Manche mögen’s heiß
Hallo!
Ihr habt fast schon die Schreibe von solchen Leuten drauf, die
abseits der ``etablierten’’ Wissenschaft, die sich bei 0^0 unwissend
stellt, ihre eigene Lehre schaffen. So ein bißchen wie die Anti-
Relativisten oder jene, die nicht abkaufen wollen, daß das Atom
weitgehend leer ist, weil das dann ja zusammenfallen müßte.
: -)

Oh, da hat sich aber jemand mächtig auf die Palme bringen lassen
.
Im Ernst: Mein Posting hat offensichtlich einen Anschein erweckt,
den es überhaupt nicht sollte - mehr dazu weiter unten.
Zu Deinem nicht besonders schmeichelhaften Fast-Vergleich mit
„diesen Leuten“ kann ich nur sagen, daß es niemanden gibt, der die
Anti-Relativisten-, Anti-(Kopenhagener-Deutung-der-)Quantentheorie
und Pro-so-einfach-ist-das-alles-„Szene“ mehr verabscheut als ich.
Die Diskussion läuft ja schon eine ganze Weile.
Die bringt’s noch zum Laufzeit-Rekord im Wer-weiß-was…
Aber doch ein kurzer Kommentar:
- Statt x^x muß man ja auch a^x oder x^a für reelle a beim
Übergang x->0
beobachten dürfen; dabei wählt man dann ``zufällig’’ auch a=0.
Die Stetigkeit der Funktionen x^x, a^x und x^a für alle reellen a
an der Stelle x=0 ist widersprüchlich.
Klar, Stetigkeit und Grenzwert sind nicht eindeutig:
lim(x->0) (0^x) = 0, aber lim(x->0) (x^0) = 1.
Packen wir mal alles zusammen in eine einzige Funktion, die von zwei
Variablen abhängt: f(a,r) = a^r wobei a, r reell, >= 0.
Sehen wir uns deren „Werte-Gebirge“ an, so offenbart sich das Übel:
|
| a = 0 0.001 0.01 0.1 1 10
________|____________________________________________________
|
r = 0 | ??? 1 1 1 1 1
|
0.001 | 0 0.993 0.995 0.998 1 1.002
|
0.01 | 0 0.933 0.955 0.977 1 1.023
|
0.1 | 0 0.501 0.631 0.794 1 1.259
|
1 | 0 0.001 0.01 0.1 1 10
|
10 | 0 10^-30 10^-20 10^-10 1 10^10
|
Deutlicher kann man’s nicht sehen: An die Stelle (a=0, r=0) kann
man *keine* Zahl schreiben, so daß das Gebirge dort stetig wird.
Man muß daher etwas weniger fordern, i.d.R. verbietet man a=0.
Dann sind diese drei Funktionen für alle erlaubten a an der Stelle
x=0 stetig, was als kostbarer erscheint.
Ist dieses Argument wirklich stichhaltig? Natürlich kann man die
Stelle (a=0, r=0) einfach aus dem Definitionsbereich des Gebirges
ausklammern, aber ist eine Lücke wirklich besser als eine Unste-
tigkeitsstelle? Wenn Du die Frage bejahst - warum?
- Die kompakte Schreibung der binomischen Formel geschieht
gerade cum grano salis, in Wirklichkeit meint man doch die etwas
unschönere Version. Das Problem mit a=0 oder b=0 wird nicht
weiter thematisiert.
Ist es nötig, das so lax zu handhaben? Ich denke, wer die binomische
Formel in der Kompakt-Notation hinschreibt, hat zwei Möglichkeiten,
und sollte sich für eine davon entscheiden. Entweder er sagt: „Das
Ding gilt für alle a und b außer für a = 0 und b = 0“, oder er sagt
„… einschließlich a = 0 und b = 0, aber wenn auf der rechten Seite
mal 0^0-Ausdrücke auftauchen, dann müssen die tunlichst zu 1 verein-
facht werden“. Und ist die letztere Alternative nicht „schöner“?
Nähme man die kompakte Variante für 150%ig, hätte man ja
gerade den in 1) beschriebenen Widerspruch.
Na, oder man hätte einfach eine etwas „kranke“ Funktion 0^x, die über-
all Null ist, außer bei x = 0, wo sie 1 ist - so what?
Ich hoffe, wir sind uns alle darüber einig, daß man *keinen* Wert von
0^0 *streng beweisen* kann, also so, wie man z. B. beweisen kann, daß
eine Zahl genau dann durch 3 teilbar ist, wenn ihre Quersumme durch 3
teilbar ist. Das hat mein vorangehender Beitrag, glaube ich, nicht
rüberkommen lassen - sorry. Wenn’s so einen Beweis gäbe, dann hätten
wir ja hier auch nicht diese long-life-Diskussion!
Also: Die Aussage „Null hoch Null IST Eins“ ist eindeutig too strong.
Andererseits finde ich aber, daß es DOCH legitim ist, beim binomi-
schen Satz aus Gründen der Zweckmäßigkeit zu *fordern*, daß 0^0
gleich Eins ist. Und wenn ich es außerdem noch erstaunlich finde,
daß ich beim Auf-einer-geraden-Linie-Zulaufen auf den (a=0, r=0)-
Punkt im Gebirge immer bei Eins anlange, außer wenn ich von unten auf
der ersten Spalte anreise, dann kann das auch nicht so schlimm sein.
Eine eigene Lehre schaffen - nee, das wäre das letzte!
So, und jetzt kann ich nur noch hoffen, mit diesem viel zu länglichen
Beitrag mehr Probleme vernichtet als erzeugt zu haben.
Gruß
Martin