1. Hilfe bei Epilepsie

Hallo,

ich hätte da mal eine Frage:

Ein Bekannter von mir hat aufgrund einer Vernarbung im Gehirn gelegentlich epileptische Anfälle. Er muß gegen diese Anfälle täglich Tabletten nehmen. Dennoch hat er manchmal abgeschwächte Anfälle (oftmals, wenn ihn was beunruhigt und er tagelang am Grübeln ist). Diese „abgeschwächten“ Anfälle finde ich persönlich gar nicht so schwach. Leider steht man der Situation recht hilflos gegenüber. Er sagt, man könne bei solchem Anfall nicht helfen, sondern müßte warten bis er vorbei ist. Sollte er jedoch länger als ca. 10 Min. gehen, sollte man einen Notarzt holen.Dazu hat er gesagt, dass man evtl. darauf achten müßte, ob die Zunge durch Muskelerschlaffung nach hinten fällt.
Seitdem ich nun mal life einen Anfall erleben durfte, habe ich nun Panik, mit ihm etwas zu unternehmen. Wenn er mal nicht sofort auf meine Frage antwortet, oder starr in die Gegend guckt, gerate ich sofort in Panik, weil ich glaube, dass jetzt ein Anfall kommt.

Kann mir jemand sagen, wie man sich am besten bei solchen Anfall verhält? Nichts tun zu können, kann ich mir einfach nicht vorstellen.

Wäre schön, wenn ich ein paar Tipps bekäme.

Gruß,
Diana

Hi,

eine wirkliche Hilfe bin ich Dir jetzt zwar nicht, aber man lernt mit seiner Aufgabe!

Kürzlich ist der 2Jährige von einem Freund einfach so in den Suppenteller geklatscht…man hat vorangeganene Ereignisse noch mit Schusseligkeit abtun können, aber seit diesem Vorfal und einem darauffolgendem Besuch im KH ist es amtlich, der Junge hat Epilepsie.

14 Tage lang wurde er auf die Medikamente eingsetellt und ihm geht es soweit gut.
man weiss womit man rechnen kann.

Ich will Dir damit Mut machen, dass Du keine Angst zu haben brauchst und ganz sicher schnell weißt was Du tun kannst.
Aber ich bin sicher, Dir antworten noch mehrere.

Gruß
Maja

Hi!

Es gibt verschiedene Formen dieser epileptischen Anfälle, von kleinen bis hin zu großen. Ich nehme mal an, daß du mit deiner Formulierung einen generalisierten Krampfanfall meintest, wo derjenige heftig krampft…

Es stimmt, was dein Freund sagte, du kannst wirklich nicht viel mehr tun.

Wichtig ist aber in so einem Anfall den Krampfenden vor Verletzungen zu schützen. Oft sind es umliegende Gegenstände oder eine Wand z.b., woran sie stoßen.
Also könnte man z.b. denjenigen „polstern“: Jacke/Pulli an die jeweiligen gefährlichen Stellen legen oder wenn es möglich ist (!), denjenigen von der Wand o.ä. wegziehen. Oder wenn es Gegenstände sind z.b. wenn jemand zwischen Bürotisch und Sessel krampft dann den Sessel wegrücken.
Auf keinen Fall versuchen, denjenigen festzuhalten! Das schaffst du gar nicht und riskierst nur weitere Verletzungen, auch du selbst kannst dabei verletzt werden.

Wichtig ist auch die Betreuung nach dem Krampf, weil es dann zu einer allgemeinen Erschlaffung der Muskulatur kommt. Dabei kann z.b. die Zunge nach hinten fallen.
Um das zu verhindern, gibt es einen speziellen Handgriff ( http://www.uellenberger.ch/hp18z/esmarch.php ), aber einfacher ist es wohl, denjenigen auf die Seite zu drehen, v.a. wenn er noch nicht ganz wieder bei Bewußtsein ist, besser noch die stabile Seitenlage.
Bis er wieder „da“ ist, auch an Kälteschutz denken! Der Boden kann auch im Sommer den Körper ganz schön auskühlen…
P.S.: Die Decke o.ä. eher UNTER denjenigen legen :wink:

Bei manchen kündigt sich ein Krampfanfall vorher an, sie verspüren eine sogenannte Aura. In der Phase, also noch vor dem Krampf, sollte derjenige einen „sicheren“ Ort aufsuchen und sei es nur der Boden und einen Beißkeil oder ähnliches zwischen die Zähne legen.

Den Notarzt würde ich bei großen Krampfanfällen schon rufen. Schließlich kannst du selbst schwer einschätzen, was nun harmlos ist und wann eher ein Status epilepticus (nicht enden wollender Krampf) vorliegt.
Der Rat, erst den Notarzt nach 10 Minuten zu rufen, ist zwar eigentlich ok, aber bedenke dabei, daß der Rettungsdienst zwar die 8 Minuten Anfahrtszeit einhalten sollte, aber es nicht immer so klappt - erst recht nicht außerhalb…
Und lieber einmal zuviel gerufen, als zuwenig :wink:

Aber um dich zu beruhigen: epileptische Anfälle sehen immer hochdramatisch aus, gefährlich sind sie aber eher selten :wink:

Gruß,
Sharon

Hallo,
vielen Dank für die Ratschläge. Beruhigt einen ja doch etwas.

Es gibt verschiedene Formen dieser epileptischen Anfälle, von
kleinen bis hin zu großen. Ich nehme mal an, daß du mit deiner
Formulierung einen generalisierten Krampfanfall meintest, wo
derjenige heftig krampft…

Ja, meistens guckt er kurz „irre“, und dann gehen die Krämpfe auch schon los. Er ist dann nicht ansprechbar. Meistens fängt er auch ein wenig an zu sabbern, oder hat seinen „Schnupfen“ nicht mehr unter Kontrolle. Irgendwann hört es dann auf, aber dann ist er eine ganze Weile nicht ansprechbar. Wenn er dann wieder zu sich gekommen ist, macht er manchmal wirre Dinge, wie z.B. Eier ins Badezimmer bringen. Dann wird er wieder klar und wird furchtbar müde. Meistens schläft er dann einige Stunden ganz fest.

Es stimmt, was dein Freund sagte, du kannst wirklich nicht
viel mehr tun.

Das finde ich sehr erschreckend!

Wichtig ist aber in so einem Anfall den Krampfenden vor
Verletzungen zu schützen. Oft sind es umliegende Gegenstände
oder eine Wand z.b., woran sie stoßen.
Also könnte man z.b. denjenigen „polstern“: Jacke/Pulli an die
jeweiligen gefährlichen Stellen legen oder wenn es möglich ist
(!), denjenigen von der Wand o.ä. wegziehen. Oder wenn es
Gegenstände sind z.b. wenn jemand zwischen Bürotisch und
Sessel krampft dann den Sessel wegrücken.
Auf keinen Fall versuchen, denjenigen festzuhalten! Das
schaffst du gar nicht und riskierst nur weitere Verletzungen,
auch du selbst kannst dabei verletzt werden.

Welche Lage ist denn für den Krampfenden am ungefährlichsten? Sitzen oder liegen ?

Wichtig ist auch die Betreuung nach dem Krampf, weil es dann
zu einer allgemeinen Erschlaffung der Muskulatur kommt. Dabei
kann z.b. die Zunge nach hinten fallen.

Achso, ich dachte das würde während des Anfalles evtl. passieren.

Um das zu verhindern, gibt es einen speziellen Handgriff (
http://www.uellenberger.ch/hp18z/esmarch.php ), aber einfacher
ist es wohl, denjenigen auf die Seite zu drehen, v.a. wenn er
noch nicht ganz wieder bei Bewußtsein ist, besser noch die
stabile Seitenlage.

Der Griff sieht aber so aus, als könnte da die Zunge erst recht nach hinten fallen.

Bis er wieder „da“ ist, auch an Kälteschutz denken! Der Boden
kann auch im Sommer den Körper ganz schön auskühlen…
P.S.: Die Decke o.ä. eher UNTER denjenigen legen :wink:

Bei manchen kündigt sich ein Krampfanfall vorher an, sie
verspüren eine sogenannte Aura. In der Phase, also noch vor
dem Krampf, sollte derjenige einen „sicheren“ Ort aufsuchen
und sei es nur der Boden und einen Beißkeil oder ähnliches
zwischen die Zähne legen.

Leider wird er meistens von den Anfällen überrascht. Und ich habe gehört, dass ein Beißkeil auch nicht ungefährlich sein soll ?

Den Notarzt würde ich bei großen Krampfanfällen schon rufen.
Schließlich kannst du selbst schwer einschätzen, was nun
harmlos ist und wann eher ein Status epilepticus (nicht enden
wollender Krampf) vorliegt.

Genau, wie sieht ein großer denn aus ???
Also soll ich , wenn es passiert, auf alle Fälle einen Arzt rufen?

Der Rat, erst den Notarzt nach 10 Minuten zu rufen, ist zwar
eigentlich ok, aber bedenke dabei, daß der Rettungsdienst zwar
die 8 Minuten Anfahrtszeit einhalten sollte, aber es nicht
immer so klappt - erst recht nicht außerhalb…
Und lieber einmal zuviel gerufen, als zuwenig :wink:

Aber um dich zu beruhigen: epileptische Anfälle sehen immer
hochdramatisch aus, gefährlich sind sie aber eher selten :wink:

Ist aber nicht witzig mit anzusehen . Man hat ja Angst, dass er erstickt! Die Hilflosigkeit ist dann das Schlimmste!
Normalerweise hat er die Anfälle auch immer nur Zuhause. Vor einem Jahr allerdings, habe ich völlig unerwartet auch außerhalb einen mitbekommen.Seitdem mag ich gar nicht mehr gerne mit ihm irgendwo hingehen. Schon gar nicht mehr dahin, wo der Krampf stattfand!

Schönen Gruß,
Diana

Hallo Maja,

auch Dir vielen Dank für Deinen Beitrag!

eine wirkliche Hilfe bin ich Dir jetzt zwar nicht, aber man
lernt mit seiner Aufgabe!

Kürzlich ist der 2Jährige von einem Freund einfach so in den
Suppenteller geklatscht…man hat vorangeganene Ereignisse
noch mit Schusseligkeit abtun können, aber seit diesem Vorfal
und einem darauffolgendem Besuch im KH ist es amtlich, der
Junge hat Epilepsie.

Das ist ja furchtbar. Beim Kind ist man ja noch hilfloser!

14 Tage lang wurde er auf die Medikamente eingsetellt und ihm
geht es soweit gut.
man weiss womit man rechnen kann.

Ich will Dir damit Mut machen, dass Du keine Angst zu haben
brauchst und ganz sicher schnell weißt was Du tun kannst.
Aber ich bin sicher, Dir antworten noch mehrere.

Das ist lieb! Trotzdem gerate ich leicht in Panik! Einige Sachen meide ich auch lieber schon, wie z.B. Konzertbesuche. Er geht eigentlich gerne in Live-Konzerte, aber seitdem ich weiß, dass das Flackerlicht auch diese Krämpfe auslösen kann, gehe ich nicht mehr mit ihm dahin. Blöd nicht wahr ?

Gruß

Diana

Hi!

Ja, meistens guckt er kurz „irre“, und dann gehen die Krämpfe
auch schon los. Er ist dann nicht ansprechbar. Meistens fängt
er auch ein wenig an zu sabbern, oder hat seinen „Schnupfen“
nicht mehr unter Kontrolle. Irgendwann hört es dann auf, aber
dann ist er eine ganze Weile nicht ansprechbar. Wenn er dann
wieder zu sich gekommen ist, macht er manchmal wirre Dinge,
wie z.B. Eier ins Badezimmer bringen. Dann wird er wieder klar
und wird furchtbar müde. Meistens schläft er dann einige
Stunden ganz fest.

Irgendwie ist mir noch immer nicht klar, ob es sich dabei um einen großen Krampfanfall handelt oder eine der kleineren Formen…
Der Unterschied nochmal:
Beim großen („Grand mal“) fällt derjenige praktisch immer auf den Boden, zuckt und krampft heftig mit Armen und Beinen, teilweise kommt es zu Atemaussetzern.
Die kleineren zeigen eine große Spannbreite an Symptomen, dazu hören z.b. kurze Absencen (2-3 Sekunden, bei Kindern v.a.), Blickkrämpfe oder seltsame Dinge machen wie „Eier ins Badezimmer bringen“ oder anderes.

Entweder hat dein Freund beide Arten von Anfällen oder er ist nach dem großen Krampfanfall so daneben, daß er dann merkwürdig handelt…

Aber ob nun großer oder kleiner Anfall: Erste Regel lautet: für Sicherheit sorgen!
Zum großen Anfall schrieb ich ja schon einiges, beim kleinen gilt dasselbe, da die Personen z.b. plötzlich auf die Straße laufen können oder ähnliches - also niemals denjenigen während und nach dem Krampf alleine lassen!

Es stimmt, was dein Freund sagte, du kannst wirklich nicht
viel mehr tun.

Das finde ich sehr erschreckend!

Hm, ja, aber Ärzte können auch nicht viel tun…
Aber da der Anfall nicht lebensbedrohlich ist, MUSS man auch nicht unbedingt was tun. Für Sicherheit sorgen, nicht alleine lassen und das Ende des Krampfes abwarten ist das was man macht.

Welche Lage ist denn für den Krampfenden am ungefährlichsten?
Sitzen oder liegen ?

Wenn er anfängt zu krampfen, landet er auf dem Boden. Wenn er heftig zuckt wird er wohl kaum auf dem Stuhl sitzen bleiben und sich beim Sturz ev. Verletzungen zufügen…
Also: vorher auf den Boden legen!
Bett ist zwar weicher, aber auch vom (schmalen) Bett kann man fallen… :wink:

und noch ein Sicherheitstipp: vor/während dem Anfall Brille, brennende Zigarette o.ä. Gegenstände (Gabel/Messer beim Essen) abnehmen :wink:

Wichtig ist auch die Betreuung nach dem Krampf, weil es dann
zu einer allgemeinen Erschlaffung der Muskulatur kommt. Dabei
kann z.b. die Zunge nach hinten fallen.

Achso, ich dachte das würde während des Anfalles evtl.
passieren.

Nein, während des Anfalls bekommt derjenige wegen der Verkrampfung keine Luft, das hat nichts mit dem Zurückfallen der Zunge zu tun.
Das ist aber nicht weiter schlimm, solange der Krampfanfall nicht in den Status epilepticus übergeht. Warum das nicht schlimm ist, kopiere ich mal von einer Internetseite:

„Bei einem nach 3 Minuten endenden Grand mal ist dies nicht weiter dramatisch, der Betroffene nimmt keinen Schaden, auch wenn er während der Verkrampfungsphase bedrohlich blau (zyanotisch) im Gesicht wird. Gerade dieser Sauerstoffmangel ist es in der Regel, der die Nervenzellen dazu bringt, nicht länger überaktiv zu arbeiten, da ihnen im wahrsten Sinne des Wortes „die Luft ausgeht“. Auf diese Weise beendet sich der Anfall meist selber. Ist dies aber ausnahmsweise einmal nicht der Fall, muß umgehend ein Notarzt gerufen werden!“

Der Griff sieht aber so aus, als könnte da die Zunge erst
recht nach hinten fallen.

Nein, er verhindert das im Gegenteil :wink:
Aber wenn man unsicher ist und den Griff nicht richtig beherrscht, dann würde ich das lieber sein lassen - dreh ihn einfach auf die Seite, das reicht auch und du kannst - anders als beim Griff - nichts damit falsch machen! :wink:

Leider wird er meistens von den Anfällen überrascht. Und ich
habe gehört, dass ein Beißkeil auch nicht ungefährlich sein
soll ?

Ihn VORHER reinzutun ist ok und durchaus empfehlenswert. Aber während des Krampfes sein lassen! Dann bringts eh nichts mehr und ist fast unmöglich ihn reinzubekommen ohne Verletzungen…

Genau, wie sieht ein großer denn aus ???

Läßt sich schwer beschreiben, ich hab ein kleines Video gefunden, auf dem ein kurzer Anfall zu sehen ist und auch wie die Angehörigen erste Hilfe leisten:

(Du mußt auf „tonisch-clonische aanval“ klicken und dann auswählen, welche Qualität (kannst ruhig gute Qualität wählen, lädt sehr schnell). Die drei Links davor zeigen Videos von den kleinen Anfällen)
Der große Anfall auf dem Video ist zwar ein harmloser, weil sehr kurz und nur mäßige Krämpfe, aber was besseres hab ich leider nicht gefunden und vielleicht kannst du dir auch davon schon ein Bild machen :wink:
http://www.epilepsie.nl/index.php3?forcedoc=%2Fboek…

Bei diesem Anfall auf dem Video wäre ein Notarzt nicht nötig (bedenke, es war ein großer Anfall) - weil nur kurz gekrampft und auch nicht so heftig.
Sieht es schlimmer aus und dauert lange (>3-5 Minuten) rufst du besser einen Arzt!
Vielleicht hilft das zur Orientierung :wink:

Ist aber nicht witzig mit anzusehen . Man hat ja Angst, dass
er erstickt! Die Hilflosigkeit ist dann das Schlimmste!
Normalerweise hat er die Anfälle auch immer nur Zuhause. Vor
einem Jahr allerdings, habe ich völlig unerwartet auch
außerhalb einen mitbekommen.Seitdem mag ich gar nicht mehr
gerne mit ihm irgendwo hingehen. Schon gar nicht mehr dahin,
wo der Krampf stattfand!

Ich kann zwar sehr gut nachvollziehen, daß du unsicher bist und Angst hast, aber bedenke bitte folgendes: das Leben mit der Erkrankung ist für den Betroffenen nicht einfach und selbst wenn er „nur“ unter den kleinen Anfällen leidet, so ist das doch eine Art Stigmatisierung und Beeinträchtigung des sozialen Lebens!
Da ist es nicht gerade die feine Art, mit demjenigen nichts mehr zu unternehmen.
Rede am besten mit deinem Freund nochmal über deine Ängste, aber grenze ihn nicht aus!
Vielleicht kannst du dich auch mit seinen Eltern und Verwandten unterhalten, wie sie reagieren auf seine Anfälle, was sie tun. Vielleicht hilft dir das weiter :wink:

Und zu guter letzt noch ein Link zum nachlesen:
http://www.epilepsie.sh/Ersthelfer.37.0.html

Gruß,
Sharon

2 „Gefällt mir“

Hallo Sharon,

vielen Dank für Deine ausführliche Mühe! Das hat mir schon sehr geholfen!
Trotzdem kann ich Dir immer noch nicht sagen, ob es ein großer oder kleiner Krampf war. Es war eine Mischung aus beiden Videos!
Als ich das letzte Mal dabei war, saß er auf dem Stuhl. Seine Freundin meinte, dass dadurch der Krampf abgeschwächt wurde.Der Krampf dauerte wohl auch seine 3-4 Minuten, jedoch hat es jeder mitbekommen! Er zuckte auf dem Stuhl, schien Atemprobleme zu haben, hustete, sabberte und schniefte (recht glitschige Angelegenheit, die Leute haben sehr geglotzt!).Die Augen flackerten dabei hektisch hin und her, und er war nicht ansprechbar.Außerdem zuckte er mittelprächtig mit Armen und Beinen.
Nach dem er wieder zu sich kam, war er sehr verwirrt. Wir haben ihn mit dem Rollstuhl zum Auto gebracht. Während der Fahrt nach Hause, hat er nicht gesprochen. Erst als wir 20 Min. später da waren, war er wieder einigermaßen klar. Danach war er hundemüde und schlief ein paar Stunden! Er selber meinte, dass das ein recht harmloser Anfall war.

Ja, meistens guckt er kurz „irre“, und dann gehen die Krämpfe
auch schon los. Er ist dann nicht ansprechbar. Meistens fängt
er auch ein wenig an zu sabbern, oder hat seinen „Schnupfen“
nicht mehr unter Kontrolle. Irgendwann hört es dann auf, aber
dann ist er eine ganze Weile nicht ansprechbar. Wenn er dann
wieder zu sich gekommen ist, macht er manchmal wirre Dinge,
wie z.B. Eier ins Badezimmer bringen. Dann wird er wieder klar
und wird furchtbar müde. Meistens schläft er dann einige
Stunden ganz fest.

Irgendwie ist mir noch immer nicht klar, ob es sich dabei um
einen großen Krampfanfall handelt oder eine der kleineren
Formen…
Der Unterschied nochmal:
Beim großen („Grand mal“) fällt derjenige praktisch immer auf
den Boden, zuckt und krampft heftig mit Armen und Beinen,
teilweise kommt es zu Atemaussetzern.
Die kleineren zeigen eine große Spannbreite an Symptomen, dazu
hören z.b. kurze Absencen (2-3 Sekunden, bei Kindern v.a.),
Blickkrämpfe oder seltsame Dinge machen wie „Eier ins
Badezimmer bringen“ oder anderes.

Diese Symptome hat er nur nach einem Anfall!

Entweder hat dein Freund beide Arten von Anfällen oder er ist
nach dem großen Krampfanfall so daneben, daß er dann
merkwürdig handelt…

Aber ob nun großer oder kleiner Anfall: Erste Regel lautet:
für Sicherheit sorgen!
Zum großen Anfall schrieb ich ja schon einiges, beim kleinen
gilt dasselbe, da die Personen z.b. plötzlich auf die Straße
laufen können oder ähnliches - also niemals denjenigen während
und nach dem Krampf alleine lassen!

Es stimmt, was dein Freund sagte, du kannst wirklich nicht
viel mehr tun.

Das finde ich sehr erschreckend!

Hm, ja, aber Ärzte können auch nicht viel tun…
Aber da der Anfall nicht lebensbedrohlich ist, MUSS man auch
nicht unbedingt was tun. Für Sicherheit sorgen, nicht alleine
lassen und das Ende des Krampfes abwarten ist das was man
macht.

Ich dachte, Ärzte geben gleich ein wenig Diazepan, damit der Krampf aufhört?

Welche Lage ist denn für den Krampfenden am ungefährlichsten?
Sitzen oder liegen ?

Wenn er anfängt zu krampfen, landet er auf dem Boden. Wenn er
heftig zuckt wird er wohl kaum auf dem Stuhl sitzen bleiben
und sich beim Sturz ev. Verletzungen zufügen…
Also: vorher auf den Boden legen!
Bett ist zwar weicher, aber auch vom (schmalen) Bett kann man
fallen… :wink:

und noch ein Sicherheitstipp: vor/während dem Anfall Brille,
brennende Zigarette o.ä. Gegenstände (Gabel/Messer beim Essen)
abnehmen :wink:

Wichtig ist auch die Betreuung nach dem Krampf, weil es dann
zu einer allgemeinen Erschlaffung der Muskulatur kommt. Dabei
kann z.b. die Zunge nach hinten fallen.

Achso, ich dachte das würde während des Anfalles evtl.
passieren.

Nein, während des Anfalls bekommt derjenige wegen der
Verkrampfung keine Luft, das hat nichts mit dem Zurückfallen
der Zunge zu tun.
Das ist aber nicht weiter schlimm, solange der Krampfanfall
nicht in den Status epilepticus übergeht. Warum das nicht
schlimm ist, kopiere ich mal von einer Internetseite:

„Bei einem nach 3 Minuten endenden Grand mal ist dies nicht
weiter dramatisch, der Betroffene nimmt keinen Schaden, auch
wenn er während der Verkrampfungsphase bedrohlich blau
(zyanotisch) im Gesicht wird. Gerade dieser Sauerstoffmangel
ist es in der Regel, der die Nervenzellen dazu bringt, nicht
länger überaktiv zu arbeiten, da ihnen im wahrsten Sinne des
Wortes „die Luft ausgeht“. Auf diese Weise beendet sich der
Anfall meist selber. Ist dies aber ausnahmsweise einmal nicht
der Fall, muß umgehend ein Notarzt gerufen werden!“

Der Griff sieht aber so aus, als könnte da die Zunge erst
recht nach hinten fallen.

Nein, er verhindert das im Gegenteil :wink:
Aber wenn man unsicher ist und den Griff nicht richtig
beherrscht, dann würde ich das lieber sein lassen - dreh ihn
einfach auf die Seite, das reicht auch und du kannst - anders
als beim Griff - nichts damit falsch machen! :wink:

Leider wird er meistens von den Anfällen überrascht. Und ich
habe gehört, dass ein Beißkeil auch nicht ungefährlich sein
soll ?

Ihn VORHER reinzutun ist ok und durchaus empfehlenswert. Aber
während des Krampfes sein lassen! Dann bringts eh nichts mehr
und ist fast unmöglich ihn reinzubekommen ohne Verletzungen…

Leider sagt er, kündigen sich die Anfälle bei ihm nicht an, sondern überraschen ihn auch total!

Genau, wie sieht ein großer denn aus ???

Läßt sich schwer beschreiben, ich hab ein kleines Video
gefunden, auf dem ein kurzer Anfall zu sehen ist und auch wie
die Angehörigen erste Hilfe leisten:

(Du mußt auf „tonisch-clonische aanval“ klicken und dann
auswählen, welche Qualität (kannst ruhig gute Qualität wählen,
lädt sehr schnell). Die drei Links davor zeigen Videos von den
kleinen Anfällen)
Der große Anfall auf dem Video ist zwar ein harmloser, weil
sehr kurz und nur mäßige Krämpfe, aber was besseres hab ich
leider nicht gefunden und vielleicht kannst du dir auch davon
schon ein Bild machen :wink:
http://www.epilepsie.nl/index.php3?forcedoc=%2Fboek…

Bei diesem Anfall auf dem Video wäre ein Notarzt nicht nötig
(bedenke, es war ein großer Anfall) - weil nur kurz gekrampft
und auch nicht so heftig.
Sieht es schlimmer aus und dauert lange (>3-5 Minuten)
rufst du besser einen Arzt!
Vielleicht hilft das zur Orientierung :wink:

Aber so ein Notarzt braucht ja auch nochmal 10-15 Min.? Ist das nicht viel zu lang? Er hatte schon mal eine Reihe von Anfällen, ungefähr 5-6 hintereinander. Der Notarzt meinte dann, dass ihn einen mehr evtl. schon um die Ecke gebracht hätte.
Daher hätte ich Angst, den Arzt erst später zu rufen.

Ist aber nicht witzig mit anzusehen . Man hat ja Angst, dass
er erstickt! Die Hilflosigkeit ist dann das Schlimmste!
Normalerweise hat er die Anfälle auch immer nur Zuhause. Vor
einem Jahr allerdings, habe ich völlig unerwartet auch
außerhalb einen mitbekommen.Seitdem mag ich gar nicht mehr
gerne mit ihm irgendwo hingehen. Schon gar nicht mehr dahin,
wo der Krampf stattfand!

Ich kann zwar sehr gut nachvollziehen, daß du unsicher bist
und Angst hast, aber bedenke bitte folgendes: das Leben mit
der Erkrankung ist für den Betroffenen nicht einfach und
selbst wenn er „nur“ unter den kleinen Anfällen leidet, so ist
das doch eine Art Stigmatisierung und Beeinträchtigung des
sozialen Lebens!
Da ist es nicht gerade die feine Art, mit demjenigen nichts
mehr zu unternehmen.

Nein, ich weiß. Aber ich bin ja so ein Jammerlappen; sobald ich mich mit einer Situation überfordert fühle, bekomme ich Panik und mir wird schwindelig. Ich habe dann das Gefühl, als würde ich gleich ohnmächtig werden. Ich weiß, das hört sich echt albern an, ist aber leider so.

Rede am besten mit deinem Freund nochmal über deine Ängste,
aber grenze ihn nicht aus!
Vielleicht kannst du dich auch mit seinen Eltern und
Verwandten unterhalten, wie sie reagieren auf seine Anfälle,
was sie tun. Vielleicht hilft dir das weiter :wink:

Ja, angeblich auch ganz ruhig und behutsam. Was ich aber sah, war auch eher ein Panikverhalten :wink:

Und zu guter letzt noch ein Link zum nachlesen:
http://www.epilepsie.sh/Ersthelfer.37.0.html

Super, das war doch schon sehr hilfreich!

Vielen Dank nochmal und schönen Gruß,

Diana

Hi,

Danach war er hundemüde und schlief ein paar Stunden!

Total normal. Bedenk mal, wie anstrengend es sein muß, solche enomren Kräfte aufzuwenden…

Diese Symptome hat er nur nach einem Anfall!

Das ist auch völlig normal. Diese Entwicklung ist klassisch: Krampf - Verwirrtheit - Müdigkeit.

Hm, ja, aber Ärzte können auch nicht viel tun…
Aber da der Anfall nicht lebensbedrohlich ist, MUSS man auch
nicht unbedingt was tun. Für Sicherheit sorgen, nicht alleine
lassen und das Ende des Krampfes abwarten ist das was man
macht.

Ich dachte, Ärzte geben gleich ein wenig Diazepan, damit der
Krampf aufhört?

Nein, Quatsch, warum denn? Der Krampf hört meistens von selbst auf, warum dann noch den Patienten abschiessen? Beim status epilepticus allerdings, also wenn der Krampf nach vielen Minuten noch nicht vorbei ist, dann und nur dann gibt man Rivotril oder bei schwachen Krämpfen auch Diazepam.

Leider sagt er, kündigen sich die Anfälle bei ihm nicht an,
sondern überraschen ihn auch total!

Dann vergiß den Beißkeil. Vergiß ihn einfach. Der ist auch nicht so wichtig.

Aber so ein Notarzt braucht ja auch nochmal 10-15 Min.? Ist
das nicht viel zu lang? Er hatte schon mal eine Reihe von
Anfällen, ungefähr 5-6 hintereinander. Der Notarzt meinte
dann, dass ihn einen mehr evtl. schon um die Ecke gebracht
hätte.
Daher hätte ich Angst, den Arzt erst später zu rufen.

Nein, das ist schon okay. So schnell geht das nun auch nicht mit dem Sterben :smile:

Nein, ich weiß. Aber ich bin ja so ein Jammerlappen; sobald
ich mich mit einer Situation überfordert fühle, bekomme ich
Panik und mir wird schwindelig. Ich habe dann das Gefühl, als
würde ich gleich ohnmächtig werden. Ich weiß, das hört sich
echt albern an, ist aber leider so.

Ich hab einen Tip für Dich: Mach einen Erste Hilfe-Kurs bei einer der großen Hilfsorganisationen. Mach einen von den Zwei-Tages-Kursen… It’s no magic:

Erste Hilfe ist einfach.

Wirklich. Und wenn Du gut aufpasst, dann bist Du auch nicht mehr ganz so unsicher und sicher nicht mehr überfordert.

Nochmal:

Erste Hilfe ist einfach.

Im Gegensatz zu Sharon halte ich übrigens gar nichts vom Esmarch’schen Handgriff bei Krampf-Patienten - die Arbeitsgemeinschaft Erste Hilfe hält da btw. auch nichts von.

Viel einfacher, genauso effektiv und nicht so anstrengend ist die Stabile Seitenlage:

http://uploader.kitzingen.de/schwarzeadler/pfadis_al…

Merke:

Jeder Patient mit Atmung und Puls, aber OHNE Bewusstsein kommt in die Stabile Seitenlage!

Für diese Regel gibt es keine Ausnahme.

Gruß,

Malte.

Hi Malte :wink:

Im Gegensatz zu Sharon halte ich übrigens gar nichts vom
Esmarch’schen Handgriff bei Krampf-Patienten - die
Arbeitsgemeinschaft Erste Hilfe hält da btw. auch nichts von.
Viel einfacher, genauso effektiv und nicht so anstrengend ist
die Stabile Seitenlage:

Naaaa, ich bin natürlich ganz deiner Meinung und halte die stabile Seitenlage für die beste Maßnahme - ich dachte, ich hätte das auch so geschrieben, aber war wohl (mal wieder *argl*) nicht deutlich genug :wink:

Ich dachte, Ärzte geben gleich ein wenig Diazepan, damit der
Krampf aufhört?

Nein, Quatsch, warum denn? Der Krampf hört meistens von selbst
auf, warum dann noch den Patienten abschiessen?

Darüber streiten sich die Gelehrten. Im Grunde genommen bewirkt es nicht so viel, außer daß derjenige sich danach ausschläft - was auch nicht sooo unerwünscht ist, weil doch viele nach einem Krampf ziemlich „daneben“ sind und dumme Sachen anstellen… (und sich damit auch gefährden können)
Der Status ist natürlich 'ne andere Geschichte…

Gruß und *gääähn* (aber nich’ über dein Posting, das war gut :wink:)
Sharon

Hallo Ihr,

ich denke, Ihr habt mir ´ne Menge geholfen! Werde den Rat bezüglich eines 1.Hilfe-Kurses befolgen (ist wohl das Beste :wink: ).

Also, vielen Dank nochmal für Eure Stellungsnahmen!

Gruß,
Diana