Praktikant vs. Angestellter

hallo,

ich möchte heute eine Diskussion anregen, mit sicherheit werden sich Unternehmer wie auch Arbeiter daran beteiligen.

meine absicht ist die:

  • wann setzt man einen Praktikanten für die selbe tätigkeit an
  • wann stellt man dazu einen fest an

welche arbeitsrechtlichen unterschiede bestehen zw. beiden?

bewahrheitet sich der spruch: „lieber ein billigen praktikanten als ein angestellten NEU für die selbe tätigkeit“

derzeit werden durch das praktikantentum nahezu alle stellen besetzt, die für einen zur verfügung stehen muessten, die eine ausbildung abgeschlossen haben.
derzeit sind die ausgebildeten arbeitslos, und nur als praktikant findet man eine anstellung.

also welchen generellen vorteil gibt es zum einen, zb. ing.-ausbildungen zu wünschen, zum anderen einen ing. studierenden als PRAKTIKANTEN zu „halten“ aber als Endlösung, den ING, zu verdammen?

danke für eure / ihre wortbeiträge

Hallo Dirk,

  • wann setzt man einen Praktikanten für die selbe tätigkeit an
  • wann stellt man dazu einen fest an

Also:
Praktikanten setze ich z.B. ein, wenn

  • ich einen intelligenten, flexiblen Knecht für rel. einfache bis mittelkomplexe Arbeiten brauche (Entlastung der hochbezahlten Angestellten von einfachen Aufgaben)
  • mein Kunde mir einen vollen Mitarbeiter nicht bezahlt bzw. ich ggf. keine Stelle genehmigt bekomme, ich aber einen brauche (Budgetschonung)
  • ich einen Mitarbeiter suche (Kennenlernen)
  • ich einen gewissen Knowhow-Transfer suche (neue, frische Ideen)
  • ich ein kurzfristiges, nicht allzu anspruchsvolles Projekt habe (Flexibilität)
  • ich etwas neben dem operativen Geschäft entwickelt haben will (preiswerter KVP)
    …

Volleinstellen werde ich z.B., wenn

  • ich eine mittelfristige Perspektive für den Erhalt der Stelle habe (Finanzierung)
  • ich ein längeres Projekt habe (Kontinuität)
  • ich Aufgaben habe, die eines erfahrenen und ausgebildeten Mitarbeiters bedürfen (Qualität und Effizienz)
  • ich professionell nach außen auftreten will (Professionalität)
  • ich ein neuer Geschäftsfeld aufgreife und KnowHow brauche (Wissen)
    …

Es gibt natürlich noch viele andere Gründe.

welche arbeitsrechtlichen unterschiede bestehen zw. beiden?

Die Frage ist nicht Dein Ernst?

bewahrheitet sich der spruch: „lieber ein billigen
praktikanten als ein angestellten NEU für die selbe tätigkeit“

Pauschaler Quatsch, s.o.

derzeit werden durch das praktikantentum nahezu alle stellen
besetzt, die für einen zur verfügung stehen muessten, die eine
ausbildung abgeschlossen haben.
derzeit sind die ausgebildeten arbeitslos, und nur als
praktikant findet man eine anstellung.

also welchen generellen vorteil gibt es zum einen, zb.
ing.-ausbildungen zu wünschen, zum anderen einen ing.
studierenden als PRAKTIKANTEN zu „halten“ aber als Endlösung,
den ING, zu verdammen?

Flexibilität und niedrige Kosten.

Aber:
Praktikanten sind zumindest zum Teil mit recht hohem Aufwand anzulernen.
Sie haben häufig keinerlei Erfahrung, sich in Teams und Organisationen erfolgreich zu bewegen.
Sie sind schnell überfordert, gerade was Projektgeschäft angeht.
Man ist sie schnell wieder los, so dass ständig KnowHow abfließt.
…

Grüße
Jürgen

ich danke dir für deine ausführlichen Darstellungen.

gestatte mir einige fragen zu einigen stellen in der antwort:

"…Praktikanten setze ich z.B. ein, wenn

  • ich einen intelligenten, flexiblen Knecht für rel. einfache
    bis mittelkomplexe Arbeiten brauche…"

frage 1
somit fallen Praktikanten die ein Ing.Studium nahezu beenden damit raus, denn ing.nivau ist eigentlich hochkomplexer art

  • ich einen Mitarbeiter suche (Kennenlernen)

Frage:
kann ich das nicht mit der „probezeit“ regeln? immerhin kommt es auf das selbe raus ausser den kosten, na die kann ich ja auch praktikantennivau halten, während der probezeit.

was will ich dem praktikanten abverlangen, wenn hochkomplexe themen nicht zugetraut werden, aber jener es DRINGEND benötigt, wozu er ja eine hochanspruchsvolle ausbildung absolviert hat?

  • ich einen gewissen Knowhow-Transfer suche (neue, frische
    Ideen)

zu 3.
das ist sehr verständlich.

zu 4.

  • ich ein kurzfristiges, nicht allzu anspruchsvolles Projekt
    habe (Flexibilität)

da gibt es scheinbar generell ein erheblichen überhang in germany. oder?

zu 5.
Volleinstellen werde ich z.B., wenn

  • ich eine mittelfristige Perspektive für den Erhalt der
    Stelle habe (Finanzierung)

werden da die praktikantenarbeiter bei dir in erinnerung gerufen…?

  • ich ein längeres Projekt habe (Kontinuität)
  • ich Aufgaben habe, die eines erfahrenen und ausgebildeten
    Mitarbeiters bedürfen (Qualität und Effizienz)

also langjährige berufserfahrung, je nach Branche gewollt oder realisierbar kann jemand über diese auch verfügen.

zu 6.

welche arbeitsrechtlichen unterschiede bestehen zw. beiden?

Die Frage ist nicht Dein Ernst?

doch. ich dachte, das kurzzeitige Arbeitsverhältnisse „ohne Haftung“ sind. ich kann es nur erahnen.

zu 7.
zum anderen einen ing.
studierenden als PRAKTIKANTEN zu „halten“ aber als Endlösung,
den ING, zu verdammen?

Flexibilität und niedrige Kosten.

Somit verbleibt der ING. ein dauerpraktikant, schlecht für beide seiten.

Aber:
Praktikanten sind zumindest zum Teil mit recht hohem Aufwand
anzulernen.

Zu den unteren Ausführungen:

da ist ein Praktikant mit bereits vorhandenen langjährigen Erfahrungen scheinbar aller-erste-wahl und wunschkandidat? Bisher habe ich die erfahrung machen muessen, das berufserfahrene insgeheim gewünscht werden, andererseits, wenn er vor der tür steht verflucht werden, weil sie JETZT „überqualifiziert“ (ein schwachsinniges wort, denn wohl dem der fähig ist) gilt. eigentlich rettet genau jener die Situation.

Sie haben häufig keinerlei Erfahrung, sich in Teams und
Organisationen erfolgreich zu bewegen.
Sie sind schnell überfordert, gerade was Projektgeschäft
angeht.

letzteres kann man „retten“, wenn doch blos aufträge da wären, stimmts?

Man ist sie schnell wieder los, so dass ständig KnowHow
abfließt.

gruss und dank vom dirk

Hallo Dirk

"…Praktikanten setze ich z.B. ein, wenn

  • ich einen intelligenten, flexiblen Knecht für rel. einfache
    bis mittelkomplexe Arbeiten brauche…"

frage 1
somit fallen Praktikanten die ein Ing.Studium nahezu beenden
damit raus, denn ing.nivau ist eigentlich hochkomplexer art

Sei mir nicht böse, aber darüber kann ich nur lächeln (selber Ing.)
Du bist frühestens nach 1-2 Berufsjahren ein komplett einsatzfähiger Mitarbeiter. Das erste halbe Jahr lernst Du fachliches, das nächste Jahr lernst Du, Dich in einer Organisation zurechtzufinden und stößt Dir die Hörner ab und danach kannst Du wirklich alleine rennen. Glaubs mir…
Und deswegen setze ich erfolgreich und gerne fast fertige Ings. als Praktikanten ein, da diese über ein gutes, theoretisches(!) Wissen verfügen, aber normalerweise meist durchaus zurecht ihre Grenzen kennen. Dafür versuche ich ihnen aber auch ein Spielfeld zum ausprobieren ihrer Fähigkeiten zu bieten…

  • ich einen Mitarbeiter suche (Kennenlernen)

Frage:
kann ich das nicht mit der „probezeit“ regeln? immerhin kommt
es auf das selbe raus ausser den kosten, na die kann ich ja
auch praktikantennivau halten, während der probezeit.

Warum sollte ich das mit der Probezeit machen? Das ist riskanter, teurer und ärgerlicher, als ein ggf. vergeigtes Praktikum…

was will ich dem praktikanten abverlangen, wenn hochkomplexe
themen nicht zugetraut werden, aber jener es DRINGEND
benötigt, wozu er ja eine hochanspruchsvolle ausbildung
absolviert hat?

Kann es sein, dass Du Deine Ausbildung im Moment etwas überbewertest? Das Studium ist schlicht eine Eintrittskarte. Ich z.B. brauche derzeit außer ein paar methodischer Dinge nichts mehr von meinem Studium. Die Tätigkeiten, die ich Berater ausübe, habe ich mir durch meine bisherige Berufserfahrung erarbeitet, wobei ein Großteil meines Erfolg oder Misserfolgs schlicht von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Menschen abhängt. Und das gerade lernst Du in einer theoretischen Ausbildung am wenigsten…

zu 4.

  • ich ein kurzfristiges, nicht allzu anspruchsvolles Projekt
    habe (Flexibilität)

da gibt es scheinbar generell ein erheblichen überhang in
germany. oder?

Das mag sein, leider werden aber die wenigsten ausreichend bezahlt

zu 5.
Volleinstellen werde ich z.B., wenn

  • ich eine mittelfristige Perspektive für den Erhalt der
    Stelle habe (Finanzierung)

werden da die praktikantenarbeiter bei dir in erinnerung
gerufen…?

Mit Sicherheit, siehe oben. Warum soll ich auf ein neues Pferd setzen, wenn ich ein anderes Pferd bereits kenne?

  • ich ein längeres Projekt habe (Kontinuität)
  • ich Aufgaben habe, die eines erfahrenen und ausgebildeten
    Mitarbeiters bedürfen (Qualität und Effizienz)

also langjährige berufserfahrung, je nach Branche gewollt oder
realisierbar kann jemand über diese auch verfügen.

Nicht nur. Es kann auch bedeuten, dass ich mir jemanden ins Team hole, weil ich ahne, dass jemand anderes abspringen wird und ich den Knowhow-Transfer sichern will. (Kontinuität)

zu 6.

welche arbeitsrechtlichen unterschiede bestehen zw. beiden?

Die Frage ist nicht Dein Ernst?

doch. ich dachte, das kurzzeitige Arbeitsverhältnisse „ohne
Haftung“ sind. ich kann es nur erahnen.

Es gibt IMHO mehrere Stufen. Explizite Praktika im Rahmen eines Studiums sind meines Erachtens völlig unkritisch. Praktika, die befristeten Anstellungen gleichen, haben das Risiko, dass sie nach wiederholter Verlängerung ggf. in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis übergehen. Und was „normale“ Arbeitsverhältnisse in D für einen Arbeitgeber bedeuten, sollte klar sein.

zu 7.
zum anderen einen ing.
studierenden als PRAKTIKANTEN zu „halten“ aber als Endlösung,
den ING, zu verdammen?

Flexibilität und niedrige Kosten.

Somit verbleibt der ING. ein dauerpraktikant, schlecht für
beide seiten.

Nicht wirklich, denn beide Seiten müssen einen gewissen Vorteil daraus ziehen, damit das auf Dauer funktioniert. Und wenn es für den AN die Vermeidung von Arbeitslosigkeit ist.

Aber:
Praktikanten sind zumindest zum Teil mit recht hohem Aufwand
anzulernen.

Zu den unteren Ausführungen:

da ist ein Praktikant mit bereits vorhandenen langjährigen
Erfahrungen scheinbar aller-erste-wahl und wunschkandidat?
Bisher habe ich die erfahrung machen muessen, das
berufserfahrene insgeheim gewünscht werden, andererseits, wenn
er vor der tür steht verflucht werden, weil sie JETZT
„überqualifiziert“ (ein schwachsinniges wort, denn wohl dem
der fähig ist) gilt. eigentlich rettet genau jener die
Situation.

Folgendes: Praktikant kann nach üblicher Meinung nur ein Übergangsstatus sein. Wird dieser Übergangsstatus zum Dauerzustand, dann wird es seltsam.
Der Arbeitsmarkt ist ein Markt fast wie jeder andere auch. Jeder versucht, für seine spezeille Arbeitskraft (Angebot) das möglichste herauszuholen. Wenn jemand lange Jahre nur wenig in unsicheren Positionen verdient, dann wird sich jeder Bewerbungsempfänger schlicht fragen: Was ist bei dem los? Und wenn gleichzeitig eine Bewerbung eines jung-dynamischen Hochschulabsolventen daneben liegt…

Sie haben häufig keinerlei Erfahrung, sich in Teams und
Organisationen erfolgreich zu bewegen.
Sie sind schnell überfordert, gerade was Projektgeschäft
angeht.

letzteres kann man „retten“, wenn doch blos aufträge da wären,
stimmts?

Nicht unbedingt. Projektleute müssen eigenständig funktionieren, sonst knallts an allen Ecken. Und deswegen sind normalerweise Praktikanten fürs eingenständige Projektgschäft denkbar ungeeignet bzw. bedürfen einer straffen Führung.

Grüße
Jürgen

hallo jürgen,

ich danke dir für deine zeit mit den ausführlichen darstellungen. ich finde das sehr interessant.

eine letzte frage:

Jürgen was machst du, wenn du einen ING. vor dir hast, der bereits, das von dir genannte „berufserfahrene“ VOR dem Studium schon hinter sich gebracht hat und weiß Gott absolut nicht mehr „grün hinter seinen löffeln“ ist, will sagen absolut nun garnicht mehr unbedarft daherschreitet? Aber immer noch im „jungen Alter“ sich befindet, welches man innerhalb der karrierebesten anfangsjahre benennt.

Es gibt Fälle, da nutzen (nicht wenige) die Zeit der Flaute zum „Draufsetzen“ der Titeleien, statt sich zu verschlechtern.

Es ist ungeheuer interessant und lehrreich, das erleben zu können, irgendwie wie eine Zeitreise… nur noch viel besser: man ist in beiden Zeiten zugleich und erlebt sonderbare Dinge:smile:

PS: die von dir genannte unerfahrenheit und praxisunbeholfenheit kann ich zu 120% wahrlich bestätigen. Ich habe auch so manchen beim ersten anflug von arbeitsstress (12-16 std.) schon breitliegen sehen.

einen angenehmen abend.

Dein Auszug:
„…Und deswegen setze ich erfolgreich und gerne fast fertige Ings.als Praktikanten ein, da diese über ein gutes, theoretisches(!)
Wissen verfügen…Kann es sein, dass Du Deine Ausbildung im Moment etwas überbewertest? Das Studium ist schlicht eine Eintrittskarte. bisherige Berufserfahrung
erarbeitet, wobei ein Großteil meines Erfolg oder Misserfolgs
schlicht von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Menschen
abhängt. Und das gerade lernst Du in einer theoretischen
Ausbildung am wenigsten…
…:“

Hi Dirk,

ich möchte heute eine Diskussion anregen, mit sicherheit
werden sich Unternehmer wie auch Arbeiter daran beteiligen.

An DER Diskussion möchte und werde ich mich nicht beteiligen, weil sie m. E. nichts bringt - abgesehen davon, dass Du (D)eine Meinung bestätigt findest oder ihr eben widersprochen wird.

Kann es sein, dass Du aus persönlicher Betroffenheit mit/aus dem abstrahierten Fall ein Problem hast? Wenn Ja, brächten konkrete Fragen und Antworten auf Deine konkrete Situation/Erfahrung vieleicht was unter dem Aspekt „Job und Karriere“.

ich grüsse dich,

in einigen punkten gebe ich dir recht, mich interessiert in diesem konkreten fall die meinung/erfahrung des - weiteren - umfeldes. ich selbst stehe auf beiden seiten und möchte aus neugier erfahren, wie - weitere - darüber denken.

bis dann
dirk

PS: eigentlich ist das thema zur zufriedenheit abgehandelt.