Schweigeminuten zum Gedenken an die Flutopfer

Teilweise richtig
Hallo R o b.

Zu den „bis jetzt genannten Argumenten“ möchte ich an meines
erinnern, zu dem Du nichts geäußert hast:

Na, dann will ich das jetzt mal tun :smile:

Die Gedenkminuten dienen also in erster Linie uns selbst.

Das kann ich akzeptieren, auch wenn ich es nach wie vor für den falschen Weg halte.

Gedenkminuten und ähnliches (der Staatsakt am 20. Januar) [sind] aber
auch ein Zeichen nach außen, daß solche Ereignisse für uns nicht
einfach nur Teil der allabendlichen Nachrichten-Unterhaltung sind,
sondern daß wir es nicht völig verlernt haben, Anteil zu nehmen.

Da wiederum könnte auch als zynisch aufgefaßt werden - nämlich von all denen, denen das Schicksal anderweitig böse mitgespielt hat und die nicht in den Genuß von Schweigeminuten gekommen sind. Was unterscheidet diese von anderen?

Richtig und notwendig sind sie aber dennoch…

Ich weiß nicht…siehe oben.

Du gehst dabei nur von Dir selber aus. Du selbst magst
ein aufgeschlossener Mensch sein, der sich aufrichtig darum
bemüht, das ganze Jahr über solidarisch zu sein. Aber es gibt
viele, zu viele, denen man die Notwendigkeit einer solchen
Geisteshaltung noch dringend vermitteln muß.

Darum geht es nicht. Darum habe ich ja geschrieben: egal ob man normalerweise solidarisch ist oder nicht, es bringt nichts. Nochmal: wenn man es ohnehin ist, ist eine solche Geste überflüssig. Ist man es nicht, ist sie heuchlerisch.

Was
würdest Du sonst machen? Missionieren von Tür zu Tür!?

Was heißt „sonst“? Was bewirken denn die Mniuten? Nichts. Also braucht man sie auch nicht durch etwas anderes zu ersetzen. Und wenn schon, dann eher „alle erwirtschafteten Werte dieser drei Minuten werden gespendet“ statt nichts zu erwirtschaften…

Gruß Kubi

Hallo Kubi,

Gedenkminuten und ähnliches (der Staatsakt am 20. Januar) [sind] aber
auch ein Zeichen nach außen, daß solche Ereignisse für uns nicht
einfach nur Teil der allabendlichen Nachrichten-Unterhaltung sind,
sondern daß wir es nicht völig verlernt haben, Anteil zu nehmen.

Das wiederum könnte auch als zynisch aufgefaßt werden - nämlich
von all denen, denen das Schicksal anderweitig böse
mitgespielt hat und die nicht in den Genuß von Schweigeminuten
gekommen sind. Was unterscheidet diese von anderen?

Mit diesem Totschlagargument kann man aber auch jede TV-Berichterstattung, jede Spende, jede Einlassung auf jedes Ereignis, auf jeden Unglücksfall etc. verketzern.
Der unterschiedliche Umgang mit Katastrophen hat seine Ursache zum einen natürlich in der Auffassung darüber (was ist überhaupt Katastrophe?) und zum anderen in der Größenordnung pro Zeit. Ich halte es daher für problematischer, wenn z. B. für die weitaus zahlreicheren Völkerkriegsopfer in Afrika (vorsätzlich herbeigeführte Tote!) keine Gedenkminuten begangen werden, als daß sie in anderen Fällen tatsächlich stattfinden. Oder anders gesagt: Nicht die durchgeführten sondern die unterbliebenen Gedenkminuten geben Anlaß zur Diskussion. Soweit gehen wir vielleicht konform.

Richtig und notwendig sind sie aber dennoch…

Ich weiß nicht…siehe oben.

Du gehst dabei nur von Dir selber aus. Du selbst magst
ein aufgeschlossener Mensch sein, der sich aufrichtig darum
bemüht, das ganze Jahr über solidarisch zu sein. Aber es gibt
viele, zu viele, denen man die Notwendigkeit einer solchen
Geisteshaltung noch dringend vermitteln muß.

Darum geht es nicht. Darum habe ich ja geschrieben: egal ob
man normalerweise solidarisch ist oder nicht, es bringt
nichts. Nochmal: wenn man es ohnehin ist, ist eine solche
Geste überflüssig. Ist man es nicht, ist sie heuchlerisch.

Da habe ich mich vielleicht mißverständlich ausgedrückt. Ich meinte natürlich: für diejenigen, die an Schweigeminuten nicht teilnehmen, weil ihnen das Geschehen anderswo egal ist, setzt gemeinschaftliches Gedenken ein Zeichen. Diejenigen, die „heuchlerisch“ teilnehmen, werden zumindest einem kleinen sozialen Druck ausgesetzt, über gewisse Dinge nachzudenken.

Es ist wie mit Bio-Essen. Viele sagen, daß der ganze Bio-Kram nix nütze, weil bei den Waren zwar Bio draufsteht aber oft doch nur normales drin sei und man das als Verbraucher gar nicht herausfinden könne. Dabei wird aber vergessen, daß der Kunde von Bio-gekennzeichneter Ware (auch durch die Akzeptanz des höheren Preises) in jedem Fall ein Zeichen setzt, welches das Nachfrage-Angebots-Gefüge kausal beeinflußt. Die Kontrollen, ob auch Bio drin ist, werden mit den Umsätzen schon steigen. Eine vergleichbare Signalwirkung geht grundsätzlich auch von Gedenkminuten aus.

Aber apropos „zynisch“: zynisch ist es eher, jedes Zeichen von sozialem Bewußtsein ausschließlich in einen Kontext zu stellen, in welchem sich andere Dinge als „schlecht“ und „heuchlerisch“ beschreiben lassen.

[…] egal ob
man normalerweise solidarisch ist oder nicht, es bringt
nichts. Nochmal: wenn man es ohnehin ist, ist eine solche
Geste überflüssig. Ist man es nicht, ist sie heuchlerisch.

Ja, aber wenn man nicht solidarisch ist, ist die Geste nicht nur heuchlerisch, sondern ebenfalls überflüssig. Ergo: Alle Gesten sind überflüssig. Anders kann man Deine Haltung nicht interpretieren. Was soll also die Unterscheidung? Das ist reinster Rabulismus.

Darum auch mein Problem mit Aussagen wie „Hätte lieber jeder einen Euro gespendet, anstatt drei Minuten still zu stehen, wäre den Opfern eher geholfen“. Dieser Nonsens setzt voraus, daß wer Gedenkt, nicht oder weniger spendet!

Die Problematik in Deiner Haltung verdeutlicht sich, wenn man diese weiterführt: „Die Leute spenden bloß und sonst bleibt hier alles beim alten; da zeigt sich, daß sie sich mit ihren Ablaßzahlungen nur ein reines Gewissen erkaufen wollen. Die Menschen in Asien sind denen doch ganz egal.“ Das ist zynisch, nimmt sich aber auch nicht mehr heraus als Deine Argumentation.

Was
würdest Du sonst machen? Missionieren von Tür zu Tür!?

Was heißt „sonst“? Was bewirken denn die Minuten? Nichts. Also
braucht man sie auch nicht durch etwas anderes zu ersetzen.
Und wenn schon, dann eher „alle erwirtschafteten Werte dieser
drei Minuten werden gespendet“ statt nichts zu
erwirtschaften…

Sicher, das wäre schön (und übrigens auch eine Geste :o) gewesen. Aber wir wissen, daß das nicht passieren wird. Soll man deshalb auf jede andere Geste verzichten? Wenn Du Dich mit all Deinen Dir zur Verfügung stehenden und zumutbaren Mitteln dafür einsetzt, also Deinem Abgeordneten, dem Bundespräsidenten, Wirtschaftsverbänden und Einzelfirmen schreibst, Flugblätter verteilst, Aufrufe und Demonstrationen startest etc., selber alles Spendest, was Du ansonsten für Freizeitkram ausgeben würdest, dann wärst Du mit dieser Art Kritik an Gesten glaubwürdig.

Grüße
-R o b.

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Hi,

ganz abgesehen von der Frage, was Du selbst für die
Obdachlosen Deiner näheren Umgebung tust…

wider besseren Wissens bin ich immer wieder überrascht, wie schnell ein Thema auf die persönliche Ebene verlagert wird, und in diesem Fall dazu noch auf eine besonders elegante Art…

Sicher kann man vielen Individuen, die dieser Tage nur so
triefen vor Betroffenheit, leicht durchschaubare
Scheinheiligkeit vorwerfen. Doch die Forderung in Deiner
Aussage scheint zu sein: Laßt uns die Gedenkminuten
abschaffen, dann müssen wir uns in aller Konsistenz auch
weiterhin nicht um die Obdachlosen (und andere, näher liegende
Fälle) kümmern.

Komisch, kann mich nicht erinnern, das so formuliert oder gemeint zu haben.

Ich denke, ich verstehe schon, was Du sagen wolltest. Mir wird
aber trotz der Bigotterie dieser vielen nicht übel,
denn es sind eben nicht alle"Gedenker" so bequem.
Sollte man also alles an die Blödmänner anpassen und deshalb
auf das Gedenken verzichten? Worauf konkret wollt Ihr hinaus?

Daß dieses Getue nichts bringt, solange ihm nicht Taten folgen. Ivo erwähnte in einem anderen Brett das Wort Ablaßhandel. Paßt sehr gut wie ich finde, und noch billiger ist der Ablaß ja scheinbar noch über drei Gedenkminuten zu haben.

Gruß,
Christian

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Kausalität mit Spenden ist nicht erkennbar
Hallo Edith,

ich hatte Deinen Einwand auch nicht als Boshaftigkeit mißverstanden. :o)

In Ö gab es schon kurz nach der Katastrophe eine
Schweigeminute. Ich denke, wenn jeder einen EURO gespendet
hätte, statt drei Minuten zu schweigen, wäre den Opfern
wesentlich mehr geholfen.

Das halte ich für falsch. Den Opfern wäre mehr geholfen, wenn jeder einen Euro gespendet hätte. Richtig. Aber wenn jeder diese Spende getan hätte anstatt zu Minutengedenken, hätte ihnen das sicher nicht mehr geholfen.

Kurz:
Das eine schließt das andere nicht aus, und daher ist der Verzicht des einen (Gedenkminute) nicht dadurch zu begründen, daß somit das andere (Spende) erfolgt. Der hier hergestellte Zusammenhang ist keiner!

Grüße
-R o b.

P. S.:
Artikel wegen verständnisbehindernden Schreibfehlers neu eingestellt.

Hallo Christian,

Vielleicht doch.
Bei deren durcheinander in der Sendepolitik findet die
Schweigeminute erst 6 Stunden später statt, wird dafür aber am
nächsten Morge mit 2 Werbeunterbrechungen wiederholt.
Ab da dann jeden Sonntag morgen ab 9 Uhr.

Da traust Du Super-RTL aber viel zu. Soweit ich weiß läuft da nur ein 24h-Band im Endlosmodus, das jedes halbe Jahr mal ausgewechselt wird. Ich rechne also mit der Schweigeminute ab Mitte Juni - allerdings ist das dann auch keine Eigenproduktion, sondern die Wiederholung der Einblendung von RTL.

Grüße,

Anwar

Hallo,

Da traust Du Super-RTL aber viel zu. Soweit ich weiß läuft da
nur ein 24h-Band im Endlosmodus, das jedes halbe Jahr mal
ausgewechselt wird. Ich rechne also mit der Schweigeminute ab
Mitte Juni - allerdings ist das dann auch keine
Eigenproduktion, sondern die Wiederholung der Einblendung von
RTL.

Und wahrscheinlich sogar mit Werbebanner „Lad dir diese Schweigeminute jetzt als Klingelton auf dein Handy!“

SCNR

Ciao! Bjoern

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Teil akzeptiert
Hallo R o b.,

Mit diesem Totschlagargument kann man aber auch jede
TV-Berichterstattung, jede Spende, jede Einlassung auf jedes
Ereignis, auf jeden Unglücksfall etc. verketzern.

Ist ja nicht ganz falsch. Aber genau deshalb finde ich, man sollte sich die Aktionen sparen, die den Betroffenen nicht helfen.

Oder anders gesagt: Nicht die durchgeführten
sondern die unterbliebenen Gedenkminuten geben Anlaß zur
Diskussion. Soweit gehen wir vielleicht konform.

Jein. Ich teile Deine Ansicht über die „Mißachtung“ der bewußt Getöteten. Aber meine Konsequenz ist, die Gedenkminuten komplett wegzulassen.

Da habe ich mich vielleicht mißverständlich ausgedrückt. Ich
meinte natürlich: für diejenigen, die an Schweigeminuten
nicht teilnehmen, weil ihnen das Geschehen anderswo
egal ist, setzt gemeinschaftliches Gedenken ein Zeichen.

Meinst Du? Wenn ihnen das egal ist, werden sie die Gedenkminuten wohl kaum zum Nachdenken nutzen. Eher, um zu sagen: „Schaut Euch die Bekloppten an.“…

Diejenigen, die „heuchlerisch“ teilnehmen, werden zumindest
einem kleinen sozialen Druck ausgesetzt, über gewisse Dinge
nachzudenken.

Da bin ich genauso skeptisch wie oben.

Es ist wie mit Bio-Essen.

Nicht ganz. Mann kann ja Bio-Fleisch kaufen und prüfen, ob es besser ist als das normale. Aber wie prüft man, ob Gedenkminuten was bringen?

Aber apropos „zynisch“: zynisch ist es eher, jedes Zeichen von
sozialem Bewußtsein ausschließlich in einen Kontext zu
stellen, in welchem sich andere Dinge als „schlecht“ und
„heuchlerisch“ beschreiben lassen.

Falls Du das auf mich beziehst: ich habe mich ausdrücklich nicht auf jedes Zeichen von sozialem Bewußtsein bezogen. Es geht mir mehr um „Scheinzeichen“, die gut aussehen, aber nicht helfen. Wenn Du das als zymnisch betrachtest, gut, dann bin ich halt zynisch.

Ja, aber wenn man nicht solidarisch ist, ist die Geste nicht
nur heuchlerisch, sondern ebenfalls überflüssig. Ergo: Alle
Gesten sind überflüssig.

Alle ist ein großes Wort, aber ich bin tatsächlich der Meinung, daß viele Gesten unnötig sind.

Anders kann man Deine Haltung
nicht interpretieren. Was soll also die Unterscheidung? Das
ist reinster Rabulismus.

Schönes Wort, kannte ich noch gar nicht. Aber ich kann mich Deiner Ansicht anpassen. Ist es halt immer überflüssig.

Die Problematik in Deiner Haltung verdeutlicht sich, wenn man
diese weiterführt: „Die Leute spenden bloß und sonst bleibt
hier alles beim alten; da zeigt sich, daß sie sich mit ihren
Ablaßzahlungen nur ein reines Gewissen erkaufen wollen. Die
Menschen in Asien sind denen doch ganz egal.“ Das ist
zynisch, nimmt sich aber auch nicht mehr heraus als Deine
Argumentation.

Nein, hier liegt die Sache anders. Denn die Spenden helfen den Leuten vor Ort. Wenn sich damit jemand nur ein reines Gewissen kaufen will, bitte, aber jedenfalls bringt’s was.

Sicher, das wäre schön (und übrigens auch eine Geste :o)

Aber eine nützliche :smile:

gewesen. Aber wir wissen, daß das nicht passieren wird. Soll
man deshalb auf jede andere Geste verzichten?

Nein, nur auf die überflüssigen :wink: Zu denen zähle ich übrigens auch solche Spielchen wie Karneval ausfallen lassen und dergleichen.

Wenn Du Dich mit
all Deinen Dir zur Verfügung stehenden und zumutbaren Mitteln
dafür einsetzt, also Deinem Abgeordneten, dem
Bundespräsidenten, Wirtschaftsverbänden und Einzelfirmen
schreibst, Flugblätter verteilst, Aufrufe und Demonstrationen
startest etc., selber alles Spendest, was Du ansonsten für
Freizeitkram ausgeben würdest, dann wärst Du mit dieser Art
Kritik an Gesten glaubwürdig.

Mache ich nicht, zugegeben, und ich habe auch nicht die Absicht. Trotzdem nochmal kurz: ich unterscheide zwischen nützlichen und unnützen Gesten. Letztere sind meiner Meinung nach überflüssig, und Schweigeminuten zähle ich dazu.

Grüße Kubi

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