Noch ein paar Erläuterungen
Hi Hyltox!
„Du modellierst nur die Kommunikation, aber dieses Modell erscheint mir zu simpel.“
Wenn ich die Kommunikation modelliert hätte, dann wäre es tatsächlich zu einfach, aber ich schrieb (und deshalb hättest Du Dir halt den Originalartikel noch einmal durchlesen sollen):
„in der Forschung zum Wahlverhalten in der Psychologie und Verhaltensbiologie geht es um die Entscheidung einer Person (oder auch eines Tieres), wieviel Zeit oder Arbeit auf verschiedene Alternativen verwendet wird. […] Das Matching Law beschreibt die grundlegende Beziehung zwischen dem Verhalten auf der einen und den durch dieses Verhalten erhaltenen Ressourcen auf der anderen Seite“
Also es geht um zwei Ressourcen-(Verstärkungs)quellen und wieviel Zeit man an ihnen verbringt bzw. wieviel Arbeit man in sie steckt. Das Beispiel, das ich dann brachte, ist in diesem Zusammenhang zu sehen, worauf ich im Originalartikel mit dieser Frage hingewiesen habe:
„Mit wem spricht Paul wie lange und über was?“
Da es aber aufgrund dieses Beispiels viel Trouble gab, würde ich beim nächsten Mal ein anderes nehmen, obwohl es prinzipiell im von mir gemeinten Sinn angemessen ist.
„Hier ist wohl ein Knackpunkt : Was nicht gemessen, oder aufgezeichnet werden kann, fällt unter den Tisch?“
Wissenschaftlich gesehen schon. Und genau dies ist eine meiner Hauptansichten, wenn´s um wissenschaftliche Psychologie geht. Das ist gar kein so ungewöhnlicher Punkt: Gott kann man auch nicht messen bzw. aufzeichnen. Und ich jedenfalls finde ihn selten in wissenschaftlichen Arbeiten vertreten.
„Die Präzision erreichst Du in deinem Beispiel aber nur durch die starke Simplifikation.“
Modelle sollten immer einfacher als das sein, worauf sie sich beziehen. Sonst wären sie so ziemlich überflüssig. Ob sie zu einfach sind, kann empirisch geprüft werden (z.B. Experimente). Und beim Matching Law läuft die Überprüfung seit 40 Jahren.
„Ich weiß nur nicht, wie Du mit mathematischen Formeln Empathie erzeugen willst.“
Wüßte ich auch nicht, wenn ich es wollte. Aber Empathieerzeugung ist nicht der Zweck des Bastelns und Überprüfens von Modellen. Allerdings kann der Hinweis auf ein gut überprüftes Modell als ein Mittel in der Therapie helfen, beim Patienten / bei der Patientin Zuversicht zu erzeugen, daß auch er / sie es packen kann.
„Wenn ich mich hier als Säufer bezeichne, dann nicht aus einem minderwertigen Selbstbild heraus, sondern aus dem heraus, was mir auch von Deinen Kollegen (Typ A) schon übermittelt wurde.“
Herzlichen Glückwunsch zur Überwindung der Abhängigkeit (egal jetzt, ob manche sagen, abhängig ist man ein Leben lang, ob naß oder trocken)!
Und: Schlechte Psychologen / Psychotherapeuten gibt es genauso wie schlechte Handwerker (um nur eine andere Berufsgruppe aus den vielen herauszugreifen, die ich hier hätte erwähnen können).
Grüße,
Oliver
