Hai Groove,
ich muss vorausschicken, dass ich die QM nach dem Lehrbuch von Jelitto gelernt habe. Der setzt die klassischen Verfahren (Hamilton-Mechanik) als bekannt voraus, versucht jedoch nicht, durch eine aufgepfropfte Quantisierung aus der klassischen Mechanik die Quantenmechanik zu basteln. Jelitto geht axiomatisch vor, daher ist seine Darstellung der QM auch sehr stringent und schön.
Als Physikstudent dachte ich, dass ich jetzt lerne, was die Welt im Innersten zusammenhält (vermutlich für viele Naive ein Grund, Physik zu studieren, zumindest zu meiner Zeit). Das fand ich interessant.
Physikalische Theorien sind aber eher deskriptiv, geben also Antworten auf das „Was“ und „Wie“, nicht aber auf das „Warum“. Das fand ich enttäuschend.
Witzig fand ich, dass man anfangs glaubte, zwischen Schrödinger und Heisenberg wählen zu müssen, bis man dahinterkam, dass die beiden Theorien anscheinend strukturisomorph sind. Das hat bei mir viele Denkprozesse ausgelöst, auch in anderen Bereichen: wenn man eine Funktion auch als Vektor betrachten kann, dann wird aus einer Taylorreihenentwicklung einfach eine Zerlegung in die Basisvektoren und ich habe noch einen zweiten Werkzeugsatz, mit dem sich bestimmte Probleme leichter bearbeiten lassen. Der Satz des Pythagoras ist, vom richtigen Standpunkt betrachtet, trivial. Die vier Maxwell’schen Gleichungen können mit dem richtigen Handwerkszeug zu einer zusammengefasst und manipuliert werden. Da steckte für mich damals unheimlich viel Spielpotenzial drin, was mir Spaß machte und wenn ich klüger gewesen wäre, hätte ich es auf dem Gebiet vielleicht auch zu was gebracht.
Ein anderer Aspekt, der mir viel Stoff zum Nachdenken bot: die Abstraktionen der klassischen Theorie sind letzten Endes unserer Anschauung entnommen. Der Massepunkt z.B. ist einfach eine sehr kleine Bleikugel. Damit hat man dann schon ein intuitives Verständnis seines Verhaltens (das kann manchmal auch in die Hose gehen, aber im Prinzip weiß man, worüber man redet). Die in der QM beschriebenen Objekte sind unserer Anschauung aber nicht mehr zugänglich, insofern sie keine Objekte unserer erlebten und wahrgenommenen Umwelt sind. Wir haben also keine intuitive Vorstellung, wie diese Objekte sich verhalten. Wären wir Flatlander (lebten also nur in zwei Dimensionen), könnten wir uns nicht vorstellen, dass ein Kreis und ein Rechteck im Grunde dasselbe sein können, nur unterschiedliche Aspekte desselben Objektes: eines Zylinders. So ähnblich denke ich mir das mit Quantenobjekten: wir sehen immer nur bestimmte Aspekte, oder adressieren gar nur bestimmte Aspekte: Frage ich ein Quantenobjekt mit Hilfe eines Experimentes, ob es ein Teilchen sei, wird es mit „ja“ antworten. Frage ich es, ob es eine Welle sei, bekomme ich die gleiche Antwort. Das ist aber nur in meiner Vorstellungswelt ein Widerspruch. Die prinzipielle Frage lautet also, ob es einen Standpunkt gibt, von dem aus betrachtet die Widersprüche keine mehr sind. Und ob wir den, erkenntnistheoretisch betrachtet, überhaupt einnehmen können.
Auch wenn mir als Feld-Wald-und-Wisen-Physiker die intellektuellen Kapazitäten und das Handwerkszeug fehlen, um bei der Beantwortung dieser Fragen mitzuhelfen, verfolge ich die aktuellen Diskussionen doch mit Interesse (wenn auch sporadisch).
Grüße, Thomas

aber nagel mich nicht fest, es wird sich erst noch herausstellen müssen). Ich bin zumindest in vollkommener Zuversicht das sich in den nächsten 20 Jahren oder so viel tun wird und es möglich sein wird, saubere Theorien zu formulieren die die Phänomenologie der QM enthalten. Ich will dich damit motivieren „nicht den Kopf hängen zu lassen“. Besserung ist auf kurz oder lang in Sicht! Hinterfrage Dinge einfach kritisch und mach’ dir deine eigenen Gedanken. Dann kann nix schiefgehen.