1. WK und Kirche?

Hallo,

der 1. WK ist wieder in aller Medienmunde, viele Sendungen, viele Kommentare usw.
Nirgendwo aber habe ich etwas über die Rolle der Kirche gelesen:

  1. Wie stand sie zu dem Spruch „Gott mit uns“? Ist das nicht Frevel, Gotteslästerung? Auch in damaliger Zeit? Wie steht das zu dem, was in der Bibel steht?
  2. Was hat sie zu den grauenhaften Stellungskriegen und Massensterben gesagt? Zumindest die Kirchenführung sollte davon gewusst haben!

Gruß, Stucki

Hi,

der 1. WK ist wieder in aller Medienmunde, viele Sendungen,
viele Kommentare usw.
Nirgendwo aber habe ich etwas über die Rolle der Kirche
gelesen:

  1. Wie stand sie zu dem Spruch „Gott mit uns“? Ist das nicht
    Frevel, Gotteslästerung? Auch in damaliger Zeit? Wie steht das
    zu dem, was in der Bibel steht?
  2. Was hat sie zu den grauenhaften Stellungskriegen und
    Massensterben gesagt? Zumindest die Kirchenführung sollte
    davon gewusst haben!

In einer Biographie eines französischen Soldaten
aus der Elitedivision „Grossdeutschland“ ist da-
von die Rede, dass es einen (katholischen) Pfarrer
gab, der ohne Angst die Verwundeten unter feind-
lichem Feuer aus den vorderen Gräben nach hinten
schleppte und nicht erwartete, dafür besonderen
Dank zu erhalten. Nach besonders hartem Gefecht trank
der Pfarrer zur Nacht auch mal einen Schluck mit den
Soldaten, ansonsten hatte er vorwiegend mit dem
Gestorbenwerden zu tun (konfessionsübergreifend).

Das war im 2. WK, und im Ersten wird es nicht viel
anders gewesen sein.

Was willst Du wissen? Ob sich die Kirche damals so
„pazifistisch“ gab wie heute? Als Organisation?

Grüße

CMБ

Hallo,

In einer Biographie eines französischen Soldaten
aus der Elitedivision „Grossdeutschland“ ist da-
von die Rede, dass es einen (katholischen) Pfarrer
gab, der ohne Angst die Verwundeten unter feind-
lichem Feuer aus den vorderen Gräben nach hinten
schleppte und nicht erwartete, dafür besonderen
Dank zu erhalten. Nach besonders hartem Gefecht trank
der Pfarrer zur Nacht auch mal einen Schluck mit den
Soldaten, ansonsten hatte er vorwiegend mit dem
Gestorbenwerden zu tun (konfessionsübergreifend).

Ein Einzelfall, daher überhaupt nicht aussagekräftig.

Das war im 2. WK, und im Ersten wird es nicht viel
anders gewesen sein.

In Einzelfällen sicher.

Was willst Du wissen? Ob sich die Kirche damals so
„pazifistisch“ gab wie heute? Als Organisation?

Natürlich wollte er wissen was die Kirche - und damit ist natürlich die Organisation gemeint und kein einzelner Pfarrer - zu dem ganzen gesagt hat. Ob das richtig ist nach ihrer Auffassung usw usf…

mfg
deconstruct

Hi deconstruct,

In einer Biographie eines französischen Soldaten

Ein Einzelfall, daher überhaupt nicht aussagekräftig.

Das war im 2. WK, und im Ersten wird es nicht viel
anders gewesen sein.

In Einzelfällen sicher.

Meine Überspitzung ins Untergeordnete sollte den
Poster darauf hinweisen, dass es so etwas „Über-
geordnetes“ wie „die Kirche“ niemals gab und gibt.

Was die „herrschenden Konfessionen“ hierzulande
für 1914-1918 angeht, so bin ich ziemlich
sicher, dass der Soldat „offiziell“ vor dem
Kampf von beiden „für den Sieg“ der eigenen
Sache gesegnet werden konnte.

In der Bibel findet sich eine Begründung für
alles und jedes, damit ist also kaum zu
argumentieren.

Natürlich wollte er wissen was die Kirche - und damit ist
natürlich die Organisation gemeint und kein einzelner Pfarrer

  • zu dem ganzen gesagt hat. Ob das richtig ist nach ihrer
    Auffassung usw usf…

Eine „offizielle“ Kirche wird immer im Sinne der
Staatsmacht handeln, sonst ist die Kirche eben
nicht „offiziell“.

Auch heute sind die offiziellen Kirchen der Länder
immer für den Krieg der eigenen Nation, Spanien
und Polen haben das eindruckvoll im Irak gezeigt.

vgl. auch: http://www.imi-online.de/2003.php3?id=624

Grüße

CMБ

hi,

Meine Überspitzung ins Untergeordnete sollte den
Poster darauf hinweisen, dass es so etwas „Über-
geordnetes“ wie „die Kirche“ niemals gab und gibt.

Papst? Konzile? Weltkirchenrat? Bischofskonferenz? Bistümer? Pfarreien?
Also wenn das keine einheitliche Struktur ist, dann weiß ich nicht…
Im Zweifelsfall bestimmt sogar nur eine Person, wo’s langgeht und der sind alle anderen Institutionen unterstellt.
Ein Blick hierrein würde dir das verdeutlichen:
Codex Iuris Canonici, Can. 331
http://www.codex-iuris-canonici.de/

Diese Hierarchie gabs schon immer, zumindest in der katholischen Kirche. Das war im tiefsten Mittelalter schon so, das war im 1. Weltkrieg so und das ist auch heute noch so. Wobei die anderen Kirchen sicher auch hierarchisch aufgebaut sind.
Vielleicht hilft diese Lektüre weiter:
http://www.thueringen.de/de/lzt/histor/mittelalter/m…

Was die „herrschenden Konfessionen“ hierzulande
für 1914-1918 angeht, so bin ich ziemlich
sicher, dass der Soldat „offiziell“ vor dem
Kampf von beiden „für den Sieg“ der eigenen
Sache gesegnet werden konnte.

Darum gehts ja, wie sich die Kirche da verhalten hat. Aber „ziemlich sicher“ raten, bringt uns hier auch nicht weiter.

In der Bibel findet sich eine Begründung für
alles und jedes, damit ist also kaum zu
argumentieren.

??? Begründung für alles und jeden? Also das sehe ich anders, sonst wäre die Bibel ja total umsonst. Sie wurde nur - meist wissentlich - stark falsch interpretiert.

Eine „offizielle“ Kirche wird immer im Sinne der
Staatsmacht handeln, sonst ist die Kirche eben
nicht „offiziell“.

Die offizielle Kirche wird vom Vatikan geleitet, und das ist ein eigener Staat und hat zumindest mit Deutschland nichts am Hut.

Auch heute sind die offiziellen Kirchen der Länder
immer für den Krieg der eigenen Nation, Spanien
und Polen haben das eindruckvoll im Irak gezeigt.

Wat? In Spanien und Polen waren rund 90% der Bevölkerung strikt gegen diesen Krieg, genauso wie das die Kirchen der beiden Länder waren. Der Papst, die spanischen Bischöfe, die polnischen Bischöfe, die englischen Bischöfe, der Weltkirchenrat… Alle waren dagegen.
Die einzigen die dafür waren, waren die - z.T. schon abgelösten - Regierungen dieser Länder.
http://www.jesus.ch/www/index.php/D/article/152/7271/

mfg
deconstruct

Was, um Gotteswillen, ist denn WK ? Weltkongreß? Waffen-Kammer? Wüsten-Känguruh?
Mit diesen ewigen Abkürzungen hat man schon was auszuhalten…
Gruss, Branden

Moin, moin, Stucki,

seltsam, zu dem Thema habe ich überhaupt keine Literatur; das habe ich aber erst festgestellt, als ich nach Quellen suchte, mit deren Hilfe ich Deine Frage beantworten wollte. Ich muß also in den Fundus meiner Erinnerung hinabsteigen.
Natürlich gab es „die“ Kirche, mindestens auf evangelische Seite: die einzelnen Landeskirchen waren nämlich derart geordnet, daß sie mit den Grenzen der jeweiligen Landesherrschaft übereinstimmten. Am deutlichsten wird das in Preußen; da gab es die preußische Landeskirche, die in verschiedene Kirchenprovinzen unterteilt war. Oberhaupt der preußischen Landeskirche war der peußische König, und in dieser Eigenschaft hat z.B. Wilhelm II. jährlich einmal in der Garnisonskirche in Potsdam gepredigt. Bis 1852 gab es in Preußen nicht einmal eine eigene kirchliche oberste Leitungsinstanz, sondern die preußische Landeskirche wurde verwaltet vom Kultus-, vom Finanz- und vom Justizministerium. Die Pfarrer waren preußische Staatsbeamte, und erst 1852 wurde der Evangelische Oberkirchenrat gegründet. Das alles geht zurück auf Luther, der zwar der Meinung war, eine christliche Gemeinde habe das Recht, „alle Lehre zu beurteilen, Lehrer ein- und abzusetzen“, der ihr aber die Reife und Selbständigkeit dafür nicht zutraute und deswegen die Landesherren als „Notbischöfe“ einsetzte. Hinzu kommt, daß Römer 13 (Alle Obrigkeit kommt von Gott etc.) als metaphysische Begründung des Staates verstanden wurde. Insofern kann man also eine ganz enge Affinität von Staat und Kirche voraussetzen.
Der 1. WK wurde von der evangelischen Kirche natürlich bejubelt; die Predigten waren vaterländisch, der Segen Gottes wurde auf die Soldaten herabgefleht. (Übrigens: Für die gern vorgetragene Behauptung, die Kirche habe Waffen gesegnet, gibt es nicht einen einzigen Beleg!) Die Kirche hat sich ganz selbstverständlich in den Dienst der politischen Führung gestellt. (Sicher gab es auch Ausnahmen: Friedrich von Bodelschwingh z. B. oder Blumhardt d.J. aus Württemberg (mir fällt grad der Vorname nicht ein) waren Reichstagsabgeordnete für die Sozialdemokraten.

Vor diesem Hintergrund wird auch die Aufschrift auf den Koppelschlössern „Gott mit uns“ verständlich.
Selbstverständlich werden wir dies heute als Gotteslästerung empfinden - aber wir sind ja auch (hoffe ich wenigstens) etwas klüger geworden.

Aber als Beispiel dafür, wie noch nach dem 1. WK über die gefallenen Soldaten gedacht wurde, zitiere ich den Spruch, der auf unserem Bad Sassendorfer Kriegerdenkmal steht (ursprünglich wurde es errichtet für die Soldaten, die im Krieg 1870/71 gefallen waren):

Sie zogen aus der Erde Schmerzen zur obern Heimat siegreich ein.
Auf ewig soll in unsern Herzen ihr Name unvergessen sein.

Übrigens hat irgendein Veteranenverein vor wenigen Jahren einen neuen Adler gestiftet, der mal, um eingeschmolzen zu werden, entfernt worden war. (Aber das nur - kopfschüttelnd - am Rande)

D as soll erst mal genügen. Wenn Du weiteres Interesse hast, kann ich ja noch tiefer graben.

Bis dann - Rolf

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Nirgendwo aber habe ich etwas über die Rolle der Kirche
gelesen:

  1. Wie stand sie zu dem Spruch „Gott mit uns“? Ist das nicht
    Frevel, Gotteslästerung? Auch in damaliger Zeit? Wie steht das
    zu dem, was in der Bibel steht?
  2. Was hat sie zu den grauenhaften Stellungskriegen und
    Massensterben gesagt? Zumindest die Kirchenführung sollte
    davon gewusst haben!

Wie schon geschrieben, schloss sich die Kirchen der gesellschaftlichen Kriegshisterie* nicht aus. In der aktuellen Publik-Forum ist ein Artikel enthalten, der sich v.a. auf die katholische Kirche bezieht. Auch dort war man (auf französischer wie deutscher Seite) der Meinung, Gott würde den eigenen Wafengang unterstützen.
Du kannst unter http://publik-forum.de/ ein Probeabo bestellen. Die Artikelankündigung steht links neben dem Kurztext „Psalm 50,15 …“, der übrigens von den Altarabräumern des Fernsehgottesdienstes handelt.

Ciao maxet.
*Leckere Zitate gibt es dazu auch von einer ganzen Zahl von Literaten, m.W. inkl. Thomas Mann

Anmerkung zur Zeitschrift
Hallo,

Du kannst unter http://publik-forum.de/ ein kostenloses Probeabo
bestellen.

Ciao maxet.

Danke mein Lieber,

eine seriöse Antwort! Mir geht es nicht darum, (wieder) an der Kirche oder gar am Glauben herum zu kritteln. Ich stehe nur immer wieder fassungslos davor, wie es Christen passieren kann, so etwas zu veranstalten. Es widerspricht doch in allen Einzelheiten dem verkündeten Evangelium, und das nicht nur heute! Wenn die Moralinstanz Kirche mit einer Religion, „ohne die es keine Moral gibt“ (so sagte mir mal ein gläubiger Freund), das nicht verhindern oder wenigstens laut und deutlich verurteilen kann - wozu brauchen wir sie denn dann?

Gruß, Stucki

Nachtrag
In anderem Zusammenhang lese ich gerade, daß die Volksmenge in Berlin bei der Kundgebung vor dem Ausmarsch der Truppen Luthers Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen hat. Dieses Lied haben dann die Soldaten auch des öfteren als vaterländischen Kampfgesang angestimmt, z.B. beim Einzug deutscher Truppen in das eroberte Antwerpen.
Hier wird die Durchmischung von Glaube (durch die Kirche vermittelt) und politischer Haltung (vom Staat gefordert) augenfällig.
Und da gibt es immer noch Menschen, die sagen, die Kirche dürfe nicht politisch sein. Augenscheinlich darf sie es nur, wenn ihr Predigt konservativ genug ist. (Die letzten beiden Sätze sind eine private Anmerkung - ich will ja hier nicht Nachricht und Meinung vermischen.)

Bombensegnung
Hallo Rolf,

Der 1. WK wurde von der evangelischen Kirche natürlich
bejubelt; die Predigten waren vaterländisch, der Segen Gottes
wurde auf die Soldaten herabgefleht. (Übrigens: Für die gern
vorgetragene Behauptung, die Kirche habe Waffen gesegnet, gibt
es nicht einen einzigen Beleg!).

Ich bin mir sehr sicher, dass in meinem alten Schulgeschichtsbuch ein Kardinal oder Bischof (von Köln???) zu sehen war (Photo), der eine Bombe segnete.
Vielleicht kann das jemand bestätigen, bzw. sogar belegen?

Grüße,

Anwar