Hallo!
Nachdem ich über alle Möglichkeiten nachgedacht habe und
Drogenkonsum wirklich ausschließen kann, genauso wie sexuellen
Missbrauch, wird ein Besuch beim Psychologen doch das einzige
sein, was ich tun kann.
Es ist gut, daß Du diese Möglichkeiten ausschließen kannst.
Mir ist sehr unwohl bei dem Gedanken, dass mein Kind wirklich
eine psychische Störung haben könnte, weil es Fälle von
Schizophrenie in unsere Familie gibt und ich immer gehofft
hatte, dass sich sowas nicht vererbt.
Das kann ich nachfühlen!
Man weiß noch nicht genau, was die eigentliche Ursache von Psychosen ist, man kennt lediglich verschiedene Faktoren, die häufiger mit einem Erkranken zusammentreffen. Schwere Lebensereignisse, z.B. eine Scheidung, können als Auslöser wirken, müssen aber nicht. Leider ist es so, daß auch Vererbung eine Rolle spielt, muß aber nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung führen.
Entsetzt hat mich allerdings jene Antwort, die eine
Klinikeinweisung als sinnvoll bezeichnet hat. Wenn mich etwas
davon abhält, mit meinem Kind zu einem Therapeuten zu gehen,
dann die Angst, dass dieser so etwas vorschlagen und
gewissermaßen verlangen kann.
Ein Freund von mir hat die Krankheit erst vor kurzem überstanden. Die erste Zeit war er in einer geschlossenen Abteilung, ihm war also verboten, ohne Begleitung spazieren zu gehen. Später durfte er sich auf dem Klinikgelände frei bewegen, dann kam eine Phase, in der er tagesklinisch betreut wurde, d.h. zu Hause wohnte und jeden morgen in die Klinik ging, z.B. zu Gesprächskreis, Arbeitsstherapie u.a.
Ein Klinikaufenthalt hat mehrere Vorteile. Für den wichtigsten halte ich am Anfang den Schutz, wenn der Erkrankte selbst nicht für sich sorgen kann. Der zweite ist eine möglichst gute Anpassung an die Medikamente. Es gibt verschiedene, und bislang kann man nicht vorher genau sagen, welches das geeignetste ist und in welcher Dosierung. Im Krankenhaus, kann man das am besten einstellen, so daß das seelische Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Erst dann kann man mit einer Psychotherapie arbeiten, weil hier eine Zwickmühle liegt: Schizophrenie verträgt keinen Streß. Eine Therapie, in der man erlernt, mit Streß besser umzugehen, könnte aber erstmal selber welchen erzeugen, also kann man nicht gleich damit beginnen.
Nicht zuletzt kann man im Krankenhaus viel besser die Diagnose erstellen, als nur in einem Gespräch.
Mein Freund hatte sich in der Klinik sehr wohl gefühlt. Das ist doch ein gutes Zeichen. Und mittlerweile ist er wieder wohlauf. Zwar gibt es auch ungünstige Krankheitsverläufe, wenn die Krankheit z.B. in regelmäßigen Abständen immer wiederkommt, aber daran muß man sich nicht orientieren, oft bleibt solch eine Episode die einzige im Leben. Hoffnung ist also berechtigt.
Tschuess, Sven.