann so sein, muß aber nicht.
Viele Ärzte werden „gezwungen“ als Notärzte tätig zu werden weil sie sich an einer Klinik/einem Krankenhaus beworben haben, bei dem bestimmte Abteilungen auch für die Besetzung eines Notarztfahrzeugs zuständig sind.
Das bedeutet oft: Fachkundenachweis Rettungsdienst im Schnellverfahren absolvieren und dann geht’s raus. Der junge Arzt steht dann ganz alleine unter oft suboptimalen Bedingungen, die er so im Krankenhaus nie hat, vor den Einsätzen. Er kann niemanden fragen wenn es schwierig wird, er hat meistens nur die rechtlich notwendige Mindestanzahl an Intubationen oder Einsätzen bescheinigt bekommen (und Glück wenn er sie tatsächlich absolviert hat, manchmal hilft der Dienstplan nach daß die Bescheinigung erstellt wird, wenn jemand auf der Position eingesetzt werden soll) und soll jetzt seine Aufgabe in kritischen Situationen erledigen.
Selbst wenn jemand schon länger als Notarzt tätig ist hat z. B. ein Internist nicht notwendigerweise die Übung, die man einem Anästhesisten unterstellt, um z. B. zu intubieren oder Zugänge legen. Letzteres kann jeder PJler, jede Arzthelferin, oft auch jeder Rettungsassistent oder sogar jeder drogenabhängige Patient besser - weil die das tagtäglich dutzende Male machen.
Man in den Händen eines erfahrenen Rettungsassistenten nicht zwangsläufig schlechter aufgehoben als bei einem Notarzt.
Rettungsassistenten haben regelmäßig mehr Einsatzerfahrung als die üblichen „Gelegenheits“-Notärzte, sie haben lang und breit nicht nur medizinisches Wissen gepaukt, sondern auch eine sehr umfangreiche einsatztaktische Ausbildung absolviert, Strukturen von „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ (neben dem Rettungsdienst z. B. die Polizei, Feuerwehr, THW, …) kennen gelernt und sind in vielen Fällen auch auf diesen benachbarten Gebieten, z. B. in Feuerwehrtechnik, ausgebildet - mindestens in Grundzügen.
Nicht jeder Patient braucht ausschließlich medizinische Versorgung, sondern das „Drumherum“, wie geht man mit dem Patienten um, wie verhält man sich in speziellen Einsatzsituationen, wie funktionieren technische Rettungsmaßnahmen oder andere BOS-Dienste, mit denen man zusammen tätig wird, wie lenkt man Angehörige…, da sind hauptberufliche Rettungsassistenten oft wesentlich geübter und standfester als ein Klinikarzt, der nur gelegentlich laut Dienstplan als Notarzt arbeiten muß.
Das medizinische Wissen eines Arztes ist sicher in seinem Gesamtumfang größer als das eines Rettungsassistenten. Das nutzt aber vielleicht nicht viel wenn Kenntnisse auf einem Gebiet gefragt sind, die nicht das Fachgebiet des Arztes sind.
Rettungsassistenten wissen oft sehr genau auch über invasive Maßnahmen Bescheid. Das Problem ist allein daß sie rechtlich sehr wenig machen dürfen - im Gegensatz zum Ausland, wo es sehr gut funktioniert daß auch Paramedics Medikamente applizieren oder intubieren.
Es scheitert hier allerdings weniger daran daß RA’s „zu blöd“ wären - denn sie lernen lang und breit auch invasive Maßnahmen - sondern sie werden gesetzlich gehemmt. Klar daß dadurch auch teilweise eine Übung fehlen mag - aber ein Internist oder Chirurg hat meistens auch keine Übung im intubieren, reponieren kann ein Chirurg regelmäßig besser als alle anderen Fachärzte… Ein Notarzt ist nicht automatisch ein Fachmann, in dessen Händen man gerne Patient sein möchte.
Gruß,
MecFleih