Hallo Romana!
Brauchst Du noch mehr Härten bis
Du selbst zusammenbrichst?
Ich verstehe nicht, was erstrebenswert daran ist,
zusammenzubrechen.
Nichts ist an einem Zusammenbruch erstrebenswert. Doch steht
der nicht an, wenn man sich auf Dauer zuviel zumutet und sich
ständig überlastet? Das Bild habe ich bei Dir.
Ich habe mich im letzten Monat nicht freiwillig überfordert, und zum Glück war dieser Stress auch eine Ausnahme.
Vielleicht
täusche ich mich. Doch was steckt hinter Deinen Seufzern?
Das *seufz* habe ich als Zeichen hingesetzt, damit Ihr wisst, was mich belastet hat.
So stand zum Beispiel hinter der Blinddarmentzündung ein *seufz*, hinter der Operation aber nicht mehr, weil ich mir gar nicht erlaubt habe, mir Sorgen um den Ausgang der Operation zu machen. Wie Du sicher schon bemerkt hast, bin ich eine tief gläubige Frau, und so habe ich die Sorgen einfach auf Gott abgewälzt.
Erstrebenswert ist sich abzugrenzen, sich selbst was Gutes zu
tun, das Leben zu genießen, das Leben und sich selbst zu
lieben und daraus Lebensenergie, Lebenskraft zu schöpfen.
Wer sagt Dir, dass ich nicht die Sonnenstrahlen und den Vogelggesang genossen habe? Wer sagt Dir, dass ich nicht in einem Gespräch, wo ich mir alles von der Seele reden konnte, Kraft schöpfen konnte? Wer sagt Dir, dass ich mich nicht geliebt habe, indem ich bewusst jeden freien Augenblick genutzt habe, mich zu entspannen?
Scheinbar nimmst Du andere Menschen wichtiger als Dich selbst.
Längerfristig schadest Du nicht nur Dir selbst sondern auch
den anderen Menschen, insbesondere cLieben damit.
Ich habe vier Wochen lang(!!!) nur durchhalten können, indem ich mich auch selbst wichtig genommen habe. In der fünften Woche, als es dann kritisch wurde, habe ich Prioritäten gesetzt: Ich will fit sein für meinen Sohn im Krankenhaus. Alle anderen Aufgaben habe ich an die Gesunden und Rekonvaleszenten abgetreten. Harald mit seiner noch nicht ausgeheilten Lungenentzündung hätte ja nicht ins Krankenhaus dürfen.
Um nur ein Beispiel zu nennen, Dein Leben mal andes
handzuhaben, nachdem Dir scheinbar andere Menschen wichtiger
sind als Du Dir selbst: das was Du Deinen Kindern vorlebst,
wird sie prägen für ihr eigenes Leben. Möchtest Du, daß sie
auch so seufzen wie Du?
Ich habe nicht geseufzt. Ich habe die Belastungen vier Wochen lang gut gemanagt. In der fünften Woche habe ich umorganisiert und alle Aufgaben bis auf den Krankenhausbesuch delegiert. Und ich hoffe, die Kinder haben sich das von mir abgeschaut.
Was denkst Du wie Deine Kinder bzw. Dein Mann Dich sehen bzw.
über Dich denken? Denkst Du, ihnen gefällt was sie sehen? Was
möchtest Du, daß sie sehen, wenn sie ihre Mutter respektive
die Ehefrau ansehen?
Ich denke, es gefällt ihnen besser, als sie würden eine
zusammengebrochene Mutter und Ehefrau sehen.
Was sehen Deine Kinder? Was sieht Dein Mann?
Mein Mann ist stolz auf mich. Er sieht in mir eine starke Frau, die sich tapfer geschlagen hat, und die jede neue Belastung mit Fassung aufgenommen hat, ohne auch nur ein einziges Mal die Nerven wegzuschmeißen. Ich habe nicht geheult (außer in der Zeit zwischen dem Tod meines Vaters und der Beerdigung, aber das war nur die Trauerarbeit, nicht, weil ich ein Nervenbündel war).
Er bietet mir soeben an, Dir das selbst zu sagen, wenn Du es nicht glauben willst. *grins*
Du hast ein Recht auf Hilfe, auf Unterstützung. Einstweilen
hole Dir eine Hilfe, sei es privat oder z.B. von der
Krankenkasse. (…)
Ich habe heute versucht, eine Familienhelferin zu kriegen,
aber die waren ausgebucht.
Auch wenn es Dir schwer fällt, sogar unmöglich erscheint, rufe
dort noch mal an und frage nach Alternativen und fordere eine
Lösung, mach die Driglichkeit Deiner Situation klar. Laß’ Dich
nicht abweisen. Sei egoistisch für Dich und Deine Familie.
Meine Kinder haben diese Woche Ferien, ich werde sie tüchtig einteilen zur Arbeit. Das schweißt auch die Familie zusammen. 
Meinem Verständnis vom Leben nach, wird es vermutlich noch
dicker kommen, wenn Du keine Kurskorrektur vornimmst und
lernst liebevoller mit Dir selbst umzugehen.
Ich denke nicht, dass es in Notzeiten dran ist, nur an sich
selbst zu denken und sich zu pflegen.
So wollte ich nicht verstanden wissen. Ist Egoismus bei Dir
nur negativ besetzt oder kannst Du dem auch was Positives
abgewinnen? Ich gehe davon aus, daß je weniger man sich um
sich selbst sorgt bzw. sorgen kann, man sich auch umso weniger
um andere sorgen kann. Folglich kommt erst mal die
Selbstversorgung, die Selbstliebe.
Meine Kräfte einzuteilen, habe ich mit dem Fortschreiten des Rheuma gelernt. Ich setze mich jetzt auch oft ohne schlechten Gewissens an den Computer. Meine Ruhezeiten halte ich ein, weil es niemandem dient, wenn ich mich übernehme.
Kannst Du einen Teil Deiner
Verantwortung auch delegieren? Mußt Du für soviel
verantwortlich sein wie Du meinst sein zu müssen?
Ich hab gestern mit der Frau meines Pastors telefoniert, und sie hat mir eindringlich geraten, mehr Hausarbeit an die Kinder zu delegieren.
Das will ich jetzt machen, und die vor uns liegende Ferienwoche gibt mir eine gute Startgelegenheit dazu.
Hanna
*dienichtweißobsiedichüberhauptrichtigverstandenhat*
Ich fühle mich oft mißverstanden. Du schürst gerade den
Gedanken, gleichwohl es sich gerade in den letzten Monaten
gebessert hat. Mir scheint oft, daß ich eine andere Sprache
spreche. Ich wünsche mir, richtig bei Dir angekommen zu sein.
Ansonsten höre mit dem Herzen zu. 
Romana, dieses Gefühl kenne ich nur allzu gut! Auch ich denke oft, ganz klar und eindeutig formuliert zu haben, sodass man gar nichts anderes herauslesen kann - und trotzdem versteht man mich manchmal nicht! So hast Du ja zum Beispiel das, was als optisches „Das-habe-ich-als-Belastung-empfunden“-*seufz* gesetzt war, als seufzen ausgelegt!!!
Ich wünsche Dir und mir, dass wir uns so ausdrücken können, dass uns niemand mehr missversteht! 
Lieben Gruß
Hanna