Warum tut man Freunden so etwas an?

Für solche höchstpersönlichen Informationen ist vielleicht ein Chat nicht unbedingt das richtige Medium.

Wie auch immer, es war seine Entscheidung, seine Gründe werden für ihn nachvollziehbar gewesen sein.

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Und ich werde jahrzehntelang leiden, super.

Sry, ich werde jetzt deutlich, wenn du das nicht willst oder ertragen kannst, bitte nicht weiterlesen!!

Du bist nicht die erste Person, die jemanden nahes verloren hat. Auch nicht die letzte. Jeder geht damit anders um, aber viele holen sich auch Hilfe. Es ist schwer, es hört nie ganz auf, aber es wird besser, auch wenn du es dir gerade nicht vorstellen kannst.

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Ihr Lieben, es wird nicht besser. In meinem Unterbewusstsein lebt er noch immer und ich werde bis zu meinem Lebensende auf ihn warten.

Ich ergänze:

… und S. hatte vielleicht erwartet (oder zumindest gehofft), dass seine guten Freunde seine Entscheidung, nicht über seinen Zustand zu sprechen, respektieren, wenn sie von seinem Tod erfahren haben.

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Noch ein Nachtrag hierzu

Ich habe selbst eine unheilbare (aber nicht mittelbar tödliche) Krankheit. Das erzähle ich nicht jedem. Die engste Familie und ein paar sehr gute Freunde, die ich seit mehreren Jahrzehnten kenne, wissen es in allen Facetten, wir kennen uns einfach schon so lange, dass wir wirklich kaum ‚Geheimnisse‘ voreinander haben. Viel mehr Leute (die ich auch zum Teil sehr, sehr lange kenne) wissen es nicht, man sieht es mir auch nicht an. Warum? Ich will nicht in Watte gepackt werden, ich will keine komischen Therapievorschläge bekommen, ich will nicht als ‚die Kranke‘ da stehen, ich will einfach nicht darüber reden, denn ich will nicht, dass meine Krankheit noch mehr Macht über mein Leben bekommt (ich könnte noch einige Gründe mehr anführen, aber das wird zu persönlich).

Das hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun - ich lüge deswegen niemanden an, es ist einfach etwas sehr persönliches und geht die wenigsten etwas an.

Das mal von der anderen Seite als Betroffene einer chronischen Krankheit.

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Sehr egoistisch, Respekt. Es ist jedermanns höchstpersönliche Sache, wie er mit so etwas umgeht und nur, weil Du Dir wünschst, er hätte etwas gesagt, wird es nicht richtiger, ihm nun postum Vorwürfe zu machen. Und vielleicht hat er Dir auch schon deshalb nichts gesagt, weil er Deine Reaktion erahnt hat und ihm diese nicht gefiel.

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Er hat mir etwas versprochen, worüber ich nicht reden möchte. Aber das war schon ein Zeichen von Vertrauen, von daher finde ich sein Verhalten echt daneben.

Johanna, du führst Selbstgespräche! Was andere schreiben, kommt gar nicht bei dir an! Auf diese Weise drehst du dich im Kreis, ohne das sich etwas ändert. (Ok, ich weiß, auch dieser Beitrag wird dich nicht erreichen)

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Weil ich es nicht so sehe.

Hallo Johanna,
ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber für mich liest sich deine Frage sehr vorwurfsvoll. Eine Diagnose zu erhalten, die bedeutet, dass man nicht mehr lange zu leben hat, ist für die/den Betroffene(n) nicht einfach zu verarbeiten und damit geht jeder Mensch anders um. Das ist für die hinterbliebenen Freunde sicherlich nur sehr schwer zu verstehen, dass die/der Betroffene vorher nichts gesagt hat (über die Gründe kann ich auch nur spekulieren) aber man muss diese Entscheidung der/der Betroffenen nun mal akzeptieren. Vielleicht hilft es dir ja ein wenig, wenn du jetzt weiterliest:
Ich habe vor fast 4 Jahren meiner Mutter an Pankreas-CA (Bauchspeicheldrüsenkrebs) verloren. Ich habe sie durch diese schwere, aber kurze Krankheit begleitet. Als meiner Mutter in meinem Beisein diese Diagnose mitgeteilt wurde, auch die Größe und Lage des Tumors, fragte sie nur: „wie lange noch?“ Ich wäre fast in Tränen ausgebrochen. Die Ärztin sagte ihr, dass sie diese Frage nicht beantworten könne. Und sie hatte recht. Das können auch Ärzte nicht beantworten. Denn das können 6 Wochen sein oder auch nicht. Das habe ich meiner Mutter natürlich nicht gesagt sondern behielt es für mich. Mein Mann fragte mich schon, warum ich mir das antuen würde, als er sah, dass ich nach Krankheitsverläufen bezüglich Pankreas-CA recherchierte. Ich wollte einfach nur vorbereitet sein, wenn mir meine Mutter Fragen stellt; schließlich bin ich Arzthelferin. Mir blieb quasi nichts anderes übrig als für sie da zu sein, sie „aufzufangen“ (meinen Bruder nebenbei gleich mit, denn der kam damit so gar nicht klar). Wir gaben uns bei den täglichen Besuchen unserer Mutter im KH, später zu Hause (eine Woche), dann wieder im KH und zuletzt im Hospiz quasi die Türklinke in die Hand. Auch wollte meine Mutter nichts essen (ein Symptom bei Pankreas-CA: Appetitverlust). Aber ich schaffte es mit ihr zusammen die Hochzeitssuppe meiner Schwiegermama, dabei zwang ich sie zu nichts, wenn sie nicht mehr will (essen) will sie halt nicht mehr. Auch ließen mein Bruder und ich die Schmerzmedikation in Absprache mit den Ärzten auf die Maximaldosis erhöhen, denn unsere Mutter ist sehr gut im Schmerzen aushalten, aber das wollten wir nicht. Ich fragte sie, wen sie denn noch einmal sehen und sprechen möchte: meine Schwiegereltern durften sie besuchen, sowie auch die Schwester meines Mannes. Als unsere Mutter im Hospiz war, fragte ich sie ob sie nochmal mit ihrer Schwägerin in Bayern telefonieren möchte (die beiden haben immer 1 mal im Monat miteinander telefoniert). Auch das ermöglichte ich ihr und auch, dass sie meine beste Schulfreundin sehen wollte. Diese zeigte ihr Fotos von ihrem lütten Sohn. Und wir erzählten Geschichten von damals aus unserer Jugend, dabei schlackerten bei meinem Bruder die Ohren. Am nächsten Tag, als ich um 14.30 Uhr zu meiner Mutter ins Hospiz kam und sie wie immer mit Küsschen und herzlicher Umarmung begrüßen wollte, fand ich sie nicht mehr ansprechbar vor. Ich begrüßte sie trotzdem mit einem vorsichtigen Küsschen auf ihre Wange und sagte zu ihr, dass ich gleich wieder da sein werde, ich ganz schnell meinen Bruder und meinen Mann her zitiere. Es dauerte auch nicht lange, bis die beiden ankamen. Wie schnell, das möchte ich bis heute nicht wissen. Und jetzt mache ich es mal kurz: Als unsere Mutter für immer eingeschlafen ist, waren mein Bruder und ich anwesend, genauso wie sie sich das wünschte.
Und jetzt kommt der Punkt: Jemanden, den man von Herzen liebt für immer gehen zu lassen, ist echt nicht einfach. Aber ich habe den Wunsch meiner Mutter erfüllen können: sie starb im Beisein ihrer Kinder.

Liebe Johanna,
hast du schon mal darüber nachgedacht, dass dich die/der Betroffene nur schützen wollte, damit du all das Leid nicht mit ansehen musst? Egal wie man es dreht und wendet, ob man nun darüber Bescheid weiß, dass jemand stirbt oder nicht, es war, ist und wird immer schwer für die Hinterbliebenen sein. Vielleicht hilft es dir ein bisschen bei deiner Trauerbewältigung, wenn du dir diesen Link mal beachtest:

Als ich von der Diagnose meiner Mutter erfuhr, bin ich als ich wieder zu Hause war, erstmal auf den Balkon gegangen und habe unser halbes Dorf übergeschrien, ja ich habe all meinen Schmerz, meine Angst einfach herausgeschrien. Danach saß ich wie ein Häufchen Elend am Boden und habe geheult wie ein Schlosshund. Dann kam mein Mann zu mir, hob mich auf und ich schlug immer noch heulend auf seine Brust ein, doch mein Mann schaffte es, mich so festzuhalten, dass ich nicht mehr schlagen konnte. Ich musste meinen Emotionen einfach freien Lauf lassen.
Trauer empfindet jeder Mensch anders und seine Trauer sollte man auch leben. Nachdem meine Mutter verstorben ist, ging ich eine Zeit lang in Dunkelblau gekleidet zur Arbeit. Ja, ich bin sogar am nächsten Tag zur Arbeit erschienen, obwohl mir meine Chefin anbot, dass ich mir so viel Zeit nehmen könnte, wie ich benötige. Aber ich wollte arbeiten, denn zu Hause wäre ich nur ins Grübeln gekommen, was ich eh schon tat: habe ich alles richtig gemacht, hätte ich als Arzthelferin nicht erkennen müssen, dass hinter den Beschwerden meiner Mutter eine sehr ernsthafte Erkrankung steckt, ich erkenne doch sonst ernsthafte Erkrankungen usw., usw. Auch meine Freunde standen mir zu dieser Zeit hilfreich zur Seite: wenn ich reden wollte, waren sie da und hörten mir zu. Wenn ich heulen wollte, dann nahm ich das Kuschelkissen meiner Mutter, legte mich ins Bett und heulte. Die Trauerarbeit braucht Zeit, viel Zeit und erfordert auch ganz viel Kraft. Ich trug damals deshalb Dunkelblau, weil ich auf der Arbeit nicht angesprochen werden wollte, was womöglich, wenn ich Schwarz getragen hätte, der Fall gewesen wäre. Das erste Weihnachten (meine Mutter starb im Herbst) war schrecklich, denn ich ertrug keine Weihnachtslieder. Die Schwester meines Mannes drohte mir, indem sie zu mir sagte:" verziehe dich jetzt bloß nicht in ein Schneckenhaus. Die Schwester meines Mannes ist examinierte Krankenschwester und arbeitet in einem hiesigen KH auf einer abdominellen und neurochirurgischen Intensivstation.

Liebe Johanna,
es bleibt mir dir nur eines zu Wünschen und das ist ganz viel Kraft bei der Trauerbewältigung. Und wenn du das Gefühl hast, darüber reden zu müssen, dann rede, z. B. mit Freunden, Familie oder wende dich an eine Trauerselbsthilfegruppe. Oder schreibe deine Empfindungen einfach auf, das habe ich auch gemacht.

LG Teichmann

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Hi, ja, du hast recht, aber :Jetzt bin ich diejenige, der es schlecht geht. Mein Freund wäre sehr traurig, wenn ich das starke Übergewicht, was ich momentan habe, nicht überlebte.

Hallo Johanna,
wie meinst du das?

Ich leide an Esssucht… Stasys fehlt mir so sehr.

Hallo Johanna,
an welcher Form der Essstörung leidest du denn?
Ist Stasys eine weibliche oder männliche Person, um dessen Verlust du so sehr trauerst, sodass sogar dein Freund Angst um dich hat?
Meine Mutter fehlt mir auch sehr. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke. Zu gerne möchte ich mich ihr mitteilen, sie war auch meine allerbeste Freundin.
Erinnerst du dich an Weihnachten 2004? Zu diesem Zeitpunkt befand sich eine sehr gute Freundin von meinem Mann und mir dort… Sie kam nicht zurück. Eine andere Freundin von mir hat ihren Brustkrebs überstanden. Ich selbst erhielt die Diagnose: Verdacht auf Brustkrebs, der sich „Gott sei Dank“ nicht bestätigte.

Liebe Johanna,
das Leben ist nun mal nicht einfach, es wird immer Höhen und Tiefen geben, aber das, was wir Menschen aus unseren Leben machen, das bleibt einzigartig und genau das unterscheidet uns von anderen Menschen und das ist auch gut so, denn sonst wäre das Leben ja langweilig.

Hi,

du solltest dir über ihr Profil die ganzen selbst gestarteten Threads, die sich nicht auf Englisch beziehen, anschauen, vielleicht siehst du einiges klarer!

Gruß
Christa

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Ein Mensch stirbt. Er wählt allein, wie er diesen Weg gehen möchte. Dein Gedanke, den Du immer wieder äußerst, ist, daß es DIR dabei schlecht geht. Nicht Du bist tot, nicht Du warst sterbenskrank, sondern er. Und Dich beschäftigt nur, wie es Dir dabei geht.

Mein Eindruck ist, daß sich Deine Gedankenwelt nur um Dich dreht. Daß andere Menschen allenfalls eine Rolle am Rande spielen. Der Mensch war Dein Freund und Du formulierst hier sinngemäß, daß er die Frechheit hatte, zu sterben, ohne Dich einzubeziehen und daß das ganz furchtbar ist, weil es Dich ganz allein und traurig zurückläßt. Dabei war er es, der wußte, daß er sterben wird und zwar bald.

Daß ich vermute, daß er es Dir absichtlich verschwieg, wie es ihm ging, weil er Deine egozentrische Sicht auf die Welt kannte oder erahnte, schrieb ich ja schon. An und für sich denken Menschen anders. Sie fühlen mit anderen, sie überlegen, wie es anderen geht und wie sie ihnen helfen können, mit einer Last zurechtzukommen. Du hingegen denkst nur an Dich - und bezeichnest Dich dabei noch als Freundin und siehst Dich als Opfer. Da paßt nichts zusammen.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Auto an meiner Heckklappe. Zumindest, wenn sich vor mir der Verkehr auf der linken Spur staute. Wenn Platz war, fiel der Typ mit seinem Auto zurück. So ging das über 10, 15 Kilometer. Nach einem Autobahndreieck beschleunigte ich zurückhaltend, weil die 80 km/h, die vorher galten, nicht mit einem Schild aufgehoben wurden. Wobei ich die Strecke kenne: kommt man aus einer anderen Richtung, gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Wie dem auch sei: der Typ sah seine Chance, beschleunigte und als ich zehn Kilometer später an das nächste Autobahndreieck kam, lag das Auto in Bröseln vor einer Brücke. Fahrer tot, Beifahrer im kritischen Zustand.

Seitdem denke ich ab und an darüber nach, was die beiden in den letzten Sekunden dachten, wie es den Eltern geht und wieso sich der Fahrer dazu verleiten ließ, so schnell zu fahren, daß er die Kontrolle verlor. Und die beiden Jungs kannte ich nicht. Wieso ist es für mich normal, über die beiden nachzudenken, über deren Eltern und Freunde, während Du beim Tod Deines Freundes nur an Dich denkst?

Hast Du darauf eine Antwort?

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Hallo Christa,

Habe ich versucht, bin aber nicht wirklich schlauer.
Ich finde Johanna sehr ich-bezogen.

Warum siehst du es so nicht?

Hallo Christa:
ich beginne langsam zu verstehen…