Hallo!
Weil es im Thread damit etwas drunter und drüber ging, möchte ich hier nochmal eins Anmerkung machen zur Frage:
Was erklärt die Naturwissenschaft?
Es gibt zwei Interpretationen des Begriffs „Erklärung“, die hier oft durcheinandergeworfen werden:
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Erklärung im Sinne von Beschreibungen liefern, mit deren Hilfe korrekte Voraussagen über Beobachtungen gemacht werden können (im Prinzip: Zusammenhänge herstellen) und
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Erklärung im Sinne von verstandesgemäß (subjektiv) nachvollziehbaren Begründungen (die nicht notwendigerweise korrekte vorhersagen über Beobachtungen erlauben müssen).
Leider sind beide Interpretationen Krücken und gehen zudem im Gebrauch auch noch fließend ineinander über.
Wenn man diese Interpretationen in Bezug zur Naturwissenschaft betrachtet, kommt hier nir Variante 1) in Frage. Am besten jedoch benutzt man Wörter wie „Erklärung“ im Zusammenhang mit Naturwissenschaft garnicht. Alternativ sollte man die Wörter „Beschreibung“ und „Modellbildung“ benutzen.
Beispiel: Newtons Gravitationsgesetze erklären nicht die Gravitation, weder ihre Existenz noch ihren Charakter, sie beschreiben eine Wirkung. Diese Beschreibung erfolgt im Rahmen eines Modells. Dieses Modell ermöglicht nach Kenntnis verschiedener messbarer Größen andere theoretisch messbare Größen korrekt zu bestimmen (vorherzusagen). Für das Modell ist es unerheblich, ob es sowas wie „Gravitation“ real überhaupt gibt. Mithin kann sich die Theorie auch nicht anmaßen zu erklären , was Gravitation ist. Sie beschreibt nur quantifizierbare Zusammenhänge zwischen messbaren Größen (sie stellt einen Bezug her zwischen Massen und Impulsänderungen… wobei nichtmal die Größen „Massen“ und „Impuls“ real existieren müssen; es sind auch nur Modellparameter, die sich duch Beobachtung [messen] indirekt aber eindeutig und reproduzierbar charakterisieren lassen).
Das ist alles sehr abstrakt. So ist auch der philosophische Schluß aller Naturwissenschaft der, dass wir über die wirkliche Welt nichts wirklich wissen (können!). Das Entscheidende an der Naturwissenschaft ist nicht der philosophische Erkenntnisgewinn, sondern die Brauchbarkeit der Modelle für praktische Anwendungen. Newtons Modelle über Raum, Zeit und Gravitation mögen die Wirklichkeit nicht abbilden, aber sie erlaub(t)en die erfolgreiche Anwendung in vielen Gebieten (Ballistik, Raketentechnik, Mechanik allgemein, usw).
Eine lehrreiches Beispiel ist hier die Quantenmechanik. Quantenmechanische Modelle sind meist zutiefst unanschaulich und entziehen sich einer verständlichen Erklärbarkeit (im Sinne von Punkt 2 oben). Nichtsdestotrotz liefern diese Modelle erstaunlich gute Vorhersagen für sehr viele Beobachtungen. Gerade Zusammenhänge wie „Kausalität“ kommen aber in diesen Modellen nicht vor, weil die zentrale Größe, die Kausalität in unserem Verständnis fordert, nämlich die in Newtons Modellen noch so wichtige Zeit, in der Quantenmechanik nicht auftaucht. Zusammefassend könnte man also sagen „diese Modelle Erklären alles ganz wunderbar gemäß Punkt 1) und überhaupt nichts gemäß Punkt 2)“. Oder einfacher „diese Modelle sind hervorragende Beschreibungen, sie erklären (uns) aber nichts“.
Demgegenüber stehen zB. Religionen, welche Erklärungen liefern, die aber oft praktisch nichts beschreiben (also korrekt vorhersagen können).
LG
Jochen