Wohlstand durch Zuwanderung

Hallo Hans-Jürgen,

Ich referiere über eine wissenschaftliche Studie des BCG,

Hast du die ganze Studie gelesen und einen Faktencheck gemacht oder glaubst du alles was die schreiben?
Was ist z.B. mit „deiner“ Grafik 1 . Sind die Zahlen korrekt?

Diese positiven Folgen von Diversität sind nicht auf die Zuwanderungsländer beschränkt. Sie wirken sich auch auf die Abwanderungsländer aus.

Warum ist das so?

Gruß
Pontius

Hallo Pontius,

danke für Dein Feedback.

Weder ist es so, dass ich die gesamte Untersuchung gelesen habe, (sie ist noch gar nicht veröffentlicht). Noch glaube ich ohne weiteres die Zahlen. Da muss man dranbleiben. Wie sie zu verifizieren wären kann man nur sagen, wenn man weiss, wie sie ermittelt wurden.

Schon überhaupt nicht nachprüfen lassen sich die Zahlen der Tabelle 1. Der Sachverhalt als solcher mag stimmen, aber kann man das in dieser Weise an Prozentzahlen festmachen?

Deine Warum-Frage beantwortet BCG wie folgt: Migration ist keine Einbahnstraße. Viele Migranten kehren in ihre Heimatländer zurück. Sie bringen neues Wissen und Fertigkeiten mit. Auch aus dem Ausland fördern sie mit Know How und Geld die wirtschaftliche Entwicklung im Heimatland. Das überwiegt letztlich die Nachteile.

Unstreitig sind für mich die positiven Effekte von Diversität, die hohe Gründeraktivität, besonders wenn Menschen mit hohem Bildungsabschluss geworben werden.

Gruß. Hans-Jürgen Schneider

Kein Wunder, dass du diese wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ansprichst. Scheint ja demnach alles wunderbar erwiesen und belegt zu sein.

:face_with_monocle:Dazu wüsste ich allerdings doch gerne mehr

Tut mir leid, Raketchen,

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Du eine Brexit-„Analyse“ mit Lob überschüttet hast. Es war einer der fundiertesten Texte, die ich je bei www gelesen habe. Auch wenn nichts davon jemals eintraf. Ultra war offensichtlich intelligent genug, so zu formulieren, dass Du seine Texte verstehen konntest.

Ich bin längst nicht so intelligent. Wo hast Du denn empirische Sozialforschung studiert? Setz Dich doch mal wissenschaftlich mit Diversiät, Problemlösungsheuristik und Talentflucht auseinander. Dazu gibt es jede Menge Literatur.

.Dann sehen wir vielleicht mal einen Text, dersich inhaltlich mit dem Phänomen Migration befasst.

Der Beitrag, auf den du dich beziehst, entstammt doch offensichtlich dem kostenpflichtigen Teil des Welt-Online-Angebots. Wie wäre es, wenn du den Text mal zur Verfügung stellst?

In dem Zusammenhang hatte die Welt nämlich schon einmal etwas geschrieben, was m.E. nicht unwichtig ist:

Ökonomen sind noch uneins über den langfristigen Effekt von Migration auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung. Doch der Erstkontakt vieler Migranten mit dem deutschen Arbeitsmarkt zeigt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zumindest kurzfristig werden vor allem Asylbewerber von außerhalb Europas die Armutsquote in vielen Kommunen merklich erhöhen.…*
Während Südeuropäer sich relativ gut und schnell in den Jobmarkt integrieren, lässt sich das für andere Bevölkerungsgruppen nicht sagen. Wie die Zahlen der Bundesagentur zeigen, ist das Bild bei Zuwanderern aus Osteuropa durchwachsen. Bei Rumänen und Ungarn liegt die Arbeitslosenquote nur einige Punkte über derjenigen deutscher Staatsbürger in Höhe von rund sechs Prozent…
Das Gros der Flüchtlinge mehrt folglich zunächst das Heer der Sozialhilfeempfänger. So verzeichnen die in Deutschland lebenden Syrer eine Hartz-IV-Quote von 75 Prozent. Ähnliche, wenngleich nicht ganz so dramatische Zahlen gibt es bei Menschen aus dem Irak und aus Eritrea. Diese Ziffer bezieht sich nicht auf Schutzsuchende, die in Sammelunterkünften wohnen, sondern einen eigenen Haushalt bilden.

Kritiker warnen vor einer Zuwanderung in die Sozialsysteme. Tatsächlich offenbart ein Blick auf die längerfristige Entwicklung, dass Ausländer einen immer größeren Teil der Sozialhilfeempfänger in Deutschland bilden. Hatten 2011 erst 19 Prozent der Hartz-IV-Empfänger eine ausländische Nationalität, so betrug die Quote 2016 bereits 27 Prozent…
Die langfristigen Kosten hängen sehr stark davon ab, wie gut oder schlecht uns die Integration gelingt“, sagt Ifo-Wissenschaftler Poutvaara. Prinzipiell können Migranten eine Volkswirtschaft durch ihre Arbeitskraft und ihr Wissen beleben. Im Falle der Flüchtlinge ist Poutvaara allerdings nicht allzu optimistisch, dass das auf absehbare Zeit der Fall sein wird: „Leider muss man erwarten, dass die fiskalischen Folgen auch auf lange Frist negativ sein werden.“

Von daher meine Frage, was sich in den Erkenntnissen geändert haben könnte, wenn unsere Volkswirtschaft nun jährlich angeblich 69 Milliarden einstreichen soll. Sind in deiner dir vorliegenden Betrachtung überhaupt die Flüchtlinge mit drin?

Gruß
rakete

Das ist eine Bullshitstudie. Schon die erste Grafik beginnt mit einer Unterstellung, wenn nicht gar Lüge. Desweiteren zeigt sie, das der Autor unfähig oder wohl eher unwillig ist, seine Daten klar verständlich rüberzubringen.
Was zeigt der Graph? Wenn man sich die Zahlenpaare der jewiligen Jahre ansieht und aufaddiert kommt immer 100 raus. Das heisst es zeigt die örtliche Verteilung von Hochschabsolventen. Natürlich werden durch bessere Ausbildung in Indien, Afrika, Südamerika etc. in den nächsten Jahr mehr (zusätzliche) Hochschabsolventen dazukommen. Und durch den grösseren Bevölkerungspool werden das zahlenmässig mehr als in Europa, Usa und Japan sein.
Aber nur weil woanders zusätzliche Absolventen hinzukommen, muss das noch lange keinen Mangel in Europa bedeuten.
Da ist die Überschrift mindestens Irreführend und der abfallende Graph soll das dramatisch repräsentieren.
Man könnte die „Studie“ sicher noch weiter zerlegen, aber das spare ich mir. Allerdings würde ich darauf wetten, das später am Ende der Studie oder beiliegendem Material darauf hingewiesen wird dass die BCG eine führender Anbieter von Diversitätsschulungen für Unternehmen ist und auch weitere Mentorprogramme und Schulungen für die erfolgreiche Einbindung kulturfremder Hochschulabsolventen anbietet.

Einen älteren Artikel hast du nicht gefunden? :roll_eyes:

Hier mal was Aktuelleres:
https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-08/deutsches-institut-fuer-wirtschaftsforschung-integration-gefluechtete-arbeitsmarkt

Eine der Untersuchungen zeigt, dass sich die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt deutlich verbessert hat. Lag deren Erwerbsbeteiligung 2016 noch bei durchschnittlich 14 Prozent, ist dieser Wert 2018 auf 43 Prozent gestiegen.
[…]
Die meisten Geflüchteten gehören den Angaben zufolge zur gebildeteren Hälfte in ihrem jeweiligen Herkunftsland. Dazu zählen etwa 75 Prozent der nach Deutschland gekommenen Syrer. Sie sind die größte Gruppe unter den Asylsuchenden. Das könne sich positiv auf die Integration auswirken.
[…]
In den Schulen sind Kinder und Jugendliche geflüchteter Familien meist gut integriert. So äußern sie ein großes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule und nutzen überdurchschnittlich Ganztagsschulen und Hortangebote.
[…]
Eine weitere Studie zeigt nach Angaben der Wissenschaftler, dass die Angst vieler Deutscher durch den hohen Zuzug von Geflüchteten abgenommen hat. Der Anteil der Befragten, der sich „große Sorgen“ über Zuwanderung macht, sank demnach von 46 Prozent im Jahr 2016 auf 32 Prozent im Jahr 2018.

Die Richtung stimmt also. Man darf aber gerade jetzt nicht locker lassen und muss unbedingt aus den Fehlern der Integrationspolitik des letzten Jahrhunderts lernen.

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ich wollte einen Artikel der WELT nehmen, da dass Wohlstandsversprechen durch Zuwanderung offenbar einem WELT-Artikel entstammte.
Keine Frage, dass die Integration sich inzwischen etwas gebessert haben mag. Jedoch führt die Zunahme der Erwerbsbeteiligung nicht zu zwangsläufig zu einem volkswirtschaftlichen Gewinn von 69 Milliarden jährlich. Ich halte diese Zahlen für unrealistisch.

Hallo Rakete,

ich habe es versäumt, den Text des Artikels herunter zu laden, als er noch frei war. Leider habe ich ihn nur ausgedruckt. Sorry!

Aber eines kann ich Dir versichern: Der Bericht geht an keiner Stelle auf die Methoden ein, mit denen die Ergebnisse gewonnen wurden. Herrschaftswissen?

Eines zeigen Deine Ausführungen aber ganz klar: Es gibt in der Wissenschaft immer verschiedende Meinungen (Modelle, Schulen), die um Einfluss ringen. Fair geführt ist dieser Streit kein Makel, sondern geradezu konstituierendes Merkmal einer freien Forschung und Lehre. In Diktaturen gibt es solche intellektuellen Auseinandersetzungen an den Universitäten nicht.

Über die Studie der bcg habe ich geschrieben, weil die Ergebnisse der herrschenden Meinung frontal entgegenstehen. Zunächst machen einem die bloßen Zahlen schwindelig. So ein nacktes Zahlenwerk ohne Hinweise auf die Methodik kann nicht wirklich überzeugen. Warten wir also auf mehr Information.

Penegrins Antwort geht aber schon in eine andere Richtung als Deine etwas älteren Zahlen suggerieren. Wenn wir endlich die Deutschtümeleien im Einwanderungsrecht (Richtung Green Card) änderten, würde Deutschland in wesentlich höherem Maß profitieren. To my opinion.

Gruß, Hans-Jürgen Schneider

Danke, für deine versöhnliche Antwort. Je nach bevorzugtem Standpunkt wird es immer mal wieder Artikel geben, die die eigene Einschätzung scheinbar zu stützen scheinen. Nicht immer wird ein Artikel wirklich halten können, was er verspricht. Das gilt für dich und für mich auch.
Beste Grüße
Rakete

Die der Staat durch Nicht-Anerkennung dieser Abschlüsse zu verhindern weiß. Ich habe keine Studie gemacht, kenne einen Fall, während die meisten Schreiber hier gar keinen Fall zitieren.

Ein Arzt aus Afghanistan durfte nicht praktizieren und schlug sich mit Fußpflege durch.

Die der Staat durch Nicht-Anerkennung dieser Abschlüsse zu verhindern weiß.

Meinst du denn, dass Abschlüsse, die z.B. das Papier nicht wert sind, auf dem sie bescheinigt werden , auch diesen positiven Effekt bewirken oder bezweifelst du, dass es solche überhaupt gibt?

Ein Arzt aus Afghanistan durfte nicht praktizieren und schlug sich mit Fußpflege durch.

Ich kann nicht beurteilen, ob dieser Arzt qualifiziert genug wäre, auch hier seinen Beruf ausüben zu dürfen, finde es aber grundsätzlich richtig, dass im Zweifelsfalle die Qualifikation nicht nur anhand eines Papiers nachgewiesen werden muss.

Mein ausländischer Führerschein wurde in Deutschland auch nicht anerkannt. Ich musste die theoretische und praktische Prüfung erneut ablegen, nur Nacht- und Überlandfahrt blieben mir erspart.
Angesichts erneuten Aufwands für mich war ich verärgert, aber objektiv betrachtet, war es richtig, weil die ausländische Prüfung in meinem Fall im Vergleich zur inländischen lächerlich einfach war.

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