1. Weltkrieg-Dokureihe

Hallo!
Hätte mir eigentlich mehr vom ersten Teil erwartet.
In einer Sendung die Ostfront durchzukauen von 1914-1918 ist etwas schnell.
Ostfront ist eigentlich nicht ganz zutreffend- es war ja fast alles auf Tannenberg festgenagelt…
Wenn es nicht ein oder zwei Mal erwähnt worden wäre wüßte man gar nicht, dass auch Österreich- Ungarn im Osten gekämpft hat…
Vielleicht kommt da noch was in den anderen Folgen, dann fände ich aber die Struktur der Reihe etwas merkwürdig.

Hallo zurück,

vom Fernsehen ist wohl überhaupt nichts zu erwarten. Das kann man ihm aber kaum vorwerfen: Die Zuschauer sind´s wohl, die es so wollen. Wer würde sich denn einen Ostfrontfilm über 5 oder 6 Folgen anschauen? Wer interessiert sich denn für die Details? Kleine verdaubare Übersichts-Häppchen sind gefragt (nicht nur im Fernsehen)! Das allerdings ist besser als Nichts: Diejenigen die alles kennen und es sich anschauen, sagen „na ja“, die die wenig darüber kennen, bekommen einen Überblick.
Eins allerdings finde ich schlimm und lässt mich schon am Sinn solcher Sendungen zweifeln: Da werden zu manchen Vorgängen - z.B. die Zugfahrt Lenins durch D - minutenlang sich langsam drehende Dampflok-Räder und Kurbelstangen in Großaufnahme gezeigt … ätzend, nichts sagend, verdummend, ideenlos, wohl einfach nur billig gemacht, weil man sich die Mühe spart, andere Bilder aus dem Archiv zu holen.

Gruß, Stucki

Ja, ich habe mich auch etwas gewundert. Selten wurde mal eine Karte eingeblendet und wenn, dann war da außer der Landesgrenze und Danzig nix eingezeichnet.
Was ich zB nicht verstanden habe: War Tannenberg eine strategische Meisterleistung oder war es Zufall? Lag es nur an den unzureichenden Kommunikationsmitteln der russischen Armee? Wieviele Soldaten mit welchem Gerät standen sich denn Gegenüber?
Warum überhaupt haben die Russen schneller mobil machen können?
Und während ich in Gedanken noch bei Tannenberg war, hat ja auch schon der Zar abgedankt :smile:
War alles etwas schnell und unübersichtlich. Was man eh schon so einigermaßen wußte wurde gezeigt, aber ohne Details die das Wissen hätten vertiefen können.
Naja, warten wir mal auf die anderen Folgen.

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Hallo zurück,

vom Fernsehen ist wohl überhaupt nichts zu erwarten. Das kann
man ihm aber kaum vorwerfen: Die Zuschauer sind´s wohl, die es
so wollen. Wer würde sich denn einen Ostfrontfilm über 5 oder
6 Folgen anschauen?

Tja da dürfte wohl leider einiges dran sein.
Ich hatte mich halt gefreut, dass nach den ewigen Dokus über den 2. Weltkrieg mal was über den Ersten kommt.
vielleicht gibt’s auch das Problem, dass zuwenige Filmaufnahmen erhalten bzw. gemacht wurden?
Ein Bisschen näher auf die Gründe für den Krieg einzugehen bzw. Krisen im vorfeld des Krieges zu behandeln hätte auch nicht geschadet.
Habe die Befürchtung, dass so mancher immer noch das Attentat von Sarajewo als Grund für den Krieg sieht…

Hi!

Was ich zB nicht verstanden habe: War Tannenberg eine
strategische Meisterleistung oder war es Zufall? Lag es nur an
den unzureichenden Kommunikationsmitteln der russischen Armee?

Tannenberg war kein Zufall. Ausschlaggebend war die deutsche Aufklärung, der es gelang, russische Meldungen mitzuhören (die Russen gaben ihre Befehle fast ausnahmslos im Klartext durch). Außerdem nutzten die Deutschen ihrer höhere Mobilität durch ausgebaute Straßen und vor allem Eisenbahnlinien.

Der Führung der 8.Armee war bekannt, dass die 1.Russ.Armee von Suwalki bis Gumbinnen vorgestoßen war (Abwehrschlacht vom 20.8.1914) und sich für einen weiteren Vormarsch neu formieren musste. Inzwischen war die von Süden auf Allenstein vorrückende 2.Russ.Armee aufgeklärt. Die 8.Armee löste sich von der 1.Russ. Armee, wurde über die Eisenbahnlinie Insterburg - Deutsch-Eylau in das südliche Ostpreußen verfrachtet und fiel dort der vorrückenden 2.Russ.Armee in die Flanke (die 2.Russ.Armee glaubte den Großteil der 8.Armee noch bei Insterburg/Gumbinnen).

Mangelhafte Kommandostruktur und Kommunikationswege der Russen führte zu einem heillosen Durcheinander und schließlich zur Einkesselung im Gebiet Lanna - Willenberg - Ortelsburg (26. - 30.8.1914).

Der Schock über die Niederlage saß bei den Russen so tief, dass sie sich nicht trauten, mit der 1.Russ.Armee weiter nach Ostpreußen vorzustoßen. Inzwischen hatte die 8.Armee Verstärkung erhalten und wandte sich der 1.Russ.Armee zu. Bei der Schlacht an den Masurischen Seen (8.-10.9.1914) wurde die 1.Russ.Armee schwer geschlagen.

Die Russen verloren in den beiden Schlachten über 220.000 Mann (Tote, Verwundete, Gefangene) und etwa 600 Geschütze. Damit waren alle russischen Operationen an ihrer Nordwestfront zusammengebrochen.

Wieviele Soldaten mit welchem Gerät standen sich denn
Gegenüber?

Auf deutscher Seite sollte die 8.Armee die gesamte Grenze von der Ostsee bis nach Schlesien verteidigen. Das war eigentlich ein Unding. In ganz Schlesien standen z.B. nur zwei Landwehrdivisionen mit ganzen 72 Geschützen. Der Hauptteil der 8.Armee war in Ostpreußen stationiert und sollte den erwarteten Vormarsch der Russen von Gumbinnen nach Königsberg bzw. von Allenstein nach Danzig stoppen.

Deutscherseits wird die 8.Armee mit etwa 150.000 - 170.000 Mann angegeben, die beiden russischen Armeen sollen aus etwa 250.000 - 300.000 Mann bestanden haben (Quellen nennen da unterschiedliche Zahlen).

Warum überhaupt haben die Russen schneller mobil machen
können?

Die Russen haben nicht schneller mobil gemacht, sie hatten an ihrer Westgrenze einfach mehr Truppen unter Waffen stehen. Außerdem sah der Schlieffen-Plan von Beginn an eine klare Vernachlässigung der Ostfront vor. Der Hauptgegner Frankreich sollte massivst angegriffen und binnen 42 Tagen überrannt werden. Dafür war man bereit, Teile Ost- und Westpreußens zu opfern. Bis die russische Mobilmachung in vollem Umfange greifen würde und die russischen Truppen aus dem Herzland an die Front kamen, würde es Wochen dauern. Bis dahin wäre der deutsche Westfeldzug beendet und die Truppen stünden dann zur Abwehr der russischen Dampfwalze zur Verfügung.

War alles etwas schnell und unübersichtlich. Was man eh schon
so einigermaßen wußte wurde gezeigt, aber ohne Details die das
Wissen hätten vertiefen können.

Stimmt. Das war arg schnell. Und vor allem ohne vernünftige Landkarten. Keine gute Aktion, den Ersten Weltkrieg mal etwas mehr in das Gedächtnis der Leute zu holen.

Grüße
Heinrich

Hallo nochmal,

Ich hatte mich halt gefreut, dass nach den ewigen Dokus über
den 2. Weltkrieg mal was über den Ersten kommt.
vielleicht gibt’s auch das Problem, dass zuwenige
Filmaufnahmen erhalten bzw. gemacht wurden?

Das glaube ich nicht. Der Film war zwar ein relativ junges Medium, aber auf sowas stürzen sich dann auch viele Leute und machen was damit. Besser als die von mir genannten „stampfenden Lokomotivräder und -stangen“ in modernster Farbtechnik wären Fotos mit entsprechenden Kommentaren gewesen, davon gibt´s genug.

Ein Bisschen näher auf die Gründe für den Krieg einzugehen
bzw. Krisen im vorfeld des Krieges zu behandeln hätte auch
nicht geschadet.

Das ist genau der Punkt. Alles war sehr, sehr verkürzt, die Wirklichkeit verzerrend dargestellt. Die politischen Ränkespiele aller europäischen Mächte sind nahezu gar nicht gebracht worden. Da sind die Postings mancher Leute hier im w-w-w schon beinahe informativer.

Habe die Befürchtung, dass so mancher immer noch das Attentat
von Sarajewo als Grund für den Krieg sieht…

Na ja, nicht „Grund“, aber Auslöser war es schon. Schon Jahrzehnte vorher haben viele in allen Ländern vom großen Krieg, der da irgendwann kommt, geredet. So war das Denken damals noch in vielen Köpfen. Irgendwer hat mal gesagt, „die Fürstenklasse Europas hat da völlig versagt“. Nein, sie hat nicht versagt, sie hat es bewusst herbeigeführt!

Gruß, Stucki

Danke
Wow, vielen Dank für die Info!

Gruß,
Heiko