Üblicher Werdegang eines Piloten?

Hi!

Wie verläuft üblicherweise die Karriere eines Verkehrspiloten ab?
Startet man die Ausbildung gleich nach dem Abitur?

Gibt es Quereinstiegsmöglichkeiten?
Was sind die Voraussetzungen für die Ausbildung?
Erwirbt man zunächst auf eigene rechnung die Lizenzen und bewirbt sich dann bei den Fluglinien, oder nehmen die nur im eigenen Hause ausgebildete Piloten?

Macht es Sinn, mit 30 noch in diese Richtung zu gehen?

Wie seht Ihr das?

Grüße,

Mathias

Huhu Mathias,

Wie verläuft üblicherweise die Karriere eines Verkehrspiloten
ab?

Nun, Du hast prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder Du machst Deine Ausbildung „ab initio“ (sprich: von Anfang an) bei einer Fluglinie Deiner Wahl, ziemlich berühmtes Beispiel ist hier die Lufthansa, man könnte aber an beliebige andere denken, je nachdem wie weit ins Ausland Du zu gehen bereit bist. Diese Ausbildung läuft dann so ab, daß Du beim DLR-Test (findet überraschenderweise für die Lufthansa in Hamburg statt *g*) teilnimmst und denselben auch bestehst. Teilnehmen ist meines Wissens dabei nicht das große Problem, aber es bestehen nur etwa 5-10% der Leute. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, aber ich meine, daß 25 oder 30 das Höchstalter für den Beginn dieser Ausbildung ist. Das und noch viel mehr solltest Du allerdings hier finden: http://www.lufthansa-pilot.de/
Diese Ausbildung hat natürlich einen ganzen Haufen Vorteile: Zunächst mal kostet Dich Deine Ausbildung nix, soweit ich weiß bekommst Du sogar ein wenig Geld. Und Du bist halt Vollzeit-Flugschüler und wirst von der LH auf deren Bedürfnisse ausgebildet. Früher mal war es auch so, daß Du nach der Ausbildung und den passenden Ratings auch einen Job bei der LH bekommen hast. Momentan gibt es da so weit ich weiß eine Warteliste. Und Du mußt natürlich als „fertiger“ Co auch ziemlich viel von Deinen Ausbildungskosten zurückzahlen (auch hier kann ich aber nicht mit Zahlen dienen).

Die andere Variante ist, daß Du die komplette Ausbildung (angefangen beim PPL über IFR, CPL, ATPL und vielleicht noch ein kleineres Jet-Rating) selber bezahlst. Das hat den Vorteil, daß die einzigen Voraussetzugen dafür ausreichend Kohle und ein „gesunder“ Gesundheitszustand sind. Dann suchst Dir eine nette Flugschule aus und je nachdem wieviel Zeit Du hast, bist Du dann früher oder schneller fertig mit Deiner Ausbildung. Alter oder sonstiges spielt dabei keine Rolle, die Flugschulen freuen sich üblicherweise über jeden Schüler :wink: Naja, der Nachteil ist, daß Du danach zwar die entsprechenden Lizenzen hast, aber immer noch keine Flugpraxis oder sowas (denn das ist privat nun quasi nimmer zu finanzieren, wenn nicht im Hintergrund ein netter Millionär das sponsort *g*). Sprich, Du kannst Dich dann zwar bei allen möglichen Fluggesellschaften bewerben, stehst aber auf der Warteliste doch meistens hinter den LH-Absolventen oder arbeitslos gewordenen Piloten von pleite gegangenen Fluglinien. Aber prinzipiell gibt es diese Möglichkeit vom „direct entry“ also dem Quereinstieg und ich glaub vor 5-10 Jahren war das noch nicht so unheimlich schwer wie heute, damit einen Job zu finden.

Macht es Sinn, mit 30 noch in diese Richtung zu gehen?

Sinn oder nicht Sinn, das ist hier die Frage… Momentan sieht’s sogar für LH-Absolventen eher schlecht aus, und „ready entries“ treiben sich auch ein paar Tausende auf dem Markt rum. Zudem noch die arbeitslosen Piloten mit richtig viel Erfahrung… Und die Ausbildung dauert ja auch noch das eine oder andere Jährchen *gg* Das heißt, wärest Du momentan fertiger Mitte-Dreißigjähriger „direct entry“ sähen Deine Chancen recht schlecht aus. Übrigens ein netter Link zu diesem Thema: http://www.pilots.de
Wie die Situation allerdings in 3-5 Jahren aussehen wird, würde ich nicht wagen zu beurteilen. Es kann sein, daß es immer noch so ist wie heute es kann aber auch sein, daß Piloten händeringend gesucht werden. Und ich hab mal einen witzigen Piloten kennen gelernt, der hat mit 30 erst angefangen und fliegt nun die ganze Boeing-Familie und überhaupt was sonst noch so Flügel hat. Also es kommt weniger auf Dein Alter als mehr auf den richtigen Zeitpunkt zum fertigwerden an :wink: Wobei Du als Senior natürlich einfach weniger Jahre zu Fliegen hast als ein 18-jähriger Abiturient.

Tja, soweit die schlechten Nachrichten, allerdings kannst Du ja in jedem Fall mal Deinen PPL machen. Das ist mit 7000 Euro (natürlich je nachdem wo und wie schwankend) noch finanzierbar, Du kannst testen ob die Fliegerei generell war für Dich ist. Und Du kannst mal schnuppern und versuchen Kontakte zu knüpfen. Naja, und schlimmstenfalls biste dann einer von diesen Hobbyfliegern und hast ein nettes Hobby und bestenfalls ist’s eine gute Grundlage für den DLR-Test bzw. die „ab initio“ Ausbildung oder Du kannst darauf dann privat aufbauen und zumindest IFR und CPL draufsetzen…

Ich hoffe, daß Dir diese Menge von Text irgendwie weiterhilft, sonst mail nochmal Bescheid oder schau bei dem Pilotenforum oben rein. Mein Wissen bezieht sich auch nur auf die theoretische Seite, die Reise nach Hamburg hab ich mir gespart und beim CPL ist definitiv Schluß für mich (außer es findet sich jemand, der mir ein Citation-Rating spendiert *fg*).

Liebe Grüße

Petzi