Aggressionen
Hi Frank und Günter
da wir uns hier in Herrn Rupps thread befinden, möchte ich es etwas vorsichtig sagen: Es ist manchmal so (in psychologischen Kontexten), daß das Problem, das jemand äußert , nicht identisch ist mit dem Problem, das tatsächlich vorliegt. Das ist insbesondere stark zu vermuten, wenn das vorgebrachte Problem gar nicht erkennbar ist und auch nicht durch sachliche, hilfsbereite und (teilweise ja durchaus) freundliche Verständnisrückfragen strukturierbar ist. Jahrzehntelanger Ärger amtlicher und juristischer Art dürfte also die Folge von einem Wasauchimmer … sein und nicht die Ursache.
Wir haben ja in verschiedenen Foren im w-w-w schon Begegnungen mit Personen gehabt, die durch bestimmte (nicht unbedingt bewußte) Techniken aggressiv-provokanten Agierens und Reagierens Tumult erzeugt haben - meist natürlich bedeutend weniger krass als im vorliegenden Beispiel, und oft eher in einem Reizthema (zur Tarnung des eigentlichen Kommunikationsmotivs) verpackt. Das gemeinsame dieser Interaktionsform dürfte sein, daß die aggressivie Gegenreaktion der (ebenfalls oft unbewußte) Zweck ist - und nicht eine nur unglückliche Begleiterscheinung.
Die dem zugrundeliegende Psychodynamik aufzudröseln würde den Rahmen unserer Möglichkeiten hier sprengen.
Bleibt die Frage, wie mit jemandem reden in so einem Fall: Ich weiß es auch nicht - hier hab ich nur gesehen, daß jemand offenbar gar nicht erkennbar Rat oder Hilfe sucht, sondern ein Kommunikations-Bedürfnis hat. Und dieses outet sich paradoxerweise in Form von aggressiven Entladungen. Dieses sehr sehr tief liegende Aggressionspotential, das das ursprüngliche Kommunikationsbedürfnis bis zur Unkenntlichkeit kaschiert hat, können wir nicht abbauen, denn die eigentliche Ursache ist sicherlich uralt. Nichteinmal, ob sie überhaupt biografisch bedingt ist, können wir erkennen. Aber daß der Poster es in eine jahrzehntelange Institutionenproblemtik einkleidet, das ist sicher nur die Bühne des Dramas, nicht das eigentliche Schauspiel selbst.
Mit (im Grunde kaum vermeidbaren) Vorwürfen oder Gegenaggrassionen oder Verachtungen oder Belehrungen können wir ihm hier vielleicht eine kurzzeitige (unbewußte?) Befriedigung verschaffen, aber letztlich geholfen wird ihm dadurch nicht (wobei auch?).
Grüße
Metapher

